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Ich kommuniziere auf meinem Blog nicht nur eigene Fotoprojekte.
Ich informiere über Fotografie und deren Stellenwert in der Kunst und im Kommerz.

Ich möchte Impulse geben für eine differenzierte Aufmerksamkeit für die Fotografie, einem Jahrhunderte alten Medium in unserer digitalen Gesellschaft.


Seit über fünfzig Jahren beobachte ich Fotografie im öffentlichen Raum – in Museen, in Galerien, auf Kunstmessen, auf Werbeplakaten, auf Foto-Festivals. Welchen Wandel, welche Entwicklung erfährt dieses Medium? Wie verändert sich die Gesellschaft, in der es stattfindet? Wie wechselvoll geht die Gesellschaft mit dem Medium visuelle Kommunikation um? Trotz meiner Voreingenommenheit als Fotoautor, oder gerade deshalb, sind diese Fragen für mich immer wieder spannend, zudem existenziell für mein Wirken und mögliche Antworten immer wieder überraschend. Ich werde das in meinem Fotografenleben weiter beobachten! Ich werde versuchen, Antworten zu finden! Die Fotografie besteht im Wandel der Zeit. Fotografie wird immer ein spektakuläres Medium sein.



AUSSTELLUNG ANNI ALBERS – NUR FÜR FRAUEN UND MÄDCHEN?

MITNICHTEN!

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ANNI ALBERS Ausstellung K20 Grabbeplatz © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

In einer umfassenden Retrospektive präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im K20 in Düsseldorf das facettenreiche Werk der Künstlerin, Handwerkerin, Designerin, Lehrerin und Autorin Anni Albers (1899-1994). Vom 9. Juni bis 9. September 2018 sind mehr als 300 Leihgaben aus europäischen und amerikanischen Museumssammlungen in Düsseldorf zu sehen. Darunter befinden sich ausgewählte Beispiele des künstlerischen Schaffens, die „Pictorial Weavings“, Zeichnungen und Druckgrafik, aber auch Stoffmuster, Textilien für die Manufaktur sowie zahlreiche Dokumente, die den intellektuellen Kosmos der Künstlerin vor Augen führen.

Anni Albers war eine außerordentlich vielseitige Künstlerin, die das Handwerk des Webens als vollwertige Kunstform etablierte. Sie revolutionierte damit eine uralte Kulturtechnik und verband sie mit einer modernen künstlerischen Praxis. Die prägenden Studienjahre erlebte sie am Staatlichen Bauhaus in Weimar und Dessau, in engem Austausch mit ihren Lehrern und Mitstudierenden. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, emigrierte sie mit ihrem Ehemann Josef Albers (1888-1976) in die USA, wo beide am legendären Black Mountain College lehrten.

Als Frau des deutsch-amerikanischen Malers und Kunstpädagogen Josef Albers, der schon früh für seine Farbquadrat-Gemälde und für wichtige Beiträge zur Farbtheorie bekannt war, war es für Anni Albers nicht einfach, in der Männerwelt des frühen 20. Jahrhunderts Anerkennung für ihr künstlerisches Schaffen zu finden.

Wir befinden uns zwar längst im 21. Jahundert, dennoch ist es kaum ein Zufall, dass die großartige Düsseldorfer Ausstellung vornehmlich von Frauen organisiert und beseelt wurde: siebzehn Frauen waren gegenüber zwölf Männern hauptverantwortlich für die Organisation der Ausstellung in den Bereichen Direktion, Kaufmännische Leitung, Kuration, Assistenz, Ausstellungsmanagement, Registrar, Restaurierung und Museumstechnik, Textilrestauration, Ausstellungsarchitektur, Ausstellungsbau, Technik, Kommunukation, Bildung. In dem attraktiven Ausstellungskatalog informieren acht Autorinnen von zehn Autoren insgesamt über das Leben und Werk der Anni Albers.

Und trotzdem, oder gerade deshalb, Männer: In jedem Fall ist das auch eine Ausstellung für Männer und Jungs!

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ANNI ALBERS Ausstellung K20 Grabbeplatz © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Nutzen Sie im Sommer 2018 die sich bietende einmalige Gelegenheit, die Lebenswerke zweier herausragender Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in unmittelbarer Nachbarschaft zu erleben:

Josef Albers. Interaction – 16. Juni bis 7. Oktober 2018 in der Villa Hügel, Essen

„Wir suchen oft nach einer den Dingen zugrunde liegenden Bedeutung, während das Ding selbst eine Bedeutung ist. Wir müssen versuchen, die Empfindsamkeit neu zu entwickeln, die uns zur unmittelbaren Wahrnehmung zurückführt. Nur so können wir das Vermögen wiedererlangen, Kunst direkt zu erfahren.“ Anni Albers, 1939

alle Fotos: © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

weitere Informationen zu den Albers-Ausstellungen in Düsseldorf und Essen finden Sie unter Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen  und  Villa Hügel, Essen


 

 

DIE FASZINATION DER MEERE …

… geht weiter und wird wahrscheinlich bei mir nie zu Ende gehen. Im April 2018 war ich am Ärmelkanal in der Normandie in Frankreich.

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SEESTUECK – Cap d´Antifer #2, 04.2018, © k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Küstenlinien am Ärmelkanal sind die Räume der Gezeiten. Wenn der Mensch sich weit ins Meer wagt, steht er in dieser Region der Erde vor den größten Herausforderungen. Die Seestege, Landungsbrücken und Hafenanlagen bedürfen eines hohen technischen Aufwands, um den Wellen der See zu trotzen. Nur im Nordosten Kanadas gibt es noch eine Region, in der der Tiedenhub – der Unterschied zwischen Ebbe und Flut – noch größer ist.

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SEESTUECK – Cap d´Antifer #4, 04.2018, © k.enderlein FOTOGRAFIE

Mit bis zu 500 Schiffen täglich ist der Ärmelkanal als Schifffahrts-Handelsweg von großer Bedeutung. Zahlreiche Fährlinien verbinden das europäische Festland mit der britischen Insel. Rechts und links des Kanals findet man nicht nur viele Seehäfen, sondern auch eine beachtliche Anzahl von Seebädern. Alles in allem also ein menschlicher Ballungsraum. Und doch finden sich an den endlos wirkenden Küsten immer wieder auch menschleere Abschnitte.

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SEESTUECK – Fécamp #3, 04.2018, © k.enderlein FOTOGRAFIE

Alles wirkt beherrscht und vertraut, dennoch hat diese Landschaft ihre Faszination niemals verloren. Der Blick aufs offene Meer lässt dieses zum Sehnsuchtsort werden. Man erfährt ein Gefühl für die Einsamkeit und die Ursprünglichkeit allen Erlebens. Mich wird es immer wieder an die Schnittstelle zwischen menschlichem Schaffen und natürlicher Urgewalt ziehen. Dieses Wechselspiel der Elemente Strand und Meer, das zahlreiche Künstler seit Jahrhunderten anzieht, ist viel mehr als ein romantisches Landschaftmotiv.

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SEESTUECK – Cap d´Antifer #1, 04.2018, © k.enderlein FOTOGRAFIE

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SEESTUECK – Fécamp #2, 04.2018, © k.enderlein FOTOGRAFIE

Alle meine SEESTUECKE finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs unter SEESTUECKE 1972-2018


 

AUS MEINEN SCHUBLADEN 06.2018

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Auf den Spuren Vincent van Goghs, Paris © 1995 k.enderlein FOTOGRAFIE

Anfang der 90er Jahre arbeitete ich mein Projekt „Auf den Spuren Vincent van Goghs“. Hunderte überlieferte Briefe Vincents an seinen Bruder Theo bildeten damals die Motivation und Grundlage für meine fotografische Spurensuche an verschiedenen Wirkungsstätten des Künstlers. So war selbstverständlich auch Paris eine Station einer Reise durch halb Europa. Es war eine sehr bewegte Zeit für den bis zu seinem Tod wenig erfolgreichen Maler. Zeit seines kurzen Lebens war er einsam mit seiner Kunst aber auch als Mensch. Ausnahme waren die Aufenthalte in der französichen Metropole, in der er in den Künstlercafés ausgiebige Begenungen mit seinen Malerkollegen, Freunden und Kritikern pflegte. Diese höchst kommunikative und bewegte Zeit im Leben des Malers versuchte ich in meiner fotografischen Spurensuche mit Licht nachzuzeichnen – durch eine Bildsprache mit Bewegungsunschärfen und Verwischeffekten in den Paris-Motiven.

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Auf den Spuren Vincent van Goghs, Paris © 1995 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die beiden Farbmotive zeigen kunstinteressierte BesucherInnen vor dem Musée d´Orsay und in dessen Umfeld, in dem unter anderen 1988 auch ein Selbstportrait van Goghs zu sehen war.

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Musée d´Orsay – Sammlung Gachet, Paris © 1988 k.enderlein FOTOGRAFIE

Alle Bildmotive meiner Arbeit „Auf den Spuren Vincent van Goghs“ finden sie in den SCHUBLADEN meines Archivs  Auf den Spuren …. 1992-1995

Das pdf-Dokument dieses Projekts zum Download finden Sie hier


 

SELBSTPORTRAITS – PHANTOMBILDER – Teil II

ke-Selbstportraits frei nach Luigi Ghirri

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Selbstportrait PHANTOMBILD © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ich veröffentliche hier ein paar neue Motive mit persönlichen Gegenständen, mit denen ich mich bei meiner fotografischen Arbeit im Alltag beschäftige. Dazu gehört auch immer die Wahl der Hemden und der Schuhe, wenn es mit der Kamera nach draußen geht. Je nach Gelände und Temperatur fällt da die Auswahl unterschiedlich aus.

 

siehe auch Teil I meiner PHANTOMBILDER frei nach Luigi Ghirri auf meinem Blog unter  SELBSTPORTRAITS PHANTOMBILDER Teil I


 

DIE ANGST DES KÜNSTLERS VORM KURATOR

Wenn jemand Kunst erklärt

Zunächst möchte ich bei allen Künstlerinnen und Kuratorinnen um Verständnis flehen, dass ich in meinem Artikel die weibliche Form dieser Berufsgruppen unausgeschrieben lasse. In Anlehnung an Peter Handkes Originaltitel seiner Erzählung aus dem Jahre 1972 „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ und des gleichnamigen Films von Wim Wenders sei mir in der Überschrift und im folgenden Text diese diskriminierende Geschlechtsspezifikation verziehen. Zumal ich als Autorin nunmal eine männliche Künstlerin und somit ein Künstler und ein Autor bin.

CD 431_24_panoDie Künstlerische Direktorin der Kunstsammlung NRW und Kuratorin Marion Ackermann (rechts) erklärt die Kunst vor JournalistInnen anlässlich der Pressekonferenz zur Ausstellung „IMI KNOEBEL – MALEWITSCH ZU EHREN“ am 6. Mai 2015 in der Kunstsammlung K21 in Düsseldorf. An der Wand: Zeichnungen des russischen Avantgardisten Kasimir Malewitsch.

Es passieren wöchentlich in aller Welt hunderte von Eröffnungsveranstaltungen zu Ausstellungen und Präsentationen von Kunst, bei denen hunderte von Kuratoren, Galeristen, Kulturreferenten und andere Kunstverständige im laufenden Kunstbetrieb zu sehen und zu hören sind. Das besondere Interesse sollte dabei vornehmlich dem Künstler gelten. Der Verantwortliche der Veranstaltung eröffnet eine Ausstellung. Er versucht aber auch die Kunst des Künstlers zu erklären. Und manches Mal sieht man dem Künstler an, dass er wohl besser zuhause geblieben wäre. Aber er erträgt es – und das nicht ohne Grund. Ohne die Institution Kunstmarkt wären seine Werke nicht öffentlich gemacht. Und das muss so sein, wenn er damit neben Ansehen auch Geld verdienen will. Da braucht es kommerzielle Strukturen in der Kunst. Die bestimmen den Wert seiner Arbeit. Die bestimmen seinen Wert als Künstler.

CD 431_16_panoImi Knoebel vertraut seiner Kuratorin Dr. Marion Ackermann. Beide haben das Werk „Schwarzes Rechteck, rotes Quadrat“ von Malewitsch im Rücken.

Endlich hat der Schaffende Aufmerksamkeit in der „Szene“ als Künstler erreicht und schon steht eine Ausstellung an, in der ein Teil seiner Werke gezeigt werden soll. Große Freude in der ihm zustehenden Eitelkeit als Autor dieser Werke: da ist ein Galerist, der seine Arbeiten für würdig hält, sie öffentlich zu präsentieren. Aber warum macht der das – klar, der ist Kaufmann und lebt mit und von derartigen Geschäften. Und er weiß die Arbeit so wert zu schätzen, dass er sich mit der Vermarktung der Bilder einen pekunären Vorteil verspricht. Und den verspricht er dem Künstler gleichermaßen.

CD 385_16_pano„Und wenn ich den Künstler richtig verstanden habe, …“ – Der Kunstfotograf Joachim Schumacher (rechts) lauscht den Worten seines Kurators Fabian Lasarzik, Künstlerischer Leiter der Stiftung Zollverein anl. der Eröffnung der Ausstellung „Von dieser Welt“.

Also kann der sich wiederum darauf freuen, denn es soll ja nicht sein Schaden sein. Und schließlich will er ja auch leben und sein Atelier oder sein Studio oder seine Projekte finanziert oder gar seine Familie ernährt sehen. Also gut. Und vielleicht wird er gar berühmt und kann weitere Arbeiten vermarkten und weitere Projekte finanzieren. Das wäre noch besser.

AirPackage_06_panoUnd wenn man sich einig ist, haben alle Spaß daran. V.r.n.l.: Kurator Peter Pachnike, Projektleiter und Exklusivfotograf Wolfgang Volz, Christo, Gasometer-Chefin Jeanette Schmitz und Sponsor Stefan Messer auf der Pressekonferenz im März 2013 anl. der Ausstellung „Big Air Package“ im Gasometer in Oberhausen.

Und bestenfalls ist sein Galerist nicht nur ein guter Kaufmann, sondern er versteht auch noch viel von Kunst im Allgemeinen und von den Werken des Künstlers im Besonderen. Er ist vielleicht sogar ein Fotoversteher im besten Sinne und versteht, was der Künstler mit seinen Bildern ausdrücken möchte. Vorausgesetzt, der weiß es auch. Und was, wenn er es nicht versteht? Dann kann man es ihm erklären? Keine gute Idee. Der Galerist ist verantwortlich für die Vermarktung der Arbeit ab dem Moment, in dem der Autor sich auf ihn eingelassen hat. Dann gibt dieser zu diesem Zeitpunkt alle Argumentationshilfen für seine Kunst in die Hände, besser in den Mund des Galeristen. Der ist der Kaufmann mit Sachverstand!

CD 428_40_panoWim Wenders (rechts) wirk zufrieden und dankt dem stellv. Vorsitzenden des Kulturausschusses der Stadt Düsseldorf Manfred Neuenhaus auf asiatische Art für dessen Interpretation der Ausstellung.

Also, kein Grund zur Angst vorm Kuartor?

Wenn der Künstler sich verstanden fühlt, deligiert er sicher gerne die Kommunikation zu seinen Werken in die Verantwortung des Galeristen, Verlegers oder Kurators. Denn der Künstler hat diesen Job nicht gelernt und konzentriert sich lieber auf das, was er besser vermag zu leisten, nämlich die kreative Umsetzung seiner Impulse, Ideen und Ideologien. Da braucht es nicht viele Worte – wenn er nicht gerade ein Schriftsteller ist.

Aber manches Mal wäre er vielleicht doch besser zuhause geblieben, wenn sein Kuartor seine Kunst erklärt.

D 3493_14_panoCulture meets the media – hier wird keine Ausstellung eröffnet, sondern sogar ein ganzes Museum. Die Verantwortlichen sind im Dialog mit den Medien. V.l.n.r.: Bauleiter Klaus Wolff, Geschäftsführer der NMFE GmbH, Museumsdirektor Hartwig Fischer, Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß, Stararchitekt David Chipperfield und VertreterInnen der visuellen Medien bei der Pressekonferenz zur Wiedereröffnung des Museum Folkwang im Januar 2010 in Essen.

Ich halte den Dialog mit den Kunstexperten dennoch für Künstler für unumgänglich. Birgt er doch letzlich auch die Chance der Fremdwahrnehmung seiner Arbeit, die ein Autor letztlich auch immer diskutieren sollte, wenn er seine Arbeit öffentlich machen möchte. Und zu dieser Öffentlichkeit brauchen Künstler eine Brücke, die der Kurator zu bauen versteht. Auch wenn der Künstler zu Erklärungen seiner Arbeit zurecht keinerlei Notwendigkeit sieht.

06.2015 k.e – aus aktuellem Anlass hier erneut veröffentlicht

alle Fotos: © k.enderlein FOTOGRAFIE


 

AUSSENWERBUNG WESEL 1979

Dieser Arbeit aus dem Jahre 1979 lag ursprünglich mein erster kommerzieller Auftrag zugrunde. Ich sollte für eine guten Bekannten Werbetafeln und Litfaßsäulen in Wesel fotografieren. Er vermarktete damals Werbetafeln für Außenwerbung an die werbetreibende Industrie. Für seine Akquisition benötigte er ein paar Referenzbilder.

Durch diese Auftragsarbeit, mit der ich damals knapp 280,00 DM Umsatz machte, sensibilisierte ich allerdings meine Aufmerksamkeit für diese Bildtafeln im urbanen Raum. Zuvor waren sie eher im Selbstverständnis meiner visuellen Wahrnehmumg unter gegangen – sicher zum Leidwesen der Werbeindustrie, die mich als junger Raucher und Biertrinker zu ihrer Zielgruppe zählen musste. So erweiterte ich im selben Jahr meine Sammlung mit zahlreichen verschiedenen Motiven. Erst heute weiß ich, dass ich damals mit dieser Arbeit fast unbeabsichtigt ein Dokument geschaffen hatte, das das Eindringen von Werbung in den öffentlichen Raum und somit auch in unser Leben in der Mitte der 70er Jahre dokumentiert.

Die Standpunkte wählte ich eher nach dokumentarischen als nach werblichen Gesichtspunkten aus der Sicht des Autofahrers oder des Fugängers. Dadurch wirken die Motive zunächst belanglos, erhalten aber bei aller unterschiedlichen formalen Herangehensweise einen seriellen Charakter in der Gesamtsequenz. Der Zwiespalt des Betrachters zwischen der Suche nach der Botschaft auf der Tafel oder der Säule und der Verortung derselben im abgebildeten Umfeld erzeugen die Spannung der einzelnen Motive.

alle Motive dieser Werkgruppe finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs unter SELTENE EINSICHTEN    AUSSENWERBUNG WESEL 1979

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SELBSTPORTRAITS – PHANTOMBILDER

ke-Selbstportraits frei nach Luigi Ghirri

PHANTOMBILDER – Auf Wikipedia erfahren wir: Ein Phantombild ist ein polizeiliches Hilfsmittel zur Ermittlung des Straftäters und wird auch bei der Rekonstruktion von Gesichtern von Verbrechensopfern oder archäologischer Funde eingesetzt. Für mich ist ein Phantombild eine Art Platzhalter für jemanden, den ich nicht sehen kann, über den ich aber etwas erfahre, wenn ich das Bild betrachte. Ein Phantom ist nicht sichtbar, es hinterlässt aber Spuren. Die Spuren, die ich in meinen „Selbstportraits“ hinterlasse, sind die Dinge, mit denen ich mich in meiner fotografischen Arbeit auseinandersetze: Bücher, Kataloge, Bilder, aber auch andere Gegenstände, die ich täglich in meinem privaten Umfeld betrachte. Die Zeigung dieser Bilder ist eine Art Steckbrief von mir. Noch ein Begriff der polizeilichen Ermittlung von Straftätern: Steckbrief, eine abstrakte Beschreibung einer Person, die in diesem Fall zwar identifiziert ist – nämlich ich selbst, aber die man nicht sieht.

Ich sehe in meinen Motiven etwas sehr persönliches über mich. Ein Freund sagte mal vor langer Zeit zu mir: „Zeig´mir deinen Büchersschrank, und ich sage dir, wer du bist.“ Seit dieser Zeit schaue ich sehr konzentriert in die Bücherregale der Menschen, die ich besuche, wo immer ich Gelegenheit dazu habe. Und tatsächlich, ich glaube jedesmal etwas mehr über die Besitzer der Bücherregale zu erfahren. Als Fotograf ist mir ohnedies die Eitelkeit zu eigen, nicht zu häufig im Portrait abgebildet zu sein – da zeige ich doch lieber die persönlichen Gegenstände in meinen Regalen zuhause.

Duch die Ausstellung Luigi Ghirri – Karte und Gebiet im Folkwang Museum Essen motiviert habe ich aus meinen Schubladen ein paar dieser Phantombilder heraus gesucht. Ich erinnerte mich beim Besuch der Ausstellung an eigene Arbeiten, die ich gleichwohl im ähnlichen Zusammenhang immer wieder gemacht hatte.

In dem Kurztext von Luigi Ghirri zu seiner Werkgruppe Identikit 1976-1979 schreibt der Fotograf sehr schön über sein Motiv für diese Arbeit:

[…] Es ging mir in dieser Arbeit darum, zu verdeutlichen, dass mein Zuhause Tag für Tag Übungsfeld nicht nur für banale und allbekannte Gesten und Verhaltensmuster ist, sondern auch für die Ausgestaltung meiner Arbeit. Für dieses Selbstportrait habe ich die Gegenstände (Bücher, Schallplatten usw.) dazu berufen, Zeugnis abzulegen von meiner Fantasie, meiner Beziehung zum Wissen, zur Kultur, davon, wie ich meine Zeit verbringe: mit Lektüre, mit Musikhören, mit dem Planen von Reisen. […]

Ich verstehe diese Fotografien mehr als einen Akt des Sich-Zeigens als des Sich-Darstellens. […]

Mehr Phantombilder von Freunden und von mir finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs  ZUHAUSE BEI …  Seit 2014 arbeite ich dieses Thema.

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AUS MEINEN SCHUBLADEN 05.2018

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© o.D. o.T. k.enderlein FOTOGRAFIE

In den frühen 80er-Jahren war ich neben meiner täglichen fotografischen Industrie- und Werbearbeit auch noch ein echter Straßenfotograf. Mitten im Revier, im Duisburger Bruckhausen, nutzte ich die arbeitsfreie Zeit zu fotografischen Bestandsaufnahmen einer multikulturellen Gesellschaft. Der Begriff multikuturell war damals noch lange nicht negativ besetzt und stand mit Assoziationen zu Buntheit und Vielfältigkeit für eine neue spannende Welt, die sich deutlich vom deutschen Nachkriegsbürgertum zu unterscheiden schien.

Und so waren es nicht gesellschaftliche sondern erst recht die äußerlichen, formalen Unterschiede, die mich reizten, zu fotografieren. Die Menschen unterschiedlicher Kulturen hatten jeweils ihre eigenen sichtbaren Merkmale. In diesem „Mischraum“ fotografierte ich die Konfrontation von kopftuchtragenden Frauen und bunter Konsumgüterwerbung, kochenden deutschen Hausfrauen und putzenden türkischen Männern (!). In der Tat damals für mich nicht nur als Fotograf „Starke Perspektiven“.

Die vielen türkischen Familien im Ruhrgebiet hatten ihre Gewohnheiten aus ihrer Heimat mitgebracht und beseelten die Leerflächen zwischen den Siedlungshäusern aus Backstein. Mit ihren deutschen KollegInnen saßen sie in ihrer Freizeit in kärglich wirkenden Höfen und Gärten. Aber im häufigen Gegensatz zu heute waren sie im Gespräch miteinander.

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LEBEN IM REVIER #02 © 1997 k.enderlein FOTOGRAFIE

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LEBEN IM REVIER #03 © 1997 k.enderlein FOTOGRAFIE

Bis in die späten 90er-Jahre schien sich nur wenig zu ändern an dieser so typischen Vorstellung vom Revier. Erst im neuen Jahrtausend erlebte ich grundlegende Veränderungen, die sich mit der zunehmenden Technologisierung in der Industrie überproportional entwickelten. Heute sind die meisten Häuser in Werksnähe abgerissen, die türkischen Familien wichen ärmeren osteuropäischen Sippen, die Werksgelände sind kleiner und auch sauberer geworden und Kulturstätten feieren in diesem Jahr großformatig das endgültige Ende der Kohleförderung in Deutschland.

Ich bin gespannt, wie es mit meiner Wahlheimat weiter geht und ob junge unvoreingenommene FotografInnen endlich ein neues Bild vom Ruhgebiet zu zeichen in der Lage sind. Anstelle ins europäische oder gar ferne Ausland zu reisen, wünschte ich mir, dass wieder mehr Fotografie-DozentInnen unserer wirklich großartigen Hochschulen mit ihren StudentInnen im Ruhrgebiet einfallen, um neue Bilder einer neuen Landschaft zu arbeiten.

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VORSCHAU – LANDUNG AUF EINEM PLANETEN

Fotoausstellung in der StudioGalerie Karl Lang

Sonntag, 04.11.2018, von 15:00 bis 17:00 Uhr

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EinPlanet – #013 © 2018 Karl Lang


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EinPlanet – Diptychon #007+#008 © 2018 Karl Lang

Am Freitag, dem 02. November 2018 um 19:00 Uhr, wird in der StudioGalerie Karl Lang in Essen-Bredeney die Ausstellung „LANDUNG AUF EINEM PLANETEN“ mit Großfotos von Karl Lang eröffnet.

Karl Lang (*1932) brachte von seinen zahlreichen Reisen in den Norden Chiles einzigartige Fotografien von der trockensten Wüste der Erde mit, die sich zwischen der Küstenregion am Pazifik und den schneebedeckten Vulkanbergen der Anden erstreckt.
Die Farbfotografien im Panorama-Format vermitteln die Weite und Einsamkeit dieser Landschaft und zeigen riesige Lavafelder und schier endlos wirkende Berglandschaften. Die menschenleeren Bilder lassen keine Orientierung zu. Die Karkheit der Motive assoziiert Bilder vom Mars oder Bilder von Planeten aus der Science-Fiction-Literatur. Karl Lang schafft in seinen Bildern den Raum für eigene Fantasien. Und so ist es belanglos, an welchen Stellen unserer Erde diese Aufnahmen entstanden sind. Es ist ein Vergnügen beim Eintauchen in die Bilder, auf eine Reise zu einem anderen Planeten mitzugehen.

Nach zahlreichen Buch-Veröffentlichungen und Ausstellungen dieser Werkgruppe zeigt die StudioGalerie jetzt erstmals die Panorama-Fotografien im Großformat. Als Co-Kurator der Präsentation durfte ich mit Karl Lang die vorbereitende Digitalisierung der Original-Dias für die Großdrucke arbeiten. Die Direktdrucke auf Aluverbundplatten wurden, wie bei meiner vielbeachteten Ausstellung der SEESTUECKE + FREIRAEUME im letzten Jahr an gleicher Stelle, von Lösing & Lösing Produktion in Essen realisiert.

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EinPlanet – Diptychon #001+#002 © 2018 Karl Lang

EinPlanet #003 + #004

EinPlanet – Diptychon #003+#004 © 2018 Karl Lang

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EinPlanet – Diptychon #005+#006 © 2018 Karl Lang

Die StudioGalerie ist am Sonntag, 04.11.2018, von 14:00 bis 17:00 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

StudioGalerie KARL LANG, Heierbusch 1a (auf dem Hof), 45133 Essen-Bredeney

weitere Informationen zu Karl Lang und seinen Werken finden Sie auf seiner Zuhause-Seite unter  Langfoto.de

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LUIGI GHIRRI – KARTE UND GEBIET

Lugi Ghirri – Wegbereiter der europäischen Farbfotografie: Das Museum Folkwang präsentiert Hauptwerke des italienischen Fotografen

vom 4. Mai bis 22. Juli 2018

alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Ausstellung Karte und Gebiet im Museum Folkwang (4. Mai – 22. Juli 2018) ist die erste umfassendere museale Auseinandersetzung mit dem fotografischen Werk Luigi Ghirris außerhalb seines Heimatlandes Italien.
Sie präsentiert mit über 300 Fotografien ein Œuvre an Farbfotografien, das im Europa jener Zeit eine herausragende Rolle einnimmt. Stillleben, Landschafts- und Architekturaufnahmen sowie der soziale Wandel in seiner Heimatstadt Reggio Emilia prägen die Motivwelt des Fotografen. Die Essener Präsentation bildet den Auftakt eines Ausstellungsprojektes, das Ghirris Werk im Anschluss nach Madrid und Paris führt.
In den 1970er Jahren begann der gelernte Landvermesser Luigi Ghirri (1943–1992) , an Wochenenden mit seiner Kamera die Straßen, Plätze und Vororte Modenas zu durchstreifen –
immer auf der Suche nach Themen und Projekten. „Mich interessieren flüchtige Architekturen, die Welt der Provinzen, Objekte, die allgemein dem schlechten Geschmack zugeordnet werden, es für mich aber nie waren, Objekte, die erfüllt sind von Wünschen, Träumen, kollektiven Erinnerungen… Fenster, Spiegel, Sterne, Palmen, Atlanten, Globen, Bücher, Museen“, bemerkte Ghirri.
Er betrachtete seine Umwelt und die von Menschen geschaffenen Landschaften und Lebensräume seiner Heimatstadt Reggio Emilia. Scharfsinnig hielt Ghirri in seinen kleinformatigen Fotografien die Veränderungen seiner Umgebung fest. Neue Formen des Wohnens und Lebens, der Freizeitgestaltung oder der Werbung waren seine Hauptmotive. Ghirri nahm im Verlauf der 1970er Jahre tausende von Fotografien überwiegend frontal und in einer spezifischen, verhaltenen Farbigkeit auf. Er entwickelte nicht nur einen einprägsamen Stil, sondern auch ein konzeptuelles Rahmenwerk, um seine Arbeiten zu präsentieren. Ghirri dachte in Serien – wie beispielsweise Paesaggi di cartone (Papplandschaften), 1971–1973, Catalogo (Katalog), 1971–1972, oder Colazione sull’erba (Das Frühstück im Grünen), 1972–1974.
Diese waren zumeist offen angelegt, auch um interessante Neukombinationen aus diesem Fundus nicht auszuschließen. Ebenso konzipierte erdichte, umfassende Bildzyklen wie beispielsweise Atlante, wie auch Bücher und Leporellos. Diese erste Schaffensdekade gipfelte in zwei bedeutsamen Höhepunkten: zum einen in der Publikation Kodachrome im Jahr 1978, eines der exzeptionellsten Fotobücher des Jahrzehnts, und zum anderen in der großen Ausstellung Vera Fotografia in Parma 1979, die Ghirris einzigartiges Œuvre in Form von 14 verschiedenen Projekten und Themen vorstellte. Karte und Gebiet greift die poetische Kartografie dieser bedeutenden Ausstellung aus dem Jahr 1979 auf.
Sie spiegelt Ghirris beständige Faszination für die verschiedenen Repräsentationen der Welt, wie sie sich in Reproduktionen, Bildern, Plakaten, Modellen und Karten offenbaren und als solche bisweilen zeichenhaft inmitten der Stadt oder der Landschaft eingebettet sind. Die Vermittlung jener Erfahrungswerte in Form von Fotografien von einem Italien, das zwischen dem Alten und dem Neuen balancierte, stellte für Ghirri ein unerschöpfliches Erkundungsgebiet dar.
Der Titel Karte und Gebiet folgt in der von James Lingwood kuratierten Ausstellung einer Aussage des Fotografen, die einen Grundgedanken seines Werkes transportiert: „Ich wollte keine FOTOGRAFIEN machen, sondern LANDKARTEN, PLÄNE, die gleichzeitig Fotografien sein sollten.“
Die Ausstellung wird organisiert vom Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid, in Zusammenarbeit mit dem Museum Folkwang, Essen, und der Galerie nationale du Jeu de Paume, Paris.
Text: © 2018 Museum Folkwang, Pressemitteilung

alle Fotos meines Bildberichts finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs unter PhotoAlbum SCHUBLADEN/BEGEGNUNGEN

weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museum Folkwang unter  Museum Folkwang – Luigi Ghirri

der WDR hat ein schönes Tondokument zu der Ausstellung  WDR 3 – Mosaik


LUIGI GHIRRI – KARTE UND GEBIET

FOTOGRAFIEN DER 1970er JAHRE

„Mich interessieren flüchtige Architekturen, die Welt der Provinzen, Objekte, die allgemein dem schlechten Geschmack zugeordnet werden, es für mich aber nie waren, Objekte, die erfüllt sind von Wünschen, Träumen, kollektiven Erinnerungen… Fenster, Spiegel, Sterne, Palmen, Atlanten, Globen, Bücher, Museen und Menschen […]“

So artikulierte Luigi Ghirri (*1943 †1992) seinen Anspruch an seine fotografische Arbeit, der er sich ab 1973 im Alter von 30 Jahren ganzheitlich widmete. Zuvor hatte er nach einer Ausbildung zum Vermessungstechniker fast zehn Jahre als Landvermesser gearbeitet. So wundert es nicht, dass Ghirri nach fast einem Jahrzehnt minutiöser und präziser technischer Arbeit danach in seinen fotografischen Werken mit dem perspektivischen Raum – mit Themen wie Abgrenzung, Gegenüberstellung, Rahmen und Innen- und Aussensichtweisen – ebenso akkurat und linienorientiert umgeht.

Luigi Ghirri, L´IIe-Rousse 1976 © Eredi Luigi Ghirri

Luigi Ghirri, L´IIe-Rousse 1976 © Eredi Luigi Ghirri

Eastbourne 2017 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Eastbourne 2017 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Bei der Vorbesichtigung der Ausstellung im Museum Folkwang erfuhr ich ein Höchstmaß an Vergnüglichkeit, Bilder eines Fotografen zu sehen, die meinen eigenen Vorstellungen der Aufwertung sogenannter „Unräume“ durch formale Bildästhetik so nahe kommen. Als Autodidakt hatte Ghirri seine Impulse für seine Arbeiten von den Fotografien der „großen Kollegen“. Er erklärte mehrfach, sich von der Sensibiltät eines Walker Evans am stärksten angesprochen zu fühlen. Wie gut ich das nachempfinden kann. Auch ich lasse mich nicht nur von der Literatur, den Malern, sondern auch immer wieder von den Bildästheten der Fotografie inspirieren.

Luigi Ghirri, Lido di Spina, 1974 © Eredi Luigi Ghirri

Luigi Ghirri, Lido di Spina, 1974 © Eredi Luigi Ghirri

Wijk aan Zee 2017 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Wijk aan Zee 2017 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Eine Vorliebe für bestimmte Motive in einer eindeutigen Bildsprache scheine ich mit dem Künstler Luigi Ghirri gemein zu haben. Das macht mich gar ein wenig stolz – das Gefühl, mit dem Anspruch an meine fotografische Arbeit nicht alleine zu sein. Was wären wir kreativ Arbeitenden ohne eine gute Portion Eitelkeit. Über Ghirris Eitelkeiten kann man in seinen Kurztexten etwas erfahren, die im Katalog jeder der insgesamt fünfzehn Werkgruppen voran gestellt sind.

Luigi Ghirri, Brest, 1972, © Eredi Luigi Ghirri

Luigi Ghirri, Brest, 1972, © Eredi Luigi Ghirri

Paris 1980 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Paris 1980 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Wenn auch der Katalog zur Ausstellung 45 €uro kostet, fast 300 Farbtafeln und Illustrationen rechtfertigen diese Investition. Herausgeber James Lingwood sowie Maria Antonella Pelizarri und Jacopo Benci erläutern darin die Arbeit und das Werk Ghirris umfangreich und dennoch spannend.

Luigi Ghirri, Egmond aan Zee 1973 © Eredi Luigi Ghirri

Luigi Ghirri, Egmond aan Zee 1973 © Eredi Luigi Ghirri

Scheveningen 2014 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Scheveningen 2014 © k.enderlein FOTOGRAFIE


Luigi Ghirri, Paris 1972 © Eredi Luigi Ghirri

Luigi Ghirri, Paris 1972 © Eredi Luigi Ghirri

Museum Folkwang © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Museum Folkwang © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Auch Landschaftaufnahmen Ghirris letzter Schaffensdekade in den 1980er Jahren finden Sie in seinem Archiv unter  Archivio Luigi Ghirri

weitere Informationen zur Ausstellung in Essen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museum Folkwang unter  Museum Folkwang – aktuelle Ausstellungen


 

DÜSSELDORFER NACHT DER MUSEEN

DIE NACHT – MEIN BILDBERICHT

14. April 2018 in Düsseldorf – 23.000 Kunstinteressierte genossen eine Nacht voller Kunst

In der regenfreien Frühlingsnacht machte auch ich mich auf den Weg in die vielfältigen Zeigeräume der Landeshauptstadt. In 40 Museen, Galerien und Off-Locations gabs Party und Performance, Kunst und Kabarett, Tiere und Theater. Aber weniger den ausgestellten Kultur-Exponaten schenkte ich meine Aufmerksamkeit, sondern den vielen BesucherInnen der Veranstaltung – nicht nur den KünstlerInnen, sondern zum Beispiel auch der freundlichen Bierverkäuferin am Veltins-Kühlschrank im Garten der Alten Kämmerei. Ich verspürte eine angenehme Atmosphäre in der lauen Luft der Stadt. Kunstinteressierte mischten sich mit Altstadtbesuchern ebenso wie mit KünsterInnen und FunktionerInnen, beim Bier oder Wein, bei Musik oder Gesang, sowie beim Gespräch oder Bestaunen.

Das vielfältige Angebot an Kunst, Kultur, Kommerz und Kuriositäten sorgte in der Nacht für eine Begegung mit Menschen unterschiedlichster Persönlichkeiten und Ansprüche. Alle fühlten sich in ihrem Interesse für eine Kultur in einer bunten Welt irgendwie verbunden, und ich war froh, da mitten drin zu sein.

Traditionell – ab dem zweiten Mal kann ich das so sagen – arbeitete ich mit meiner Hasselblad XPan II-Analog-Kamera auf ein 24x65mm-Format. Das Fachlabor hsl in Düsseldorf half mir, wie immer professionell, bei der Neagtiventwicklung meiner Lomography F2/400-Color-Negativfilme.

k.enderlein, alle Fotos © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

alle Fotos meines Bildberichts finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archives unter PhotoAlbum SCHUBLADEN/BEGEGNUNGEN


 

BERND und HILLA BECHER. BERGWERKE

Typologien von Fördertürmen und Industrielandschaften des Fotografen-Duos in einer Ausstellung im JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT in BOTTROP

4. Mai bis 16. September 2018

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JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP, Ausstellung Bernd und Hilla Becher. Bergwerke – Foto: © k.enderlein FOTOGRAFIE

„Ende der 195Oer ]ahre war die Kohleförderung an der Ruhr das erste Mal nach dem Wel tkriegrückläufig, weil preisgünstige Importkohle und Erdöl die heimische Steinkohle als Energieträger vom Markt verdrängte. In der Folge der Überproduktionskrise wurden erste Zechen stillgelegt. Als 1957 die Abbrucharbeiten der Grube Eisenhardter Tiefbau in der Nähe von Siegen schneller durchgeführt wurden als Bernd Becher (1931-2007) die industriellen Objekte zeichnen konnte, begann er zu fotografieren, um den raschen Wandel in der Region zu dokumentieren, Bernd Becher wurde in Siegen geboren und konnte, wie er später erzählte, von seinem Elternhaus einen Hochofen ,,hören, sehen und riechen“. Er hatte freie Graphik und Typographie an der Kunstakademie Stuttgart studiert. Seine Fotografien dienten ihm zunächst als Vorlagen für seine Zeichnungen, Gemälde und Collagen von den im Verschwinden begriffenen Industriekomplexen. Zu dieser Zeit lernte er in Düsseldorf Hilla Wobeser (1934-2015) kennen, die an ihrem Geburtsort Potsdam eine Fotografenlehre absolviert hatte. Sie teilte sein Interesse an Industriekultur und brachte ihre fotografische Praxis in die von nun an gemeinsam durchgeführte Arbeit ein, die eine Form kollektiver Autorschaft in der Bildenden Kunst darstellt. Das Paar heiratete 1961, ihr Sohn Max wurde 1963 geboren, Bernd Becher erhielt 1976 eine Professur für Fotografie an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, an der er bis 1996 lehrte. Aus seiner Klasse stammen bedeutende Vertreter der deutschen Gegenwartsfotografie.

Bernd und Hilla Becher entwickelten zunächst im Ruhrgebiet, später in ganz Europa und den USA ein in der Kunstgeschichte beispielloses fotografisches Langzeitprojekt. Ihre in über fünf Jahrzehnten entstandenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen anonymer Industriebauten von Fördertürmen, Hochöfen, Kohlebunkern, Kühltürmen, Fabrikhallen, Gasometern, Kieswerken und Getreidesilos stellten sie jeweils zu Tableaus zusammen, die sie seit Anfang der 1970er Jahre Typologien nannten. Diese vereinen verschiedene Aufnahmeorte und unterschiedliche Entstehungszeiten in sich und erlauben auf der Basis standardisierter Aufnahmebedingungen vergleichendes Betrachten. Die Methodik ihrer künstlerischen Arbeit bezieht sich auf eine aus den Naturwissenschaften entlehnte Systematik, die die verschiedenen ästhetischen Grundformen, Materialien und Variationen einer Konstruktionsart untersucht
und in exemplarischen Bildzusammenstellungen repräsentiert. Die fotografische Form ihrer Darstellung ist bewusst sachlich gewählt. Die mit einer 13 x 18 cm Plattenkamera aufgenommenen, in der eigenen Dunkelkammer ausgearbeiteten Abzüge geben die Objekte materialgerecht und detailliert in fein abgestuften Grautönen wieder. Das gewählte Aufnahmelicht ist diffus, so dass der Gegenstand ohne interpretierende Schatten vor einem gleichmäßig getönten Himmel abgebildet und in seiner ganzen Individualität sichtbar wird.

Das vielfach national und international ausgezeichnete Werk von Bernd und Hilla Becher wurde zunächst als praktizierter Denkmalschutz, als visueller Beitrag zur Industriearchäologie, ab den 197Oer Jahren als Teil der Konzeptkunst und schließlich als künstlerische Fotografie und Forschung verstanden und gewürdigt. Den Schwerpunkt dieser Ausstellung bilden die Typologien von Fördertürmen, die das Erscheinungsbild der Bergbauregionen besonders geprägt haben. Sie sind Aufzugsmaschinen, die nicht nur Kohle und Erz an die Oberfläche transportieren, sondern auch die Bergleute zur Arbeit unter Tage bringen. Obwohl die Konstruktionsmöglichkeiten dieses Bautyps beschränkt sind, haben sich doch in verschiedenen Ländern und Epochen unterschiedliche Prototypen herausgebildet, die von Formenvielfalt und fragiler Schönheit geprägt sind.
Die ebenfalls in der Aussteilung vertretenen Aufnahmen von Industrielandschaften legen durch ihren topografischen Stil und ihre damit verbundene privilegierte Sicht die Zusammenhänge der Werkanlagen von Schwerindustrie offen. Zusammen mit den Typologien der Fördertürme stehen sie symbolisch für das nun eintretende Ende des Zeitalters der Kohle, das die Gesellschaft vor immense Herausforderungen stellt.“

Pressetext JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT, Prof. Thomas Weski

Alle Fotos © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museums unter JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Alle meine Fotos zur Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Avchives unter  PhotoAlbum SCHUBLADEN/BEGEGNUNGEN


 

TOMAS RIEHLE. FOTOGRAFIE

Das Museum Insel Hombroich bei Neuss ehrt den im letzten Jahr verstorbenen Fotografen Tomas Riehle (*1949 †2017) mit einer umfangreichen Überblickausstellung aus seinem Lebenswerk.

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Da ist Fotografie drin: Siza Pavillon Raketenstation Hombroich © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ein Besuch auf der Museumsinsel Hombroich bei Neuss lohnt sich immer – nicht nur für Kunst- und Kulturinteressierte. Doch dieser Tage gibt es neben den momentan üppig blühenden Kirschbäumen auf satt grünen Wiesen noch ein besonderes Seherlebnis auf dem Areal mit einer Gesamtfläche von über sechzig Hektar: in einer der „begehbaren Skulpturen“, nämlich dem Siza Pavillon, präsentiert die Stiftung Insel Hombroich einen Großteil des Lebenswerkes des Fotoästheten Tomas Riehle. Seine Fotografien der begehbaren Skulpturen Erwin Heerichs haben das Bild Hombroichs in aller Welt mitgeprägt. Riehle starb im Juni 2017. Die Stiftung Insel Hombroich widmet ihm nun eine Ausstellung, die fotografische Interpretationen bebauten und unbebauten Raums in ganz unterschiedlichen Werkreihen aus über vierzig jahren zeigt.

Vom 15. April bis 1. Juli 2018 sind Fotografien zu sehen aus so unterschiedlichen Werkgruppen wie Lichtraum Akademie (1975), Riehles Abschlussarbeit als Meisterschüler in der Bildhauerklasse Erwin Heerichs, Landwaage (1979), einer besonders eindrücklichen Übersetzung unbegrenzten Raums in der Fläche, oder seinem großen Projekt Rheinbrücken (1994-2002), das Brückenbauten von der Quelle des Rheins bis zu seiner Mündung in ihrer sich wandelnden Umgebung zeigt. Handschriftlich annotierte Arbeitsabzüge einer Fotoreihe zum Mies van der Rohe-Bau Haus Lange in Krefeld (1977) führen Riehles Weg der schöpferischen Präzision zur Bildfindung vor Augen.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Katsuhito Nishikawa.

Als ich Tomas Riehle Mitte der neunziger Jahre kennen lernte, verband uns auch eine gemeinsame Leidenschaft für Formalästhetik in der Fotografie. Seine Bildmotive zeichnen sich aus durch einen fast überzogenen Anspruch an geometrische Präzision. Die Flächen und Formen, die sich in seinen Bildern abzeichnen, lassen das dreidimensionale Objekt fast in den Hintergrund geraten. Seine linienorientierte Bildauffassung von Architektur lässt die Arbeiten aussehen wie akkurate Designstudien.

Trotz meiner Vorkenntnis eines Großteils seiner Werke beschloss ich erst beim Besuch der Ausstellung das von mir so oft zitierte „Becher-Licht“ für schattenfreie Architekturaufnahmen zukünftig in „Riehle-Licht“ umzubenennen. Gerne denke ich – spätestens bei entsprechenden Lichtverhältnissen – an die wenigen aber um so intensiveren Begegnungen mit diesem herausragenden Fotografen. Und dabei macht mich sein zu früher Tod sehr traurig.

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Tomas Riehle.Fotografie im Siza Pavillon Raketenstation Hombroich, v.l.n.r: Geschäftsführer Frank Boehm, Prof. Oliver Kruse, Vorsitzender der Stiftung und Kurator Katsuhito Nishikawa, Foto: © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

weitere Informationen finden Sie unter   Museum Insel Hombroich   und unter   Tomas Riehle

Alle meine Motive zur Ausstellungspräsentation finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archives unter   PhotoAlbum BEGEGNUNGEN

Meinen Nachruf zum Tode von Tomas Riehle finden Sie unter   Tomas Riehle – Nachruf


 

 

STOPOVER/ZWISCHENHALT

Masters Photography Studies

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UG im Folkwang – Außenansicht © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Wieder einmal haben angehende Foto-KünstlerInnen die Möglichkeit eigene Arbeiten im musealen Umfeld zu erproben. In den Ausstellungsräumen im Untergeschoss des Museum Folkwang präsentieren vom 13. April bis 13. Mai 2018 sechs Masterstudierende aus dem dritten Semester ihre Arbeiten. Gezeigt werden Fotografien, Installationen, Projektionen, Buchkonzepte, Film- und Videobeiträge von

Inga Barnick
Matthias Brandl
Niklas Baumberger
Eric Greven
Malte Lambert
Francesca Magistro

Kurz vor Ausstellungseröffnung hatte ich Gelegenheit, einen Blick in die größzügigen Räume im UNTERGESCHOSS zu werfen, und ich konnte mich an vielen authentischen Fotografie-Motiven erfreuen.

weitere Informationen zu dieser Ausstellung finden Sie unter Folkwang Universität der Künste


RAUS AUF DIE STRASSE – MIT DER KAMERA

Das Bundesverfassungsgericht definiert die Straßenfotografie neu und erkennt sie als Kunstform an –  das kommt gerade recht zum Frühlingsbeginn.

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Straßenfoto NYC © 1982 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Verunsicherung der FotografInnen, die im öffentlichen Raum, also auf der Straße zum Beispiel, Personen auf ihren Fotos abbilden und diese Motive dann veröffentlichen wollen, ist ein Stück weit gewichen durch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes vom April 2018 – zumindest ein Stück weit. Es bleibt nämlich rechtlich eine schwammige Grauzone.

Dazu folgende Information/Stellungnahme aus einer Email von OSTKREUZ, Agentur der Fotografen:

Bundesverfassungsgericht erkennt Street Photography
als Kunstform an

Wir haben es immer schon geahnt, nun ist es höchstrichterlich geklärt: Die Straßenfotografie ist als eine vom Grundgesetz geschützte Kunstform anzusehen.

Das Bundesverfassungsgericht befasste sich auf Grund einer Verfassungsbeschwerde des Ostkreuz-Fotografen Espen Eichhöfer erstmals mit der rechtlichen Situation der Street Photography in Deutschland. Zwar nahm das Bundesverfassungsgericht die Verfassungsbeschwerde Eichhöfers aus dem Sommer 2015 nicht an, mit seiner Begründung des Nichtannahmebeschlusses (Az. 1 BvR 2112/15) wird die rechtliche Position der Street Photography in Deutschland gleichwohl gestärkt:

Zu Grunde lag der Verfassungsbeschwerde ein Beschluss des Kammergerichts, dass in der Ausstellung eines Fotos von Espen Eichhöfers eine Persönlichkeitsrechtsverletzung der auf dem Foto abgebildeten Person gesehen hat. Das Foto war für eine Ausstellung des renommierten Ausstellungshauses C/O Berlin aufgenommen worden. Es zeigt eine urbane Straßenszene, die unweit der C/O und dem Bahnhof Zoo aufgenommen worden war. Im Mittelpunkt des Bildes ist eine Frau in Bewegung zu sehen. Wer die Frau ist, woher sie kommt und wohin sie geht, erfährt der Betrachter allein anhand des Bildes nicht. Das Foto steht in der Tradition der Street Photography. Wie viele Vertreter dieser Kunstform hatte Eichhöfer nicht um die Einwilligung der auf dem Foto abgebildeten Personen gebeten. Denn in der Street Photography geht es um ungestellte Augenblicke. Dementsprechend haben auch andere große Namen der Street Photography, wie Henri Cartier-Bresson, Gary Winogrand, Walker Evans, Lisette Model, Gary Winogrand oder Helen Levitt die Abgebildeten nicht um ihre Einwilligung gebeten, als sie ihre heute teilweise weltberühmten Aufnahmen veröffentlichten, die mittlerweile in Museen hängen.

Die C/O Berlin stellte das Foto zusammen mit 164 anderen Fotoaufnahmen im Rahmen einer „Open-Air-Ausstellung“ aus. Da die Ausstellungsräume der C/O im Umbau und für Ausstellungen nicht nutzbar waren, erfolgte die Ausstellung auf dem Gelände vor dem Ausstellungshaus an einer stark befahrenen Straße. Das Foto von Espen Eichhöfer gehörte dabei zu den größten Exponaten (120x140cm).

Die auf dem Foto abgebildete Frau klagte gegen die C/O Berlin und Espen Eichhöfer. Sie verlangte eine sog. fiktive Lizenzgebühr, eine Geldentschädigung und die Erstattung ihrer Anwaltskosten für ihre Abmahnung auf Unterlassung. Die Berliner Gerichte entschieden in zwei Instanzen, dass der Klägerin keine Lizenzgebühr und auch keine Geldentschädigung zustünden. Gleichwohl entschieden die Gerichte, dass die C/O und Espen Eichhöfer der Klägerin die Anwaltskosten für ihre Geltendmachung des Unterlassungsanspruchs zu erstatten haben. Denn die Ausstellung des Fotos sei eine Persönlichkeitsrechtsverletzung und damit rechtswidrig gewesen. Hiergegen wandte sich Espen Eichhöfer mit einer im Sommer 2015 eingelegten Verfassungsbeschwerde und beriefen sich dabei u.a. auf die grundgesetzlich geschützte Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 3 GG).

Das Bundesverfassungsgericht hat daraufhin zwar nicht die Entscheidung des Kammergerichts aufgehoben, jedoch seinen Beschluss in einer Weise begründet, die zukünftig zum Schutz der Street Photography ins Feld geführt werden kann.

Wichtig ist zu aller erst, dass das Bundesverfassungsgericht das Foto von Espen Eichhöfer als Kunstwerk und die Straßenfotografie als Kunstform anerkannt hat, die in den Schutzbereich der Kunstfreiheit fällt. Das bedeutet u.a., dass bei der rechtlichen Abwägung zwischen der Kunstfreiheit und anderen Belangen, wie etwa dem Persönlichkeitsrecht, die „strukturtypischen Merkmale der Kunstform“ der Straßenfotografie zu berücksichtigen sind. Als „strukturtypisch“ für die Straßenfotografie sieht das Bundesverfassungsgericht „die ungestellte Abbildung ohne vorherige Einwilligung“ an. Hieraus folgt nach Ansicht von Sebastian Graalfs, der Espen Eichhöfer als Rechtsanwalt in dem Verfahren vertreten hat, „dass künstlerische Straßenfotografie nicht allein deshalb als rechtswidrig angesehen werden kann, weil keine Einwilligung der Abgebildeten vorliegt.“

Zudem stellte das Bundesverfassungsgericht in Bezug auf die Straßenfotografie fest, „dass es mit der Kunstfreiheit nicht zu vereinbaren wäre, ihren Wirkbereich auf Galerien, Museen oder ähnlich räumlich begrenzte Ausstellungsorte zu begrenzen“. Auch dies ist eine gute Nachricht.

Bei der „Art der Präsentation“ von Straßenfotografie ist gleichwohl Vorsicht geboten. Auch dies zeigt der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts. Denn das Bundesverfassungsgericht führte darin aus, dass die von Espen Eichhöfer angegriffene Entscheidung des Kammergerichts nicht die Bedeutung und Tragweite der Kunstfreiheit verkannt habe, weil es „die Schwere der Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts der Klägerin aus der Art der Präsentation des Bildes als großformatigem Blickfang an einer öffentlichen Straße hergeleitet“ und „die Präsentation auf einer großformatigen Stelltafel an einer der verkehrsreichsten Straßen einer Millionenstadt zum zentralen Punkt seiner Abwägung“ gemacht habe. Rechtsanwalt Sebastian Graalfs dazu: „Die Art der Präsentation in diesem Zusammenhang als maßgebliches Kriterium heranzuziehen, halte ich für kritikwürdig. Alle mir bekannten Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zu dem Verhältnis der Kunstfreiheit und des Persönlichkeitsrecht haben für die rechtliche Beurteilung in erster Linie auf dessen Inhalt bzw. dessen Gehalt abgestellt, beispielsweise darauf, dass ein Kunstwerk ehrverletzend sei oder die Intimsphäre eines Betroffenen verletze. Dass sich die Rechtswidrigkeit der Ausstellung eines Kunstwerks jedoch maßgeblich aus dem Grad seiner Sichtbarkeit ergibt, halte ich für ein zu unbestimmtes und für mein Verständnis der Kunstfreiheit problematisches Kriterium. Denn Kunst lebt von ihrer Sichtbarkeit.“

Ich darf jetzt wohl nicht mehr mit einer Klage wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung der abgebildeten Personen auf meinen Straßenbildern rechnen. Recht wärs!

 

Lesen Sie außerdem den Artikel von Andrea Diener in der F.A.Z. – online unter:  Eben noch auf der Straße, jetzt in der Kunstgalerie


 

AUS MEINEN SCHUBLADEN 04.2018

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New York City 1982 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Auf meiner ersten USA-Reise im Jahre 1982 war ich ausschließlich in New York City. Ein Freund und ich erfüllten uns damals einen Traum: Wir wollten den brausenden Melting Pot kultureller Vielfalt mit der Superaltive vertikaler Architektur life erleben. Aus zahlreichen Spielfilmen, Fernsehdokumentationen und Bildberichten schien uns diese Stadt längst vertraut. Akribisch bereiteten wir uns mit zahlreichen Reiseführern und den Marc O´Polo-Karten auf die einwöchige Reise vor. Sämtliche touristischen Highlights standen auf unserem Programm. Das New York Statler – vis á vis dem Madison Square Garden – bot uns eine Bettlad. Von dort aus eroberten wir fünf Tage lang die Stadt, die damals schon nicht in den Schlaf kam.

Die Hochhäuser warfen ihre Schatten in die Schluchten der streng geometrisch verlaufenden Straßen. Der Wechsel aus Licht und Schatten war grafisch hart und zauberte begrenzte Lichtflächen in eine dadurch surreale Szenerie. So wirkten die rollenden Imbissstände auf den Straßen wie Requisiten einer Bühnenkulisse. Die unvoreingenommen und lässig wirkenden Menschen, die immer präsenten Werbetafeln und -träger, die Wolkenkratzer aus Glas und Stein und nicht zuletzt die melodisch und dennoch bedrohlich röhrenden Sirenen der Feuerwehr machten uns ebenfalls schlaflos auf unserem Besuch in dieser Megacity. Das alles machte diese Stadt weltweit einmalig, lange vor der Zeit der Bürotürme in den heutigen Metropolen Chinas oder der Arabischen Halbinsel.

Da konnte ich als visuell trainierter Fotograf meine Kamera nicht still halten. Dieses Leben wollte, ja mußte ich mit nach Hause nehmen – zumindest ein Stück davon. Nicht nur als Erinnerung, sondern auch als Beweis für alle, die nicht glaubten, welche Faszination und Lebendigkeit diese Stadt auf Bewohner und Besucher übertrug. So arbeitete ich Hunderte von Fotomotiven auf über dreißig s/w Kodak T-MAX-Filme und auf drei (!) Color-Diafilme. Color war eben teuer, außerdem konnte ich ohne Fremdhilfe einer Laborantin/eines Fachlabors Color-Bilder nicht selbst vergrößern. Deshalb entstanden nur wenige Farb-Motive auf meiner ersten Reise nach New York City.

Als ich in den folgenden Jahren die Bilder großer Kollegen wie Lee Friedlander, Garry Winogrand, Walker Evans, William Eggleston, Joel Sternfeld, Stephen Shore und Joel Meyerowitz kennen und schätzen lernte, verstand ich die elektrisierende Wirkung, die der Trubel auf den Straßen von New York City auch auf mich auslösen konnte. Nicht ganz zufällig führte das zu vielen ähnlichen Motiven, ohne die Bilder der amerikanischen Straßenfotografen zuvor bewusst wahr genommen zu haben. Ich habe diese Erfahrung aktuell in meiner Bild-Präsentation mit dem Thema „WALKER EVANS and ME“ zusammen gefasst.

 

CASPAR DAVID FRIEDRICH UND DIE IMBISSBUDE

Unter diesem Titel gratulierte am 6. März 2018 Freddy Langer, Reiseredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, mit einer Story Joel Meyerowitz zu dessen 80. Geburtstag.

Seinen schönen F.A.Z.-Online-Artikel finden Sie hier

Alle meine Bilder zum Thema Walker Evans and Me finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archives unter dem Link  WALKER EVANS and ME 1972-2012

oder blättern Sie in meinem Bildbericht zu diesem Thema  WALKER EVANS and ME

DIE FASZINATION DER MEERE

Seit Jahrhunderten fühlen sich Künstler zu den Meeren hingezogen. Die Faszination der Landschaft, in der Wasser und Land aufeinander treffen, motiviert kreative Kunstschaffende immer wieder aufs neue. Hundert Jahre, bevor ich das Licht der Welt erblickte, begab sich Gustave Le Gray, Maler und Fotograf, (1820-1884) auf eine Reise in die Normandie. Hier entstanden im Jahre 1857 fotografische Seestücke, die man als die ersten dieser Art in der Geschichte der Fotografie bezeichnen kann.

Die Technik des Albuminverfahrens hatte mittlerweile die spiegelnden Daguerreotypien ersetzt. Man war somit in der Lage, reproduzierbare Papierfotografien herzustellen. Und so eroberte die noch junge Gattung Fotografie den öffentlichen Raum. Und Fotografen wie Le Gray experimentierten mit dem neuen Medium. Nicht zufällig entstanden zahlreiche seiner Landschaftsaufnahmen an den Küsten Frankreichs. Duch die kurzen Belichtungszeiten war es ihm möglich, die Wellen des Meeres in einer Momentaufnahme „einzufrieren“. Bislang hatte es es nur Fotografien mit geglättetem Wasser und verwischten Wolkenhimmeln gegeben. Le Gray schuf mit seinen Motiven geradezu wissenschaftliche Studien über die Wolkengebirge am Himmel. Die technische Schwierigkeit, den starken Helligkeitskontrast zwischen Himmel und Wasser auf einem Bild zu überbrücken, schafft er durch unterschiedlich lang belichtete Aufnahmen, die er später aus zumindest zwei Negativen zusammenfügte. So war er nicht nur vielen Fotografen, sondern auch den Photoshop-Artisten unserer Zeit weit voraus.

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St.-Gilles-Croix-de-Vie #1, 01.2017, © k.enderlein FOTOGRAFIE

Ob in hübschen Badeorten oder in der Nähe der Industrieanlagen, alle meernahen Bauten des Tourismus oder der Wirtschaft zeichnen sich vor der Weite des Meeres besonders deutlich ab. Boulevards zum Flanieren am Strand oder künstlich geschaffene Orientierungshilfen, wie Leuchttürme oder Baken, alles strandtypische Merkmale, wirken dennoch häufig deplaziert. Dort wo natürliche Urgewalt in Form endlos scheinender Wassermassen und Spuren menschlicher Zivilisation aufeinander treffen, entsteht eine ganz besondere Landschaft: eine Art Zwischenraum an der Nahtstelle von Wasser und Land.

Bei meinen SEESTUECKEN bewege ich mich mit der Kamera in diesem Zwischenraum. Ich möchte aber kein Mahner sein, der sozialkritisch den Zeigefinger hebt. Die Betonburgen und -pisten an den Badestränden dieser Welt sind nicht mein Kernthema.
Ich stelle der Bild teilenden Horizontalen immer wieder vertikale Formen entgegen, um so auf die Nähe der Menschen zum Wasser aufmerksam zu machen. Trotz menschenleerer Szenarien sind die Spuren, die Menschen an dieser Nahtstelle hinterlassen, in meinen fotografischen Inszenierungen vordergründig und unübersehbar.
Ich möchte behutsam auf die Tatsache aufmerksam machen, dass der Mensch seine Melancholie verliert, wenn er das Meer für seine Zwecke auf irgendeine Weise zu nutzen versucht. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die Küstenstreifen vom Geist einiger Künstler und der Menschen beseelt – heute vom Geld. Und die Menschen denken dabei an Seebäder mit Sportfreizeiten jeglicher Art, an Industrie-Häfen für den Welthandel, an Anlegeplätze für Kreuzfahrt-Riesen oder an unbezahlbare Grundstücke, auf denen die Superreichen ihre Häuser bauen. Wie schön kann es sein, einfach mal auf einem Strandspaziergang den salzigen Wind auf der Haut zu spüren. Und das trotz einer trüben Ahnung, dass die Strände, an denen wir heute leben, in nicht allzu langer Zukunft vom Meer wieder überspült sein werden.

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Wijk aan Zee #3, 04.2017, © k.enderlein FOTOGRAFIE


Ein Originalabzug des Seestücks „Grande vague – Cette [Sète], ca. 1857, 34,3 x 41,9 cm, von Gustave Le Gray ist noch bis zum 15. Juli 2018 im Museum Kunstpalast Düsseldorf anl. der Ausstellung BLACK&WHITE ausgestellt.  Museum Kunstpalast Düsseldorf

Eine Auswahl meiner SEESTUECKE finden Sie hier  WERKGRUPPE SEESTUECKE

Alle meine SEESTUECKE finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archives unter PhotoAlbum SEESTUECKE


 

VORSCHAU – FACING INDIA

Das KUNSTMUSEUM WOLFSBURG zeigt ab dem 29. April 2018 die Werke indischer zeitgenössischer Künstlerinnen.

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Prajakta Potnis, CAPSULE I, 2012, C-print on archival cotton rag paper, 96,5 x 152 cm, Courtesy of the artist

Wie nutzen indische Künstlerinnen heute ihre Stimme? Wie gehen sie mit ihrer sozialen Verantwortung um? Welche Sprache finden sie für das Unausgesprochene? Erstmals in Deutschland zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg eine Ausstellung mit sechs Künstlerinnen aus Indien. Mit wenigen Ausnahmen wie dem Bundesstaat Kerala im Süden des Landes ist die indische Gesellschaft vom Patriarchat geprägt. Die Annahme, dass Frauen weniger wert seien als Männer, ist tief in ihrer Mentalität verankert. „Facing India“ geht der Frage nach, wie sich die eigene Landesgeschichte, Gegenwart und Zukunft aus weiblichem Blickwinkel darstellt.

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Vibha Galhotra, NEGOTIATED NECESSITIES, 2008, Digital Print on Archival Paper, 61 x 182,9 cm, Courtesy of the artist

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Mithu Sen, BORDER UNSEEN (DETAIL), 2014, Installation, false teeth and dental polymer, 25 m, Eli and Edythe Broad Art Museum, USA

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Reena Saini Kallat, WOVEN CHRONICLE, 2011/2016, Circuit boards, speakers, electric wires and fittings, sitespecific installation, single channel audio, 10:00 min, 322 x 1447 x 30 cm, Courtesy of the artist, Foto: Reena Kallat Studio

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Tejal Shah, BETWEEN THE WAVES – ANIMATION, (CHANNEL III), 2012, HD-Video, color and b/w, surround sound, 01:30 min, Courtesy the artist and Barbara Gross Galerie, Munich

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Bharti Kher, PORTRAIT MANJU, 2013, Saris, resin, cement, 152 x 63 x 56 cm, Courtesy of the artist

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Bharti Kher, SIX WOMEN, 2013 – 2016 Plaster, wood, resin, In 6 parts, each ca. 123 x 61 x 95,5 cm, Courtesy the artist and Hauser & Wirth, photo: Document Photography

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Reena Saini Kallat, CREASE / CRECVICE / CONTOUR (DETAIL), 2008, Pigment print on Hahnemuhle Museum etching archival paper, set of 10 prints each 101 x 127 cm, Courtesy of the artist, Foto: Iris Dreams

DIE AUSSTELLUNG
Eine 14 Meter lange Weltkarte aus stacheldrahtähnlichen Elektrokabeln, ein begehbarer Raum aus bedrückend schwarzen Glasziegeln, eine Fotografie von einem Kühlschrank, in dem Rollteppen ins Nichts führen, eine bizarre Skulptur mit Zähnen, ein Film, in dem ein weißes Tuch wie ein wildes Tier in einem Fluss gebändigt wird: Vibha Galhotra (*1978), Bharti Kher (*1969), Prajakta Potnis (*1980), Reena Saini Kallat (*1973), Mithu Sen (*1971) und Tejal Shah (*1979) nutzen ihre multimedialen Werke als Orte der gesellschaftlichen Reflexion und lenken die Aufmerksamkeit auf historische und aktuelle Grenzkonflikte. Poetisch, metaphorisch und leise, aber auch radikal, direkt und laut hinterfragen sie Grenzen in jeglicher Hinsicht – seien es politische, territoriale, ökologische, religiöse, soziale, persönliche oder Geschlechtergrenzen. Die Geschichte dieser Grenzen, ihre Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit, ihre Legitimität und nicht selten ihre Auflösung sind das verbindende Thema der in „Facing India“ gezeigten Werke.

Die Ausstellung konzentriert sich auf sechs Positionen, um diese umso eingehender vorzustellen. In einer zunehmend globalisierten Welt sozialisiert und ausgebildet, beschränken sich die Künstlerinnen in ihren „Grenzkontrollen“ nicht mehr allein auf Indien, sondern greifen auf andere Länder und Kontinente aus. Staat, Gesellschaft und Individuum, Identitäts- sowie Umweltfragen werden kritisch unter die Lupe genommen. Doch wie breit ihr Themen­spektrum auch sein mag, explizite und implizite Verweise auf die Präsenz des Weiblichen und die Stellung der Frau sowie Solidarität und Empathie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung.

„Facing India“ ist im fortwährenden Dialog mit den Künstlerinnen entstanden und spiegelt eine Art kollektives Plädoyer für Kommunikation und die Einheit in der Vielfalt jenseits von Schubladen- und Kastendenken. Die Ausstellungsarchitektur nimmt diesen Gedanken auf. Die Künstlerinnen bespielen sechs separate Ausstellungsbereiche, die in klarem Sichtbezug zueinander arrangiert sind. Im Zentrum der Ausstellung befindet sich ein offenes Kommunikationsforum, das dem Besucher den Blick in alle Richtungen ermöglicht – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

DER KATALOG
Der Katalog, herausgegeben von Ralf Beil und Uta Ruhkamp in deutscher und englischer Ausgabe, mit einem Vorwort von Ralf Beil und einer Einführung von Uta Ruhkamp, Essays von Urvashi Butalia, Leiterin des feministischen Verlages Zubaan, und Roobina Karode, Direktorin des Kiran Nadar Museum of Art in Neu-Delhi und Noida, sowie ausführlichen Interviews mit allen Künstlerinnen von Uta Ruhkamp. Hatje Cantz Verlag, 240 Seiten mit 180 Abbildungen, 24 x 31 cm, Hardcover, 38 € im Museumshop.

Text: © Presse Kunstmuseum Wolfsburg

weitere Informationen finden Sie unter  Kunstmuseum Wolfsburg