BERND und HILLA BECHER. BERGWERKE

Typologien von Fördertürmen und Industrielandschaften des Fotografen-Duos in einer Ausstellung im JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT in BOTTROP

4. Mai bis 16. September 2018

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JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP, Ausstellung Bernd und Hilla Becher. Bergwerke – Foto: © k.enderlein FOTOGRAFIE

„Ende der 195Oer ]ahre war die Kohleförderung an der Ruhr das erste Mal nach dem Wel tkriegrückläufig, weil preisgünstige Importkohle und Erdöl die heimische Steinkohle als Energieträger vom Markt verdrängte. In der Folge der Überproduktionskrise wurden erste Zechen stillgelegt. Als 1957 die Abbrucharbeiten der Grube Eisenhardter Tiefbau in der Nähe von Siegen schneller durchgeführt wurden als Bernd Becher (1931-2007) die industriellen Objekte zeichnen konnte, begann er zu fotografieren, um den raschen Wandel in der Region zu dokumentieren, Bernd Becher wurde in Siegen geboren und konnte, wie er später erzählte, von seinem Elternhaus einen Hochofen ,,hören, sehen und riechen“. Er hatte freie Graphik und Typographie an der Kunstakademie Stuttgart studiert. Seine Fotografien dienten ihm zunächst als Vorlagen für seine Zeichnungen, Gemälde und Collagen von den im Verschwinden begriffenen Industriekomplexen. Zu dieser Zeit lernte er in Düsseldorf Hilla Wobeser (1934-2015) kennen, die an ihrem Geburtsort Potsdam eine Fotografenlehre absolviert hatte. Sie teilte sein Interesse an Industriekultur und brachte ihre fotografische Praxis in die von nun an gemeinsam durchgeführte Arbeit ein, die eine Form kollektiver Autorschaft in der Bildenden Kunst darstellt. Das Paar heiratete 1961, ihr Sohn Max wurde 1963 geboren, Bernd Becher erhielt 1976 eine Professur für Fotografie an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, an der er bis 1996 lehrte. Aus seiner Klasse stammen bedeutende Vertreter der deutschen Gegenwartsfotografie.

Bernd und Hilla Becher entwickelten zunächst im Ruhrgebiet, später in ganz Europa und den USA ein in der Kunstgeschichte beispielloses fotografisches Langzeitprojekt. Ihre in über fünf Jahrzehnten entstandenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen anonymer Industriebauten von Fördertürmen, Hochöfen, Kohlebunkern, Kühltürmen, Fabrikhallen, Gasometern, Kieswerken und Getreidesilos stellten sie jeweils zu Tableaus zusammen, die sie seit Anfang der 1970er Jahre Typologien nannten. Diese vereinen verschiedene Aufnahmeorte und unterschiedliche Entstehungszeiten in sich und erlauben auf der Basis standardisierter Aufnahmebedingungen vergleichendes Betrachten. Die Methodik ihrer künstlerischen Arbeit bezieht sich auf eine aus den Naturwissenschaften entlehnte Systematik, die die verschiedenen ästhetischen Grundformen, Materialien und Variationen einer Konstruktionsart untersucht
und in exemplarischen Bildzusammenstellungen repräsentiert. Die fotografische Form ihrer Darstellung ist bewusst sachlich gewählt. Die mit einer 13 x 18 cm Plattenkamera aufgenommenen, in der eigenen Dunkelkammer ausgearbeiteten Abzüge geben die Objekte materialgerecht und detailliert in fein abgestuften Grautönen wieder. Das gewählte Aufnahmelicht ist diffus, so dass der Gegenstand ohne interpretierende Schatten vor einem gleichmäßig getönten Himmel abgebildet und in seiner ganzen Individualität sichtbar wird.

Das vielfach national und international ausgezeichnete Werk von Bernd und Hilla Becher wurde zunächst als praktizierter Denkmalschutz, als visueller Beitrag zur Industriearchäologie, ab den 197Oer Jahren als Teil der Konzeptkunst und schließlich als künstlerische Fotografie und Forschung verstanden und gewürdigt. Den Schwerpunkt dieser Ausstellung bilden die Typologien von Fördertürmen, die das Erscheinungsbild der Bergbauregionen besonders geprägt haben. Sie sind Aufzugsmaschinen, die nicht nur Kohle und Erz an die Oberfläche transportieren, sondern auch die Bergleute zur Arbeit unter Tage bringen. Obwohl die Konstruktionsmöglichkeiten dieses Bautyps beschränkt sind, haben sich doch in verschiedenen Ländern und Epochen unterschiedliche Prototypen herausgebildet, die von Formenvielfalt und fragiler Schönheit geprägt sind.
Die ebenfalls in der Aussteilung vertretenen Aufnahmen von Industrielandschaften legen durch ihren topografischen Stil und ihre damit verbundene privilegierte Sicht die Zusammenhänge der Werkanlagen von Schwerindustrie offen. Zusammen mit den Typologien der Fördertürme stehen sie symbolisch für das nun eintretende Ende des Zeitalters der Kohle, das die Gesellschaft vor immense Herausforderungen stellt.“

Pressetext JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT, Prof. Thomas Weski

Alle Fotos © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museums unter JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Alle meine Fotos zur Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Avchives unter  PhotoAlbum SCHUBLADEN/BEGEGNUNGEN


 

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