AUS MEINEN SCHUBLADEN 09.18

w o z u f r e u n d e g u t s i n d

Bei zunehmender Alterung der Menschen in unserer heutigen Gesellschaft bleibt die Frage, mit was können sich die Alten sinnhaft beschäftigen?

Für mich bleibt die Hoffnung auf weiterhin viele anregende, lebhafte, konstruktive und nachhaltige Gespräche mit FreundInnen.

Ich begreife Alter als Erfahrung und nicht als Resignation vor Schönheit oder Lebhaftigkeit.

Ich wünsche meinen FreundInnen und mir noch lange die Möglichkeit, sich weiter anschlauen zu können, auf dass wir irgendwann irgendwo wieder einmal zusammen sitzen und unser Leben lang weiter lernen können. So ähnlich wie die Herren auf meinen Bildmotiven aus meinen SCHUBLADEN.

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DREI HERREN – Palma de Mallorca 1989, © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

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DREI HERREN – Toscana 1980, © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

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DREI HERREN – Oslo 1987, © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE


 

THOMAS SCHÖNAUER

Engelage & Lieder zeigt jüngste Werke des Düsseldorfer Künstlers

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SECRET INGREDIENTS – Thomas Schönauer bei Engelage und Lieder, Düsseldorf – Ausstellungseröffnung Foto: © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Galerie Engelage & Lieder auf der Ackerstraße in Düsseldorf präsentiert nach 2016 die zweite gemeinsame Ausstellung mit Thomas Schönauer. Noch bis zum 18. November 2018 zeigt die Galerie im Rahmen von Secret Ingredients zum ersten Mal in Düsseldorf Skulpturen aus der neuen Cultivator-Serie sowie aktuelle Malerei der CT-Universe-Reihe.

Schönauer reduziert in den Cultivators sein bisheriges Formenrepertoire auf ein einziges Element: die Linsen, Schnittmengen zweier Kreise, die er in verschiedenen Winkeln zueinander an unterschiedlichen Punkten ihrer Oberflächen verbindet. Aus dieser Vereinfachung der Konzeption entsteht eine ungeahnte Vervielfachung und zugleich Verdichtung der Komplexität des Erscheinungsbildes der Skulpturen. Im Zusammenspiel mit dem Umraum der Skulptur, der für Schönauer mindestens genau so wichtig ist, wie das Objekt selbst, entwickeln sich die einander wechselseitig verdeckenden und freigebenden, je nach Position des Betrachters unterschiedlichste Silhouetten formenden Linsen zu Manipulatoren des Raumes, indem sie durch ihre massive Dynamik mit ihm in Korrespondenz treten. Gleichzeitig lassen sich an der Skulptur die Eigenschaften des Raumes ablesen, die ihn sonst oft unbemerkt ausmachen: Reflexion, Spiegelungen, Schatten- und Formenspiele, Flächigkeit und Tiefe, jeweils in Abhängigkeit von unterschiedlichen Betrachtungskonstellationen.

Thomas Schönauer ist ein Düsseldorfer Künstler, der durch seine großen Skulpturenprojekte und die epoxidharzbasierte Malerei seiner CT-Universe-Reihe internationale Anerkennung gefunden hat. Schönauers Werk zeichnet sich dadurch aus, dass grundlegende kunsttheoretische, soziologische und philosophische Fragestellungen von umfassender Reichweite durch innovative, oft interdisziplinäre Techniken und Konzeptionen eine neue Bearbeitung, Umsetzung und Vermittlung erfahren. Sowohl in der Bildhauerei als auch in seiner Malerei greift er auf unorthodoxe, technisch hochentwickelte Mittel und Materialien zurück, um seine künstlerischen Visionen umzusetzen. Durch das Zusammenspiel beider Disziplinen erleben wir in Schönauers Arbeiten oft eine unmittelbare Faszination, die auf grundlegende Phänomene deutet, in denen sich Denken und Handeln, Freiheit und Vernunft treffen. (Text: © Engelage & Lieder)

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Werk und Künstler:

Engelage & Lieder

Thomas Schönauer

Ab Freitag, den 19. Oktober 2018, bespielt Thomas Schönauer auch das Düsseldorfer Haus der Universität. Diese Präsentation wird begleitet von einer Podiumsdiskussion am 29. November 2018 um 19 Uhr.

Haus der Universität

w/k Zwischen Kunst und Wissenschaft

Einladung Haus der Universität

Meinen kompletten Bildbericht der Ausstellungseröffnung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs unter  BEGEGNUNGEN

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SECRET INGREDIENTS – Thomas Schönauer, links, im Gespräch mit einem Besucher bei Engelage und Lieder, Düsseldorf – Ausstellungseröffnung Foto: © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE


 

DIE FASZINATION DER MEERE …

… erfahre ich gleichermaßen an großen Seen. Auf unserer jüngsten Reise durch Norditalien machten wir am Gardasee eine Woche Quartier. In der ehemaligen Villa Grüber wurde schon im September 1913 Gustav Klimt (*14.7.1863 in Baumgarten bei Wien, †6.2.1918 in Wien) die besondere Amtmosphäre am Ufer des Gardasees zum Erlebnis. Er malte von den Balkonen des Hauses seine Werke „Veduta di Malcesine“ und „La Chiesa di Cassone“. Das heutige Hotel Bellevue San Lorenzo war also alleine durch die Spuren Klimts Motivation für mich, sich inspirieren zu lassen. Weniger das mittlerweile touristisch überlaufene Örtchen Malcesine als viel mehr das bleierne Wasser des Alpensees in der Abendstimmung waren Anlass, zur Kamera zu greifen.

Ölbäume, Zypressen und Magnolien, von Dichtern besungener Lorbeer und duftende Myrten – südliches Licht, Landschaften, wie sie Goethe schon liebte. Zurück versetzt in eine Zeit, in der Künstler solche Stätten durch ihre Reisen beseelten, fühlte ich an diesem Ort die Stimmung des Lebenstils der Belle Epoche nach. Nahe liegender war es noch, die Aufbruchsstimmung und Reiselust der fünfziger Jahre nachzuspüren. Schließlich habe ich davon als 56er Jahrgang noch selber etwas mitbekommen, obwohl ich erst 1973 mit meinen Eltern zum ersten Mal die Alpen überquerte. Der nicht mehr trockenen Fusses erreichbare Steg im See bei Brenzone ist ein Beleg dafür, dass wir Menschen uns nicht damit begnügen, nur die Uferlandschaft zu erobern, sondern dass wir gerne auch noch ein Stückchen darüber hinaus das Wasser in Besitz nehmen wollen. Wenn man geduldig wartet, kommt irgendwann vielleicht doch noch ein Riva Boot – nur sicher ohne „Gina“ Lollobrigida.

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SEESTUECK Val di Sogno #1, Gardasee © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

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SEESTUECK Brenzone #1, Gardasee © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Alle SEESTUECKE vom Gardsee finden Sie in meinem Archiv  SEESTUECKE


 

MALEREI VON BERTRAM RUTZ

noch bis zum 28. Oktober 2018 im COELNER ZIMMER in Düsseldorf

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Bildbericht zur Ausstellungseröffnung am 7. September

Mehr Informationen zur Galerie   COELNER ZIMMER

Hier geht´s zur Webseite von  BERTRAM RUTZ

Alle Fotos zur Ausstellungseröffnung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs unter  BEGEGNUNGEN


 

 

SCHULZ-DORNBURG UND SALVADORI

Die Stiftung Insel Hombroich zeigt Werke der Fotografin und des Plastikers

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Stiftung Insel Hombroich, Remo Salvadori im Siza Pavillon, mit Ursula Schulz-Dornburg (links) vor seiner Installation „Alveare, 19967-2018“, © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Stiftung Insel Hombroich präsentiert ab Sonntag, den 9. September 2018, auf der Raketenstation Hombroich die erste Einzelausstellung des italienischen Künsters Remo Salvadori in Deutschland. Gezeigt werden ausgewählte Werke aus vier Jahrzehnten sowie mehrere ortsspezifisch entwickelte Skulpturen.

Zeitgleich sind in den Räumen für Fotografie im Siza Pavillon die ersten Werkgruppen der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg zu sehen. Die beiden Projekte Palace Pier, Brighton 1976 und Vorhänge am Markusplatz in Venedig 1973 leiten ihre Beschäftigung mit architektonischen Strukturen und räumlichen Zusammenhängen ein, deren Fortbestehen ungewiss ist.

Alle Fotos der Ausstellungspräsentation finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs unter  BEGEGNUNGEN

Weitere Informationen zum Kulturraum Hombroich finden Sie unter  INSEL HOMBROICH


 

KUNSTSAMMLUNG NORDRHEIN-WESTFALEN

Re-Opening K21

Nach der Schließzeit (bis 31. August) wird am 6. September das K21 als rundumerneuertes Museum für Gegenwartskunst wiedereröffnet. In der Bel Etage eröffnet an diesem Abend die Ausstellung der geheimnisumwobenen Künstlerin Lutz Bacher. Die Sammlungspräsentation in der 2. und 3. Etage zeigt künftig Kunst seit den späten 1980er Jahren (Marina Abramovic, Paul McCarthy, Robert Gober, Maria Lassnig, Rosemarie Trockel, Thomas Ruff, Thomas Schütte, Wael Shawky, Ana Torfs u.v.a.). Nach einer umfassenden Restaurierung wird Reinhard Muchas Schlüsselwerk „Das Deutschlandgerät“ wieder zu sehen sein. Das 1. Obergeschoss begegnet den Besucher/innen als ein offener Ort der Vertiefung und des Austauschs, unter anderm mit dem dauerhaft eingerichteten Archiv von Dorothee und Konrad Fischer.

Alle Fotos der Ausstellungsvorstellung vom 06.09.2018 finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs unter  BEGEGNUNGEN

Weitere Informationen zum Ausstellungsprogramm finden Sie unter  KUNSTSAMMLUNG


 

ANTHONY CRAGG IM EHRENHOF

ALLES IN BEWEGUNG

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Anthony Cragg im Museum Kunstpalast, hier vor seinen Skulpturen „Early Form“, 2014 (links) und „Woman´s Head“, 2007, © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Das Museum Kunspalast in Düsseldorf zeigt noch bis zum 10. Februar 2019 großformatige Skulpturen des englischen Bildhauers Anthony Cragg (*1949).

Im Herbst beginnt das Ausstellungsprogramm des Kunstpalasts mit einer Präsentation
großformatiger Skulpturen des englischen Bildhauers Anthony Cragg (*1949). Seit langer
Zeit wird erstmals wieder der Außenbereich des Ehrenhofs bespielt. Die Besucher erwarten bis zu 6,50 Meter hohe Skulpturen, in denen sich Illusionismus und statuarische Monumentalität auf einzigartige Weise mischen. Eine Kabinettausstellung im Kunstpalast widmet sich Craggs Arbeiten auf Papier.
„Mit der Präsentation im Ehrenhof geben wir diesen einmaligen städtischen Raum als
großartige Bühne für Skulpturen-Ausstellungen und temporären Installationen frei. Ich
freue mich besonders, dass wir Anthony Cragg dafür gewinnen konnten, den Auftakt zu
machen.“ betont Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast.
Craggs Werk spiegelt eine große Vielfalt an Materialien und Formen wider. Sein künstlerisches Verfahren ist ebenso ungewöhnlich wie unmittelbar. Er geht nicht vom Modellieren aus, sondern vom Zusammenstellen bereits existieren der, oft gefundener Formen. Aus einfachen Bestandteilen wie runden oder ovalen Scheiben erschafft Cragg in einer unverwechselbaren Formensprache Skulpturen, die zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit oszillieren. Blieben in seinen frühen Skulpturen die Ausgangsmaterialien sichtbar, so zeigen die –aktuellen, in Bronze, Fiberglas und Edelstahl ausgeführten bildhauerischen Arbeiten im Ehrenhof keinen Hinweis auf die Ursprungsformen.
„Die großformatigen Skulpturen von Anthony Cragg faszinieren durch ihr Wechselspiel
zwischen dem sinnlichen Reiz ihrer makellosen Oberflächen und ihrer rationalen, genau
geplanten konzeptuellen Basis“, erläutert Kay Heymer, Leiter Moderne Kunst, Kunstpalast.
Kuratiert wird die Ausstellung gemeinsam von Anthony Cragg und Kay Heymer, Leiter
Moderne Kunst, Kunstpalast. Text © Presse Museum Kunstpalast

 

BEWEGUNG

steht im Werk des in England geborenen Bildhauers im Zentrum. Seine Skulpturen werden oft aus vorgefundenen Formen wie Flaschen, Vasen oder anderen Gefäßen entwickelt, die in BEWEGUNG versetzt werden. Fünf große Beispiele sind nun im Ehrenhof zu besichtigen. Graggs Arbeiten auf Papier sind ähnlich vielfältig wie die Skulpturen – es gibt vorbereitende Zeichnungen ebenso wie völlig autonome Aquarelle. Bleistiftzeichnungen aus der Werkgruppe der „Vessels“ (Gefäße) zeigen ineinandergestellte, bewegte Vasen, die mögliche Konstellationen für die Skulpturen andeuten. In Aquarellen wie jenen aus der Serie „Microstructures“ erprobt Cragg dagegen die Gestaltung von Oberflächen durch zahlreiche nebeneinander gelegte, nummerierte Felder. Diese lassen sich auch in den strukturierten Oberflächen anderer Skulpturen aus Serien wie „Profiles“ oder „Secretions“ (Absonderungen) wiederfinden. Die Aquarelle aus der Serie der „Chromosomes“ zeigen hingegen frei erfundene Figuren und Hände, die von einem vereinheitlichten Muster überzogen und in bisweilen schnelle BEWEGUNG versetzt sind. Die für die Darstellung dieser Formen genutzte flüssige Technik passt perfekt: Sie verweist auf das fließende Leben der Formen, das frei zwischen den Sphären von Materie, Raum und Geist changiert. Craggs Arbeiten auf Papier ergänzen und vertiefen das, was er in seinen Skulpturen erzielt – eine Kraft, die sich ganz wesentlich aus Neugier, Experimentierfreude und Humor speist.

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Anthony Cragg im Museum Kunstpalast, hier seine Fiberglas-Skulptur „Mean Average, 2018“ (Ausschnitt), © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Alle Fotos zur der Ausstellungsvorstellung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs in dem Album  BEGEGNUNGEN

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie unter   MUSEUM KUNSTPALAST


 

SONNEN|ZEICHEN

51º14´04.93″ N – 6º47´17.05″ O

© 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE


 

BOUCHRA KHALILI IM MUSEUM FOLKWANG

The Tempest Society / Twenty-Two Hours

24. August – 21. Oktober 2018

In Kooperation mit der Ruhrtriennale 2018 zeigt die französisch-marokkanische Künstlerin Bouchra Khalili (*1975, in Casablanca) aktuelle Videoarbeiten im Museum Folkwang in Essen.

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Museum Folkwang Essen, Eine der beiden Videoinstallationen von Bouchra Khalili © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Bouchra Khalilis Arbeiten widmen sich politischen Themen; sie portraitieren Mitglieder verschiedener politischer Minderheiten und deren Strategien von Widerstand. Die Künstlerin formuliert die Zusammenhänge von Subjektivität und kollektiver Geschichte immer wieder neu aus und untersucht die komplexen Beziehungen zwischen dem Einzelnen, seinen Pflichten als Bürger und der Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft. Khalili ruft eine (neue) kollektive Stimme der Akteure ins Leben.

Die beiden Videoinstallationen sind noch bis zum 21. Oktober in Essen zu sehen. Der Eintritt ist frei.

alle Fotos der Ausstellungsvorstellung finden Sie in meinen  SCHUBLADEN

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie unter  Ruhrtriennale 2018

und  MUSEUM FOLKWANG


 

SOMMER IM MUSEUM

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NRW Forum Düsseldorf © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Es droht ein weiteres Hitzewellchen in Deutschland. Da empfehle ich einen Besuch in gut klimatisierten Museen. Und für Jungs in jedem Fall einen Gang zur Herrentoilette im NRW Forum Düsseldorf – mit erfrischender Aussicht. Die macht Durst auf ein kühles Biermixgetränk.

Und wer bei dem schönen Wetter draußen bleiben will, kriegt auch in der 1925/26 erbauten Ehrenhof-Anlage am Museum Kunstpalast einiges zu sehen.

alle Fotos: © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE


 

AUS MEINEN SCHUBLADEN 08.2018

Ein ganz normales Gruppenfoto?

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IRAQ 1982 © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Getarnt als Ingenieur reiste ich 1982 für eine Fotoserie über eine Gießerei in Al Taji und Baustoffanlagen bei Karbala und Najaf in den Iraq. Was für mich damals als Nachkriegskind in Deutschland exotisch und unwirklich beängstigend wirkte ist heutzutage in den Medien beiläufige Selbstverständlichkeit geworden: Männer mit Waffen, die sich offensichtlich gerne fotografieren lassen.


 

ANALOG-FOTOGRAFIE

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weisseTasse © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

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LichtWanne © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

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weisseWolken © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Konzentriertes Arbeiten

Acht Bilder passen auf den Film (ein Rollfilm Ilford FP 4 Plus mit 125 ASA). Im Format ungefähr so 6×9 cm. Die AGFA CLACK lässt technisch kaum Einstellvarianten zu. Ich kann unterscheiden zwischen „B“ für Dauerbelichtung (solange ich den Auslöser halte) und „M“ für Momentaufnahme, irgendetwas zwischen 1/25 und 1/90 Sekunde. Die Blendeneinstellung bietet drei Varianten: 1. „1 bis 3 Meter“ (da schiebt sich wohl eine Lupe vor die Linse), 2. ein Symbol mit zwei Wolken über Bergen und 3. ein Symbol mit einer Sonne über Bergen. Damit ich keinen Platz auf dem Film verschwende und keine Überlappungen einzelner Motive verursache, bietet mir auf der Rückseite der Kamera ein etwa Cent-großes Blech zum wegschwenken den Blick durch eine dunkelrote Kunststoffscheibe auf die bedruckte Papierrolle, in die der Negativstreifen eingewickelt ist. Dort sind Zahlen aufgedruckt, die mir beim händischen Vorspulen die Negativ-Nummern und somit auch die exakte Postion des Filmstreifen anzeigen. Unbeabsichtigte Doppelbelichtungen sind somit garantiert.

Farbe im Kopf abschalten. Kontratsreiche Motive finden. Konzentration. Entschleunigtes arbeiten. Jedes auslösen ist nicht wiederrufbar. Der s/w-Film kostet zwischen fünf und acht Euro, ohne Entwicklung. Die kostet im Fachlabor 5,30 Euro. Und um meine Motive x-fach posten zu können, müsste ich zunächst Scans machen – sehr aufwendig. Also: höchste Konzentration! Das Belichten geht dann schnell. Der hebelartige Auslöser in Front rechts vom Objektiv gleitet geräuschvoll herunter, bietet Wiederstand, und verführt geradzu zum verreissen des Motives. Deshalb beim nächsten Schuß: aufgepasst, Konzentration.

Ich erinnere mich zurück an die lange analoge Zeit in meinem Fotografenleben. Schnell bin ich wieder drin, in dem workflow, der höchste Konzentration erfoderte, um sich ein Bild von dem zu machen, was im Kopf wichtig und bewahrungswürdig geworden war. So ist FOTOGRAFIE.

Text © 2018 k.enderlein

„weisseTasse“ auf weißem Grund, „LichtWanne“ – nur einmal im Jahr ensteht dieser Reflex in unserer Badewanne, wenn der Lichtstrahl den schmalen Spalt in der Fenster-Jalousie findet, „weisseWolken“ vor blauem Himmel, sieht immer irgendwie bayersich aus, wenn´s in Farbe wär

alle Fotos: © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE


 

AUS MEINEN SCHUBLADEN 07.2018

My beautiful picture
Karsten Enderlein, Mallorca 1993, © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Urlaubszeit – MALLORCA 1993

An dieser Stelle heute eine ganze Serie aus meinen Schubladen:

Im Herbst 1993 flog ich mit sieben Freunden für eine Woche auf die Ferieninsel im Mittelmeer. Wir hatten unsere Mountainbikes in Kartons verpackt und waren als Sportler-Horde im Direktflug auf der Insel eingefallen. Für damalige Verhältnisse gerade zu eine Art Expedition, da wir kein präzises Kartenmaterial hatten, wie es zur Verfügung stand, als wir Rheinländer mit unseren Fahrrädern die Hochalpen eroberten, in den Jahren davor. Unsere gemietete Finka in den Bergen oberhalb Sóller war täglicher Start- und Zielpunkt unserer Touren. So führten uns die Tagesrouten entweder auf stark befahrene Autostraßen oder über Zäune im unwegsamen Weidegebiet der mallorquinischen Schafe. Nach unserer Zeitrechnung in den frühen Abendstunden – in Spanien fiel das durchaus noch in die Mittagszeit – suchten wir daher, früher als geplant, Einkehr zur entspannten Aufnahme von Nahrung und Getränken.

Und so entwickelte sich aus einer anspruchsvollen Fahrrad-Tour ein ganz normaler Urlaub, der tatsächlich einer gewissen Erholung zuträglich war. Heute – nach 25 Jahren – erinnere ich mich noch gut an die im Herbst mäßig frequentierten Restaurants und Bars, an den damals schon sanierungsbedürftigen Flughafen, an eine Finca, die noch vom Geist möglicher Künstler und Schriftsteller beseelt war, an die Wachstischdecken auf den Tischen des Fischrestaurants am Meer, an durchaus bequeme Plastikstühle im Sand, an „Gabys Bar“am Ballermann, an die heimischen Rentner im Stammlokal im Ort.

Mit meiner Nikkormat FT aus den frühen siebziger Jahren und niedrig empfindlichem Kodak-Dia-Material war ich in der Lage, diese Erinnerungen nachhaltig in Bildern zu bewahren.

Nur eine Erinnerung bleibt ausschließlich diskret im Kopf: die Begegnung mit  Michael Douglas  an der Theke in der Bar Abaco  in Palma und einem unaufgeregten Gespräch über die Bar im allgemeinen und den Bacardi Cola, den wir zufällig beide bestellt hatten, im besonderen. Im Ort sprach man tags drauf davon, dass Michael Douglas auf der Insel sei, um mit einer befreundeten Immobilienmaklerin aus Madrid, die ihn an diesem Abend auch begleitete, nach einem Seegründstück mit Wohnhaus Ausschau hielt. Wie heute alle Mollorca-BesucherInnen wissen, hat sich seit den neunziger Jahren nicht nur auf der Insel das Urlaubsleben drastisch verändert. Und auch der Plastikmüll ist mehr geworden. Wie schön wirken da doch die Bilder in meinem Kopf. Ich möchte meine Erinnerungen teilen und veröffentliche deshalb einen Teil der Motive an dieser Stelle:

Text: Karsten Enderlein – Alle Fotos: © k.enderlein FOTOGRAFIE


 

SAGT EIN FOTO MEHR ALS TAUSEND WORTE?

Tausend Worte sind nämlich verdammt viel. Und gerade in der deutschen Sprache können tausend Worte eine gewaltige Aussagekraft haben. Was aber macht eine Fotografie so wirksam und attraktiv in Bezug auf eine Aussage und auf eine Meinung? Es ist der geistige Spielraum, den der Betrachter hat und die Fantasie, die ein Bild in jedem Menschen provoziert. Und je mehr ein Foto verbirgt, desto intensiver interpretieren wir Betrachter dieses Bild aufgrund unserer eigenen Erfahrungen, Geschichten und Erinnerungen. Erst auf diese Weise und ausschließlich in unserem Kopf entstehen die umfangreichen Geschichten, die durchaus mehr als tausend Worte haben können.

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Werbetafel in Wesel, 80er Jahre, Foto: © 2018 Gerd Lorenzen, Essen

Mein Fotografenkollege und Freund Gerd Lorenzen schickte mir neulich dieses wirklich gelungene Foto-Exemplar aus den 80er Jahren. Dieses ach so zeitlose Bildmotiv beschreibt so aktuell wie selten den Zustand einer Asylpolitik in Europa, die unsere Bundesregierung der heutigen Zeit dicht an den Abgrund bringt. Das Foto zeigt mir Begrifflichkeiten wie „REINHEIT“, „GEBOT“, „GARANTIE“ und eine Zahl „BIS 60“. Und es zeigt ein zerrissenes Kragenhemd, wie unserer Politiker es tragen könnten, und ein Portrait eines hoffnungsvollen Kindes, wie es an der „AUSSENGRENZE“  Europas aufgenommen sein könnte.

Beim weiteren Betrachten dieses Bildes denke ich an solch verstörende Begrifflichkeiten, wie sie in den letzten Tagen in Funk und Fernsehen zu hören und auf den Titelseiten der Zeitungen zu lesen waren:

„OBERGRENZE“, „AUSSENGRENZE“, „ASYLTOURISMUS“, „TRANSFERVERFAHREN“, „ERSTEINREISELAND“, „MASTERPLAN“, „SCHNELLVERFAHREN“, „TRANSITZENTREN“, „BALKANROUTE“, „BAYERISCHE GRENZPOLIZEI“, „CHRISTLICH-SOZIALE UNION“, „MITTELMEERROUTE“, „REGIERUNGSKRISE“, „ASYLWENDE“ usw.

und dann auch noch eine Zahl: „60“!

Das sind ausschließlich meine subjektiven Assoziationen. Jedem anderen Betrachter fallen andere Dinge zu diesem Foto ein, und genau das macht das Foto zu einem Impulsgeber für die individuelle Betrachtungsweise.

Zu den Fakten hinter dem Bildmotiv könnte ich sagen: In den 80er Jahren war es üblich, dass die Agenturen für ihre Werbetreibenden auf den Plakatwänden einen Zehn-Tages-Zeitraum buchten. Erst nach etwa vier bis sieben Dekaden wurden die mehrfach überklebten Papierbahnen von der Werbetafel entfernt. Starker Wind nach ausgiebigem Regen war schon immer der Feind der Außenwerber. Immer wieder entstanden so skurrile Plakatmotive durch ausgerissene Papierbahnen, die die vorangegangenen Motive der letzten Dekaden teilweise frei legten. Auf der einen Seite reduzierte sich so die beabsichtigte Werbewirksamkeit, die dadurch entstandenen „Reißbilder“ waren aber auf der anderen Seite teilweise echte Hingucker.

Etwa Anfang der 80er Jahre fotografierte Gerd Lorenzen, der als Fotojournalist der NRZ (WAZ-Mediengruppe) immer eine Hand am Auslöser hatte, die Werbetafel in Wesel auf der Brüner Landstraße. An der Weseler Maschinenbau GmbH (WESMAG) gab´s damals noch ein Büdchen kurz vor dem „Katzenbuckel“, der steilen Theodor-Heuss-Brücke über die Bahngleise. Wir sehen die zerrissenen Papierbahnen einer Waschmittel-Werbung, die das darunter liegende Motiv einer Hilfsorganisation-Kampagne teilweise frei legt. Ein Photoshop-Artist der jüngsten Generation hätte eine solch aussagekräftige Bildidee nicht besser realisieren können. Gerd Lorenzen musste damals lediglich „sehen“ können und das Gesehene fototechnisch umsetzen.

ke – der obige Text hat 464 Worte


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Ich kommuniziere auf meinem Blog nicht nur eigene Fotoprojekte.
Ich informiere über Fotografie und deren Stellenwert in der Kunst und im Kommerz.

Ich möchte Impulse geben für eine differenzierte Aufmerksamkeit für die Fotografie, einem Jahrhunderte alten Medium in unserer digitalen Gesellschaft.


Seit mehr als fünfzig Jahren beobachte ich Fotografie im öffentlichen Raum – in Museen, in Galerien, auf Kunstmessen, auf Werbeplakaten, auf Foto-Festivals. Welchen Wandel, welche Entwicklung erfährt dieses Medium? Wie verändert sich die Gesellschaft, in der es stattfindet? Wie wechselvoll geht die Gesellschaft mit dem Medium visuelle Kommunikation um? Trotz meiner Voreingenommenheit als Fotoautor, oder gerade deshalb, sind diese Fragen für mich immer wieder spannend, zudem existenziell für mein Wirken und mögliche Antworten immer wieder überraschend. Ich werde das in meinem Fotografenleben weiter beobachten! Ich werde versuchen, Antworten zu finden! Die Fotografie besteht im Wandel der Zeit. Fotografie wird immer ein spektakuläres Medium sein.



AUSSTELLUNG ANNI ALBERS – NUR FÜR FRAUEN UND MÄDCHEN?

MITNICHTEN!

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ANNI ALBERS Ausstellung K20 Grabbeplatz © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

In einer umfassenden Retrospektive präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im K20 in Düsseldorf das facettenreiche Werk der Künstlerin, Handwerkerin, Designerin, Lehrerin und Autorin Anni Albers (1899-1994). Vom 9. Juni bis 9. September 2018 sind mehr als 300 Leihgaben aus europäischen und amerikanischen Museumssammlungen in Düsseldorf zu sehen. Darunter befinden sich ausgewählte Beispiele des künstlerischen Schaffens, die „Pictorial Weavings“, Zeichnungen und Druckgrafik, aber auch Stoffmuster, Textilien für die Manufaktur sowie zahlreiche Dokumente, die den intellektuellen Kosmos der Künstlerin vor Augen führen.

Anni Albers war eine außerordentlich vielseitige Künstlerin, die das Handwerk des Webens als vollwertige Kunstform etablierte. Sie revolutionierte damit eine uralte Kulturtechnik und verband sie mit einer modernen künstlerischen Praxis. Die prägenden Studienjahre erlebte sie am Staatlichen Bauhaus in Weimar und Dessau, in engem Austausch mit ihren Lehrern und Mitstudierenden. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, emigrierte sie mit ihrem Ehemann Josef Albers (1888-1976) in die USA, wo beide am legendären Black Mountain College lehrten.

Als Frau des deutsch-amerikanischen Malers und Kunstpädagogen Josef Albers, der schon früh für seine Farbquadrat-Gemälde und für wichtige Beiträge zur Farbtheorie bekannt war, war es für Anni Albers nicht einfach, in der Männerwelt des frühen 20. Jahrhunderts Anerkennung für ihr künstlerisches Schaffen zu finden.

Wir befinden uns zwar längst im 21. Jahundert, dennoch ist es kaum ein Zufall, dass die großartige Düsseldorfer Ausstellung vornehmlich von Frauen organisiert und beseelt wurde: siebzehn Frauen waren gegenüber zwölf Männern hauptverantwortlich für die Organisation der Ausstellung in den Bereichen Direktion, Kaufmännische Leitung, Kuration, Assistenz, Ausstellungsmanagement, Registrar, Restaurierung und Museumstechnik, Textilrestauration, Ausstellungsarchitektur, Ausstellungsbau, Technik, Kommunukation, Bildung. In dem attraktiven Ausstellungskatalog informieren acht Autorinnen von zehn Autoren insgesamt über das Leben und Werk der Anni Albers.

Und trotzdem, oder gerade deshalb, Männer: In jedem Fall ist das auch eine Ausstellung für Männer und Jungs!

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ANNI ALBERS Ausstellung K20 Grabbeplatz © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Nutzen Sie im Sommer 2018 die sich bietende einmalige Gelegenheit, die Lebenswerke zweier herausragender Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in unmittelbarer Nachbarschaft zu erleben:

Josef Albers. Interaction – 16. Juni bis 7. Oktober 2018 in der Villa Hügel, Essen

„Wir suchen oft nach einer den Dingen zugrunde liegenden Bedeutung, während das Ding selbst eine Bedeutung ist. Wir müssen versuchen, die Empfindsamkeit neu zu entwickeln, die uns zur unmittelbaren Wahrnehmung zurückführt. Nur so können wir das Vermögen wiedererlangen, Kunst direkt zu erfahren.“ Anni Albers, 1939

alle Fotos: © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

weitere Informationen zu den Albers-Ausstellungen in Düsseldorf und Essen finden Sie unter Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen  und  Villa Hügel, Essen


 

 

DIE FASZINATION DER MEERE …

… geht weiter und wird wahrscheinlich bei mir nie zu Ende gehen. Im April 2018 war ich am Ärmelkanal in der Normandie in Frankreich.

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SEESTUECK – Cap d´Antifer #2, 04.2018, © k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Küstenlinien am Ärmelkanal sind die Räume der Gezeiten. Wenn der Mensch sich weit ins Meer wagt, steht er in dieser Region der Erde vor den größten Herausforderungen. Die Seestege, Landungsbrücken und Hafenanlagen bedürfen eines hohen technischen Aufwands, um den Wellen der See zu trotzen. Nur im Nordosten Kanadas gibt es noch eine Region, in der der Tiedenhub – der Unterschied zwischen Ebbe und Flut – noch größer ist.

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SEESTUECK – Cap d´Antifer #4, 04.2018, © k.enderlein FOTOGRAFIE

Mit bis zu 500 Schiffen täglich ist der Ärmelkanal als Schifffahrts-Handelsweg von großer Bedeutung. Zahlreiche Fährlinien verbinden das europäische Festland mit der britischen Insel. Rechts und links des Kanals findet man nicht nur viele Seehäfen, sondern auch eine beachtliche Anzahl von Seebädern. Alles in allem also ein menschlicher Ballungsraum. Und doch finden sich an den endlos wirkenden Küsten immer wieder auch menschleere Abschnitte.

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SEESTUECK – Fécamp #3, 04.2018, © k.enderlein FOTOGRAFIE

Alles wirkt beherrscht und vertraut, dennoch hat diese Landschaft ihre Faszination niemals verloren. Der Blick aufs offene Meer lässt dieses zum Sehnsuchtsort werden. Man erfährt ein Gefühl für die Einsamkeit und die Ursprünglichkeit allen Erlebens. Mich wird es immer wieder an die Schnittstelle zwischen menschlichem Schaffen und natürlicher Urgewalt ziehen. Dieses Wechselspiel der Elemente Strand und Meer, das zahlreiche Künstler seit Jahrhunderten anzieht, ist viel mehr als ein romantisches Landschaftmotiv.

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SEESTUECK – Cap d´Antifer #1, 04.2018, © k.enderlein FOTOGRAFIE

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SEESTUECK – Fécamp #2, 04.2018, © k.enderlein FOTOGRAFIE

Alle meine SEESTUECKE finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs unter SEESTUECKE 1972-2018


 

AUS MEINEN SCHUBLADEN 06.2018

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Auf den Spuren Vincent van Goghs, Paris © 1995 k.enderlein FOTOGRAFIE

Anfang der 90er Jahre arbeitete ich mein Projekt „Auf den Spuren Vincent van Goghs“. Hunderte überlieferte Briefe Vincents an seinen Bruder Theo bildeten damals die Motivation und Grundlage für meine fotografische Spurensuche an verschiedenen Wirkungsstätten des Künstlers. So war selbstverständlich auch Paris eine Station einer Reise durch halb Europa. Es war eine sehr bewegte Zeit für den bis zu seinem Tod wenig erfolgreichen Maler. Zeit seines kurzen Lebens war er einsam mit seiner Kunst aber auch als Mensch. Ausnahme waren die Aufenthalte in der französichen Metropole, in der er in den Künstlercafés ausgiebige Begenungen mit seinen Malerkollegen, Freunden und Kritikern pflegte. Diese höchst kommunikative und bewegte Zeit im Leben des Malers versuchte ich in meiner fotografischen Spurensuche mit Licht nachzuzeichnen – durch eine Bildsprache mit Bewegungsunschärfen und Verwischeffekten in den Paris-Motiven.

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Auf den Spuren Vincent van Goghs, Paris © 1995 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die beiden Farbmotive zeigen kunstinteressierte BesucherInnen vor dem Musée d´Orsay und in dessen Umfeld, in dem unter anderen 1988 auch ein Selbstportrait van Goghs zu sehen war.

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Musée d´Orsay – Sammlung Gachet, Paris © 1988 k.enderlein FOTOGRAFIE

Alle Bildmotive meiner Arbeit „Auf den Spuren Vincent van Goghs“ finden sie in den SCHUBLADEN meines Archivs  Auf den Spuren …. 1992-1995

Das pdf-Dokument dieses Projekts zum Download finden Sie hier


 

SELBSTPORTRAITS – PHANTOMBILDER – Teil II

ke-Selbstportraits frei nach Luigi Ghirri

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Selbstportrait PHANTOMBILD © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ich veröffentliche hier ein paar neue Motive mit persönlichen Gegenständen, mit denen ich mich bei meiner fotografischen Arbeit im Alltag beschäftige. Dazu gehört auch immer die Wahl der Hemden und der Schuhe, wenn es mit der Kamera nach draußen geht. Je nach Gelände und Temperatur fällt da die Auswahl unterschiedlich aus.

 

siehe auch Teil I meiner PHANTOMBILDER frei nach Luigi Ghirri auf meinem Blog unter  SELBSTPORTRAITS PHANTOMBILDER Teil I


 

DIE ANGST DES KÜNSTLERS VORM KURATOR

Wenn jemand Kunst erklärt

Zunächst möchte ich bei allen Künstlerinnen und Kuratorinnen um Verständnis flehen, dass ich in meinem Artikel die weibliche Form dieser Berufsgruppen unausgeschrieben lasse. In Anlehnung an Peter Handkes Originaltitel seiner Erzählung aus dem Jahre 1972 „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ und des gleichnamigen Films von Wim Wenders sei mir in der Überschrift und im folgenden Text diese diskriminierende Geschlechtsspezifikation verziehen. Zumal ich als Autorin nunmal eine männliche Künstlerin und somit ein Künstler und ein Autor bin.

CD 431_24_panoDie Künstlerische Direktorin der Kunstsammlung NRW und Kuratorin Marion Ackermann (rechts) erklärt die Kunst vor JournalistInnen anlässlich der Pressekonferenz zur Ausstellung „IMI KNOEBEL – MALEWITSCH ZU EHREN“ am 6. Mai 2015 in der Kunstsammlung K21 in Düsseldorf. An der Wand: Zeichnungen des russischen Avantgardisten Kasimir Malewitsch.

Es passieren wöchentlich in aller Welt hunderte von Eröffnungsveranstaltungen zu Ausstellungen und Präsentationen von Kunst, bei denen hunderte von Kuratoren, Galeristen, Kulturreferenten und andere Kunstverständige im laufenden Kunstbetrieb zu sehen und zu hören sind. Das besondere Interesse sollte dabei vornehmlich dem Künstler gelten. Der Verantwortliche der Veranstaltung eröffnet eine Ausstellung. Er versucht aber auch die Kunst des Künstlers zu erklären. Und manches Mal sieht man dem Künstler an, dass er wohl besser zuhause geblieben wäre. Aber er erträgt es – und das nicht ohne Grund. Ohne die Institution Kunstmarkt wären seine Werke nicht öffentlich gemacht. Und das muss so sein, wenn er damit neben Ansehen auch Geld verdienen will. Da braucht es kommerzielle Strukturen in der Kunst. Die bestimmen den Wert seiner Arbeit. Die bestimmen seinen Wert als Künstler.

CD 431_16_panoImi Knoebel vertraut seiner Kuratorin Dr. Marion Ackermann. Beide haben das Werk „Schwarzes Rechteck, rotes Quadrat“ von Malewitsch im Rücken.

Endlich hat der Schaffende Aufmerksamkeit in der „Szene“ als Künstler erreicht und schon steht eine Ausstellung an, in der ein Teil seiner Werke gezeigt werden soll. Große Freude in der ihm zustehenden Eitelkeit als Autor dieser Werke: da ist ein Galerist, der seine Arbeiten für würdig hält, sie öffentlich zu präsentieren. Aber warum macht der das – klar, der ist Kaufmann und lebt mit und von derartigen Geschäften. Und er weiß die Arbeit so wert zu schätzen, dass er sich mit der Vermarktung der Bilder einen pekunären Vorteil verspricht. Und den verspricht er dem Künstler gleichermaßen.

CD 385_16_pano„Und wenn ich den Künstler richtig verstanden habe, …“ – Der Kunstfotograf Joachim Schumacher (rechts) lauscht den Worten seines Kurators Fabian Lasarzik, Künstlerischer Leiter der Stiftung Zollverein anl. der Eröffnung der Ausstellung „Von dieser Welt“.

Also kann der sich wiederum darauf freuen, denn es soll ja nicht sein Schaden sein. Und schließlich will er ja auch leben und sein Atelier oder sein Studio oder seine Projekte finanziert oder gar seine Familie ernährt sehen. Also gut. Und vielleicht wird er gar berühmt und kann weitere Arbeiten vermarkten und weitere Projekte finanzieren. Das wäre noch besser.

AirPackage_06_panoUnd wenn man sich einig ist, haben alle Spaß daran. V.r.n.l.: Kurator Peter Pachnike, Projektleiter und Exklusivfotograf Wolfgang Volz, Christo, Gasometer-Chefin Jeanette Schmitz und Sponsor Stefan Messer auf der Pressekonferenz im März 2013 anl. der Ausstellung „Big Air Package“ im Gasometer in Oberhausen.

Und bestenfalls ist sein Galerist nicht nur ein guter Kaufmann, sondern er versteht auch noch viel von Kunst im Allgemeinen und von den Werken des Künstlers im Besonderen. Er ist vielleicht sogar ein Fotoversteher im besten Sinne und versteht, was der Künstler mit seinen Bildern ausdrücken möchte. Vorausgesetzt, der weiß es auch. Und was, wenn er es nicht versteht? Dann kann man es ihm erklären? Keine gute Idee. Der Galerist ist verantwortlich für die Vermarktung der Arbeit ab dem Moment, in dem der Autor sich auf ihn eingelassen hat. Dann gibt dieser zu diesem Zeitpunkt alle Argumentationshilfen für seine Kunst in die Hände, besser in den Mund des Galeristen. Der ist der Kaufmann mit Sachverstand!

CD 428_40_panoWim Wenders (rechts) wirk zufrieden und dankt dem stellv. Vorsitzenden des Kulturausschusses der Stadt Düsseldorf Manfred Neuenhaus auf asiatische Art für dessen Interpretation der Ausstellung.

Also, kein Grund zur Angst vorm Kuartor?

Wenn der Künstler sich verstanden fühlt, deligiert er sicher gerne die Kommunikation zu seinen Werken in die Verantwortung des Galeristen, Verlegers oder Kurators. Denn der Künstler hat diesen Job nicht gelernt und konzentriert sich lieber auf das, was er besser vermag zu leisten, nämlich die kreative Umsetzung seiner Impulse, Ideen und Ideologien. Da braucht es nicht viele Worte – wenn er nicht gerade ein Schriftsteller ist.

Aber manches Mal wäre er vielleicht doch besser zuhause geblieben, wenn sein Kuartor seine Kunst erklärt.

D 3493_14_panoCulture meets the media – hier wird keine Ausstellung eröffnet, sondern sogar ein ganzes Museum. Die Verantwortlichen sind im Dialog mit den Medien. V.l.n.r.: Bauleiter Klaus Wolff, Geschäftsführer der NMFE GmbH, Museumsdirektor Hartwig Fischer, Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß, Stararchitekt David Chipperfield und VertreterInnen der visuellen Medien bei der Pressekonferenz zur Wiedereröffnung des Museum Folkwang im Januar 2010 in Essen.

Ich halte den Dialog mit den Kunstexperten dennoch für Künstler für unumgänglich. Birgt er doch letzlich auch die Chance der Fremdwahrnehmung seiner Arbeit, die ein Autor letztlich auch immer diskutieren sollte, wenn er seine Arbeit öffentlich machen möchte. Und zu dieser Öffentlichkeit brauchen Künstler eine Brücke, die der Kurator zu bauen versteht. Auch wenn der Künstler zu Erklärungen seiner Arbeit zurecht keinerlei Notwendigkeit sieht.

06.2015 k.e – aus aktuellem Anlass hier erneut veröffentlicht

alle Fotos: © k.enderlein FOTOGRAFIE