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Ich kommuniziere auf meinem Blog nicht nur eigene Fotoprojekte.
Ich informiere über Fotografie und deren Stellenwert in der Kunst und im Kommerz.

Ich möchte Impulse geben für eine differenzierte Aufmerksamkeit für die Fotografie, einem Jahrhunderte alten Medium in unserer digitalen Gesellschaft.

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DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Seit bald fünfzig Jahren beobachte ich Fotografie im öffentlichen Raum – in Museen, in Galerien, auf Kunstmessen, auf Werbeplakaten, auf Foto-Festivals. Welchen Wandel, welche Entwicklung erfährt dieses Medium? Wie verändert sich die Gesellschaft, in der es stattfindet? Wie wechselvoll geht die Gesellschaft mit dem Medium visuelle Kommunikation um? Trotz meiner Voreingenommenheit als Fotoautor, oder gerade deshalb, sind diese Fragen für mich immer wieder spannend, zudem existenziell für mein Wirken und mögliche Antworten immer wieder überraschend. Die Fotografie besteht im Wandel der Zeit. Fotografie wird hoffentlich ein immer spektakuläres Medium sein. Ich werde das in meinem Fotografenleben weiter beobachten! Ich werde versuchen, Antworten zu geben!

Das Foto zeigt eine Außenausstellung von Fotografie-Studierenden der fotobus society auf dem Schadowplatz anl. des DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019. Wir sehen drei Arbeiten von Felix Kleymann und eine von Martin Lamberty (re.) – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

EDVARD MUNCH –

GESEHEN VON KARL OVE KNAUSGåRD

Rund 140 noch nie in Deutschland gezeigte Werke in der Kunstsammlung NRW im K20 in Düsseldorf – 12.10.2019 – 1.3.2020

Auf der Ausstellungsvorbesichtigung erklärt der norwegische Autor Karl Ove Knausgård (*1968) den anwesenden JournalistInnen wie er die Bilder von Edvard Munch (*1863 †1944) bergreift.
Edvard Munch im K20 – Pressekonferenz, Prof. Dr. Susanne Gaensheimer und Karl Ove Knausgård (v.l.) vor Edvard Munchs „Die Sonne“ aus dem Jahr 1912 © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Edvard Munch (1863–1944) gehört zu den bedeutendsten Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts. Er war ein Wegbereiter des Expressionismus und einzigartig in seinen stilistischen und technischen Erfindungen im Bereich der Druckgrafik. Zu seinen wichtigsten Schöpfungen gehören weltweit bekannte Bilder wie „Der Schrei“ oder „Das kranke Kind“ – Werke, die der Norweger ab den 1880er Jahren schuf. Nach längeren Aufenthalten in Paris und Berlin zog sich Munch ab 1909 nach Oslo zurück. Von diesem Zeitpunkt an entstanden winterliche Landschaften, Blumengärten und lebensgroße Porträts voll überraschender Heiterkeit.

Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren. Er gilt als wichtigster norwegischer Autor der Gegenwart. Die Romane seines sechsbändigen, autobiografischen Projektes „Min Kamp“ wurden weltweit zur Sensation und setzten neue literarische Maßstäbe. Sie sind in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt. 2015 erhielt Knausgård den WELT-Literaturpreis, 2017 den Jerusalem-Preis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft. Im selben Jahr wurde ihm auch der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur verliehen. Karl Ove Knausgård lebt mit seiner Familie in London.

Mit rund 140 selten oder noch nie in Deutschland gezeigten Werken präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im K20 einen „unbekannten“ Edvard Munch. Ausgewählt hat die Gemälde, Druckgrafiken und Skulpturen Karl Ove Knausgård. Der international gefeierte Schriftsteller, Norweger wie Munch, erlangte Weltruhm mit seinem sechsbändigen autobiografischen Roman, der in über dreißig Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt wurde. Sein sehr persönlicher Blick eröffnet eine frische Perspektive auf den wohl bedeutendsten Künstler der skandinavischen Avantgarde um 1900 und legt dar, wie aktuell Munchs Beschäftigung mit der Einbettung des Individuums in die Gesellschaft auch heute noch ist.

„Die Ausstellung mit Werken eines historischen Künstlers folgt dem Leitgedanken der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, unter neuen Blickwinkeln Erkenntnisse für die Schwerpunkte unserer Sammlung zu gewinnen“, erklärt Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, und begründet ihr besonderes Interesse an diesem Projekt damit: „Die europäische Moderne des frühen 20. Jahrhunderts ist das Herzstück unserer Sammlung und es ist uns ein Anliegen, mit unseren Ausstellungen und Programmen diesen wertvollen Bestand in einen Reflexionsprozess einzubinden“.

Edvard Munch im K20 – Pressekonferenz, Karl Ove Knausgård (ganz rechts) © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Knausgård erkundet die Innenwelt des Malers und spürt den künstlerischen Überlegungen nach, die Munch beschäftigten. Dem subjektiven Zugang des Autors folgend gliedert sich die Ausstellung in vier Themenbereiche: „Licht und Landschaft“ präsentiert Küsten und Gärten, aber auch Szenen mit Menschen bei der Arbeit auf dem Feld. Es folgt „Der Wald“ mit Ansichten von Bäumen und Feldern – einer Natur, die die Oberhand über das menschliche Handeln gewinnt. „Chaos und Kraft“ gewährt Einblick in die emotionalen und psychischen Triebkräfte der Malerei Munchs und dessen Ringen um jedes Werk. Nach dieser Konzentration auf das Innere bilden den Abschluss „Die Anderen“ – Bildnisse von Freunden und Gefährten, an denen abzulesen ist, wie das Individuum die Kontrolle über die Wirklichkeit zurückerlangt.

Edvard Munch im K20 – Ausstellungsansicht © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Für die Ausstellung durchforstete Knausgård die Sammlungsmagazine im Munch Museum auf der Jagd nach Werken, die Munch in neuem Licht erscheinen lassen“, beschreibt Stein Olav Henrichsen, Direktor des Munch Museums in Oslo, das Entstehen der Ausstellung im Herbst 2017 ebendort. Gemeinsam mit Karl Ove Knausgård konnte die Ausstellung in Düsseldorf um einige wichtige Bilder erweitert werden. Mit „Edvard Munch – gesehen von Karl Ove Knausgård“ ist es gelungen, eine neue Perspektive auf einen der bedeutendsten Künstler an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu eröffnen.

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archives im Ordner BEGEGNUNGEN

Mehr Informationen über die Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite der KUNSTSAMMLUNG


UNSEEN AMSTERDAM

Foto-Spektakel in Amsterdam am Wochenende 20 – 22 Sept 2019

unseen AMSTERDAM 2019 © k.enderlein FOTOGRAFIE

unseen ist eine internationale Plattform, die sich der zeitgenössischen Fotografie widmet. unseen konzentriert sich auf das Neue in der internationalen Kunstszene und entdeckt und präsentiert Kunstwerke von aufstrebenden Künstlern und hilft dabei, deren Praxis zu entwickeln. Ebenso werden die neuesten Arbeiten von etablierten Künstlern präsentiert. Der Schwerpunkt der Fotoschau in Amsterdam liegt auf künstlerischen Interpretationen mit dem Medium Fotografie.

unseen schafft einen einzigartigen Raum für den Austausch von Ideen und Wissen, das Hören verschiedener Stimmen, die Sensibilisierung für die brennenden Themen von heute und die Erweiterung der internationalen Gemeinschaft. Kommunikative Peripherie-Veranstaltungen im Umfeld der Messe laden zum sehen, erleben und diskutieren.

Alle Informationen zu der Amsterdamer Foto-Schau finden Sie hier.


PIERRE CARDIN.FASHION FUTURIST

Der Kunstpalast in Düsseldorf bittet zur Modenschau – Ausstellung mit Werken des Mode-Futuristen Pierre Cardin noch bis zum 5. Januar 2020

DIE BEATLES – George Harrison, Paul McCartney, Ringo Starr und John Lennon – Photo by V&A Images – © 1963 Harry Hammond – Image courtesy – gettyimages.com

Die BEATLES? – Ja, auch diese Anzüge der noch jungen Popgruppe sind nach Entwürfen von Pierre Cardin geschneidert. Und das waren lange nicht die ersten Kleider, die den umtriebigen Couturier, Designer und Pionier des Prèt-à-porter berühmt machten. Bereits 1950 gründete Pierre Cardin (*1922 in Italien) sein eigenes Modelabel. Jetzt widmet der Kunstpalast dem französischen Modeschöpfer die erste umfangreiche Ausstellung in Deutschland. Mehr als 80 Haute-Couture-Kleider und Accessoires für Damen und Herren sowie Fotos und Filmmaterial geben einen faszinierenden Einblick in Cardins kreativen Kosmos.

Nach der Autoschau im letzten Jahr unterstreicht der Kunstpalast mit einer Art Modenschau nun einmal mehr seinen Anspruch, den klassischen Kunstbegriff um einige Facetten zu erweitern. Und das in Düsseldorf, hoffentlich nie Autostadt, sondern eher Medien- und Modestadt, und mit der dazu gehörigen Königsallee. Das passt doch.

PIERRE CARDIN.FASHION FUTURIST, Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf, v.l.n.r.: Kuratorin Barbara Til, Generaldirektor Felix Krämer und Rodrigo Basilicati Cardin (Neffe von Pierre Cardin und Generaldirektor des Unternehmens Pierre Cardin © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Mit dieser Mode-Ausstellung widmet sich der Kunstpalast im Kontext seiner Sammlung Angewandte Kunst abermals einem Projekt, das für einen erweiterten Kunst- und Designbegriff steht.“, betont Felix Krämer. „Zudem verstehen wir die in der international bekannten Modestadt Düsseldorf präsentierte Schau als eine Verbeugung gegenüber dem bis heuten aktiven 97-jährigen Modeschöpfer.“

PIERRE CARDIN.FASHION FUTURIST, Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf, oben v.l.n.r.: die Kuratorinnen Barbara Til und Maria Zinser © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Cardin, der mit seiner geometrisierenden Formensprache eine unverwechselbare Ästhetik geschaffen hat, zeichnet wenig und kreiert seine skulptural anmutende Mode meist am Modell.“, hebt die Kuratorin Barbara Til hervor. „Er arbeitet geradezu plastisch, wie ein Bildhauer, mit einer direkt am Körper entwickelten und dem verwendeten Stoff gemäßen Schnittführung.“

„Cardins Mode verschafft Frauen, aber auch Männern in einer Zeit der politischen und sexuellen Umwälzungen große modische Freiheiten“, so Kuratorin Maria Zinser. „Mit Looks aus Minirock, flachen Stiefeln und helmartigem Hut kreiert er eine Mode des Protests: jung, sexy und mutig zugleich.“

PIERRE CARDIN.FASHION FUTURIST, Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf, Rodrigo Basilicati Cardin, Neffe von Pierre Cardin und Generaldirektor des Unternehmens Pierre Cardin © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Pierre Cardin sieht seine Mode als Kunst am Körper, in der sich die Person wohl fühlen muss. Dabei spielt die Wahl der Materialien eine untergeordnete Rolle.“, zitiert Rodrigo Basilicati Cardin seinen Onkel. Cardin kombiniere oft sehr leichte synthetische Materialien mit festen wollenen Stoffen.

PIERRE CARDIN.FASHION FUTURIST, Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf, v.l.n.r.: Generaldirektor Felix Krämer, Rodrigo Basilicati Cardin (Neffe von Pierre Cardin und Generaldirektor des Unternehmens Pierre Cardin), Dr. Stella A. Ahlers (Vorstandssitzende Ahlers AG) © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Ahlers AG, Linzennehmerin seit 27 Jahren, fertigt eine umfangreiche Herrenkonfektion nach Absprache mit dem Pariser Haus Cardin zu durchaus erschwinglichen Preisen. Bei dem Erwerb eines Pierre Cardin handgenähten Haute-Couture-Kleides auf der Rue du Faubourg Saint-Honoré 59 in Paris muss man dagegen mit fünfstelligen Euro-Beträgen rechnen. Da empfiehlt sich zunächst ein Besuch im Kunstpalast, der ein unvergleichliches Seherlebnis der Haute-Couture liefert – für vergleichsweise kleines Eintrittsgeld.

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN.

Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es auf der Zuhause-Seite des KUNSTPALAST.


#6 PHOTO POPUP FAIR

Düsseldorf vom 8. bis 17. November 2019 – sechste Ausgabe der Messe für zeitgenössische Photographie

Wolfgang Sohn, Creative Director & Founder der PHOTO POPUP FAIR, bei der Pressekonferenz im „me and all Hotel“ auf der Immermannstraße © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Es ist unglaublich wichtig, hochwertige Kunstveranstaltungen in Düsseldorf auch live in der Stadt erlebbar zu machen und die Düsseldorfer ganz gezielt abzuholen. Düsseldorf als Kunst- und Medienstadt ist dafür absolut prädestiniert, besonders mit ihrer exponiertesten und international bekannten Straße, der Königsallee.“ So interpretiert Wolfgang Sohn seine Aktion, anlässlich der Präsentation der sechsten Düsseldorfer PHOTO POPUP FAIR vor der Presse, ausgewählte Exponate von Models über die Königsallee zum Veranstaltungsort im Stilwerk tragen zu lassen. Dieses Guerilla-Marketing steht auch für die unkonventionelle Vermarktungsstrategie der Veranstalter.

#6 PHOTO POPUP FAIR, Düsseldorf, „Walking Gallery“ zur Königsallee © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

PARIS PHOTO in Paris, photobasel in Basel, unseen in Amsterdam, FOTO WIEN in Wien, photo london in London, PHOTOFAIRS in Shanghai, photo Kyiv in der Ukraine, PHOTOLA in Santa Monica, CA, seien hier nur beispielsweise genannt für die neuen großen Foto-Präsentationen, die mittlerweile alljährlich weltweit für das jahrhunderte alte Medium Fotografie einen Marktplatz bieten. Was die Capitals in aller Welt leisten, schafft die PHOTO POPUP FAIR in Düsseldorf, initiiert vom Gründer Wolfgang Sohn, so langsam auch. Sie ist vielleicht noch nicht so groß wie ihre Schwester-Veranstaltungen, aber angepasst an die veränderten Ansprüche visueller Medien, wird auch die Messe in der NRW-Landeshauptstadt durchaus noch wachsen wollen. Die momentan überschaubare Größe der Veranstaltung hat außerdem den Scharm, die zahlreichen Exponate internationaler Fotokünstler und Fotografen zentral auf 2000 qm unter einem Dach präsentieren zu können.

Und das passiert ab dem 8. November 2019 in den großzügigen Räumen des Stilwerk. Zahlreiche zusätzliche Einzelveranstaltungen rahmen das Seherlebnis ein. Detailinformationen gibt es hier.

Alle Fotos der Pressekonferenz zur Ausstellung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN.


KUNST IN DER DDR

UTOPIE UND UNTERGANG – Ausstellung im Kunstpalast in Düsseldorf

KUNSTPALAST DÜSSELDORF – „Kunst in der DDR“, v.l.n.r.: Kurator Steffen Krautzig, Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, Generaldirektor Felix Krämer © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Als Museum mit Bildungsauftrag hat der Kunstpalast die Pflicht, Impulse für das Nachdenken über unsere gesamtdeutsche Kunstgeschichte zu geben, um damit eine Diskussion über die vielfach unbekannte junge Vergangenheit im Kunstbetrieb der DDR zu erwirken.“ So interpretiert Felix Krämer, Generaldirektor Museum Kunstpalast, die aktuelle Ausstellung „UTOPIE UND UNTERGANG – Kunst in der DDR“, die noch bis zum 5. Januar 2020 in Düsseldorf zu sehen ist.

Diesen Anspruch mag auch das Bundespräsidialamt in Berlin überzeugt haben, weshalb die Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Eröffnungsansprache im Robert-Schumann-Saal anlässlich der Ausstellung „Utopie und Untergang. Kunst in der DDR“, Foto: © Foto: Anne Orthen

„30 Jahre nach der Friedlichen Revolution mit dem Fall der Mauer und der Grenzen innerhalb Deutschlands wird die Ausstellung einen wesentlichen Beitrag leisten zu einem vertieften Verständnis zwischen Ost und West.“, so Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Grußwort für den Ausstellungskatalog. „Es gilt einen neuen, gerechten Blick auf die Kunst der DDR zu werfen, es gilt auch einen selbstkritischen Blick auf die westdeutsche Aufnahme dieser Kunst zu werfen. Für beides sollten wir Betrachter zuallererst eine große Neugier mitbringen. Dann werden uns neue und überraschende Kenntnisse geschenkt werden.“

Einen Überraschungseffekt, eine bisher nicht gekannte Sehweise der DDR-Kunst für sich entdecken können, erhoffen sich auch der Kurator Steffen Krautzig und Generaldirektor Felix Kämer nicht nur bei den nach 1989 geborenen BesucherInnen, sondern auch bei den MitarbeiterInnen von Kultur- und Bildungsinstitutionen, die die gezeigten mehr als 130 Werke für eine kunstgeschichtliche gesamtdeutsche Betrachtungweise nutzen können.

Wir sehen in der Ausstellung im Kunstpalast Arbeiten von den Nachkriegsjahren bis zum Mauerfall von Gerhard Altenbourg (1926–1989), Carlfriedrich Claus (1930–1998), Hermann Glöckner (1889–1987), Angela Hampel (*1956), Bernhard Heisig (1925–2011), Wilhelm Lachnit (1899–1962), Wolfgang Mattheuer (1927–2004), Michael Morgner (*1942), A.R. Penck (1939–2017), Cornelia Schleime (*1953), Willi Sitte (1921–2013), Werner Tübke (1929–2004) und Elisabeth Voigt (1893–1977).

Die drei noch lebenden vertretenen KünstelerInnen leben und arbeiten noch heute in den neuen Ländern.

KUNSTPALAST DÜSSELDORF – „Kunst in der DDR“, Die Künstlerin Cornelia Schleime © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Sie nahmen mir die Freiheit zur Kunst, deshalb habe ich mich völlig entblößt. Ich machte mich nackt, weil man mich auch nackt machte. Die DDR ließ nichts von mir übrig.“ so die Künstlerin in einem Gespräch 2016 mit Oliver Koerner von Gustdorf. (Hier das ganze Interview.)

„In der Ausstellung wird sichtbar, dass Kategorisierungen wie systemkonforme ,Staatskunst‘ und nonkonforme Untergrundkunst zu kurz greifen.“, hebt der Kurator Steffen Krautzig hervor. „Mit dem Untergang der DDR verloren die damals entstandenen Kunstwerke ihre politischen Funktionen – auch die Werke, die sich bewusst von politischen Vereinnahmungen abgrenzten. Schon immer haben sich in der Kunstgeschichte Funktionen und Bedeutungen gewandelt. Wir wollen mit unserer Schau – ohne Entstehungszusammenhänge und kulturpolitische Hintergründe zu verschweigen – die Kunstwerke in den Mittelpunkt rücken und ihre Bedeutung für unsere Gegenwart vorstellen.“

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung im Kunstpalast finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN.

Weitere Informationen zu der Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des KUNSTPALAST.


SALLY MANN

„Nur wenige Fotografen zu irgendeinem Zeitpunkt und an irgendeinem Ort haben Sally Manns Beständigkeit des einfachen Sehvermögens, ihre ruhige technische Brillanz und die klar kommunizierte Beredsamkeit, die sie von ihren menschlichen und anderen Subjekten bezieht, erreicht – Subjekte, die mit einer Leidenschaft beobachtet werden, die von der Liebe kaum zu unterscheiden ist.“ Reynolds Preis, TIME

JEU DE PAUME, Paris – Sally Mann © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Das Jeu de Paume in Paris befindet sich im Jardin des Tuileries, nur wenige Schritte vom Place de la Concorde entfernt und ist ein Ort, der sich Fotografie, Video, Kunst- und Autorenfilm und neuen Technologien widmet. Bis zum 22. September 2019 zeigt das Museum die Retrospektive der amerikanischen Fotografin Sally Mann (*1. Mai 1951 in Lexington, Virginia, USA).

Seit mehr als vierzig Jahren produziert Sally Mann experimentelle Fotografien von eindringlicher Schönheit, die die wesentlichen Themen des Lebens erforschen: Erinnerung, Begehren, Tod, familiäre Bindungen und die meisterhafte Gleichgültigkeit der Natur gegenüber Männern. Die Einheit dieses riesigen Korpus – Porträts, Stillleben, Landschaften und verschiedene Studien – basiert auf der Erinnerung an einen Ort, den Süden der Vereinigten Staaten.

Sally Mann hat vor langer Zeit darüber geschrieben, was es bedeutet, im Süden der Vereinigten Staaten zu leben. Basierend auf einer tiefen Liebe zu ihrer Heimat und einer guten Kenntnis ihres komplexen historischen Erbes wirft sie starke und herausfordernde Fragen zu Geschichte, Identität, Rasse und Religion auf, die über geografische und nationale Grenzen hinweggehen. Die Ausstellung, die erste große Retrospektive der renommierten Künstlerin, beschäftigt sich damit, wie ihr Verhältnis zu ihrer Heimat ihr Werk geprägt hat.

Die Retrospektive, die in fünf Teilen organisiert ist und viele der Öffentlichkeit unbekannte oder unveröffentlichte Werke zeigt, ist sowohl ein Überblick über das Werk der Künstlerin über vier Jahrzehnte als auch eine detaillierte Analyse, wie sich das Erbe des Südens, sowohl Heimat als auch Friedhof, Zuflucht und Schlachtfeld, in seinem Werk als mächtige und beunruhigende Kraft herausstellt, die bis heute die Identität und Erfahrungen eines ganzen Landes prägt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museums.


BERTHE MORISOT

Das Musée d´Orsay in Paris zeigt die Impressionistin in einer umfangreichen Einzelausstellung noch bis zum 22. September 2019

Musée d`Orsay, Paris – Berthe Morisot © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Berthe Morisot (1841-1895) ist eine wichtige Figur des Impressionismus, die heute weit weniger bekannt ist als ihre männlichen Kollegen Monet, Degas oder Renoir. Sie war jedoch von Beginn an als einer der innovativsten Künstler der Gruppe anerkannt.

Sie ist eine der großen Damen des Impressionismus, neben Mary Cassatt und Marie Bracquemond. Berthe Morisot, ganz in der Nähe von Édouard Manet, dessen Modell und Freundin sie war, zeichnet sich durch ihre Vorliebe für Porträts, das Thema Kindheit und Mutterschaft, aus. Es war nicht einfach für eine Frau, sich in der Welt der modernen Kunst durchzusetzen. Obwohl sie zunächst kritisiert und verspottet wurde, unterstützt von ihrem Mann Eugène Manet, dem Bruder des Malers von „Mittagessen auf dem Rasen“, gab sie die Malerei nie auf und machte Julie, ihre Tochter, zu ihrem Lieblingsmodell.

Berthe Morisot wurde in Bourges als Tochter eines Präfekten geboren und stammt aus der Bourgeoisie. Ermutigt, ihre künstlerische Sensibilität zu entwickeln, bildete sie sich wie ihre Schwester Edma in der Kunst der Malerei aus. Beide stellten seit 1864 im Salon aus. Damals war es den Frauen verboten, die École des beaux-arts zu besuchen, und der junge Künstler trainierte nach den großen Meisterwerken des Louvre. Dort traf sie Édouard Manet, einen Künstler, der bereits berühmt und umstritten war. Berthe erhielt auch Unterricht von Jean-Baptiste Camille Corot.

Die junge Künstlerin begann als Landschaftsgärtnerin, bevor sie sich der Figur näherte, einem Thema, das sie in den 1870er Jahren behandelte. Unabhängig davon besuchte sie ein hochkarätiges künstlerisches Umfeld: Edgar Degas, Charles Cros, das Paar Manet, Mallarmé…. Berthe nutzte den Einfluss von Manet und diente ihm bei vielen Gelegenheiten als Modell. Ihre Bindung wurde durch Berthes Heirat mit Eugène, dem Bruder von Edouard Manet, im Jahr 1874 gestärkt.

1874 markiert die Geburt der impressionistischen Bewegung, zu der Berthe Morisot aktiv beitrug. Sie war die einzige Malerin in der berühmten impressionistischen Ausstellung bei Nadar in diesem Jahr. Morisots Palette zeichnete sich durch ihren weißen Geschmack aus, und ihre Berührung wurde im Dienste der intimen Subjekte entfernt. Dies war die Zeit ihrer persönlichen Entwicklung, obwohl sie mit Kritik konfrontiert war, die allen modernen Malern feindlich gesinnt war und sie für die Leere der Themen, die Art und Weise der Malerei und die Ablehnung des Akademismus verantwortlich machte.

1878 wurde Julie, die einzige Tochter des Paares, geboren. Sie wurde das Lieblingsmodell ihrer Mutter und lernte mit ihr zu malen. 1892 verschwand ihr Vater Eugene und der Dichter Mallarmé wurde zum Vormund des Mädchens. Für Berthe Morisot waren die 1890er Jahre eine Zeit des Schmerzes und der Krankheit, obwohl die Künstlerin als eine der großen Persönlichkeiten der impressionistischen Avantgarde galt. Sie starb 1895.

Mehr Informationen zur Ausstellung im Musée d´Orsay in Paris gibt es auf der Zuhause-Seite des Museums.


VAN GOGH BEWEGT

Eine Reise zu den größten Meisterwerken van Goghs!

Atelier des Lumières, Paris – La Nuit Étoilée, © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die digitale Ausstellung im Atelier des Lumières in der Rue Saint Maur in Paris lässt die Besucher in die Gemälde von Vincent van Gogh (1853-1890) eintauchen, einem Genie, das zu seinen Lebzeiten nicht anerkannt wurde und die Malerei verändert hat. Diese neue visuelle und musikalische Produktion, die auf die gesamte Fläche des Ateliers projiziert wird, zeichnet das intensive Leben des Künstlers nach, der in den letzten zehn Jahren seines Lebens mehr als 2.000 Bilder gemalt hat, die sich heute in Sammlungen auf der ganzen Welt befinden.

Die Ausstellung untersucht van Goghs zahlreiche Werke, die sich im Laufe der Jahre radikal weiterentwickelt haben, von den „Kartoffelessern“ (1885), „Zwölf Sonnenblumen in einer Vase“ (1888) und „Sternenhimmel“ (1889) bis hin zu „Schlafzimmer in Arles“ (1889). Das Atelier des Lumières hebt die ausdrucksstarken und kraftvollen Pinselstriche des niederländischen Malers hervor und wird von den kräftigen Farben seiner einzigartigen Gemälde beleuchtet. Warme Farbtöne weichen düsteren Farben. Die eindringliche Ausstellung erinnert an van Goghs hoch emotionale, chaotische und poetische Innenwelt und unterstreicht das ständige Wechselspiel von Licht und Schatten.

Die thematische Route zeichnet die Lebensabschnitte des Künstlers und seine Aufenthalte in Neunen, Arles, Paris, Saint-Rémy-de-Provence und Auvers-sur-Oise nach. Die Besucher werden in das Herz seiner Werke entführt, von den frühen bis zu den reifen Jahren, von seinen sonnigen Landschaften und Nachtlandschaften bis zu seinen Porträts und Stillleben.

Ergänzt wird dies durch ein neues Lehrmittel im Inneren des Tanks im Zentrum des Ateliers: Eine Auswahl der berühmten Gemälde van Goghs ist in ihrer Gesamtheit vertreten und wird von Kommentaren über sein Werk und das Museum, in dem es ausgestellt ist, begleitet.

Das visuelle und musikalische Werk von Culturespaces unter der Leitung von Gianfranco Iannuzzi, Renato Gatto und Massimiliano Siccardi hebt den farblichen Reichtum seiner Palette hervor, ebenso wie die Kraft seiner Zeichnungen und seine Verwendung von Impasto.

Zu sehen ist die multimediale Installation noch bis zum 31. Dezember 2019.

Cornelia Ganitta hat auf ihrer Internet-Seite artbenelux.de einen wunderbaren Bericht über die Präsentation in Paris geschrieben.

Weitere Informationen zu der Ausstellung gibt es hier, auf der Zuhause-Seite von Atelier des Lumières.


KUNSTPALAST ZEIGT NORBERT TADEUSZ

29. August 2019 bis 5. Januar 2020

Mein Bildbericht der Ausstellungsvorbesichtigung

KUNSTPALAST Düsseldorf – Norbert Tadeusz, Ausstellungsansicht © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Der Kunstpalast zeigt mit etwa 40 Gemälden und Arbeiten auf Papier die erste Museumsausstellung von Norbert Tadeusz (1940–2011) in Düsseldorf seit 1991. Der gebürtige Dortmunder studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys und nahm mit seinem figurativen, sehr körper­lichen Malstil schnell eine Sonderstellung ein, die sich von den konzeptuell, minimalistisch oder abstrakt ausge­richteten Arbeiten von Kommilitonen wie Imi Knoebel, Blinky Palermo, Reiner Ruthenbeck oder Katharina Sieverding deutlich abhob. Die Figur im Raum sollte zu seinem zentralen Thema werden. „Ich male, was ich gesehen habe“, war sein häufig zitiertes Credo.

KUNSTPALAST Düsseldorf – Norbert Tadeusz, Generaldirektor Felix Krämer (rechts) © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Mit dieser Präsentation bringen wir dem Publikum einen der wichtigsten figurativen Maler seiner Generation in Erinnerung.“, betont Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast. „Tadeusz´ ebenso virtuose wie provokante Bilder haben nichts von ihrer Brisanz eingebüßt.“

KUNSTPALAST Düsseldorf – Norbert Tadeusz, Kurator Kay Heymer © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Mit seiner Malerei markierte Tadeusz im Vergleich zu den während seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie vorherrschenden konzeptuell, minimalistisch oder abstrakt ausgerichteten Arbeiten schnell einen eigenständigen Stil.“, unterstreicht Kay Heymer. „In seiner figurativen Malerei hat er sich mit zeitgenössischen formalen Fragen auseinandergesetzt, blieb dabei aber immer beeinflusst von archaischen Vorstellungen.“

Folgestation der Ausstellung ist das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster (8.5.2020 bis 2.8.2020)

Alle Bilder der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Infos zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des KUNSTPALAST

Portrait Norbert Tadeusz, 2010 Foto: © Michael Dannemann

AUS MEINEN SCHUBLADEN 08.19

Auch wenn die Pariser Enten nicht schwimmen können, sie lieben im heißen Sommer das kühlende Wasser im Rinnstein.“ © Paris 1980er Jahre, 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Bösartige, heruntergekommene, geschundene, betrügerische Stadt! Du hast mir geholfen.“ Michel Butor (französicher Schriftsteller, *September 1926 †August 2016)

„In Paris herumstreifen – anbetungswürdiges und köstliches Dasein. Flanieren ist eine Wissenschaft, ist die Feinschmeckerei des Auges. Spazierengehen ist vegetieren, flanieren heißt leben.“ Charles Baudelaire (französicher Schriftsteller, *April 1862 †August 1867)

„Der Pariser hat die Fähigkeit, sich mit allem eifrigst zu beschäftigen, aber nur drei Tage lang. Am vierten gilt es als taktlos, noch einmal davon anzufangen.“ Stendahl (französicher Schriftsteller, *Januar 1783 †März 1843)

„Was den Parisern fremd ist, kommt ihnen lächerlich vor. Ich gestehe, ich kann diese Begeisterung für ihre eigenen Sitten nich in Übereinstimmung bringen mit ihrer Gabe, sie alle Tage auszuwechseln.“ Michel de Montaigne (französicher Philosoph, *Februar 1533 †September 1592)

„Paris ist schwer. Eine Galeere. Ich kann nicht sagen, wie unsympathisch mir hier alles ist, mit welcher Ablehnung ich hier herumgehe. Die Gasse begann von allen Seiten zu riechen. Es roch, soviel sich unterscheiden ließ, nach Jodoform, nach dem Fett der Pommes frites, nach Angst. Alle Städte riechen im Sommer.“ Rainer Maria Rilke (deutscher Dichter, *Dezember 1875 †Dezember 1926)

„Es ist verrückt, daß die Kleider der großen Modemacher so viel kosten. Da könnte man wirklich zum Kommunisten werden.“ Brigitte Bardot (französiche Filmschauspielerin und Sängerin, *1934 in Paris)

„Jeder, der es riskiert hierherzukommen, sollte sich also sagen, daß er sich nicht auf Rosen bettet. Was sich hier erreichen läßt, das ist der Fortschritt, und was zum Teufel das auch sein mag, der ist hier zu finden.“ Vincent van Gogh (holländischer Maler, *März 1853 †Juli 1890)

Auch Karl Lagerfeld war Paris. Ich träume oft von dieser Stadt. Mal ehrlich, Paris ist doch immer eine Reise wert. ke

Mehr meiner Bildberichte aus der französischen Metropole finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album REISEBILDER.


HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH

William Egglestone (* 27. Juli 1939 in Memphis, Tennessee) ist achtzig geworden.

aus „OPEN CITY – Street Photographs since 1950“, Katalog zur Ausstellung im MUSEUM OF MODERN ART OXFORD, 2001, Seiten 116/117 © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Freddy Langer, als Redakteur im Feuilleton der F.A.Z. zuständig für das „Reiseblatt“, würdigte die Arbeit des Fotografen William Egglestone in einem schönen Bericht in seiner Hauszeitung.

Hier ist die Zuhause-Seite des US-amerikanischen Fotografen.


MARTIN PARR – RETROSPEKTIVE

19.7. bis 10.11.19 – NRW FORUM DÜSSELDORF

Anlässlich der Ausstellung „MARTIN PARR – RETROSPEKTIVE“ im NRW FORUM Düsseldorf erzählt der britische Fotograf (2. von links) ausnahmsweise ohne Kamera der zur Ausstellungsvorbesichtigung eingeladenen Presse eine Geschichte, links im Bild der Kurator der Ausstellung Ralph Goertz – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ein Geschichtenerzähler, der das mit seiner Kamera tut, heißt neudeutsch „Visual Storyteller“. Schafft man es, eine ganze Geschichte in einem einzigen Foto zu erzählen, ist dieses Bild eine One Picture Story. Der britische Fotograf Martin Parr (*1952 in Epsom, Surrey) bedient diese Genre seit den 1970er Jahren – und damals hätte man ihn noch Bildberichterstatter, Lichtbildner oder Reportagefotograf genannt. Unter den FotografInnen seiner Zeit war er ein Dokumentarfotograf, ein Chronist. Und das ist er bis heute, wie seine jüngste Arbeit mit dem Titel „KLEINGÄRTNER“ zeigt, die er mit dem Kurator Ralph Goertz in Düsseldorfer Kleingartensiedlungen im Laufe des letzten Jahres visualisiert hat.

Martin Parr in der Ausstellung neben einem Motiv seiner Serie „KLEINGÄRTNER“ – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Mit typisch britischem Humor karikiert er die Menschen in ihrem persönlichen Umfeld, zumeist bunt und schrill und häufig unwiderstehlich intim. Dabei inszeniert er seine Protagonisten aber immer höflich und liebevoll, und das sieht man den Bildern auch an. Er zeichnet mit seiner Kamera keine kritischen Szenarien, er überlässt es uns BetrachterInnen, seine Geschichten weiter und zu Ende zu denken.

Martin Parr – Knokke, Belgium 2001 © Martin Parr/Magnum-Photos

Neben vieler seiner bekannten Farbmotive zeigt die Ausstellung im NRW FORUM auch Parrs frühen Arbeiten aus den 1970er Jahren in kontrastreichem schwarz und weiß. Schon damals beherrschte Parr die Kunst, den Blitz an der Kamera als Aufhelllicht für die bildwichtigen Teile im Motiv dezent aber wirksam einzusetzen. Heute arbeitet Parr gerne mit einem Ringblitz ums Objektiv.

Martin Parr, NRW FORUM – Ausstellungsansicht © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Martin Parr – O’Connell Bridge, Dublin, IRELAND, From ‚Bad Weather‘ – October 1981 © Martin Parr/Magnum Photos

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des NRW FORUM


TILL BRÖNNER – MELTING POTT

k.e Der Jazz-Musiker Till Brönner (*1971 in Viersen) bespielt das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg mit seiner Fotografie (noch bis 6. Oktober 2019).

Als Jazz-Musiker gilt Till Brönner schon lange als Nr. 1 in Deutschland und als einer der ganz Großen in der Welt. Seine Sensibilität und seine Krativität als Musiker hat er wohl ohne große Schwierigkeiten auf die Fotografie übertragen können. Vor etwa acht Jahren hat er angefangen neben seinem tagesfüllenden Hauptberuf, neben täglichen Übungen mit der Trompete, neben Konzerten und vielen Reisen, auf seinen internationalen Tourneestationen eine Kamera in die Hand zu nehmen. Seine Motive waren die Portraits anderer KünstlerInnen in seinem Umfeld. Hier half ihm die intime Nähe zu seinen KollegInnen, die seine Portraits stark wirken ließen. Und so gab es bereit 2014 einen opulenten Bilderkatalog beim teNeues-Verlag unter dem Titel „Faces of Talent“.

Mittlerweile bestens mit der Kamera vertraut ließ sich Brönner dann vor etwa zwei Jahren auf ein Projekt ein, das ihm für musikalische Arbeit wenig Zeit ließ. Die Idee dieses Projektes stamme ursprünglich von Bodo Hombach (*1953 in Mülheim an der Ruhr), in dessen Funktion als Vorstandsmitglied der Brost-Stiftung. So weiß es Walter Smerling (Direktor Museum Küppersmühle) zu berichten.

Mit der niederrheinischen (Un-)Voreingenommenheit des gebürtigen Vierseners reiste Brönner seit Ende 2018 bis kurz vor den geplanten Ausstellungstermin im Juni 2019 mit der Kamera durch das ihm bis dahin unbekannte Revier. Zumeist in schwarz/weiß entstanden so Bildberichte unterschiedlichster fotografischer Genres: Landschaften, Industrie, jounalistische Reportagen, Abstraktionen und immer wieder auch Portraits – mal klassisch inszeniert, mal im Reportagestil.

TB: „Für mich hat es hier im Ruhrgebiet ‘gemenschelt’, und deshalb war klar, dass ich die Geschichte dieser Ausstellung weitgehendst über Menschen erzählen wollte.“

Beim Begehen der Ausstellungsräume des Museums Küppersmühle bekommt man schnell den Eindruck, die Retrospektive eines Lichtbildners aus den letzten zwanzig Jahren zu sehen. Vertraut man aber den Wandtexten, die die Entstehungsdaten ausschließlich aus den Jahren 2018 und 2019 ausweisen, so begreift man, mit welcher hoch konzentrierten Leidenschaft der Fotoautor Brönner in den wenigen Monaten das Ruhrgebiet begriffen hatte.

Wir sehen die Fotografien eines sensiblen und gewandten Formalästheten, der das Genre der Fotografie ebenso beherrscht, wie sein Musikinstrument. Nur leider findet man keine neuen Bilder aus dem Revier. Nicht nur die Bildsprache ist den vielen bekannten Bildern zahlreicher FotografInnenen ähnlich, die sich im Revier mit der Kamera kurzfristig ausgetobt haben oder das Umfeld langfristig beobachtet haben, weil sie dort leben. Es sind auch die immer wiederkehrenden Motive der Montan-Industrie, der Trinkhallen, mit und ohne Menschen, der Fußball- und Sporvereine, der medizinischen und sozialen Einrichtungen für versehrte Kinder aus den Krisenbgebieten dieser Welt – wir sehen eine Schönheitskönigin und die verschiedensten Gruppen von Menschen, die sich nach der Arbeit in Sport-, Karnevals-, Motorrad-, Fußball- und anderen Vereinen versammeln.

Nur die Menschen, die Protagonisten der Fotoserien, sind jetzt andere. Aber machen sie wirklich das charkteristische dieser Region aus? Oder findet man sie nicht überall auf der Welt? Dann drängt sich jedoch sofort die nächste Frage auf: Was ist denn dann das Alleinstellungsmerkmal des seit Jahrzenten sich verändernden Reviers, das sich lohnte, fotografisch umzusetzen?

Diese Antwort fällt nicht leicht – und so helfen auch die zum Teil aussagekräftigen Fotografien von Till Brönner leider nicht, das Revier neu zu sehen.

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Mehr Informationen zur Ausstellung in Duisburg finden Sie auf der Zuhause-Seite des MKM