MANTZ-RETROSPEKTIVE IN MAASTRICHT

Das Bonnefantenmuseum in Maastricht zeigt noch bis zum 26.02.2023 die opulente Werkschau des Architekturfotografen Werner Mantz (*1902 in Köln †1983 in Maastricht)

Meine Frau Martina und ich besuchten unlängst einen befreundeten Kollegen und seine Frau in Maastricht. Seine Empfehlung, sich die aktuelle Werner Mantz-Ausstellung im Bonnefantenmuseum anzuschauen, war eine wirklich gute Idee. In einer höchst attraktiven Architektur fanden wir in den drei großzügig angelegten Museumsetagen zunächst auf der ersten Etage italienische, flämische und niederländische Maler sowie eine umfangreiche Sammlung mittelalterlicher Skulpturen. Das zweite Obergeschoß präsentierte zeitgenössische Kunst mit den Schwerpunkten amerikanischer Minimalismus, italienische Arte Povera und Concept Art. Und die dritte Etage war beseelt mit dem Lebenswerk des deutsch-niederländischen Fotografen Werner Mantz (*1901 in Köln †1983 in Maastricht). Werner Mantz gilt weltweit als einer der bedeutendsten Architekturfotografen der Strömung des „Neuen Bauens“. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Architekturzeitschriften veröffentlicht.

Im Jahre 1884 als historisches und archäologisches Museum der niederländischen Provinz Limburg gegründet, stammt der Name Bonnefantenmuseum vom französischen Begriff „Bons enfants“ (gute Kinder) ab. Dies war der Name eines ehemaligen Klosters (bonnefanten klooster), welches das Museum von 1951 bis 1978 beherbergte. Anfang der 90er Jahre verpflichtete sich die Provinz Limburg mit 40 Millionen Euro für den Bau eines neuen Museumsgebäude. 1995 wurde das Museum an seinem heutigen Standort wieder eröffnet. Vier Jahre später wurde das Bonnefantenmuseum ausschliesslich zu einem Kunstmuseum. Die historischen und archäologischen Sammlungen sind seither woanders untergebracht. Das von dem italienischen Architekten Aldo Rossi entworfene Gebäude mit seiner raketenförmigen Kuppel gilt als eines der bedeutendsten modernen Gebäude Maastrichts.
Das Bonnefantenmuseums von Aldo Rossi befindet sich in einem ehemaligen Industriegebiet namens „Ceramique“ und grenzt direkt an die Maas. Von eher traditionellen Profil, bietet das Bonnefantenmuseum eine Reihe von Galerien, die von oben oder von den Seiten beleuchtet werden, organisiert in zwei Flügel um die zentrale Treppe. Der Entwurf basiert auf einem symmetrischen, E-förmigen Grundriss, mit dem markanten Turm in zentraler Lage zum Fluss. Die Arme der E-Form stehen rechtwinklig zum Flussufer, der Mittelarm ist mit dem Turm verbunden. Das Layout des Gebäudes ist im Wesentlichen dreigliedrig, bestehend aus einem Hauptgebäude, dem zylindrischen Turm Volumen mit Kuppel und dem Belvedere. Dieses Belvedere ermöglicht den Besuchern die Aussicht auf die historische Stadt. Der Haupteingang des Museums befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes, und erfolgt über einem Platz an der stark befahrenen Avenue Ceramique. Im Inneren ist die lange zentrale Treppe, bedeckt mit poliertem Hartholz und im Sonnenlicht der verglasten Decke gebadet, das Herzstück. Diese Treppe schafft ein Gefühl einer überdachten Strasse und soll von einem belgischen Beispiel (Montagne de Bueren de Liège) inspiriert sein. Die reiche Kulturgeschichte Europas gilt als entscheidender Impuls für diese Entwurf Aldo Rossi’s. Das Hauptgebäude ist aus traditionellen Materialien wie Stein, Ziegel und Holz gebaut. Die Wände aus schweren Materialien sind durchbrochen, um genügend Tageslicht für die Innenräume zu gewährleisten, was zu einer natürlichen Helligkeit der Galerien führt. Natürliches Tageslicht ist ein Schlüsselfaktor für den Entwurf von Aldo Rossi. Die vordere und seitlichen Fassaden des Museums sind beinahe geschlossen, währenddem die Wände des zentralen Flügels sich grosszügig öffnen. Der markante, zylinderförmige Turm ist in glänzendem Zink verkleidet und kontrastiert mit dem Klinker und dem Stein des geradlinigen Hauptvolumens. Dieser Teil des Entwurfs wurde inspiriert von der schlanken klassizistischen Kuppel der Basilika San Gaudenzio, entworfen vom Turiner Architekten Alessandro Antonelli.
Text der InterNet-Seite von © www.archipicture.eu

Maastricht
Während seiner Laufbahn arbeitete Werner Mantz fast ausschließlich im Auftrag. Doch es entstanden auch freie Arbeiten. Es sind zumeist Fotos der Maastrichter Altstadt; die ersten Aufnahmen datieren aus dem Jahr 1932. Er lichtete die alten Wallanlagen ab, Stadttore, Gassen, Kirchen, Parks unddas alte Rathaus. In der Nachkriegszeit machte er sein bekanntes Gegenlichtfoto von der Stokstraat. Obwohl dieses Foto deutlich seine Präzision und sein Gefühl für die Gestaltung erkennen lassen, unterscheiden sich die Maastrichter Stadtaufnahmen durch impressionistisch-idealisierenden Charakter von den Auftragsarbeiten. Bei der Herstellung dieser Fotografien arbeitete Mantz zum Teil mit einem Raster – ein Verfahren, das er während seiner Ausbildung in München kennengelernt hatte. Interessant sind die Fotos, die Werner Mantz von der 1932 im Stil des Art déco vollendeten Wilhelminabrücke machte; sie existiert heute nicht mehr in ihrer urspünglichen Gestalt. Von verschiedenen Standpunkten aus stellte er die charakteristischen Elemente der Brücke heraus: die Treppen in der Mitte, die Landungsplätze, den Leitdamm, das Brückenwärterhaus und die auffallenden Lampen, die wie Wächter auf der Brüstung aus Naturstein stehen. (Übersetzung des englischsprachigen Katalogs der Ausstellung)

Werner Mantz bei einem Trip auf den Kanarischen Inseln 1931, ©Nederlands Fotomuseum

Werner Mantz arbeitete mit einer Plattenkamera im Bildformat 18 x 24 Zentimetern. Das heißt, die Negative wurden aus Glas mit den genannten Abmessungen und in einem Seitenverhältnis von 3:4 hergestellt. Die Belichtungszeit konnte bis zu 15 Sekunden oder mehr betragen. Die meisten Abzüge hat er als Kontaktabzüge hergestellt. Das Glasnegativ lag dabei direkt auf dem unbelichteten Fotopapier, und beim Einschalten der Lampe im Vergrößerungsgerät (das in diesem Fall das Bild nicht vergrößerte) wurde ein 1:1-Bild auf das Papier projiziert. (Übersetzung des englischsprachigen Katalogs der Ausstellung)

Zur nachhaltigen Erinnerung nahmen wir uns ein paar Maastricht-Motive des großartigen Lichtbildners mit nach Hause. Im SchauRaum unseres Appartements wirkt der beeindruckende Besuch Maastrichts mit den Arbeiten von Werner Mantz noch lange nach.

Auf der schönen farbigen Zuhause-Seite des Bonnefantenmuseums finden Sie weitere Informationen.

Mehr über Werner Mantz und sein Schaffen finden Sie hier.


LÜPERTZ STIFTET SCHUMANN-DENKMAL

Markus Lüpertz schenkt der Stadt Düsseldorf seine plastische Interpretation des Schumann-Ehepaars mit dem Titel A Danse À Deux – Ein Bildbericht.

Nach der Ausstellungsvorbesichtigung im K 20 kam ich so gerade noch rechtzeitig am Ratinger Tor vorbei, um die Enthüllung der Schumann-Plastik vom Düsseldorfer Kunst-Enfant-Terrible Markus Lüpertz (*1941 in Reichenberg) erleben zu dürfen. An dieser Stelle veröffentliche ich bewusst das Foto der noch verhüllten Plastik. Da ich auf bewegte Video-Sequenzen auf meinem Blog verzichte, empfehle ich, die Statue, sollten Sie mal in der Nähe vorbeikommen, sich im Original anzusehen, da ihr in jedem Fall eine umfängliche, raumgreifende (360 Grad-) Besichtigung gebührt.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller (*1970 in Aachen, CDU, seit 1. November 2020 im Amt), links und Meister Markus Lüpertz (mit obligatorischem Gehstock und Totenkopf-Ring) auf dem Weg durch eine Hälfte des Ratinger Tors zur gemeinsamen Enthüllung der Statue.

Eine schwere Geburt – so nannte Meister Lüpertz in seiner kurzen Ansprache der feierlichen Enthüllungs-Zeremonie den Prozess, sein Schumann-Denkmal der Stadt Düsseldorf zu stiften. Er sei eigentlich gekommen, um zu schimpfen, sich zu beschweren und zu schelten. Den Sockel, den Transport, ja sogar das Tuch habe er neben allen Fertigungskosten ohnedies auch noch selbst bezahlt. Der wunderbare Standort des Denkmals, das schöne Wetter und die zahlreich erschienen Personen und Persönlichkeiten hätten ihn dann aber besänftigt. So blieb der Grund der „schweren Geburt“, zumindest für die Teilnehmenden der Zeremonie, zunächst im Dunklen. Obendrein lieh der Künstler den gut eineinhalb Dutzend MedienvertreterInnen und den zahlreichen GästInnen dann auch noch ein zufriedenes – durchaus authentisches – Lächeln.

k.e, im November 2022

Mehr über das Schumann-Denkmal und den großzügigen Stifter Künstler Markus Lüpertz erfahren Sie in der Pressemeldung der Stadt Düsseldorf an dieser Stelle.

Ein paar mehr Fotos der Denkmal-Enthüllung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs hier.


MONDRIAN.EVOLUTION

Die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf stellt Mondrian auf den Kopf

Lese ich im Band 5 des Duden Fremdwörterbuchs über Inspiration, so finde ich folgende Erklärung: Inspiration die; -, -en [lat.; „Einhauchung“]: 1. schöpferischer Einfall, Gedanke; plötzliche Erkenntnis, erhellende Idee, die jmdn., bes. bei einer geistigen Tätigkeit, weiterführt; Erleuchtung, Eingebung. und 2. (Med.: ohne Plural) Einatmung; das Einsaugen der Atemluft. So also erklärte uns schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts Konrad Duden aus Wesel diesen aus dem Lateinischen stammenden Begriff. Und so viele dieser Ausdrücke treffen zu, wenn ich die Werke von Piet Mondrian sehe und dabei Fotos in meinem Kopf entstehen.

Eine opulente Werkschau des niederländischen Ausnahme-Künstlers Piet Mondrian (*1872 in Amersfoort †1944 in New York) beseelt jetzt noch bis zum 10. Februar 2023 die Räume der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, dem K 20 in Düsseldorf. MONDRIAN.EVOLUTION heißt die Präsentation mit achtundachtzig Arbeiten des Malers, der zeitlebens auf der Suche nach der Wirklichkeit war, nach dem Fundament der Dinge, wie er selber einmal sagte. Evolution ist hier eher nicht im Darwinschen ursprünglichen Sinne gemeint, sondern vielmehr als Dokumentation der Entwicklungsschritte im Künstlerleben Mondrians. Am Anfang seiner Karriere malt er, was er sieht: die Dünenlandschaften Zeelands mit den typischen holländischen Windmühlen, den Bäumen, den Türmen der meernahen Gemeinden und immer wieder den Strand, wo vertikale Formen mit der dominierenden Horizontalen der Meereslandschaft kollidieren. Die Entwicklung seines Schaffens zu immer abstrakteren Motiven, bis hin zu den weltberühmten Farbkombinationen rot-gelb-blau ist in der Ausstellung gut begreifbar. Das K 20 präsentiert mir die kreative Lebensgeschichte des Malers in chronologischer Reihenfolge, so ich im Museum vom Eingang aus rechts und dann gegen den Uhrzeigersinn die Ausstellung durchlaufe.

Bereits die ersten Arbeiten des Autors aus der Zeit um die Jahrhundertwende (1890er bis 1910er Jahre) verraten mir einen wesentlichen Teil seiner Persönlichkeit: er war ganz offenbar ein sehr disziplinierter, seine Arbeitsweise kontrollierender und hoch konzentrierter Perfektionist. Die Konzentration auf das Wesentliche seiner Seh-, Denk- und Arbeitsweise führten ihn immer weiter von der figürlichen hin zur radikalen abstrakten Malerei. Diese Reduktion der Wirklichkeit von Landschaften und Architektur komponierte er geradezu, wie Beethoven es in der Musik vermochte, auf das wenig Wesentliche. Auch deshalb tragen wohl seine abstrakten Werke den Co-Titel Komposition.

Ich meine mich an ein Mondrian-Ausstellungsplakat aus den späten Sechzigerjahren zu erinnern, das mein älterer Bruder in unser Kinderzimmer gehängt hatte. Es ist gut möglich, dass ich mich bereits vor meinem Fotografenleben für die linienorientierten Rechtecke und Quadrate mit Rot, Gelb und Blau begeistern konnte. Aber spätestens seit ich mit der Kamera unterwegs bin und immer wieder Landschaften, Architekturen aber auch andere Motive auf vertikale und horizontale Geometrien abklopfe, ist mir Mondrian ständiger Anstifter.

Heute weiß ich, dass sich Mondrian von den Seelandschaften seiner Heimat hat inspirieren lassen, von dem Licht, das hinter den Dünen im Osten begann und mit brennender Sonne abends im Meer verging. Der Faszination eines solchen Naturerlebnisses konnten sich Generationen von Malern offensichtlich bis heute nicht entziehen. Dort wo natürliche Urgewalt in Form scheinbar endloser Wassermassen und Spuren menschlicher Zivilisation aufeinandertreffen, entsteht eine ganz besondere Landschaft: eine Art Zwischenraum an der Nahtstelle von Wasser und Land. Auch mich als Fotograf hat dieser Zwischenraum immer besonders angezogen. In zahllosen Motiven reduziere ich diese romantische Landschaft auf zwei wesentliche Bestandteile: auf die gewaltige Natur in Form eines Himmel und Wasser teilenden Horizonts und dagegen auf vertikale Formen, die eindeutig menschliche Spuren dokumentieren. Eine Art der Reduktion, wie Mondrian sie belegen wollte? Diesen vermessenen Zusammenhang dürfen andere bewerten.

Unbenommen bleibt mir jedoch die Freude als Lichtbildner, in eigener Bildsprache Themen zu arbeiten, die Betrachtenden einen Blick auf Wesentliches durch Weglassen vermitteln. Und dabei kann ich mich von Mondrians Werken immer wieder aufs Neue inspirieren lassen.

Die Kuratorinnen Susanne Meyer-Büser und Kathrin Beßen

Die Kunsthistorikerin Susanne Meyer-Büser, Co-Kuratorin der Ausstellung im K20 neben Kathrin Beßen, verrät im übrigens empfehlenswerten Katalog, dass das Werk New York City 1 seit über siebzig Jahren auf dem Kopf ausgestellt wird. Geradezu zufällig sei sie auf ein Foto gestoßen, das ein Modefotograf 1944 im Studio Mondrians in New York gemacht hatte, auf dem das Werk auf einer Staffelei im Hintergrund zu sehen ist – um 180 Grad gedreht. Detaillierte restauratorische Untersuchungen der Verlaufsrichtung der Klebestreifen hätten dann ergeben, dass das Werk beim Erstellen auf dem Kopf gestanden haben muss. Mondrian wird durchaus beim langwierigen Entstehungsprozess das Werk mehrfach auf der Staffelei gedreht haben, überzeugen tut mich allerdings ein anderes Indiz für die neue „verkehrte“ Betrachtungsweise: sehe ich auf beide Versionen im direkten Vergleich, fällt mir auf, dass die um 180 Grad gedrehte Variante eine intensivere Tiefe, mehr Räumlichkeit gewährt, die das Bild mehr als einen Stadtplan der geometrisch angelegten Stadt New York aussehen lässt. Das auf den Kopf gedrehte Werk offenbart mir mehr Stadt-Raum als nur Stadt-Plan. Entspräche das nicht mehr der Intention des Autors? Nach Aussage der Kuratorin bleibt das Bild aber zunächst in tradierter Ausrichtung.

Die Kunstsammlung NRW lädt ins K 20 nach Düsseldorf zum 150. Geburtstag Piet Mondrains ein, nicht nur um dem vermeintlich auf den Kopf gestellten Werk auf den Grund zu gehen, sondern auch um sich einen umfangreichen Gesamteindruck des Schaffens des Künstlers machen zu können. Das wertvolle Werk New York City 1 ist übrigens vor unangemessenen und einfallslosen Protesten sogenannter Klimaaktivisten gut mit Acrylglas geschützt.

Genaues Hinsehen vermittelt überraschende Erkenntnisse.

Die Ausstellung vermag durchaus alle BesucherInnen inspirieren, nach dem Besuch Bekanntes wie den Strand, die Kirche, das Meer, Holzpfähle am Strand und die Stadt mit anderen Augen zu sehen und auf der Suche nach einer Wirklichkeit durch Abstraktion neue Eindrücke eines gewohnten Umfelds zu erfahren, ganz im Geiste des grandiosen Künstlers Piet Mondrian.

k.e, im November 2022

Bei meinen Recherchen zu diesem Blog-Bericht fiel ich übrigens im InterNet über das Poster, an das ich mich zu erinnern glaube. Den Entwurf dafür lieferte 1968 der Schweizer Architekt und Grafiker Max Bill zur Eröffnung der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

Alle meine Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie hier in den SCHUBLADEN meines Archivs.

Auf der Zuhause-Seite des K 20 finden Sie umfängliche Informationen zur Ausstellung.


DIE EMSCHER. BILDGESCHICHTE EINES FLUSSES

Sonderaustellung über den „Revierkanal“ im Ruhr Museum auf Zollverein in Essen noch bis zum 16. April 2023

Über einhundert Jahre diente die Emscher zwischen Holzwickede und ihrer Mündung am Rhein bei Dinslaken als Kloake für Industrie und Wohnbau. Seit 2021 ist die Emscher abwasserfrei und heißt seitdem „Neue Emscher“. Der Weg zu diesem Titel war lang und gliedert sich grob in drei Zeitabschnitte: 1. Die alte vorindustrielle Emscher war im Mittelalter Anrainerstrom für zahlreiche Wasserschlösser und -mühlen. 2. Im 20. Jahrhundert, dem Zeitalter der Siedlungs- und Industrieentwicklung im Rhurgebiet, diente die Emscher vornehmlich als Abwasserkanal . 3. Nach umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen in den letzten zwanzig Jahren durch strategische Maßnahmen der Emschergenossenschaft glänzt die neue Emscher heute geradezu als Naherholungsgebiet.

Diese Zeitabschnitte beleuchtet jetzt die umfangreichste Fotografie-Ausstellung, die es je im Ruhr Museum zu bestaunen gab, sehr eindrucksvoll mit über vierhundert Bildern und neun Filmen. Die Kulisse der Kohlenwäsche, in der die Ausstellung platziert ist, trägt genau wie die zahllosen Fotografien, der Wandteppich, Pläne, Gemälde und 3-D-Animationen zu einer außergewöhnlichen multimedialen Präsentation bei, die Historiker wie Fotografie-Ästheten geleichermaßen zu beeindrucken vermag.

Aus den Pressetexten des RuhrMuseum: DIE GESCHICHTE DER EMSCHER
Wasser hatte im Ruhrgebiet, dem ehemals größten industriellen Ballungsraum in Europa, schon immer eine besondere Bedeutung. Zum einen musste es aus großen Tiefen bis zu tausend Meter nach oben gepumpt werden, um an den Stoff der Begierde des Industriezeitalters, die Kohle, zu gelangen und sie massenhaft abbauen zu können. Über Tage musste das Grubenwasser nicht nur über die bestehenden Wassersysteme abgepumpt werden, sondern diese dienten auch als wichtigste Transportwege für die tonnenweise geförderte Kohle und für die mit ihrer Hilfe erzeugten Produkte der Montanindustrie. Die Hauptprobleme der Wasserwirtschaft waren aber spätestens mit dem Beginn der Hochindustrialisierung die Entsorgung der Abwässer auf der einen und die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser auf der anderen Seite. Dabei handelte es sich bei den Abwässern nicht nur um das Schmutzwasser der damals größten Industrieanlagen in Europa, sondern auch um das Brauchwasser und die Fäkalien einer zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf über fünf Millionen Menschen angewachsenen Bevölkerung einschließlich der für ihre Ernährung notwendigen Nutztiere. Dies stellte eine schier unglaubliche Herausforderung dar, zumal jeder Versuch, das Abwasser wie in anderen Industriegebieten und Metropolen unterirdisch abzuleiten, scheiterte, da die anhaltenden Bergsenkungen das Leitungssystem zerstörten und zu Verseuchungen des Erdreichs führten. Die Folgen waren große Seuchen wie Typhus, Cholera und Diphterie ab Ende des 19. Jahrhunderts mit Hunderten von Toten. Angesichts dieser Situation wurde 1899 die Emschergenossenschaft als Deutschlands erster Wasserwirtschaftsverband gegründet. Was sie anschließend schuf, war eine ingenieurstechnische Meisterleistung: Der Fluss und seine Nebenläufe wurden nach und nach begradigt, die Gewässer eingedeicht und mit Betonsohlschalen befestigt. Vorüber war die Zeit der Seuchen und Überflutungen. Was blieb, war der Gestank eines offenen Abwasserlaufs.

Mit dem Ende des Bergbaus stellte sich die Emschergenossenschaft einer neuen Herausforderung. Das Abwasser wurde aus dem Fluss unter die Erde verbannt. Rund 5,5 Milliarden Euro wurden in den Bau von vier modernen Großkläranlagen, drei großen Pumpwerken und 436 Kilometer unterirdische Kanäle investiert. Diese Arbeiten schaffen heute die Grundlage für die bemerkenswerte Umgestaltung: Die Emscher und ihre Nebenläufe werden wieder zu Habitaten für Pflanzen und Tiere und zum Erlebnis- und Erholungsraum für die Menschen. Die Geschichte des Flusses war und ist also immer auch die der Bewältigung von gesellschaftlichen Herausforderungen. Dabei steht die nächste bereits vor der Tür: Der Klimawandel ist deutlich spürbar. Die Temperaturen in den Städten steigen, Phasen der Trockenheit wechseln sich ab mit Starkregenereignissen.


DAS BILDARCHIV DER EMSCHERGENOSSENSCHAFT
Das kurz nach der Gründung der Emschergenossenschaft (1899) entstandene Bildarchiv gehört zu den bedeutendsten Archiven der Region und umfasst inzwischen 200.000 digitale und analoge Bildeinheiten. Ergänzt wird der Bestand durch einen Fundus aus Luftbildern seit den 1920er Jahren. Es bietet eine einmalige Dokumentation der Wasserwirtschaft im nördlichen Ruhrgebiet von 1906 bis 1966. Insgesamt wurden 40.000 Glasplattennegative in einem mehrjährigen Prozess digitalisiert und 2005 dem Ruhr Museum zur fotokonservatorisch angemessenen Aufbewahrung übergeben.

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Ordner BEGEGNUNGEN.

Detailinformationen zur Ausstellung hat die Zuhause-Seite des Ruhr Museums zu bieten.


CHRISTO + JEANNE-CLAUDE

PARIS. NEW YORK. GRENZENLOS – Der KUNSTPALAST Düsseldorf zeigt bis zum 22. Januar 2023 eine „Werkschau“ des ungewöhnlichen Künstlerpaares.

Generaldirektor Felix Krämer, der mit seinem gewissenhaften Spezialisten-Team rund siebzig Werke präsentieren kann, lud zur Ausstellungsvorbesichtigung in den KUNSTPALAST nach Düsseldorf ein. Und weil nicht nur KultouristenInnen die spektakulären Verhüllungen des Künstlerehepaares Christo (*1935 †2020) + Jeanne-Claude (*1935 †2009) mögen, sondern auch die Medienschaffenden, war es bei der Pressekonferenz richtig voll. Zunächst glaubte man, das jüngste Projekt der beiden verpasst zu haben, als man auf den verhüllten KUNSTPALAST zuging. Schnell wurde aber klar, dass es sich um Schutz-, Lärm- und Emissionsschutz-Planen der Baustelle handelt, zu der der KUNSTPALAST unlängst durch großzügige Finanzierung zurzeit erkoren ist.

Vladimir Javacheff, Lorenza Giovannelli und Jonathan William Henery sind kreative Helferlein aus dem familiären Umfeld des Künstlerehepaares, die sich neben der Organisation der Projekte auch um ihre Vermarktung und Finanzierung kümmern. Auch der Fotograf und Projektleiter Wolfgang Volz, langjähriger Vertrauter des Künstlerpaares, wird nicht müde werden, Ideen und Fotografien der Werke zu kommunizieren. Außerdem wird das Team weiterhin versuchen, angedachte aber noch nicht gezeigte Projekte, sozusagen aus den Schubladen, zu realisieren. Christo und Jeanne-Claude werden uns also auch zukünftig, wenn auch postum, mit sensationellen Verhüllungen erfreuen können.

Das Sammlerehepaar Ingrid und Thomas Jochheim haben großzügig eine Vielzahl aus ihrer Sammlung der Projektarbeiten von Christo und Jeanne-Claude dem Museum zur Verfügung gestellt. Auf vier Häuser verteilt erstreckt sich ihre beachtliche Kunstsammlung in Recklinghausen. Mitte der 90er Jahre lernten sie Christo und Jeanne-Claude kennen und liebten und schätzten fortan ihre Aktivitäten. Für die Zeit der Ausstellungen in Düsseldorf und in Schloss Gottorf, Schleswig (vom 17. März bis zum 8. Oktober 2023) hat der Fotograf Wolfgang Volz dem Sammlerehepaar themengerechte Fotografien ersatzweise an die Wände gehängt, an denen jetzt die Originale fehlen. Ihre Sammlung wollen die beiden „aber jetzt häufiger im Museum besuchen“, wie Ingrid Jochheim erklärt.

Den Besuch im KUNSTPALAST empfehle ich auch all denen, die sich über die Jahrzehnte des Schaffens von Christo und Jeanne-Claude einen chronologischen und visuell eindrucksvollen Überblick verschaffen wollen. Aber auch für „AnfängerInnen“ und junge BesucherInnen bietet das Ausstellungsprogramm eine Menge zum Begreifen, im doppelten Sinne des Wortes Bedeutung.

Kurator der Ausstellung ist Kay Heymer, Kunstpalast Düsseldorf, Co-Kuratorin ist Sophie-Marie Sümmermann, die sich freut, uns mit der Ausstellung einen neuen Blick auf dieses außergewöhnliche Paar ermöglichen zu können.

Kunst im Bau – Der KUNSTPALAST wird renoviert, und ist dabei verhüllt. Mein Bildbericht:

Weitere Informationen über die aktuelle Ausstellung im KUNSTPALAST finden auf seiner Zuhause-Seite hier.

Sehen Sie alle meine fotografischen Begegnungen mit Christo und Jeanne-Claude und ihren Werken aus den Jahren 1999 bis heute in dem Ordner BEGEGNUNGEN in den SCHUBLADEN meines Archivs.


1986 auf Elba

Im Jahre 1986 war ich das erste und bislang zum einzigen Male auf der italienischen Mittelmeerinsel Elba. Die Kamera hatte ich ständig am Hals, die Tasche war gefüllt mit Kodak Ektachrome Diamaterial – 36er. Damals war der Tourismus noch zahm, und ich hatte das Gefühl, an einem exotischen Ort zu sein. Das knackige Licht machte schöne harte Schatten, und die Farbpalette dieses bunten Italiens inspirierte mich zu unbändigem Aktivismus und so zu extensiver Schlagzahl beim Bilder sammeln.

Anlässlich meiner erneuten Reise nach Elba, die ich in diesem Jahr noch starten werde, habe ich die alten Dias von 1986 gescannt. Die Auswahl ergab ein Bild-Potpourri meiner damaligen Reise und schärfte meinen Blick auf die Situationen, die ich damals für würdig hielt, abzulichten: ich beobachtete andere Touristen beim Wahrnehmen der gleichen Situationen, wie ich sie erlebte, ich fokussierte wohl aber auch auf die vielen Begegnungen zwischen Natur und Architektur, zwischen Fassade und Menschen, zwischen Tradition und moderner Skurrilität. So ergaben sich auch inhaltliche Kontraste sowie Vergleichbarkeiten.

Alles in allem durchaus ein Fotografie-Drehbuch für meinen nächsten Besuch der Insel Elba.

1986, als ich diese Bildserie arbeitete, ahnte ich noch nicht, dass ich intuitiv Walker Evans und Luigi Ghirri zu meinen großen Vorbildern für meine Arbeit als Lichtbildner erkoren hatte. ke

Weitere Infos zu meinem Motivator Walker Evans finden Sie hier in meiner Hommage an den 1975 verstorbenen Fotografen.


BRIGITTE KRAEMERS LEBENSWERK

Das Ruhr Museum Essen kauft für seine Fotografische Sammlung das komplette Werk der Fotografin Brigitte Kraemer aus den Jahren 1982 bis 2021.

Die Fotografin Brigitte Kraemer präsentiert Auszüge ihrer Projektarbeiten anl. der Pressekonferenz im Schaudepot des Ruhr Museums auf Zollverein © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE
Das Werk der Fotografin beeindruckte nicht ganz zufällig ausgerechnet die VertreterInnen der visuellen Kommunikation © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE
Maßgeblich mitfinanziert wird der Ankauf des Fotokonvoluts von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Stefanie Grebe (Leiterin der Fotografischen Sammlung des Ruhr Museums), Brigitte Kraemer (Diplom-Designerin und freie Fotografin), Prof. Heinrich Theodor Grütter (Direktor des Ruhr Museums und Mitglied des Vorstands der Stiftung Zollverein), Heike Catherina Mertens (Mitglied des Vorstandes der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung), v.l.n.r. © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

LESESTOFF aus der Pressestelle des Ruhr Museums:

Seit vielen Jahren unterstützt die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung maßgeblich den Ankauf von Fotokonvoluten für die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums. Jüngster Neuzugang ist das komplette fotografische Werk Brigitte Kraemers aus den Jahren 1982 bis 2021, einer Fotografin, die wie keine andere in den letzten vierzig Jahren das soziale Leben im Ruhrgebiet dokumentiert und das Bild vom Ruhrgebiet mitgeprägt hat. Ihre zahlreichen Projekte und Serien zum Alltagsleben, zur Freizeit, zur Migration oder zum religiösen Leben umfassen tausende von hervorragenden Fotografien.
Insgesamt gehen mit dem Ankauf 360.000 Bildeinheiten, darunter Prints, Vintages, Dias, Negative, in die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums über. Hinzu kommen rund 7.000 digitale Datensätze. Das Konvolut beinhaltet Serien, Langzeitprojekte und Reportagen zu den Themen Soziales, Alltag,
Freizeit.
„Ich freue mich sehr und bin der Krupp-Stiftung dankbar, dass sie diesen insgesamt vielleicht bedeutendsten fotografischen Ankauf der Stiftung Ruhr Museum so großzügig unterstützt,“ so Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr Museums. „Die Fotografische Sammlung kann so deutlich erweitert, ihr Profil geschärft und eine wichtige Sammlungslücke geschlossen werden.“
In enger Zusammenarbeit mit Brigitte Kraemer wird ihr Werk nun aufgearbeitet und kommt in den nächsten vier Jahren in vier Tranchen ins Ruhr Museum.
Im Rahmen des Ankaufes werden ausgewählte Fotografien Kraemers voraussichtlich 2025 in einer großen Ausstellung im Ruhr Museum präsentiert.

Die Fotografin Brigitte Kraemer © 2022 k.enderlein FOTOGRFAIE


Die Fotografin Brigitte Kraemer Brigitte Kraemer fotografiert seit mehr als 40 Jahren intensiv und auf ihre ganz spezifische Art und Weise das soziale Leben, nicht nur, aber vor allem im Ruhrgebiet. Sie ist keine distanzierte Betrachterin, sondern durch ihr Einfühlungsvermögen in ihren Fotografien Teil der Szene.

„Ich habe mich seit Mitte der 1980er Jahre mit den Themen des Alltags vor meiner Haustür fotografisch auseinandergesetzt.“, so Brigitte Kraemer. „Ein besonderer Schwerpunkt dabei ist der Blick auf soziale Themen und die Beobachtung der kulturellen Vielfalt im Ruhrgebiet. Im Nachdenken übereinander und im wechselseitigen Respekt vor der Vielfalt der Zugehörigkeiten und
individuellen Einzigartigkeiten können Fotografien versuchen, das Widerfahrene erzählbar zu machen und um Verständnis werben für ein humanes Leben ohne Ausgrenzung und Unterdrückung.“
Brigitte Kraemer wurde 1954 in Hamm geboren. Sie studierte an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen Visuelle Kommunikation und war nach dem Abschluss des Studiums Gesellschafterin der Fotografenagentur „Antrazit“ in Essen. Seit 1982 ist sie als freie Fotografin im Ruhrgebiet tätig. Seit
1984 nimmt Kraemer an Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland teil und veröffentlichte zahlreiche Fotobände. Seit 1985 kann Brigitte Kraemer regelmäßig bedeutende Auszeichnungen für ihr Werk verzeichnen.


Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung
„Die Fotografie gehört zur DNA der Krupp-Stiftung: Wir engagieren uns seit Jahren für die Ausbildung des kuratorischen Nachwuchses, ermöglichen es angehenden Künstlerinnen und Künstlern ihre Wege zu gehen und helfen Museen dabei, ihre Sammlungen auszubauen. Daher freuen wir uns sehr, die be-
währte Zusammenarbeit mit dem Ruhr Museum nun mit dem Ankauf der Fotografien von Brigitte Kraemer fortzusetzen“, so Heike Catherina Mertens, Mitglied des Vorstandes der Krupp-Stiftung.


Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums
Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums ist eine der größten Sammlungen zur Dokumentarfotografie in Deutschland. Mittlerweile ist sie das bedeutendste Archiv historischer und zeitgenössischer Fotografien der Region, ihrer Landschaften und Städte, der Menschen, der Arbeit und der Freizeit, des Alltags und der Feste. Zu den Beständen mit etwa vier Millionen Bildeinheiten,
bestehend aus Negativen und einigen zehntausend Abzügen und Dias, zählen umfangreiche Fotografen-Nachlässe und Archive. Der in den Fotografien dokumentierte Zeitraum reicht vom Beginn der Fotografie im 19. Jahrhundert bis heute, mit Schwerpunkten in den fünfziger bis siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Sie wurde in den 1980er Jahren mit Hilfe der Kulturstiftung Ruhr und des Regionalverbandes Ruhr begründet. Teile der Sammlung werden regelmäßig in weit beachteten thematischen und monographischen Ausstellungen im Ruhr Museum auf dem Welterbe Zollverein gezeigt. Darüber hinaus sind im Internet fast eine Million der Fotografien der Sammlung abrufbar, die
mit Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung schon Ende der 1990er Jahre digitalisiert werden konnten.
Mit Hilfe der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung konnten in den letzten Jahren die zentralen Konvolute bedeutender Fotografen wie Henning Christoph (2012), Joachim Schumacher (2016), Dieter Münzberg (2016) und Ergun Çağatay (2020) erworben werden. Diese haben nicht nur die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums um wichtige Aspekte, etwa die des Städtebaus und der Urbanität oder die Migration erweitert, sondern auch zu umfangreichen Ausstellungen geführt, die nicht nur in Essen, sondern auch in Hamburg und Berlin, in Istanbul und Ankara und weiteren Städten der Türkei zu sehen waren.

Das Setting bei der Präsentation vor den PressevertreterInnen im Schaudepot Ruhr Museum © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

Mehr Informationen zum RUHR MUSEUM finden Sie hier auf seiner Zuhause-Seite.

Alle Fotos der Presseveranstaltung liegen in den SCHUBLADEN meines Archis unter BEGEGNUNGEN.



DIE GROSSE 2022

Die Große Kunstausstellung NRW Düsseldorf 2022 im Kunstpalast und NRW-Forum vom 12. Juni bis 17. Juli

Das Board anl. der Ausstellungsvorbesichtigung für die Presse: Kunstpreisträgerin Norika Nienstedt, Angélique Tracik (Leiterin Kulturamt Stadt Düsseldorf), Michael Kortländer (Ausstellungsleiter), Felix Krämer (Direktor Kunstpalast) und Förderpreisträger Emil Walde (v.l.n.r.) © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

Aus den Presseunterlagen des Veranstalters:

Zahlen und Fakten, die immer von Interesse sind:
Für die Ausstellung haben sich insgesamt über 900 Künstlerinnen und Künstler zur Teilnahme beworben. Die siebenköpfige Jury hat sich für 185 Kolleginnen und Kollegen entschieden, 103 Künstlerinnen und 82 Künstler mit über 300 Werken. Die jüngste Teilnehmerin ist Marieangela Pfahler mit 24 Jahren, der älteste Teilnehmer ist Walter Vogel mit 90 Jahren, dann kommen Walter Heuermann mit 88 Jahren und Barbara Grosse mit 84 Jahren. Aus folgenden Ländern sind Künstler*innen vertreten, die alle einen Bezug zu NRW haben:
Niederlande, Österreich, Italien und Frankreich. Gezeigt werden Werke aus folgenden Bereichen:
Malerei 110, Grafik 31, Foto 35, Video 4, Bildhauerei 38, Installation 16, Außenskulpturen 7
Alle Werke werden sowohl im Kunstpalast als auch im NRW-Forum gezeigt. Damit vergrößert sich unsere Ausstellungsfläche deutlich. Mit 7 Außenarbeiten sind wir zum zweiten Mal seit 1904 auch im gesamten Bereich des Ehrenhofs vertreten.

Die Malerin Lilla von Puttkamer ist im Kunstpalast mit ihrer Arbeit Hannahs Höhlengleichnis vertreten (Keramik – Glasur und Engobe © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

In der Ausstellung sind Werke sowohl in einem eher niedrigen als auch in einem durchaus hohen Preissektor zu erwerben. Eine der preiswertesten Arbeiten ist die von Barbara Deblitz mit 300 €. Das teuerste Werk kostet 66.600 € und stammt von Pascal Sender.

DAS KLEINE FORMAT
Hier präsentieren wir Künstler*innen mit ca. 300 Kleinformaten bis 600 Euro, die in der aktuellen Ausstellung vertreten sind oder schon einmal in den vorherigen Ausstellungen waren. Sie haben dadurch die Möglichkeit, in diesen schwierigen Zeiten ihre Werke zu präsentieren und auch zu verkaufen.


SONDERVERANSTALTUNGEN
Wie immer wird es auch wieder Sonderveranstaltungen geben; unsere Donnerhall- und Matinee-
Veranstaltungen. Genaueres dazu findet man in unserem Informationsflyer.


KOOPERATIONEN
Unsere Partnerschule, das Lore-Lorentz-Berufskolleg, hat wieder eine Parallelkampagne erstellt, die in der Ausstellung präsentiert werden wird. In der Woche vom 21.06. – 26.06.2022 werden die Ergebnisse zu sehen sein. In diesem Jahr ist die Klasse von Prof. Lena Newton zu Gast in unserer Ausstellung. Damit setzen wir die Tradition fort, einer Klasse der Kunstakademie Düsseldorf einen künstlerischen Raum zu öffnen.


PREISTRÄGER
Norika Nienstedt erhält den Kunstpreis der Künstler DIE GROSSE 2022.
Emil Walde erhält den Förderpreis DIE GROSSE 2022.
Erstmalig wird ein Publikumspreis, der DIE-GROSSE-EUREF-CAMPUS-KUNSTPREIS, ausgeschrieben.
Als Preis winkt dem Publikumsliebling ein Studienaufenthalt in Paris, gesponsert von EUREF-CAMPUS. Am letzten Tag der Ausstellung, am Sonntag, dem 17. Juli 2022, wird der oder die Künstlerin bekanntgegeben und der DIE-GROSSE-EUREF-CAMPUS-KUNSTPREIS verliehen. An dieser Stelle auch ein Dankeschön für das besondere Engagement.


Besonders zu erwähnen ist, dass die Rheinbahn wieder als Partnerin gewonnen werden konnte. Über den Zeitraum von fünf Wochen wird eine Straßenbahn als Werbemaßmaßnahme durch Düsseldorf fahren. Auch die Stadtwerke Düsseldorf unterstützen uns wieder bei der Präsentation von Skulpturen im Außenbereich.


FÜHRUNGEN
Die Führungen waren in der letzten Ausstellung überaus gefragt. Wir hoffen, dass sich nach den neuen
Perspektiven auch wieder zahlreiche Besucher*innen, Schulen und Institute bei uns melden.


Der Förderpreisträger Emil Walde bespielt mit seiner komplexen Rauminstallation im NRW Forum ein tragisch aktuelles Thema: Private Bunker.


Weitere Informationen zu DER GROSSEN erhalten Sie auf deren Zuhauseseite unter:
https://www.diegrosse.de

Nein – Christo und Jeanne Claude haben nicht zur GROSSEN beigetragen. Ein Teil ihrer Arbeiten sind aber ab September 2022 im Kunstpalast zu sehen.

Alle Fotografien © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs hier.


PHOTOPOPUPFAIR, DIE ACHTE

noch bis 22. Mai 2022 !!

Und hoffentlich nicht die Letzte. Gründer und Kreativ-Direktor der zum achten Mal stattfindenden Messe für zeitgenössische Fotografie Wolfgang Sohn kündigte das Ende dieser mittlerweile renomierten Veranstaltung zumindest im stilwerk an, weil dort die Räumlichkeiten in andere Nutzung umgestaltet werden. So ist es spannend, wo im nächsten die Nummer neun der #photopopupfair passiert.

Wolfgang Sohn, Gründer und Kreativ-Direktor © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

In diesem Jahr überzeugt die Veranstaltung wieder mit Arbeiten neuer internationaler, zum Beispiel aus der Ukraine, wie auch mit Arbeiten bekannter Gesichter aus dem Rheinischen.

Die junge Fotokünstlerin Anna Kalinichenko aus dem kleinen Dorf Verbki in der Ukraine erzählt uns, dass sie 2020 nach Düsseldorf gezogen ist und sich und ihre innere Künstlerin vor die Herausforderung gestellt hat, ein neues Leben, neue Formen und Farben anzunehmen. Weiter verrät sie uns:

Am 24. Februar 2022 hat sich mein Leben erneut ins Unbekannte verlagert, an einen Ort ohne Form und Farben, wo alles nur grau und kalt ist. Dieser Ort heißt „Krieg“. Die Werke, die Sie in dieser Ausstellung sehen werden, wurden nicht während des Krieges aufgenommen, aber meine Wahrnehmung dieser Schönheit ist nicht mehr dieselbe. Meine Augen sind nicht mehr dieselben wie vor dem 24. Februar, denn alle in der Ukraine lebenden Menschen sind durch ein beängstigendes „Vorher“ und „Nachher“ geteilt worden. Ich sehe jetzt jedes Foto, das ich vor dieser Zeit aufgenommen habe, durch das Prisma des Krieges, was ihnen eine andere Bedeutung verleiht.

Die Fotokünstlerin Anna Kalinichenko vor ihren Werken © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ihr Werk Interrupted Family Dinner beeindruckt durch den Freiraum, den die Autorin uns Betrachtenden außerhalb des Bildes lässt. Schnell verbindet sich im Kopf das Bekannte mit dem Spekulativen, das man durch unzählige Kriegsbilder aus den Medien zu kennen glaubt. Inspiriert durch die Bilder von Anna denkt man die eigene Geschichte weiter und nähert sich vielleicht auf diese Weise einer grausamen Realität.

Impressionen vom Eröffnungsabend der #8PHOTPOPUPFAIR und Ausstellungsansichten © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE:

Alle meine Fotos von der PHOTOPOPUPFAIR finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs.


HG ESCH IN FILS. FINE ARTS GALERIE

Architekturfotogrfaie im Rahmen der duesseldorf photo+ im stilwerk Düsseldorf

Ausstellungsansicht Galerie Fils. Fine Arts in Düsseldorf © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

Mittwoch, der 11. Mai 2022, zwei Tage vor der Eröffnung der Fotoausstellung in der Galerie Fils. Fine Arts im stilwerk in Düsseldorf: vier kräftige Menschen sind nötig, die großformatigen Fotografien in edlen Rahmen-Boxen an die Wände der Galerie zu bringen. Die roten Muster eines Kreuzlinien-Lasers blitzen durch den Raum und geben für die Hängung die präzisen Stellen an den noch weißen kahlen Wänden vor – echte Schwerstarbeit. Das passt zu dem Autoren der Fotografien. HG Esch ist ein stattlicher Zweimeter-Mann, dem man gerne zutraut, ein schweres Gitzo-Stativ und die umfangreiche Großbildkamera-Ausrüstung durch die Metropolen dieser Welt zu schleppen. Dort entstehen seine Architekturaufnahmen, von denen jetzt noch mindestens bis Ende Juni einige zu sehen sind.

Ausstellungsansichten vom Eröffnungsabend © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE:

Die aufwendige Hängung hat sich gelohnt, wenn am Eröffnungsabend die wandfüllenden Fotografien präsentiert werden. HG Esch arbeitet in einer höchst präzisen geometrischen Bildsprache: absolut linienorientiert verteilt er auf der Bildfläche die Fassadenausschnitte der Architektur, die er für seine Bildkompositionen ausgesucht hat. Entstehende Linien verlaufen vertikal wie horizontal planparallel zu den das Motiv einrahmenden Bildkanten. Geradeso, als hätte auch er für seine Arbeit den Kreuzlinien-Laser in den Stadtlandschaften verwendet. k.e

Dr. Alexander Fils (links) präsentiert den Architekturfotografen HG Esch im stilwerk in Düsseldorf © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

Aus der Internet-Seite der Fils. Fine Arts Galerie:

Kommt die Architektur erst durch die Fotografie zu ihrer ästhetischen Wirkung und kann Architekturfotografie an sich schon Kunst sein?

Neben den heute so populären Selfies mit berühmten Gebäuden im Hintergrund und der Nutzung als Kulisse für Werbeaufnahmen steht die Architektur seit weit über 100 Jahren auch im Fokus der künstlerischen Fotografie, mit pittoresken Motiven in Städten und Landschaften oder bei der sensiblen Erkundung architektonischer Details.

HG Esch (d. i. Hans-Georg Esch, geb. 1964) fotografiert weltweit Bauwerke mit hohem Wiedererkennungswert, ebenso wie anonyme Details. Die Aufnahmen belegen die Bildwürdigkeit ihrer architektonischen Protagonisten, ob in Chongqing, Tokyo, Moskau, Peking oder Düsseldorf selbst, und belassen die Frage nach der Verortung des Künstlerischen in einem Schwebezustand zwischen Architektur und Fotografie.

HG Eschs bekannte Serien wie »Megacities« oder »City and Structure« wurden international ausgestellt und in Büchern veröffentlicht. Im Fokus stehen hier die heutigen Boomcities mit ihren imposanten Kulissen, vor allem die asiatischen.

Im Rahmen des Programms von düsseldorf photo+ sind die Werke von HG Esch erstmals in Düsseldorf zu sehen, einer Stadt, die international zu den Zentren ambitionierter Architektur gehört.

Die Räume von Fils Fine Arts bieten eine seltene Möglichkeit, die bis zu sieben Meter breiten Werke zu zeigen, Teil eines Streifzugs durch sein umfangreiches Œuvre. Hinsichtlich der Wirkungsmacht der Fotografie spricht HG Esch im Sinne einer Anekdote des Medien-Philosophen Marshall McLuhan, der beschreibt, wie eine Frau das Kind ihrer Freundin bewundert, woraufhin dessen Mutter sagt: »Oh, das ist noch gar nichts, sie sollten seine Fotografie sehen.«

Alle meine Fotografien vom Eröffnungsabend finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs.


„VOGELFLUG ENTLANG DES RHEINS“

Thomas Ohl (Wissenschaftlicher Referent und Kurator der Ausstellung, LVR-Niederrheinmuseum Wesel), Corinna Endlich (Leiterin des LVR-Niederrheinmuseums Wesel), sowie der Luftbildfotograf und Journalist Hans Blossey bei der Vorstellung am 7. April 2022

Pressetext des LVR-Niederrheinmuseums Wesel:

Ruderboote in der Sonne, Industriehalden sowie prachtvolle Schlösser und Gärten zeigt die neue Sonderausstellung „Blick auf den Niederrhein“ – Luftbilder von Hans Blossey im LVR-Niederrheinmuseum Wesel. Die Schau ist vom 8. April bis zum 14. August 2022 in dem Museum des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) zu sehen.

Der Fotojournalist Hans Blossey ist seit vielen Jahren im Auftrag von Zeitungen, Agenturen und weiteren Auftraggebern mit seinem Flugzeug über dem Niederrhein unterwegs. Dabei sind Tausende von Fotos entstanden, die vertraute Orte auf eine neue und überraschende Art präsentieren. Mit dem Blick aus der Luft zeigt sich diese Region nun aus einer ganz anderen und unbekannten Perspektive. 

Die Ortszentren erhalten so ein neuartiges Antlitz, die Wasserlandschaften bekommen eine andere Dimension und die verästelten Verkehrswege präsentieren sich in manchmal überraschender Struktur. Die Großanlagen von Industrie und Handel werden ebenso ins Bild gerückt wie die weiten Flächen der Tiefebene. Aber auch die Details erzielen eine neue Wirkung: eine ungewöhnliche Baumgruppe und ein kleiner Teich erscheinen aus der Vogelperspektive mit plötzlich veränderten Konturen.

Luftbildner Hans Blossey, mit Fliegeruhr aber ausnahmsweise mal fest am Boden

Hans Blossey zeigt uns auf faszinierende Art den Niederrhein in ganz vielen Facetten und aus ungewohntem Blickwinkel. Die Aufnahmen kommen einem Vogelflug entlang des Rheins gleich und zeigen traumhafte Kulissen sowie Schnappschüsse des Alltags. So haben Sie den Niederrhein noch nie gesehen!

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung im LVR-Niederrheinmuseum Wesel, © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

Weitere Informationen zur Ausstellung in Wesel finden Sie hier.

Alle Bilder der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs.


WAS LICHT MACHT!

Freitagabend im Lesesessel. Genüssliche Lektüre: Johann Wolfgang von Goethe und Heinz Mack, Taten des Lichts. Den opulenten Katalog über die Ausstellung im Goethe-Museum in Düsseldorf im Jahr 2018 fand ich jüngst endlich im Antiquariat. Fesselnd, wie umfänglich sich der deutsche kunstschaffende Dichter (*1749 †1832) und gut 150 Jahre später der hoch anerkannte bildende Künstler (*1931) mit dem Thema Licht beschäftigten. In der gemeinsamen Ausstellung zeigten die beiden damals ein unerschöfliches künstlerisches Faszinosum aus Farbe, Licht, Schatten, Bildern, Wissenschaft und Kunst. Als Besucher tauchte ich tief ein in die höchst attraktiven Eigenschaften und Darstellungsvarianten des Handwerkszeugs des Fotografen, dem LICHT. Die physikalische Optik war Bestandteil meiner Ausbildung zum Lichtbildner. Wichtig für mein Verständnis, wie ich als Fotograf mit Licht zu zeichnen vermag, und immer wieder rufe ich die Gesetzmäßigkeiten dieser Wissenschaft gedanklich ab, um bei meiner Arbeit Licht zu führen und nicht nur hell zu machen.

Inspiriert durch die Lektüre beobachtete ich die verschiedenen Lichtquellen in meiner Umgebung mit neuerlichem Scharfsinn und griff zur Kamera, um das Zusammenspiel von Licht und Farbe und Schatten und Reflexion zu dokumentieren.

Informationen über Heinz Mack sind hier zu finden. Über die Farbenlehre des Johann Wolfgang von Goethe steht u.v.a. hier einiges.


MACHT! LICHT!

Kunst-Licht-Installationen im Kunstmuseum Wolfsburg

Warren Neidich, Pizzagate Neon, 2017 – Ausstellungsansicht Kunstmuseum Wolfsburg © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

Mit dem Handwerkszeug der Fotografie, mit LICHT, beseelen 65 international bekannte KünstlerInnen rund 1500 qm Ausstellungsfläche im Kunstmuseum Wolfsburg. Etwa 80 Lichtkunstwerke strahlen in der komplett verdunkelten Halle des Museums die Betrachtenden an – 80 Botschaften. Die Sonne oder gestreutes Tageslicht findet den Weg nicht ins Innere, so werden BesucherInnen ausschließlich von Kunstlicht erhellt, was dem Begriff Lichtkunst seine Doppeldeutigkeit verleiht. Dem faszinierenden Spektrum an Werken der Lichtkunst steht ein üppiges Spektrum der Farben bei. Allein dadurch fühlen sich BesucherInnen abwechselnd provoziert oder geborgen, gestresst oder behaglich. Die Neonschriften, die wie Leuchtreklame Texte verbreiten, regen spontan zum inne halten an. Themen wie Energieverschwendung, Lichtverschmutzung, Artensterben, Kontrolle, Überwachung und Manipulation sind dabei durchaus negativ besetzt. Alle diese Assoziationen provozieren zum Abschalten – Stecker raus. Aber was wird dann aus den Vorzügen unserer erhellten Welten? Wir brauchen das Licht, zu leben und zum Leben. Und wir Menschen lernen mit akzentuiertem Licht umzugehen und empfinden höheres Wohlbehagen, als wenn wir nur hell machen. Die vielen gesellschaftlichen und politischen Botschaften, die uns die KünstlerInnen vermitteln, lassen uns selbst verschiedene Zusammenhänge im Kopf zurechtrücken. Das macht das Lichtkunst-Erlebnis im Wolfsburger Kunstmuseum zu einem Spaziergang mit abwechslungsreichen Impulsen – nicht nur für FotografInnen.

Hier ist mein BILDBERICHT (und noch mehr Fotografien der Ausstellungsvorbesichtigung gibt es hier):

Aus dem Pressetext des Museums:

Künstliche Lichtquellen sind eine Grundbedingung des modernen globalen Lebens. Elektrisches Licht ermöglicht einerseits kulturelle Events, bietet sozialen Raum und Schutz, kann Menschen, Objekte oder Konsumartikel inszenieren und ihnen dadurch Bedeutung verleihen. Andererseits wird mit dem gezielten Einsatz von elektrischem Licht Macht ausgeübt: Mit ihm kann manipuliert, überwacht, ausgegrenzt oder sogar zerstört werden.

Die Ausstellung Macht! Licht! bietet mit rund 80 Lichtkunstwerken und ‑installationen von 65 international bekannten Künstler*innen erstmals einen Einblick in das faszinierende Spektrum von im weiteren Sinn politischer Lichtkunst. In der abgedunkelten Ausstellungshalle leuchten Ihnen Arbeiten u.a. von Joseph Beuys, Claire Fontaine, Sylvie Fleury, Georg Herold, Brigitte Kowanz, Warren Neidich und Bettina Pousttchi entgegen.

Lori Hersberger, Sunset 164, 2006 – Ausstellungsansicht Kunstmuseum Wolfsburg © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Ausstellung läuft noch bis zum 10. Juli 2022. Die beiden Kuratoren Andreas Beitin und Holger Broeker erhielten tatkräftige Unterstützung von Elena Engelbrechter und Regine Epp.

Alle Fotografien und Text, wenn nicht anders angegeben: © 2022 k.enderlein FOTOGRAFIE

Das ist der Link zur Zuhause-Seite des Museums in Wolfsburg.


Wo ist die Grenze?/Waar is de grens?

Ein deutsch-niederländisches Fotoprojekt und eine Ausstellung

Als ich im August 2021 eingeladen wurde, für das Projekt #woistdiegrenze/#waarisdegrens eine Fotoserie anzufertigen, ahnte ich nicht, wie diese Arbeit meinen eigenen Horizont über die Grenze zu den Niederlanden hinaus erweitern sollte. Als gebürtiger Niederrheiner und Wahl-Düsseldorfer glaubte ich zunächst, ein Heimspiel arbeiten zu können. Erst im Laufe meiner Recherchen und meiner zahlreichen Begegnungen bei der fotografischen Arbeit verstand ich, dass ich die Vorzüge einer grenzenlosen innereuropäischen Nachbarschaft teilweise überschätzt hatte.

„Kultur-Begegnungsstätte im Grenzgebiet, Archäologischer Park Xanten“ © 2021 k.enderlein FOTOGRAFIE

Es gibt jenseits und diesseits der Grenze unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Ansprüche, unterschiedliche Interpretationen sowohl sozialgesellschaftlicher als auch kultureller Eigenheiten und unterschiedliche Sprachen. All diese Unterschiede prägen auch das Verhalten der NachbarInnen untereinander. Und so erfährt man immer wieder auch von Abgrenzungen und Vorbehalten gegenüber den „anderen“.
Es existieren aber auch in allen Bereichen gleiche Ansprüche, sowohl auf der niederländischen, als auch auf der deutschen Seite einer dadurch nicht immer wahrnehmbaren Grenze.
Was Menschen immer verbindet, sind die Begegnungen bei gleichen Interessen – für ihre Arbeit, für kulturelle und oder sportliche Leidenschaften, für die Landschaft und Tiere in der Natur, für Freizeitaktivitäten jeglicher Art.

„Sport und Jugendkultur, Gronau-Epe“ © 2021 k.enderlein FOTOGRAFIE

So wurden die Menschen, oder auch ihre Spuren, die sie hinterlassen, das Hauptmotiv meiner fotografischen Arbeit.
Ich vermeide, die einzelnen Themeninhalte zu bewerten, da es bei allem nicht nur Vorteile sondern durchaus auch Nachteile gibt. Nicht nur nationale oder europäische Gesetze und Regeln machen den Unterschied oder die Gemeinsamkeit der Nachbarschaft aus, sondern die Einstellung der Menschen zu einzelnen Begebenheiten und Situationen.

„Einkaufen in Venlo“ © 2021 k.enderlein FOTOGRAFIE

Zunächst suchte ich bei meiner Konzeptionsarbeit nach einer einheitlichen formalen Bildsprache. Die Transluzenz ist das, was alle Bildmotive gemein haben. Beim Betrachten meiner Fotografien erfährt man zwei oder mehrere Situationen, die gleichzeitig nicht stattfinden oder die nicht an einem Ort sein können. Und die Menschen und die Fahrzeuge werden austauschbar, weil sie nicht eindeutig identifizierbar sind.
Durch Doppel- oder Mehrfachbelichtungen und durch transparente Bildteile entsteht der Eindruck einer Unwirklichkeit. Nach möglicher anfänglicher Irritation der Betrachtenden möchte ich auf diese Art genügend Spielraum für eine eigene Interpretation des jeweils untertitelten Themas provozieren und den Dialog fördern.

„Busverkehr Bocholt-Aalten“ © 2021 k.enderlein FOTOGRAFIE

Es wäre im Höchstmaß unbescheiden, würde ich die Ausstellung in Wesel mit meinen Bildern als sehr gelungen beschreiben. Ein wenig kann ich das aber so tun, weil mein niederländischer Kollege aus Maastricht, Chris Keulen, seine attraktiven Bildmotive in der anderen Hälfte des gemeinsamen Fotoprojekts präsentiert. Am Anfang nur in Videokonferenzen, später dann auch bei physischen Begegnungen, freundeten wir Kollegen uns bei der gemeinsamen Aufgabe schnell an. Von Anfang an war allen Beteiligten klar, dass am Ende zwei völlig verschiedene Arbeiten in die Ausstellung kommen sollten: zwei unterschiedlich denkende und arbeitende Autoren, zwei unterschiedliche Bildsprachen in den jeweiligen Motivgruppen, zwei unterschiedliche Arten der Präsentation, und dennoch fließen die beiden Arbeiten in der Ausstellungsgalerie des LVR-Niederrheinmuseums in Wesel zusammen.

Die beiden Fotoserien vereinen den Anspruch der Autoren, Betrachtende auch zum Nachdenken über mögliche Grenzen in unseren Köpfen zu motivieren, persönliche Einstellungen über die Nachbarn auf den Prüfstand zu stellen, zu überdenken und zu verändern, um auf diese Art tradierte aber auch neue Vorbehalte abzubauen – hüben wie drüben.

Ausstellungsansicht Fotoausstellung im LVR-Niederrheinmuseum Wesel © k.enderlein FOTOGRAFIE
Ausstellungsansicht Fotoausstellung im LVR-Niederrheinmuseum Wesel © k.enderlein FOTOGRAFIE

Aus der Pressemeldung des LVR-Niederrheinmuseum Wesel:

In dem Projekt #waarisdegrens #woistdiegrenze haben sich zwei Fotokünstler dem Thema der Grenze zwischen NRW und den Niederlanden unter verschiedenen Aspekten gewidmet. Das Projekt zielte darauf ab, sowohl die Erfolge als auch die noch immer bestehenden Hemmnisse in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu visualisieren. Die fotografischen Kunstwerke setzen sich vor allem mit Themen auseinander, die einen direkten Einfluss auf das tägliche Leben der Bevölkerung in der Grenzregion haben und die eine Interpretation der Grenzthemen zeigt.

Die beiden Fotografen aus Deutschland (Karsten Enderlein) und aus den Niederlanden (Chris Keulen) haben jeweils ihren eigenen Stil, was eine Spannung in der Ausstellung erzeugt. Ein Roll-up-Banner mit einer Karte des Grenzgebiets zwischen NRW und den Niederlanden und den Orten, an denen die Fotos entstanden sind, wird die Ausstellung begleiten, so wie ein zweisprachiges Video, in dem beide Fotografen ihre Arbeitsmethoden und die entstandenen Kunstwerke kommentieren.

Hintergrundinformationen

Nationale und europäische Entscheidungsprozesse berücksichtigen selten die direkten Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die Grenzregionen. Viele Entscheidungen stellen die Menschen des Grenzgebiets regelmäßig vor große Herausforderungen. Andererseits gibt es auch Entscheidungen, bei denen sie von Unterschieden profitieren. Das Projekt will die besondere Situation im Grenzgebiet und den Umgang der Bevölkerung damit künstlerisch aufarbeiten. Die entstandenen Kunstwerke sollen Akteur*innen, Entscheidungsträger*innen und Bürger*innen für die Grenzsituation sensibilisieren. Der Schwerpunkt liegt auf den Erfolgen der Zusammenarbeit, aber auch auf den noch bestehenden Schwierigkeiten. Dies sollte dazu beitragen, die erfolgreiche Zusammenarbeit weiter zu stärken und die Hindernisse abzubauen.

Die Ausstellung ist vom 24. Februar bis 27. März im LVR-Niederrheinmuseum Wesel zu sehen.

Das Projekt wurde als Interreg-Projekt aus dem „people to people“-Budget der Euregio Rhein-Waal eingereicht und genehmigt. Die Sponsoren des Projekts sind:
– Interreg
– Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und internationale Angelegenheiten des Landes NRW (Staatskanzlei)
– LVR-Niederrheinmuseum Wesel/Landschaftsverband Rheinland
– Die Provinzen Overijssel, Gelderland und Limburg