LUIGI GHIRRI – KARTE UND GEBIET

FOTOGRAFIEN DER 1970er JAHRE

„Mich interessieren flüchtige Architekturen, die Welt der Provinzen, Objekte, die allgemein dem schlechten Geschmack zugeordnet werden, es für mich aber nie waren, Objekte, die erfüllt sind von Wünschen, Träumen, kollektiven Erinnerungen… Fenster, Spiegel, Sterne, Palmen, Atlanten, Globen, Bücher, Museen und Menschen […]“

So artikulierte Luigi Ghirri (*1943 †1992) seinen Anspruch an seine fotografische Arbeit, der er sich ab 1973 im Alter von 30 Jahren ganzheitlich widmete. Zuvor hatte er nach einer Ausbildung zum Vermessungstechniker fast zehn Jahre als Landvermesser gearbeitet. So wundert es nicht, dass Ghirri nach fast einem Jahrzehnt minutiöser und präziser technischer Arbeit danach in seinen fotografischen Werken mit dem perspektivischen Raum – mit Themen wie Abgrenzung, Gegenüberstellung, Rahmen und Innen- und Aussensichtweisen – ebenso akkurat und linienorientiert umgeht.

Luigi Ghirri, L´IIe-Rousse 1976 © Eredi Luigi Ghirri
Luigi Ghirri, L´IIe-Rousse 1976 © Eredi Luigi Ghirri
Eastbourne 2017 © k.enderlein FOTOGRAFIE
Eastbourne 2017 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Bei der Vorbesichtigung der Ausstellung im Museum Folkwang erfuhr ich ein Höchstmaß an Vergnüglichkeit, Bilder eines Fotografen zu sehen, die meinen eigenen Vorstellungen der Aufwertung sogenannter „Unräume“ durch formale Bildästhetik so nahe kommen. Als Autodidakt hatte Ghirri seine Impulse für seine Arbeiten von den Fotografien der „großen Kollegen“. Er erklärte mehrfach, sich von der Sensibiltät eines Walker Evans am stärksten angesprochen zu fühlen. Wie gut ich das nachempfinden kann. Auch ich lasse mich nicht nur von der Literatur, den Malern, sondern auch immer wieder von den Bildästheten der Fotografie inspirieren.

Luigi Ghirri, Lido di Spina, 1974 © Eredi Luigi Ghirri
Luigi Ghirri, Lido di Spina, 1974 © Eredi Luigi Ghirri
Wijk aan Zee 2017 © k.enderlein FOTOGRAFIE
Wijk aan Zee 2017 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Eine Vorliebe für bestimmte Motive in einer eindeutigen Bildsprache scheine ich mit dem Künstler Luigi Ghirri gemein zu haben. Das macht mich gar ein wenig stolz – das Gefühl, mit dem Anspruch an meine fotografische Arbeit nicht alleine zu sein. Was wären wir kreativ Arbeitenden ohne eine gute Portion Eitelkeit. Über Ghirris Eitelkeiten kann man in seinen Kurztexten etwas erfahren, die im Katalog jeder der insgesamt fünfzehn Werkgruppen voran gestellt sind.

Luigi Ghirri, Brest, 1972, © Eredi Luigi Ghirri
Luigi Ghirri, Brest, 1972, © Eredi Luigi Ghirri
Paris 1980 © k.enderlein FOTOGRAFIE
Paris 1980 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Wenn auch der Katalog zur Ausstellung 45 €uro kostet, fast 300 Farbtafeln und Illustrationen rechtfertigen diese Investition. Herausgeber James Lingwood sowie Maria Antonella Pelizarri und Jacopo Benci erläutern darin die Arbeit und das Werk Ghirris umfangreich und dennoch spannend.

Luigi Ghirri, Egmond aan Zee 1973 © Eredi Luigi Ghirri
Luigi Ghirri, Egmond aan Zee 1973 © Eredi Luigi Ghirri
Scheveningen 2014 © k.enderlein FOTOGRAFIE
Scheveningen 2014 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Luigi Ghirri, Paris 1972 © Eredi Luigi Ghirri
Luigi Ghirri, Paris 1972 © Eredi Luigi Ghirri
Museum Folkwang © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE
Museum Folkwang © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Auch Landschaftaufnahmen Ghirris letzter Schaffensdekade in den 1980er Jahren finden Sie in seinem Archiv unter  Archivio Luigi Ghirri

weitere Informationen zur Ausstellung in Essen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museum Folkwang unter  Museum Folkwang – aktuelle Ausstellungen


 

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