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Ich kommuniziere auf meinem Blog nicht nur eigene Fotoprojekte.
Ich informiere über Fotografie und deren Stellenwert in der Kunst und im Kommerz.

Ich möchte Impulse geben für eine differenzierte Aufmerksamkeit für die Fotografie, einem Jahrhunderte alten Medium in unserer digitalen Gesellschaft.

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DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Seit bald fünfzig Jahren beobachte ich Fotografie im öffentlichen Raum – in Museen, in Galerien, auf Kunstmessen, auf Werbeplakaten, auf Foto-Festivals. Welchen Wandel, welche Entwicklung erfährt dieses Medium? Wie verändert sich die Gesellschaft, in der es stattfindet? Wie wechselvoll geht die Gesellschaft mit dem Medium visuelle Kommunikation um? Trotz meiner Voreingenommenheit als Fotoautor, oder gerade deshalb, sind diese Fragen für mich immer wieder spannend, zudem existenziell für mein Wirken und mögliche Antworten immer wieder überraschend. Die Fotografie besteht im Wandel der Zeit. Fotografie wird hoffentlich ein immer spektakuläres Medium sein. Ich werde das in meinem Fotografenleben weiter beobachten! Ich werde versuchen, Antworten zu geben!

Das Foto zeigt eine Außenausstellung von Fotografie-Studierenden der fotobus society auf dem Schadowplatz anl. des DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019. Wir sehen drei Arbeiten von Felix Kleymann und eine von Martin Lamberty (re.) – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

ZWISCHENSPIEL IN DER CORONA-KRISE

Schattenzeichen auf dem Grabbeplatz in Düsseldorf © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ich habe meine Reiseaktivitäten fast auf null reduziert – der weltweiten Corona-Pandemie geschuldet. Und weil ich zu sehr an meinem Leben hänge, bin ich vorsichtig und begegne seit Mitte März nur den Menschen, bei denen ich höchstwahrscheinlich kein Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus zu befürchten habe. Seit Monaten arbeite ich einmal mehr mit dem Kopf, im Homeoffice – ohne Kamera. Bilder entstehen ja auch zuerst im Kopf, und weil ich fotografiere, was ich denke und nicht, was ich sehe, hilft die begegnungsarme Zeit, meine nächsten Bildmotive zu konzipieren.

Vorsichtig begebe ich mich nach Öffnung der ersten Museen und Galerien auch wieder in die Zeigeräume der Kunst. Und wenn ich dort wieder einmal hinreichend Inspiration erfahren habe, kann ich dann doch nicht meine Kamera in der Tasche lassen. Erst recht nicht, wenn die ersten mutigen, hoffentlich nicht leichtsinnigen, Museumsbesucher deutliche Schatten auf dem Pflaster zeichnen. Deshalb an dieser Stelle auf meinem BLOG ein Lebenszeichen, verbunden mit dem Hinweis, allen Fotografie-Enthusiasten noch einen Besuch in der Düsseldorfer Kunsthalle zu empfehlen, sozusagen auf den letzten Drücker:

SUBJEKT und OBJEKT. FOTO RHEIN RUHR

verlängert bis zum 16. August 2020

Die Ausstellung SUBJEKT und OBJEKT. FOTO RHEIN RUHR betrachtet erstmalig die Bezüge der unterschiedlichen fotografischen Positionen, die sich im Gebiet der rheinländischen Metropolen sowie dem Ruhrgebiet und den dort ansässigen Kunsthochschulen seit den 1960er-Jahren herausgebildet haben. Das Besondere an diesem Ansatz ist dem Umstand geschuldet, dass sich im Westen Deutschlands eine so reichhaltige Fotoszene entwickeln konnte, welche über die letzten 70 Jahre immer wieder neue und innovative künstlerische Positionen mit zum Teil sehr unterschiedlichen fotografischen Ansätzen hervorgebracht hat. Dies geht, so die These, einerseits auf die Dichte der Kunsthochschulen und Werkschulen zurück, die sich an Rhein und Ruhr nach dem Zweiten Weltkrieg herausbildeten. Andererseits aber auch auf die künstlerische Sozialisation durch einen intensiven kunsthistorischen Diskurs, die parallel stattfindende künstlerische Entwicklung innerhalb der bildenden Kunst und die Auseinandersetzung mit Positionen der internationalen Kunst, die in den großen Institutionen in Düsseldorf, Essen, Köln, Krefeld und Mönchengladbach gezeigt wurden.

SUBJEKT und OBJEKT. Ausstellungsansicht in der Kunsthalle Düsseldorf, Fotos: © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Ausstellung vereint zentrale Positionen dreier Künstlergenerationen und zeigt erstmals die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer künstlerischen Ansätze. Vor allem werden aber auch bisher weniger betrachtete Positionen in diesem Kontext präsentiert. Mit rund 100 KünstlerInnen und mehr als 600 Werken unternimmt die Ausstellung erstmals eine dialogische und impulsgebende Untersuchung dieser Entwicklung. KUNSTHALLE DÜSSELDORF


„BAROCK IST DAS NICHT.“

Kunstpreis der Künstler für FRITZ JOSEF HAUBNER im Rahmen der DIE GROSSE Kunstausstellung NRW Düsseldorf 2020

Kunstpreis der Künstler für FRITZ JOSEF HAUBNER – DIE GROSSE 2020, Fritz Josef Haubner © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Auf der Frage nach dem Genre seiner Kunst antwortete der Preisträger Fritz Josef Haubner (*1937 in Neumarkt/Oberpfalz) auf der Pressekonferenz im Kunstpalast Düsseldorf: „Barock ist das nicht“. Das Stichwort „Barock“ war gefallen, als der Kunstpreisträger von seiner Kindheit und dem Motiv, erst 1980 Maler zu werden, kurzweilig und amüsant erzählte: als Heranwachsender verbrachte er drei Jahre seines Lebens im Karmelitenkloster Regensburg. Dort war er von unzähligen großformatigen Decken- und Wandgemälden umgeben, die ihn ganz offensichtlich früh für die bildenede Kunst sensibilisierten. Die häusliche Gebrauchskunst, die seine Mutter – eine gelernte Schneiderin – durch Kompensationsgeschäfte sammelte, hatte den jungen Haubner ebenso nachhaltig beeindruckt. Es vergingen aber fast vierzig Jahre, ehe Haubner beschloss Künstler zu werden. Auch Ende der siebziger Jahre war es dann ein besonderer Impuls, der ihn zu der einschneidenden Veränderung in seinem Leben motivierte: er übernahm die umfangreiche Sammlung eines zuvor verstorbenen Künstlers aus seiner Nachbarschaft in Duisburg, wo er seit 1969 lebt.

In Duisburg war Haubner fast vierzig Jahre bei der Stadtverwaltung als Diplom-Sozialarbeiter tätig, nachdem er sich zuvor in den verschiedensten „Branchen“ verdingt hatte: als Landwirt, als Karmeliten Mönch, bei Bundesgrenzschutz und Bundeswehr, als Bergmann, Bauarbeiter, Bierfahrer und als Fließbandarbeiter.

Jetzt ehrt die Düsseldorfer Künstlerschaft mit dem jährlichen Kunstpreis Fritz Josef Haubner für sein malerisch-plastisches Lebenswerk. „Als Autodidakt setzte er sich zeichnerisch-malerisch und mittels Materiealcollagen mit Alltagsgegenständen auseinander. In ihrer oft rührend einfachen Bildsprache zeigen seine Werke eine Dingwelt jenseits des Materiellen. Die häufig gefundenen Materialien, die die Spuren der Zeit oder des Gebrauchs tragen, nutzt Haubner als Bildträger für seine sich wiedrholenden Motive. Die Eingriffe Haubners verwandeln den Fundgegenstand in ein poetisches Bild, das, einem Fenster gleich, das Innen und Außen von Gegenstand, Motiv und BetrachterIn neu verbindet.“, so die Argumentation der Düsseldorfer Künstlerschaft.


MARTIN SCHOELLER – PORTRAITS

Üppige Werkschau des Fotografen im NRW-Forum in Düsseldorf – noch bis zum 17. Mai 2020

NRW-Forum – MARTIN SCHOELLER, M. Schoeller erzählt bei der Ausstellungsvorbesichtigung von seinen Begegnungen mit den portraitierten Menschen © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Sichtlich amüsiert aber auch nachhaltig bewegt erzählte Martin Schoeller (*1968 in München) bei der Ausstellungsvorbesichtigung im NRW-Forum von seinen Begegnungen mit den verschiedensten Persönlichkeiten, die vor seiner Kamera still hielten. Etwa 170 Werke aus seinen Werkgruppen Close Up, Female Bodybuilders, Drag Queens, Kayapo, Portraits, Identical, Hollywood und Death Row Exonerees hängen zum Teil großformatig an den Wänden der Ausstellung. Bei aller Unterschiedlichkeit der Werkgruppen und den Motiven, die den Autoren zu den einzelnen Themen müssigt, wirken die Bilder wie ein Gesamtwerk technischer Bestandsaufnahmen menschlicher Persönlichkeiten. Doch jedes einzelne Bild, jedes einzelne Gesicht erzählt seine eigene Geschichte. Und so wird´s nicht langweilig.

NRW-Forum – MARTIN SCHOELLER, M. Schoeller (5. von links) erzählt bei der Ausstellungsvorbesichtigung von seinen Begegnungen mit den portraitierten Menschen © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Zu den vielsagenden Bildmotiven fügte Schoeller bei der Ausstellungsvorbesichtigung seine persönlichen Erinnerungen zu den einzelnen Begegnungen mit den Protagonisten dazu. Eine wirklich kurzweilige Veranstaltung, die gerne hätte länger dauern können, denn bei näherem Hinsehen und Zuhören wirkte der Fotograf trotz seiner Augenhöhe zu den Mächtigen und vermeintlich Wichtigen dieser Welt erfreulich bodenständig und bescheiden. Die notwendige Professionalität und Technikaffinität bei seinen Shootings entgehen dem aufmerksamen Beobachter allerdings auch ohne persönliche Kommentare zu den Bildern nicht.

Und wer nicht glaubt, dass Schoeller auch anders kann, als in der Ausstellung gezeigt, dem sei seine Zuhause-Seite ans Herz gelegt. Dort lässt sich nachvollziehen, dass Schoeller wirklich einer der gefragtesten Fotografen der Welt ist.

Weitere Informationen zur Ausstellung im NRW-Forum gibt es hier.

Alle Bilder der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN.


Übrigens hängen Schoellers Portraits der Holocaust-Überlebenden auf der Zeche Zollverein in Essen auch noch bis zum 26. April 2020:

Ort der Ausstellung: UNESCO-Welterbe Zollverein – Areal C (Kokerei) | Mischanlage (C70), Arendahls Wiese, 45141 Essen, noch bis zum 26.04.2020

siehe hierzu auch meinen BLOG-Bericht vom 20.01.2020

Weitere Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs in dem Album BEGEGNUNGEN

Alle Infos zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite der Zeche Zollverein


PABLO PICASSO.KRIEGSJAHRE 1939 bis 1945

PABLO PICASSO.Kriegsjahre 1939 bis 1945, K20 Düsseldorf, „Atelierfenster“ 1943 (Ausschnitt) © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf gibt den Picasso im K20 am Grabbeplatz – noch bis zum 14. Juni 2020. Heute schätzt man das umfangreiche Gesamtwerk des spanischen Künstlers Pablo Picasso (*1881 †1973) bestehend aus Zeichnungen, Grafiken, Collagen, Gemälden, Plastiken und Keramiken auf etwa 50.000 Arbeiten. Etwa siebzig seiner Werke aus den Jahren 1939 bis 1945, also aus der Zeit des zweiten Weltkriegs, sind jetzt in der Kunstsammlung ausgestellt. Die Ausstellungsarchitektur in der Grabbe Halle des Museums kommt zwar der Geometrie eines Irrgarten gleich, schadet aber nicht der Nähe und steigert gar Lust des Begreifens der Werke.

PABLO PICASSO.Kriegsjahre 1939 bis 1945, K20 Düsseldorf, Ausstellungsvorbesichtigung © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ein übersichtlich gestalteter Katalog regt zum Lesen an. Die Chronologie der Ereignisse, wechselnd dargestellt durch Picassos umfänglich besprochenen Arbeiten, Dokumentationen und umfangreiche Brief-Korrespondenzen mit anderen Künstlern und Freunden, gibt einen tiefen Einblick in die Zeit des zweiten Weltkriegs und die Motivation für die Arbeiten des Künstlers. So lernen wir auch über den Menschen Picasso etwas.

Am Anfang des Rundgangs sehen wir zunächst Picasso auf Fotografien. Keine Seltenheit und durchaus ein wesentlicher Aspekt seines künstlerischen Schaffens. Denn Picasso und die Fotografie gehören einfach zusammen. Schon 1997 widmete die Kunsthistorikerin Anne Baldassari diesem Thema einen umfänglichen Katalog, „PICASSO UND DIE PHOTOGRAPHIE“. Eine umfangreiche Sammlung von etwa 15.000 Fotodokumenten in Picassos persönlichem Archiv diente ihm als Inspirationsquelle. Er experimentierte mit dem Medium Fotografie. So sind bemalte Bilder und zerschnitte und collagierte Fotografien überliefert. Er kratzte auf Kleinbilddias eigene Motive in das Material. Er „spielte“ mit dem für die Fotografie unabdingbaren Licht und „malte“ dabei mit der Taschenlampe figürliche Motive in den Raum.

PABLO PICASSO.Kriegsjahre 1939 bis 1945, K20 Düsseldorf, Teilnehmerinnen der Ausstellungsvorbesichtigung © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Picasso machte zu vielen seiner Werke in der Entstehung Fotodokumentationen. In der ihm gebührenden Eitelkeit war Picasso sich häufig selbst das beliebteste Motiv. Er bevorzugte das „Sich-Selbst-Fotografieren“, heute „Selfie machen“ genannt, oder er ließ sich aufwendig von befreundeten Künstlern und Fotografen vor der Kamera inszenieren. So gibt es zahlreiche Portraitaufnahmen von ihm von bekannten Fotografengrößen wie Cecil Beaton (*1904 †1980), Brassai (*1899 †1984), Henri Cartier-Bresson (*1908 †2004), Robert Doisneau (*1912 †1994), Man Ray (*1890 †1976), Robert Capa (*1913 †1954) und seiner Lebensgefährtin, der Fotografin Dora Maar (*1907 †1997) und Lee Miller (*1907 †1977).

Inspiration für eigene Kreativität in meinem Fach der Fotografie bieten nicht nur Bildvorlagen, sondern ebenso Kunst und Literatur in jedweder Form, genau so wie Begegnungen mit Menschen und Situationen. Und so lasse ich mich gerne weiterhin von der Arbeit des großartigen Künstlers, wie Picasso es war, inspirieren.

Weitere Informationen zur Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gibt es hier.

Alle Bilder der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN.


SICHTWEISEN – FOTOGRAFIE

Die neue Sammlung Fotografie – Ausstellung im KUNSTPALAST Düsseldorf

19. Februar bis 17. Mai 2020

SICHTWEISEN Die Neue Sammlung Fotografie – Kunstpalast Düsseldorf – Ausstellungsansicht © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

LICHT – NEUGIER – MENSCH – DINGE – ORDNUNG – ALLTAG – ZEUGNIS – RAUM

In diese acht Themen ist die Präsentation der neuen Sammlung des Düsseldorfer Kunstpalast aufgeteilt. „Neu“ deshalb, weil die Sammlung erst im Dezember 2018 aus der Bestandssammlung der Galerie Kicken angekauft wurde. „Eine breite, übereuropäische repräsentative Auswahl, die den Fotobestand des Kunstpalastes erweitert und nun den Auftakt zu einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit der Fotografie gibt.“, so der Generalkdirektor des Kunstpalast Felix Krämer.

Erstmals widmet sich eine Ausstellung in Düsseldorf der Fotografie seit ihren Anfängen bis heute und fächert die große Vielfalt des Mediums auf. Möglich wird dies dank des Ankaufs von über 3000 Fotografien aus der Bestandssammlung der Galerie Kicken im Dezember 2018. In der rund 200 Werke umfassenden Ausstellung treten Ikonen der Avantgarden von Man Ray (1890–1976) bis Bernd (1931–2007) und Hilla Becher (1934–2015) neben überraschende, weniger bekannte fotografische Positionen, das Einzelbild neben die Serie. „Sichtweisen“ verfolgt keine chronologische Ordnung, sondern erschließt die Sammlung über inhaltliche Themen. Die Schau versammelt mehr als 100 Fotografinnen und Fotografen und intergriert auch Werke aus dem bisherigen Fotobestand des Kunstpalastes.

In ihren Kapiteln zeigt die Ausstellung Beispiele der sogenannten Orientfotografie des 19. Jahrhunderts ebenso wie die Nachahmung der Malerei durch die Fotografie im Piktorialismus, das Neue Sehen und die Neue Sachlichkeit der 1920er und 1930er Jahre. Auch die Lichtexperimente der Subjektiven Fotografie in den 1950er Jahren, das Dokumentarische und die Autorenfotografie der 1970er und 1980er Jahre sowie die amerikanische Farbfotografie sind exemplarisch vertreten.

„Sichtweisen“ präsentiert unter anderen Eadweard Muybridge (1830–1904), Karl Blossfeldt (1865–1932), August Sander (1876–1964), Edward Weston (1886-1958) sowie Candida Höfer (*1944) oder Andreas Gursky (*1955), die zu den festen Größen im kunsthistorischen Kanon gehören. Einige sind – wie Aenne Biermann (1898–1933) oder Ludwig Windstosser (1921-1983) – mit ihren fotografischen Werken erst in jüngerer Zeit wieder entdeckt worden. Die früheste Arbeit in der Ausstellung aus dem Jahr 1844 stammt von Henry Fox Talbot (1800–1877), die jüngste Aufnahme ist von Jesco Denzel (*1972), entstanden während des G7-Gipfels im Jahr 2018. Das Spektrum der Ausstellung umfasst neben diesen namhaften ebenso Aufnahmen von anonym gebliebenen Bildautorinnen und Bildautoren.

SICHTWEISEN Die Neue Sammlung Fotografie – Kunstpalast Düsseldorf – Ausstellungsansicht © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

ZU SEHEN SIND DIE FOTOGRAFISCHEN WERKE VON Leopold AHRENDTS – Eugène ATGET – Ernst-Ludwig BACH – Irene BAYER – Bernd und Hilla BECHER – Sibylle BERGEMANN – Aenne BIERMANN – Ilse BING – Karl BLOSSFELDT – Anna und Bernhard BLUME – Günter BLUTKE – Renata BRACKSIEK – Monika VON BOCH – Robert CAPACHARGESHEIMER – Charles CLIFFORD – Jesco DENZEL – Jim DOW – Charles EAMES – Barnaby EVANS – Walker EVANS – Claude-Marie FERRIER – Hans FINSLER – Arno FISCHER – André GELPKE – Nan GOLDIN – Andreas GURSKY – Wilhelm HAMMERSCHMIDT – Franz HANFSTAENGEL – Volker HEDEMANN – Paul HEISMANN – Wilhelm HELFER – Marta HOEPFFNER – Candida HÖFER – Wilhelm HÜMMER – Lotte JACOBI – Grit KALLIN-FISCHER – Gertrude KÄSEBIER – Peter KEETMANN – Otto KRAFT – Heinrich KÜHN – Margaret LANGDON – Helmar LERSKI – Peter LINDBERGH – Maurice LOEWY und Pierre Henri PUISEUX – Joel MEYEROWITZ – Ryuji MIYAMOTO – Lucia MOHOLY – László MOHOLY-NAGY – Eadweard MUYBRIDGE – Helmut NEWTON – Nicolas NIXON – Kurt PANZERBIETER – Helga PARIS – Man RAY – Albert RENGER-PATZSCH – Heinrich RIEBESEHL – Leni RIEFENSTAHLRINGL+PIT – Alexander RODTSCHENKO – Franz ROH – Tata RONKHOLZ – Joe ROSENTHAL – August SANDER – Otto SCHMIDT – Karl Hugo SCHMÖLZ – Sam SHERE – Stephen SHORE – Neal SLAVIN – Giorgio SOMMER – Lotte STAM-BEESE – Ferdinand RITTER VON STAUDEBNHEIM – Otto STEINERT – Julius STINDE – Sasha STONE – Marianne STROBL – William Henry FOX TALBOT – Georg TRUMPUMBO – Nick ÚTVKhUTEMAS Workshops – Edward WESTON – Christopher WILLIAMS – Ludwig WINDSTOSSER – Willy ZIELKE – Piet ZWART

Gefördert wird die Ausstellung von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie der Stiftung Van Meeteren. Begleitend zur Ausstellung erscheint im Distanz Verlag ein Katalog mit einem Vorwort von Felix Krämer und Texten von Linda Conze, Janos Frecot und Thomas Weski.

17 KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN HEBEN IN PERSÖNLICHEN KURZTEXTEN IM KATALOG EINZELNE WERKE DER SAMMLUNG BESONDERS HERVOR: Felix KRÄMER – Sebastian RIEMER – Steffen SIEGEL – Mareike FOECKING – Annette KICKEN – Florian EBNER – Alex GREIN – Kay HEYMER – Dedo von KERSSENBROCK-KROSIGK – Gunda LUYKEN – Talisa LALLAI – Ulrich POHLMANN – Sophie-Marie SÜMMERMANN – Andreas LANGFELD – Felicity KORN – Anja SCHÜRMANN – Martina DOBBE

Noch mehr?

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museum KUNSTPALAST

Einen vollständigen Überblick über die angekaufte Fotosammlung erhalten Sie mithilfe des Suchbegriffs „Kicken“ online hier

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN


UNTOLD STORIES – PETER LINDBERGH

Der KUNSTPALAST in Düsseldorf zeigt über 140 Fotografien des Anfang September 2019 verstorbenen Fotografen – bis zum 1. Juni 2020

PETER LINDBERGH – Untold Stories, Kunstpalast Düsseldorf, Ausstellungsansicht © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Ausstellung Untold Stories ist die erste von Peter Lindbergh selbst kuratierte Werkschau. Der 1944 geborene und in Duisburg aufgewachsene Fotograf hat zwei Jahre an der Präsentation gearbeitet. Lindberghs Zusammenstellung von 140 Arbeiten aus den frühen 1980er-Jahren bis heute ermöglicht einen eingehenden Blick auf sein umfangreiches Œuvre und lädt zum Entdecken vieler bislang unerzählter Geschichten ein.

Ein Großteil der Aufnahmen wurde noch nie in Ausstellungen gezeigt; andere wurden von Zeitschriften wie Vogue, Harper’s Bazaar, Interview, Rolling Stone, W Magazine oder dem Wall Street Journal in Auftrag gegeben und veröffentlicht. Nicht die Mode, sondern der porträtierte Mensch steht in Lindberghs Bildern im Vordergrund. Mit seinen Werken ist es ihm gelungen, den unmittelbaren Kontext von Modefotografie und zeitgenössischer Kultur zu überschreiten und neu zu definieren. Die Ausstellung besteht aus drei Teilen, die sich entlang einer Chronologie bewegen. Zwei großformatige Installationen rahmen den Rundgang und eröffnen überraschende Perspektiven auf Lindberghs Schaffen. Untold Stories ist eine besondere Hinterlassenschaft des im September 2019 verstorbenen Peter Lindbergh und zugleich sein persönliches Statement zur Modefotografie.

Die Ausstellung wird organisiert vom Kunstpalast Düsseldorf in Kooperation mit dem Peter Lindbergh Studio, Paris.

In Lindberghs Bildern steht das Interesse am Menschen im Vordergrund. mit seinen Werken ist es ihm gelungen, den unmittelbaren Kontext von Modefotografie und zeitgenössischer Kultur zu überschreiten und neu zu definieren. „Durch die Ausstellung ergab sich die Möglichkeit, ausführlicher über meine Fotos in einem anderen als dem Modekontext nachzudenken. Ziel der Präsentation ist es, die Fotos zu öffnen für andere Lesarten und Perspektiven.“, betonte Lindberg im Gespräch. „Allerdings geht es mir nicht darum zu sagen, dass meine Bilder keien Modefotografien seien, denn das wäre auch falsch. Ich bestehe auf der Definition ´Modefotografie`, weil für mich dieser Begriff nicht bedeutet, dass man Mode abbilden muss – die Fotografie ist viel größer als die Mode selbst, sie ist Bestandteil der Gegenwartskultur.“

PETER LINDBERGH – Untold Stories, Kunstpalast Düsseldorf, Videoarbeit „Testament“ © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des KUNSTPALAST.

Weitere Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs in dem Album BEGEGNUNGEN


KUNSTPALAST DÜSSELDORF

Das Museum startet das Ausstellungsjahr 2020

Kunstpalast Düsseldorf, Eingang Ausstellungen © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Verrückt nach Angelika Kauffmann (30. Januar bis 24. Mai 2020)

Peter Lindbergh: Untold Stories (5. Februar bis 1. Juni 2020)

Sichtweisen. Die neue Sammlung Fotografie (19. Februar bis 17. Mai 2020)

Kunstpalast Düsseldorf, Pressekonferenz mit Generaldirektor Felix Krämer und Oberbürgermeister Thomas Geisel © 2020 k.enderlein FOTOGRAFIE

Das Museum startet im Januar mit der Ausstellung „Verrückt nach ANGELIKA KAUFFMANN – Künstlerin, Powerfrau, Influencerin“

Angelika Kauffmann (1741–1807) vertritt exemplarisch den neuen Typus einer europaweit vernetzten und welt-gewandten Künstlerin. Ihr breitgefächertes Œuvre repräsentiert wesentliche Aspekte des internationalen Klassizismus im Zeitalter der Aufklärung und Empfind-samkeit. Von den etwa 100 ausgestellten Werken – darunter Gemälde, Grafiken und Skulpturen – sind etliche erstmals öffentlich zu sehen.

Schon in jungen Jahren wurde die gebürtige Schweizerin als Wunderkind gefeiert; ihren Durchbruch erlangte sie in London. Protegiert vom englischen Hof setzte sie sich bald in der englischen Kunstszene als gefragte Porträtistin und Historienmalerin durch und erhielt schließlich aus ganz Europa Aufträge. Viele ihrer Werke prägten die Kunst und Mode ihrer Zeit und lösten einen regelrechten Kauffmann-Kult aus.

 Vom 25. Juni bis 20. September 2020 wird die Ausstellung in der Royal Academy of Arts, London, gezeigt.

Alle Informationen über das Jahresprogramm des KUNSTPALAST DÜSSELDORF finden Sie hier.

Sehen Sie weitere Fotografien von meinen BEGEGNUNGEN in den Schubladen meines Archivs. k.e


SURVIVORS – Faces of Life after the Holocaust

Eine Ausstellung mit Portraitfotografien von MARTIN SCHOELLER

SURVIVORS – 75 Portraits von Überlebenden, Fotografiert von Martin Schoeller, Zeche Zollverein Essen © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet eröffnen am 21. Januar 2020 die Ausstellung „SURVIVORS. Faces of Life after the Holocaust“ auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Anlass ist der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Zu sehen sind 75 eindringliche Portraits von Überlebenden des Holocaust, fotografiert von Martin Schoeller. Der international renommierte Fotograf hat sich für dieses Erinnerungs-Projekt mit der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und dessen deutschem Freundeskreis sowie der Stiftung für Kunst und Kultur zusammengeschlossen. Die Portraits sind weltweit erstmalig ab dem 22. Januar 2020 auf Zollverein zu sehen. Weitere Stationen sind geplant.

Menschlichkeit und Würde bewahren unter unmenschlichen Bedingungen: 
Diese Erfahrung steht hinter den überlebensgroßen Nahaufnahmen der 75 Überlebenden. Entstanden sind die Bilder in Jerusalem, in Yad Vashem, wo Schoeller die Portraitierten besucht und sich für die Aufnahmen sehr viel Zeit genommen hat. “Ich bin in Deutschland aufgewachsen”, so Martin Schoeller, der seit langem in New York lebt. „In der Schule haben wir ständig über den Holocaust gesprochen. Ich bin mit dem Gefühl groß geworden, dass eine unglaubliche Schuld auf uns liegt, das hat mich die eigene Identität immer wieder hinterfragen lassen. Wie konnten Menschen aus meinem eigenen Land solche unfassbaren Verbrechen begehen? Es ist erschreckend zu sehen, wie sich der Antisemitismus momentan in Europa und anderswo erneut Bahn bricht. Mehr denn je verspüre ich daher eine große Verantwortung, gegen Antisemitismus anzugehen, wo immer ich ihn erlebe, und dazu beizutragen, dass es nie wieder so etwas wie den Holocaust geben wird. Wir sind verantwortlich für unsere Geschichte. Und ich glaube, dass wir nur dann als Menschen vorankommen können, wenn wir bereit sind, aus der Geschichte zu lernen.“

SURVIVORS – 75 Portraits von Überlebenden, Fotografiert von Martin Schoeller, Zeche Zollverein Essen, Kai Diekmann (links) und Martin Schoeller © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Der Blick in diese vom Leben gezeichneten Gesichter ist heute und für künftige Generationen von besonderer Bedeutung: Die Portraitierten gehören zu den letzten noch lebenden Augenzeugen. Schoellers unverstellte Fotografien sind bleibende Zeugnisse persönlicher und kollektiver Geschichte und vermitteln das Grauen des Holocaust jenseits von Worten.

Kai Diekmann, Vorsitzender des deutschen Freundeskreises von Yad Vashem, unterstreicht die Bedeutung der Fotografien für die Vermittlung der Geschichte(n) der Überlebenden: „Jede der Fotografien sagt mehr, als es Worte je vermögen. Jeder der von nahem und überlebensgroß gezeigten Gesichtszüge trägt ein Stück persönlicher und kollektiver Geschichte in sich. Ihre Gesichter beobachten uns. Ihr Blick fesselt uns. Die Furchen der Gesichter sind Zeichen des durchlebten Grauens und zugleich des Triumphs, sich ein neues Leben aufgebaut zu haben. Jede Fotografie spricht zu unserem Herzen – und öffnet ein Tor zu dem überwältigenden Vermächtnis der Opfer und Überlebenden.“

Ort der Ausstellung: UNESCO-Welterbe Zollverein – Areal C (Kokerei) | Mischanlage (C70), Arendahls Wiese, 45141 Essen, noch bis zum 26.04.2020

Weitere Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs in dem Album BEGEGNUNGEN

Alle Infos zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite der Zeche Zollverein


AUS MEINEN SCHUBLADEN 10.2019

Vor der Galerie SIES + HÖKE in der Poststraße in Düsseldorf © 2017 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ob ein Film im Kino, eine Ausstellung im Museum, eine Präsentation in der Galerie, ein Konzert im Saal, alles das ist für mich immer ein ganzheitliches Seh- und Kulturerlebnis. Es ist nie der Film, das künstlerische Werk, das Bild oder das Konzert allein, das mich motiviert etwas zu begreifen. Es ist der Raum, die Umgebung, der Weg dahin, die Begegnung mit anderen Menschen, ob im Museum oder in der Straßenbahn – Erleben in allen Zusammenhängen meines geistigen Anspruchs, meiner Erlebnisse und meiner Erfahrungen. Das macht das Bild an der Wand, das Werk im Museum, den Film oder das Konzert zu meinem individuellen Erlebnis – und zu meiner zumeist unvergesslichen Erfahrung.

Spannend wird es dann, wenn unkonventionelle, unerwartete Begegnungen das Erlebnis bereichern – so wie die Feuerlöscher vor dem Eingang einer Galerie in Düsseldorf. Nein, kein Outdoor-Objekt eines Aktionskünstlers und erst recht keine Installation einer Klimaschutzorganisation – lediglich das sichtbare Ergebnis der regelmäßigen Brandschutzvorsorge im öffentlichen Raum durch einen entsprechenden Dienstleister. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb eine weitere schöne Erfahrung! k.e


LEBENS(T)RAUM

Fotoausstellung in der Jugendfreizeiteinrichtung Twenty One am 3. Dezember in Düsseldorf-Heerdt eröffnet

Ralf Blankenberg (vorne 3.v.l.) und sein kreatives Projektteam „Foto-Video-Musik-Net“ bei der Ausstellungseröffnung im Jugendtreff Schiessstr. 21 © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Was sie in einer viermonatigen Projektarbeit erarbeitet hatten, präsentierten die Jugendlichen am 3. Dezember stolz und selbstbewusst der Öffentlichkeit unter dem Titel „Lebens (T) Raum“. Die zwischen acht und 17 Jahre alten Jugendlichen nutzen die Fotowerkstatt im Jugendtreff in Düsseldorf-Heerdt unter der Leitung des Pädagogen Ralf Blankenberg für die kreative Reflexion ihrer Lebenswelt in Bezug auf ihre Probleme, Wünsche und Ängste. In der technisch gut ausgerüsteten digitalen Werkstatt bearbeiten sie ihre Projekte von der Fotodatei bis hin zum präsentierfähigen Wandbild.

Hier vier Beispiele aus der Projektarbeit 2018:

Beeindruckend überzeugen sie BesucherInnen davon, dass die neuen Medien bei sinnhafter Nutzung viel mehr sein können, als ein virtuelles Instrument für absolut abstraktes Denken. Bei ihrer fotografischen Arbeit verknüpfen die Jugendlichen wichtige Elemente ihres realen Lebens mit digitalen Werkzeugen der (hier: visuellen) Kommunikation und begreifen so den selbstverständlichen aber durchweg sinnvollen Umgang mit neuer Technik. Wenn sie mal erwachsen sind, haben sie diese Fähigkeit vielen erwachsenen Medien-Intensivnutzern voraus. Das lässt hoffen! k.e


HEIMAT – FOTOGRAFIEN AUS DEM RUHRGEBIET

Cover des Bildbands „Heimat – Fotografien aus dem Ruhrgebiet“, 2019; Copyright: Ruhr Museum

Das Ruhr Museum schreibt über seinen jüngst herausgegebenen Bildband:

Das Thema Heimat ist momentan höchst aktuell und das Ruhrgebiet in diesem Zusammenhang ein Fallbeispiel der besonderen Art: Hier verändert die „alte Heimat“ sich fundamental durch das endgültige Ende des Bergbaus.
„Heimat“ ist ein Bildband, der die immer noch allgegenwärtigen Klischeebilder vom Revier durch überraschende Sichten unterwandert und Räume für individuelle Erinnerungen und Assoziationen öffnet. Das Konzept von „Heimat“ geht von Begriffspaaren aus, die spontan mit dem Revier assoziiert werden. Kapitel wie „dreckig und sauber“, „heiß und kalt“, „oben und unten“ handeln zwar naturgemäß von Bergbau und Industrie, vom Alltag mit Wohnen und Arbeiten, Konsum und Freizeit – aber durch Art, Auswahl und Zusammenstellung der Fotografien werden ganz ungewohnte neue Bildwelten von der vertrauten „alten“ Heimat erzeugt.

Der Fundus im Fotoarchiv des Ruhr Museums spielt dabei eine wesentliche Rolle: Neben journalistischer Fotografie finden sich Auftragsarbeiten zur Dokumentation von Stadt-, Industrie- und Firmengeschichte ebenso wie Werbeaufnahmen für verschiedenste Produkte. Hier sind deshalb nicht nur die gängigen Motive der Ruhrgebietsgeschichte überliefert, sondern es sind auch viele spannende Entdeckungen zu machen. Dafür liefert „Heimat“ zahlreiche Beispiele.

Dr. Sigrid Schneider war nach Universitäts- und Rundfunktätigkeit bis 2012 für den Aufbau und die Leitung der Fotografischen Sammlung im Ruhr Museum in Essen zuständig. Neben Projekten und Publikationen zur Fotografie hat sie zahlreiche Ausstellungen kuratiert, unter anderem zur Nachkriegsfotografie, zu den 1960er Jahren, zur Ikonographie des Ruhrgebiets, zum Verhältnis von Realität und Abbild, außerdem mit einer CD und einem Katalog erste systematische Überblicke über die Sammlung des Fotoarchivs vorgelegt.

In der heutigen Zeit fast schon überstrapaziert, dennoch gerne bemüht: das Wort „Heimat„. „Wir wollten bewusst diesen Begriff nicht dem dunklen rechten Spektrum unserer Gesellschaft alleine überlassen.“ deshalb, so der Direktor des Ruhr Museum Theodor Grütter, der dieses Wort als „kontaminiert“ in den Nachkriegsjahrzehnten Deutschlands bezeichnet, habe man den Titel des Bildbands so gewählt. Dass das opulente Buch noch rechtzeitig vor Weihnachten den Weg in den Handel gefunden hat, freut Grütter ebenso wie die Herausgeberin Sigrid Schneider und selbstverständlich den Verleger vom Klartext Verlag Achim Nöllenheit.

So sah ich mein Revier Anfang der achtziger Jahre. „Weihnachten im Werk, Duisburg-Hamborn“ © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

227 Bilder aus einem Zeitraum von 1867 bis 2009 von insgesamt 53 zum Teil renommierten FotografInnen zeichnen das Bild vom Revier in diesem Band. Dass ich die zeitgenössischen Werke nicht sofort als zeitgenössisch identifiziere, liegt vielleicht auch an meiner voreingenommenen Sehweise aufs Revier. Chargesheimer ist tot, es lebe Chargesheimer, so dämmerts mir im Unterbewusstsein bei der Suche nach einem neuen und zeitgemäßen Bild des Ruhrgebiets. Nun ist es nicht Aufgabe einer historischen Sammlung, und so nennt sich das Fotoarchiv im Ruhr Museum zu Recht, tagesaktuelle Bildmotive oder aktuelle Arbeiten von Fotokünstlern dieser Region zu veröffentlichen. Es wird zwar von einem Brückenschlag zwischen den allzu vertrauten Motiven und möglichen modernen Bildinterpretationen einer keineswegs einheitlichen Region gesprochen, der Verweis auf das stetig wachsende Nachbar-Archiv „Pixelprojekt Ruhrgebiet“ befriedigt meine Erwartung allerdings nicht. Diese lobenswerte Initiative, 2003 von Fotograf Peter Liedtke gegründet, beschreibt zwar auch einen Wandel der Fotografie adäquat zum Wandel des Reviers. Es finden sich allerdings auch hier viel zu viele Klischee-Bilder á la Chargesheimer, ob nun von älteren oder jungen FotokollegInnen. Die allzu vertrauten Motive von Taubenzüchtern, Fußballvereinen, Kinderhilfsorganisationen, Migrationsfamilien, verstauten Schnellstraßen und einer vermeintlich zeitlosen Büdchenkultur reißen nicht ab und zeichnen immer noch ein Bild vom Revier, das längst überholt scheint. Da helfen auch wenig die Bilder anderer Publikationen der Hamborn-Bruckhausener Brautläden oder die Straßenfotografie nächtlicher Handyfotos mit vermeintlichen Clanstrukturen. Genau so wenig, wie die Bilder von Till Brönner (MELTING POTT).

So ist mein Revier, wie ich es heute begreife! „An der Nord-Süd-Achse in Duisburg“ © 2017 k.enderlein FOTOGRAFIE

Um nicht das immer Gleiche abbilden zu müssen, sind die Fotografen gezwungen, eigene innovative Sichtweisen zur Repräsentation des gegenwärtigen Ruhrgebiets zu finden, wenn sie nicht im Dilemma des Selbstreferentiellen, der endlosen Wiederholung der bekannten Bildmuster verharren wollen.“ betont Sigrid Schneider im spärlichen Nachwort. Das empfehle ich allen Foto-KollegInnen auch, nicht ganz sicher, ob dieses Dilemma in dem vorliegenden Bildband behoben ist. So ist es nun an uns, so wir das Buch Heiligabend unter dem Christbaum finden, zu entscheiden, ob wir uns mit diesem Bild vom Ruhrgebiet identifizieren können und ob wir einen Wandel im Ruhrgebiet jetzt besser begreifen. Und dabei sollte es keine Rolle spielen, ob wir das Ruhrgebiet kennen oder nicht. Es wäre ja vielleicht auch ein passendes Weihnachtsgeschenk für meine Freunde in Berlin oder München, die wiederum ihr gänzlich eigenes Verständnis von Heimat haben. k.e


AUS MEINEN SCHUBLADEN 09.19

Haus Feininger (Detail), Meisterhäuser Dessau © 2014 k.enderlein FOTOGRAFIE

Nun neigt sich das 100ste Jubiläumsjahr des BAUHAUS dem Ende. Ich bin ganz froh. Unzählige Veranstaltungen, massenweise Werbung, kommerzielle Produkte – alle unter dem Deckmäntelchen, mit der bedeutsamen und folgenreichsten kulturellen Erscheinung des 20. Jahrhunderts (1919-1933) auf irgendeine Weise verbandelt zu sein, nervten mich auf die Dauer dann doch. Anfangs schreckte ich erfreut auf, las oder sah ich irgend etwas aus dem Zusammenhang dieser Kunstschule, doch zu oft waren es dann profane Zusammenhänge, mit denen die Protagonisten zahlreicher Kultur- und Kommerzinstitutionen auf sich aufmerksam machen wollten. So stumpfte mein tradiertes Interesse am BAUHAUS in diesem Jahr allmählich ab. Nächstes Jahr will ich wieder hinsehen und hinhören, wenn der Name BAUHAUS auftaucht. Ich werde auch die neuen Museen in Weimar und Dessau besuchen. Doch für dieses Jahr ist mein Bedarf gründlich gedeckt.

Bauhausgebäude Dessau, Flur im Erdgeschoss © 2014 k.enderlein FOTOGRAFIE

Das BAUHAUS, seine Lehrmethoden und seine Produkte, bleiben nun einmal zeitlos. Die Arbeiten zahlreicher Bauhaus-Künstler werden heute noch bewundert und schmücken Galerien und Museen auf der ganzen Welt. Die Bauhaus-Architekten und -Designer schufen Produkte, die nicht nur schön, sondern auch haltbar, nützlich und erschwinglich waren. Heute werden diese noch häufig kopiert – selten erreicht – und teuer vermarktet. BAUHAUS ist trotzdem zu einer, wenn auch geschützten, Marke geworden, die die Ästhetik ihrer Produkte nachhaltig bewahrt.

Als stark linienorientiert denkender und arbeitender Fotograf kann ich gar nicht umhin, bei den Bildern, die zunächst in meinem Kopf entstehen, immer eine „BAUAHUS-Schere“ anzusetzen. Gewiss, rund kann auch schön sein, ist manchmal unumgänglich, durchaus aber auch teurer. Aber so, wie unsere runde Erde wunderschön auf zahllose Seiten eines Atlas rechteckigen Formates passt, lese ich die Welt für meine Bilder – bestenfalls passt alles in ein Quadrat oder ein Rechteck.

So danke ich meinen zahlreichen Vorbildern, meinen Meistern im Geiste: Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe, Hannes Meier, Lyonel Feininger, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Gerhard Marcks, László Moholy-Nagy und deren Studierenden Josef Albers, Marcel Breuer, Herbert Bayer, Gunta Stölzl, Anni Albers und Joost Schmidt.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH 100 Jahre BAUHAUS 2019


GUTE AUSSICHTEN – JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE 2019/2020

Krieg und Frieden in Zeiten globaler Desinformation – Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf bis zum 16. Februar 2020

NRW-Forum Düsseldorf, gute aussichten – junge deutsche fotografie 2019/2020, Ausstellungsvorbesichtigung, GA-Gründerin Josefine Raab, Bildmitte vorne © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Mit der Ausstellung „gute aussichten 2019/2020“ präsentiert das NRW-Forum Düsseldorf wieder die Auftaktausstellung des renommierten Nachwuchspreises. Im 16. Jahr von „gute aussichten“ wählte die Jury aus 82 Einreichungen von 36 Hochschulen neun Preisträgerinnen aus: „Krieg und Frieden in Zeiten globaler Desinformation“ ist der rote Faden, der sich durch die Ausstellung 2019/2020 zieht und die Werke der PreisträgerInnen miteinander verknüpft.

Die PreisträgerInnen sind:

Lukas van Bentum (Fachhochschule Bielefeld)
Ricarda Fallenbacher (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Lisa Hoffmann (Muthesius Kunsthochschule Kiel)
Juliane Jaschnow (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig)
Johannes Kuczera (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Larissa Rosa Lackner (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig)
Marco Mehringer (Bauhaus Universität Weimar)
Markus Seibel (Hochschule Darmstadt)
Victoria Vogel (Fachhochschule Bielefeld)

„gute aussichten GRANT“: Malte Sänger (gute aussichten-Preisträger 2018/2019)

NRW-Forum Düsseldorf, gute aussichten – junge deutsche fotografie 2019/2020, GA GRANT-Gewinner Malte Sänger © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Die Bilder der PreisträgerInnen zeigen die Protagonisten aus Sicht unserer Kinder. Und wenn die groß sind, begegnen sie vielleicht dann der deutschen Fotografier-Elite auf Augenhöhe! Dem Foto-Nachwuchs viel Erfolg weiterhin.“ k.enderlein

Weitere Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs in dem Album NRW–FORUM

Alle Infos zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des NRW-Forum


BIEKE DEPOORTER 2015-2019

Ausstellung der belgischen Magnum-Fotografin im NRW-Forum Düsseldorf – noch bis zum 16. Februar 2020

NRW-Forum Düsseldorf, Bieke Depoorter 2015-2019, Die Fotografin Bieke Depoorter vor ihrer Arbeit Michael © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Anfangspunkt der Ausstellung sind Arbeiten von 2015, kurz bevor Bieke Depoorter als zu der Zeit jüngste Fotografin zum Vollmitglied der renommierten Agentur Magnum Photo ernannt wurde. Die Ausstellung zeigt auf, wie sich ihre Arbeitsweise in dieser Zeit und bis heute fortlaufend und dramatisch verändert hat. Wichtige Sujets sind nach wie vor die Nacht und Momente, in denen niemand zu beobachten scheint. Im Vordergrund stehen heute aber vermehrt ästhetische, ethische und soziale Fragen sowie Depoorters nie abgeschlossene Suche nach Antworten. Die aktuellen Serien sind eine Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Wesenhaften ihrer Arbeit und eine Suche nach ihrer Rolle als Fotografin, nach Dialog und Kooperation mit den Menschen, die sie porträtiert. Sie versteht sich als Fotografin immer mehr als Außenseiterin, aber auch als Künstlerin, die nach Wegen sucht, die Lücke zwischen ihr und den Menschen, die sie fotografiert, zu schließen. Oft sind es am Ende gemeinsame Erzählungen von Fotografin und Porträtierten, die in die Arbeiten eingehen.

Bieke Depoorter wurde 1986 in Kortrijk, Belgien, geboren. Sie hat Fotografie an der Royal Academy of Fine Arts in Gent studiert, wo sie 2009 den Master-Abschluss erwarb. Drei Jahre später, im Alter von nur 25 Jahren, wurde sie von Magnum Photos nominiert, 2016 zum ordentlichen Mitglied ernannt.

Weitere Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs in dem Album NRW-FORUM

Alle Infos zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des NRW-Forum