Das Museum startet im Januar mit der Ausstellung „Verrückt nach ANGELIKA KAUFFMANN – Künstlerin, Powerfrau, Influencerin“
Angelika Kauffmann (1741–1807) vertritt exemplarisch den neuen Typus einer europaweit vernetzten und welt-gewandten Künstlerin. Ihr breitgefächertes Œuvre repräsentiert wesentliche Aspekte des internationalen Klassizismus im Zeitalter der Aufklärung und Empfind-samkeit. Von den etwa 100 ausgestellten Werken – darunter Gemälde, Grafiken und Skulpturen – sind etliche erstmals öffentlich zu sehen.
Schon in jungen Jahren wurde die gebürtige Schweizerin als Wunderkind gefeiert; ihren Durchbruch erlangte sie in London. Protegiert vom englischen Hof setzte sie sich bald in der englischen Kunstszene als gefragte Porträtistin und Historienmalerin durch und erhielt schließlich aus ganz Europa Aufträge. Viele ihrer Werke prägten die Kunst und Mode ihrer Zeit und lösten einen regelrechten Kauffmann-Kult aus.
Vom 25. Juni bis 20. September 2020 wird die Ausstellung in der Royal Academy of Arts, London, gezeigt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet eröffnen am 21. Januar 2020 die Ausstellung „SURVIVORS. Faces of Life after the Holocaust“ auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Anlass ist der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Zu sehen sind 75 eindringliche Portraits von Überlebenden des Holocaust, fotografiert von Martin Schoeller. Der international renommierte Fotograf hat sich für dieses Erinnerungs-Projekt mit der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und dessen deutschem Freundeskreis sowie der Stiftung für Kunst und Kultur zusammengeschlossen. Die Portraits sind weltweit erstmalig ab dem 22. Januar 2020 auf Zollverein zu sehen. Weitere Stationen sind geplant.
Menschlichkeit und Würde bewahren unter unmenschlichen Bedingungen: Diese Erfahrung steht hinter den überlebensgroßen Nahaufnahmen der 75 Überlebenden. Entstanden sind die Bilder in Jerusalem, in Yad Vashem, wo Schoeller die Portraitierten besucht und sich für die Aufnahmen sehr viel Zeit genommen hat. “Ich bin in Deutschland aufgewachsen”, so Martin Schoeller, der seit langem in New York lebt. „In der Schule haben wir ständig über den Holocaust gesprochen. Ich bin mit dem Gefühl groß geworden, dass eine unglaubliche Schuld auf uns liegt, das hat mich die eigene Identität immer wieder hinterfragen lassen. Wie konnten Menschen aus meinem eigenen Land solche unfassbaren Verbrechen begehen? Es ist erschreckend zu sehen, wie sich der Antisemitismus momentan in Europa und anderswo erneut Bahn bricht. Mehr denn je verspüre ich daher eine große Verantwortung, gegen Antisemitismus anzugehen, wo immer ich ihn erlebe, und dazu beizutragen, dass es nie wieder so etwas wie den Holocaust geben wird. Wir sind verantwortlich für unsere Geschichte. Und ich glaube, dass wir nur dann als Menschen vorankommen können, wenn wir bereit sind, aus der Geschichte zu lernen.“
Der Blick in diese vom Leben gezeichneten Gesichter ist heute und für künftige Generationen von besonderer Bedeutung: Die Portraitierten gehören zu den letzten noch lebenden Augenzeugen. Schoellers unverstellte Fotografien sind bleibende Zeugnisse persönlicher und kollektiver Geschichte und vermitteln das Grauen des Holocaust jenseits von Worten.
Kai Diekmann, Vorsitzender des deutschen Freundeskreises von Yad Vashem, unterstreicht die Bedeutung der Fotografien für die Vermittlung der Geschichte(n) der Überlebenden: „Jede der Fotografien sagt mehr, als es Worte je vermögen. Jeder der von nahem und überlebensgroß gezeigten Gesichtszüge trägt ein Stück persönlicher und kollektiver Geschichte in sich. Ihre Gesichter beobachten uns. Ihr Blick fesselt uns. Die Furchen der Gesichter sind Zeichen des durchlebten Grauens und zugleich des Triumphs, sich ein neues Leben aufgebaut zu haben. Jede Fotografie spricht zu unserem Herzen – und öffnet ein Tor zu dem überwältigenden Vermächtnis der Opfer und Überlebenden.“
Ort der Ausstellung: UNESCO-Welterbe Zollverein – Areal C (Kokerei) | Mischanlage (C70), Arendahls Wiese, 45141 Essen, noch bis zum 26.04.2020
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Ob ein Film im Kino, eine Ausstellung im Museum, eine Präsentation in der Galerie, ein Konzert im Saal, alles das ist für mich immer ein ganzheitliches Seh- und Kulturerlebnis. Es ist nie der Film, das künstlerische Werk, das Bild oder das Konzert allein, das mich motiviert etwas zu begreifen. Es ist der Raum, die Umgebung, der Weg dahin, die Begegnung mit anderen Menschen, ob im Museum oder in der Straßenbahn – Erleben in allen Zusammenhängen meines geistigen Anspruchs, meiner Erlebnisse und meiner Erfahrungen. Das macht das Bild an der Wand, das Werk im Museum, den Film oder das Konzert zu meinem individuellen Erlebnis – und zu meiner zumeist unvergesslichen Erfahrung.
Spannend wird es dann, wenn unkonventionelle, unerwartete Begegnungen das Erlebnis bereichern – so wie die Feuerlöscher vor dem Eingang einer Galerie in Düsseldorf. Nein, kein Outdoor-Objekt eines Aktionskünstlers und erst recht keine Installation einer Klimaschutzorganisation – lediglich das sichtbare Ergebnis der regelmäßigen Brandschutzvorsorge im öffentlichen Raum durch einen entsprechenden Dienstleister. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb eine weitere schöne Erfahrung! k.e
Was sie in einer viermonatigen Projektarbeit erarbeitet hatten, präsentierten die Jugendlichen am 3. Dezember stolz und selbstbewusst der Öffentlichkeit unter dem Titel „Lebens (T) Raum“. Die zwischen acht und 17 Jahre alten Jugendlichen nutzen die Fotowerkstatt im Jugendtreff in Düsseldorf-Heerdt unter der Leitung des Pädagogen Ralf Blankenberg für die kreative Reflexion ihrer Lebenswelt in Bezug auf ihre Probleme, Wünsche und Ängste. In der technisch gut ausgerüsteten digitalen Werkstatt bearbeiten sie ihre Projekte von der Fotodatei bis hin zum präsentierfähigen Wandbild.
Beeindruckend überzeugen sie BesucherInnen davon, dass die neuen Medien bei sinnhafter Nutzung viel mehr sein können, als ein virtuelles Instrument für absolut abstraktes Denken. Bei ihrer fotografischen Arbeit verknüpfen die Jugendlichen wichtige Elemente ihres realen Lebens mit digitalen Werkzeugen der (hier: visuellen) Kommunikation und begreifen so den selbstverständlichen aber durchweg sinnvollen Umgang mit neuer Technik. Wenn sie mal erwachsen sind, haben sie diese Fähigkeit vielen erwachsenen Medien-Intensivnutzern voraus. Das lässt hoffen! k.e
Cover des Bildbands „Heimat – Fotografien aus dem Ruhrgebiet“, 2019; Copyright: Ruhr Museum
Das Ruhr Museum schreibt über seinen jüngst herausgegebenen Bildband:
Das Thema Heimat ist momentan höchst aktuell und das Ruhrgebiet in diesem Zusammenhang ein Fallbeispiel der besonderen Art: Hier verändert die „alte Heimat“ sich fundamental durch das endgültige Ende des Bergbaus. „Heimat“ ist ein Bildband, der die immer noch allgegenwärtigen Klischeebilder vom Revier durch überraschende Sichten unterwandert und Räume für individuelle Erinnerungen und Assoziationen öffnet. Das Konzept von „Heimat“ geht von Begriffspaaren aus, die spontan mit dem Revier assoziiert werden. Kapitel wie „dreckig und sauber“, „heiß und kalt“, „oben und unten“ handeln zwar naturgemäß von Bergbau und Industrie, vom Alltag mit Wohnen und Arbeiten, Konsum und Freizeit – aber durch Art, Auswahl und Zusammenstellung der Fotografien werden ganz ungewohnte neue Bildwelten von der vertrauten „alten“ Heimat erzeugt.
City-Center, Essen 1984; Copyright: Fotoarchiv Ruhr Museum, Foto: Thomas Becker
Duisburg-Beeck 1969; Copyright: Fotoarchiv Ruhr Museum
Werbeaufnahme für Gardinen, Dortmund 1965; Copyright: Fotoarchiv Ruhr Museum
Der Fundus im Fotoarchiv des Ruhr Museums spielt dabei eine wesentliche Rolle: Neben journalistischer Fotografie finden sich Auftragsarbeiten zur Dokumentation von Stadt-, Industrie- und Firmengeschichte ebenso wie Werbeaufnahmen für verschiedenste Produkte. Hier sind deshalb nicht nur die gängigen Motive der Ruhrgebietsgeschichte überliefert, sondern es sind auch viele spannende Entdeckungen zu machen. Dafür liefert „Heimat“ zahlreiche Beispiele.
Dr. Sigrid Schneider war nach Universitäts- und Rundfunktätigkeit bis 2012 für den Aufbau und die Leitung der Fotografischen Sammlung im Ruhr Museum in Essen zuständig. Neben Projekten und Publikationen zur Fotografie hat sie zahlreiche Ausstellungen kuratiert, unter anderem zur Nachkriegsfotografie, zu den 1960er Jahren, zur Ikonographie des Ruhrgebiets, zum Verhältnis von Realität und Abbild, außerdem mit einer CD und einem Katalog erste systematische Überblicke über die Sammlung des Fotoarchivs vorgelegt.
In der heutigen Zeit fast schon überstrapaziert, dennoch gerne bemüht: das Wort „Heimat„. „Wir wollten bewusst diesen Begriff nicht dem dunklen rechten Spektrum unserer Gesellschaft alleine überlassen.“ deshalb, so der Direktor des Ruhr Museum Theodor Grütter, der dieses Wort als „kontaminiert“ in den Nachkriegsjahrzehnten Deutschlands bezeichnet, habe man den Titel des Bildbands so gewählt. Dass das opulente Buch noch rechtzeitig vor Weihnachten den Weg in den Handel gefunden hat, freut Grütter ebenso wie die Herausgeberin Sigrid Schneider und selbstverständlich den Verleger vom Klartext Verlag Achim Nöllenheit.
227 Bilder aus einem Zeitraum von 1867 bis 2009 von insgesamt 53 zum Teil renommierten FotografInnen zeichnen das Bild vom Revier in diesem Band. Dass ich die zeitgenössischen Werke nicht sofort als zeitgenössisch identifiziere, liegt vielleicht auch an meiner voreingenommenen Sehweise aufs Revier. Chargesheimer ist tot, es lebe Chargesheimer, so dämmerts mir im Unterbewusstsein bei der Suche nach einem neuen und zeitgemäßen Bild des Ruhrgebiets. Nun ist es nicht Aufgabe einer historischen Sammlung, und so nennt sich das Fotoarchiv im Ruhr Museum zu Recht, tagesaktuelle Bildmotive oder aktuelle Arbeiten von Fotokünstlern dieser Region zu veröffentlichen. Es wird zwar von einem Brückenschlag zwischen den allzu vertrauten Motiven und möglichen modernen Bildinterpretationen einer keineswegs einheitlichen Region gesprochen, der Verweis auf das stetig wachsende Nachbar-Archiv „Pixelprojekt Ruhrgebiet“ befriedigt meine Erwartung allerdings nicht. Diese lobenswerte Initiative, 2003 von Fotograf Peter Liedtke gegründet, beschreibt zwar auch einen Wandel der Fotografie adäquat zum Wandel des Reviers. Es finden sich allerdings auch hier viel zu viele Klischee-Bilder á la Chargesheimer, ob nun von älteren oder jungen FotokollegInnen. Die allzu vertrauten Motive von Taubenzüchtern, Fußballvereinen, Kinderhilfsorganisationen, Migrationsfamilien, verstauten Schnellstraßen und einer vermeintlich zeitlosen Büdchenkultur reißen nicht ab und zeichnen immer noch ein Bild vom Revier, das längst überholt scheint. Da helfen auch wenig die Bilder anderer Publikationen der Hamborn-Bruckhausener Brautläden oder die Straßenfotografie nächtlicher Handyfotos mit vermeintlichen Clanstrukturen. Genau so wenig, wie die Bilder von Till Brönner (MELTING POTT).
„Um nicht das immer Gleiche abbilden zu müssen, sind die Fotografen gezwungen, eigene innovative Sichtweisen zur Repräsentation des gegenwärtigen Ruhrgebiets zu finden, wenn sie nicht im Dilemma des Selbstreferentiellen, der endlosen Wiederholung der bekannten Bildmuster verharren wollen.“ betont Sigrid Schneider im spärlichen Nachwort. Das empfehle ich allen Foto-KollegInnen auch, nicht ganz sicher, ob dieses Dilemma in dem vorliegenden Bildband behoben ist. So ist es nun an uns, so wir das Buch Heiligabend unter dem Christbaum finden, zu entscheiden, ob wir uns mit diesem Bild vom Ruhrgebiet identifizieren können und ob wir einen Wandel im Ruhrgebiet jetzt besser begreifen. Und dabei sollte es keine Rolle spielen, ob wir das Ruhrgebiet kennen oder nicht. Es wäre ja vielleicht auch ein passendes Weihnachtsgeschenk für meine Freunde in Berlin oder München, die wiederum ihr gänzlich eigenes Verständnis von Heimat haben. k.e
Nun neigt sich das 100ste Jubiläumsjahr des BAUHAUS dem Ende. Ich bin ganz froh. Unzählige Veranstaltungen, massenweise Werbung, kommerzielle Produkte – alle unter dem Deckmäntelchen, mit der bedeutsamen und folgenreichsten kulturellen Erscheinung des 20. Jahrhunderts (1919-1933) auf irgendeine Weise verbandelt zu sein, nervten mich auf die Dauer dann doch. Anfangs schreckte ich erfreut auf, las oder sah ich irgend etwas aus dem Zusammenhang dieser Kunstschule, doch zu oft waren es dann profane Zusammenhänge, mit denen die Protagonisten zahlreicher Kultur- und Kommerzinstitutionen auf sich aufmerksam machen wollten. So stumpfte mein tradiertes Interesse am BAUHAUS in diesem Jahr allmählich ab. Nächstes Jahr will ich wieder hinsehen und hinhören, wenn der Name BAUHAUS auftaucht. Ich werde auch die neuen Museen in Weimar und Dessau besuchen. Doch für dieses Jahr ist mein Bedarf gründlich gedeckt.
Das BAUHAUS, seine Lehrmethoden und seine Produkte, bleiben nun einmal zeitlos. Die Arbeiten zahlreicher Bauhaus-Künstler werden heute noch bewundert und schmücken Galerien und Museen auf der ganzen Welt. Die Bauhaus-Architekten und -Designer schufen Produkte, die nicht nur schön, sondern auch haltbar, nützlich und erschwinglich waren. Heute werden diese noch häufig kopiert – selten erreicht – und teuer vermarktet. BAUHAUS ist trotzdem zu einer, wenn auch geschützten, Marke geworden, die die Ästhetik ihrer Produkte nachhaltig bewahrt.
Als stark linienorientiert denkender und arbeitender Fotograf kann ich gar nicht umhin, bei den Bildern, die zunächst in meinem Kopf entstehen, immer eine „BAUAHUS-Schere“ anzusetzen. Gewiss, rund kann auch schön sein, ist manchmal unumgänglich, durchaus aber auch teurer. Aber so, wie unsere runde Erde wunderschön auf zahllose Seiten eines Atlas rechteckigen Formates passt, lese ich die Welt für meine Bilder – bestenfalls passt alles in ein Quadrat oder ein Rechteck.
So danke ich meinen zahlreichen Vorbildern, meinen Meistern im Geiste: Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe, Hannes Meier, Lyonel Feininger, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Gerhard Marcks, László Moholy-Nagy und deren Studierenden Josef Albers, Marcel Breuer, Herbert Bayer, Gunta Stölzl, Anni Albers und Joost Schmidt.
Mit der Ausstellung „gute aussichten 2019/2020“ präsentiert das NRW-Forum Düsseldorf wieder die Auftaktausstellung des renommierten Nachwuchspreises. Im 16. Jahr von „gute aussichten“ wählte die Jury aus 82 Einreichungen von 36 Hochschulen neun Preisträgerinnen aus: „Krieg und Frieden in Zeiten globaler Desinformation“ ist der rote Faden, der sich durch die Ausstellung 2019/2020 zieht und die Werke der PreisträgerInnen miteinander verknüpft.
Die PreisträgerInnen sind:
Lukas van Bentum (Fachhochschule Bielefeld) Ricarda Fallenbacher (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) Lisa Hoffmann (Muthesius Kunsthochschule Kiel) Juliane Jaschnow (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) Johannes Kuczera (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) Larissa Rosa Lackner (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) Marco Mehringer (Bauhaus Universität Weimar) Markus Seibel (Hochschule Darmstadt) Victoria Vogel (Fachhochschule Bielefeld)
„Die Bilder der PreisträgerInnen zeigen die Protagonisten aus Sicht unserer Kinder. Und wenn die groß sind, begegnen sie vielleicht dann der deutschen Fotografier-Elite auf Augenhöhe! Dem Foto-Nachwuchs viel Erfolg weiterhin.“ k.enderlein
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Anfangspunkt der Ausstellung sind Arbeiten von 2015, kurz bevor Bieke Depoorter als zu der Zeit jüngste Fotografin zum Vollmitglied der renommierten Agentur Magnum Photo ernannt wurde. Die Ausstellung zeigt auf, wie sich ihre Arbeitsweise in dieser Zeit und bis heute fortlaufend und dramatisch verändert hat. Wichtige Sujets sind nach wie vor die Nacht und Momente, in denen niemand zu beobachten scheint. Im Vordergrund stehen heute aber vermehrt ästhetische, ethische und soziale Fragen sowie Depoorters nie abgeschlossene Suche nach Antworten. Die aktuellen Serien sind eine Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Wesenhaften ihrer Arbeit und eine Suche nach ihrer Rolle als Fotografin, nach Dialog und Kooperation mit den Menschen, die sie porträtiert. Sie versteht sich als Fotografin immer mehr als Außenseiterin, aber auch als Künstlerin, die nach Wegen sucht, die Lücke zwischen ihr und den Menschen, die sie fotografiert, zu schließen. Oft sind es am Ende gemeinsame Erzählungen von Fotografin und Porträtierten, die in die Arbeiten eingehen.
Bieke Depoorter wurde 1986 in Kortrijk, Belgien, geboren. Sie hat Fotografie an der Royal Academy of Fine Arts in Gent studiert, wo sie 2009 den Master-Abschluss erwarb. Drei Jahre später, im Alter von nur 25 Jahren, wurde sie von Magnum Photos nominiert, 2016 zum ordentlichen Mitglied ernannt.
Dreidimensionale Wahrnehmung und deren Transformation ins Zweidimensionale ist Inhalt der Arbeiten von Natascha Schmitten. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Sie zeichnen sich durch halbtransparente Farbschichten aus, die auf Nylon aufgetragen sind. Im Spannungsfeld zwischen dem realen Raum und dem Bildraum entwickelt sie ihre Werke. Schmitten erfasst – so wie auch Wolfgang Tillmans (*1968 in Remscheid) – das, was sie umgibt. Sie nimmt das Sichtbare und das Geschehene als Ausgangspunkt, um es auf dem Bildträger umzusetzen. „Meine Bilder sind häufig ein Ausschnitt aus einem ungleich größeren Zusammenhang, ein Moment“, so die Künstlerin in einem Interview 2019. Die Dynamik der Bilder entsteht im Spannungsfeld zwischen der Nicht-Erkennbarkeit eines Motivs und der Tatsache, dass die Bilder offensichtlich aus der Welt des Sichtbaren stammen.
Natascha Schmitten wurde 1986 in Bonn geboren, sie lebt und arbeitet in Köln. Sie besuchte von 2006 bis 2014 die Kunstakademie Düsseldorf und war 2012 Meisterschülerin von Prof. Anzinger. 2018 war sie Artist in Residence in Los Angeles und erhielt 2017 den Douglas Swan Förderpreis in Bonn.
Farbe absolut: Aus der Perspektive der international gefeierten Malerin Katharina Grosse (geb. 1961) sehen wir auf die legendären „Farbraumkörper“ Gotthard Graubners (1930-2013) und umgekehrt. In den 1980er-Jahren hatte Grosse einige Jahre lang die Klasse Graubners an der Düsseldorfer Akademie besucht, wo sie später selbst unterrichtete. Im Zentrum der Ausstellung steht der Dialog der Werke – und damit die Auseinandersetzung mit dem Wesen und den Möglichkeiten der Farbmalerei. Gemeinsamer Ausgangspunkt beider Künstler ist die Überzeugung von der überzeitlichen, existenziellen Kraft der Farbe, die sich unmittelbar auf den Betrachter überträgt und physisch erfahrbar wird. Umso überraschender ist es zu erleben, zu welch unterschiedlichen malerischen Ergebnissen Katharina Grosse und Gotthard Graubner gelangen, mit denen beide ihre jeweilige Zeit künstlerisch prägen.
Katharina Grosse malt ihre großformatigen Werke, wie sie sagt, „mit Leichtigkeit“. Ihre Arbeiten korrespondieren mit den kissenartigen „Farbraumkörpern“ von Gotthard Graubner. Graubner deckt die Kraft der Farbe zu und lässt uns denken, was im Innern der Farbkissen explodiert, Grosse deckt die Farben auf und legt sie für uns in großformatigen Installationen aus. Dieser vermeintliche Gegensatz erzielt die Spannung der Werke in der Ausstellung. Der Dialog unter den Arbeiten der beiden Künstler funktioniert aber nur durch visuelles Zuhören der BesucherInnen der großformatigen Ausstellung in Duisburg. Wenn man aber diese Sprache versteht, erfährt man einen Rausch absoluter Farbe.
Edvard Munch (1863–1944) gehört zu den bedeutendsten Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts. Er war ein Wegbereiter des Expressionismus und einzigartig in seinen stilistischen und technischen Erfindungen im Bereich der Druckgrafik. Zu seinen wichtigsten Schöpfungen gehören weltweit bekannte Bilder wie „Der Schrei“ oder „Das kranke Kind“ – Werke, die der Norweger ab den 1880er Jahren schuf. Nach längeren Aufenthalten in Paris und Berlin zog sich Munch ab 1909 nach Oslo zurück. Von diesem Zeitpunkt an entstanden winterliche Landschaften, Blumengärten und lebensgroße Porträts voll überraschender Heiterkeit.
Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren. Er gilt als wichtigster norwegischer Autor der Gegenwart. Die Romane seines sechsbändigen, autobiografischen Projektes „Min Kamp“ wurden weltweit zur Sensation und setzten neue literarische Maßstäbe. Sie sind in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt. 2015 erhielt Knausgård den WELT-Literaturpreis, 2017 den Jerusalem-Preis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft. Im selben Jahr wurde ihm auch der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur verliehen. Karl Ove Knausgård lebt mit seiner Familie in London.
Mit rund 140 selten oder noch nie in Deutschland gezeigten Werken präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im K20 einen „unbekannten“ Edvard Munch. Ausgewählt hat die Gemälde, Druckgrafiken und Skulpturen Karl Ove Knausgård. Der international gefeierte Schriftsteller, Norweger wie Munch, erlangte Weltruhm mit seinem sechsbändigen autobiografischen Roman, der in über dreißig Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt wurde. Sein sehr persönlicher Blick eröffnet eine frische Perspektive auf den wohl bedeutendsten Künstler der skandinavischen Avantgarde um 1900 und legt dar, wie aktuell Munchs Beschäftigung mit der Einbettung des Individuums in die Gesellschaft auch heute noch ist.
„Die Ausstellung mit Werken eines historischen Künstlers folgt dem Leitgedanken der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, unter neuen Blickwinkeln Erkenntnisse für die Schwerpunkte unserer Sammlung zu gewinnen“, erklärt Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, und begründet ihr besonderes Interesse an diesem Projekt damit: „Die europäische Moderne des frühen 20. Jahrhunderts ist das Herzstück unserer Sammlung und es ist uns ein Anliegen, mit unseren Ausstellungen und Programmen diesen wertvollen Bestand in einen Reflexionsprozess einzubinden“.
Knausgård erkundet die Innenwelt des Malers und spürt den künstlerischen Überlegungen nach, die Munch beschäftigten. Dem subjektiven Zugang des Autors folgend gliedert sich die Ausstellung in vier Themenbereiche: „Licht und Landschaft“ präsentiert Küsten und Gärten, aber auch Szenen mit Menschen bei der Arbeit auf dem Feld. Es folgt „Der Wald“ mit Ansichten von Bäumen und Feldern – einer Natur, die die Oberhand über das menschliche Handeln gewinnt. „Chaos und Kraft“ gewährt Einblick in die emotionalen und psychischen Triebkräfte der Malerei Munchs und dessen Ringen um jedes Werk. Nach dieser Konzentration auf das Innere bilden den Abschluss „Die Anderen“ – Bildnisse von Freunden und Gefährten, an denen abzulesen ist, wie das Individuum die Kontrolle über die Wirklichkeit zurückerlangt.
„Für die Ausstellung durchforstete Knausgård die Sammlungsmagazine im Munch Museum auf der Jagd nach Werken, die Munch in neuem Licht erscheinen lassen“, beschreibt Stein Olav Henrichsen, Direktor des Munch Museums in Oslo, das Entstehen der Ausstellung im Herbst 2017 ebendort. Gemeinsam mit Karl Ove Knausgård konnte die Ausstellung in Düsseldorf um einige wichtige Bilder erweitert werden. Mit „Edvard Munch – gesehen von Karl Ove Knausgård“ ist es gelungen, eine neue Perspektive auf einen der bedeutendsten Künstler an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu eröffnen.
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unseen ist eine internationale Plattform, die sich der zeitgenössischen Fotografie widmet. unseen konzentriert sich auf das Neue in der internationalen Kunstszene und entdeckt und präsentiert Kunstwerke von aufstrebenden Künstlern und hilft dabei, deren Praxis zu entwickeln. Ebenso werden die neuesten Arbeiten von etablierten Künstlern präsentiert. Der Schwerpunkt der Fotoschau in Amsterdam liegt auf künstlerischen Interpretationen mit dem Medium Fotografie.
unseen schafft einen einzigartigen Raum für den Austausch von Ideen und Wissen, das Hören verschiedener Stimmen, die Sensibilisierung für die brennenden Themen von heute und die Erweiterung der internationalen Gemeinschaft. Kommunikative Peripherie-Veranstaltungen im Umfeld der Messe laden zum sehen, erleben und diskutieren.
Die BEATLES? – Ja, auch diese Anzüge der noch jungen Popgruppe sind nach Entwürfen von Pierre Cardin geschneidert. Und das waren lange nicht die ersten Kleider, die den umtriebigen Couturier, Designer und Pionier des Prèt-à-porter berühmt machten. Bereits 1950 gründete Pierre Cardin (*1922 in Italien) sein eigenes Modelabel. Jetzt widmet der Kunstpalast dem französischen Modeschöpfer die erste umfangreiche Ausstellung in Deutschland. Mehr als 80 Haute-Couture-Kleider und Accessoires für Damen und Herren sowie Fotos und Filmmaterial geben einen faszinierenden Einblick in Cardins kreativen Kosmos.
Nach der Autoschau im letzten Jahr unterstreicht der Kunstpalast mit einer Art Modenschau nun einmal mehr seinen Anspruch, den klassischen Kunstbegriff um einige Facetten zu erweitern. Und das in Düsseldorf, hoffentlich nie Autostadt, sondern eher Medien- und Modestadt, und mit der dazu gehörigen Königsallee. Das passt doch.
„Mit dieser Mode-Ausstellung widmet sich der Kunstpalast im Kontext seiner Sammlung Angewandte Kunst abermals einem Projekt, das für einen erweiterten Kunst- und Designbegriff steht.“, betont Felix Krämer. „Zudem verstehen wir die in der international bekannten Modestadt Düsseldorf präsentierte Schau als eine Verbeugung gegenüber dem bis heuten aktiven 97-jährigen Modeschöpfer.“
„Cardin, der mit seiner geometrisierenden Formensprache eine unverwechselbare Ästhetik geschaffen hat, zeichnet wenig und kreiert seine skulptural anmutende Mode meist am Modell.“, hebt die Kuratorin Barbara Til hervor. „Er arbeitet geradezu plastisch, wie ein Bildhauer, mit einer direkt am Körper entwickelten und dem verwendeten Stoff gemäßen Schnittführung.“
„Cardins Mode verschafft Frauen, aber auch Männern in einer Zeit der politischen und sexuellen Umwälzungen große modische Freiheiten“, so Kuratorin Maria Zinser. „Mit Looks aus Minirock, flachen Stiefeln und helmartigem Hut kreiert er eine Mode des Protests: jung, sexy und mutig zugleich.“
„Pierre Cardin sieht seine Mode als Kunst am Körper, in der sich die Person wohl fühlen muss. Dabei spielt die Wahl der Materialien eine untergeordnete Rolle.“, zitiert Rodrigo Basilicati Cardin seinen Onkel. Cardin kombiniere oft sehr leichte synthetische Materialien mit festen wollenen Stoffen.
Die Ahlers AG, Linzennehmerin seit 27 Jahren, fertigt eine umfangreiche Herrenkonfektion nach Absprache mit dem Pariser Haus Cardin zu durchaus erschwinglichen Preisen. Bei dem Erwerb eines Pierre Cardin handgenähten Haute-Couture-Kleides auf der Rue du Faubourg Saint-Honoré 59 in Paris muss man dagegen mit fünfstelligen Euro-Beträgen rechnen. Da empfiehlt sich zunächst ein Besuch im Kunstpalast, der ein unvergleichliches Seherlebnis der Haute-Couture liefert – für vergleichsweise kleines Eintrittsgeld.
„Es ist unglaublich wichtig, hochwertige Kunstveranstaltungen in Düsseldorf auch live in der Stadt erlebbar zu machen und die Düsseldorfer ganz gezielt abzuholen. Düsseldorf als Kunst- und Medienstadt ist dafür absolut prädestiniert, besonders mit ihrer exponiertesten und international bekannten Straße, der Königsallee.“ So interpretiert Wolfgang Sohn seine Aktion, anlässlich der Präsentation der sechsten Düsseldorfer PHOTO POPUP FAIR vor der Presse, ausgewählte Exponate von Models über die Königsallee zum Veranstaltungsort im Stilwerk tragen zu lassen. Dieses Guerilla-Marketing steht auch für die unkonventionelle Vermarktungsstrategie der Veranstalter.
PARIS PHOTO in Paris, photobasel in Basel, unseen in Amsterdam, FOTO WIEN in Wien, photo london in London, PHOTOFAIRS in Shanghai, photo Kyiv in der Ukraine, PHOTOLA in Santa Monica, CA, seien hier nur beispielsweise genannt für die neuen großen Foto-Präsentationen, die mittlerweile alljährlich weltweit für das jahrhunderte alte Medium Fotografie einen Marktplatz bieten. Was die Capitals in aller Welt leisten, schafft die PHOTO POPUP FAIR in Düsseldorf, initiiert vom Gründer Wolfgang Sohn, so langsam auch. Sie ist vielleicht noch nicht so groß wie ihre Schwester-Veranstaltungen, aber angepasst an die veränderten Ansprüche visueller Medien, wird auch die Messe in der NRW-Landeshauptstadt durchaus noch wachsen wollen. Die momentan überschaubare Größe der Veranstaltung hat außerdem den Scharm, die zahlreichen Exponate internationaler Fotokünstler und Fotografen zentral auf 2000 qm unter einem Dach präsentieren zu können.
Und das passiert ab dem 8. November 2019 in den großzügigen Räumen des Stilwerk. Zahlreiche zusätzliche Einzelveranstaltungen rahmen das Seherlebnis ein. Detailinformationen gibt es hier.
„Als Museum mit Bildungsauftrag hat der Kunstpalast die Pflicht, Impulse für das Nachdenken über unsere gesamtdeutsche Kunstgeschichte zu geben, um damit eine Diskussion über die vielfach unbekannte junge Vergangenheit im Kunstbetrieb der DDR zu erwirken.“ So interpretiert Felix Krämer, Generaldirektor Museum Kunstpalast, die aktuelle Ausstellung „UTOPIE UND UNTERGANG – Kunst in der DDR“, die noch bis zum 5. Januar 2020 in Düsseldorf zu sehen ist.
Diesen Anspruch mag auch das Bundespräsidialamt in Berlin überzeugt haben, weshalb die Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht.
„30 Jahre nach der Friedlichen Revolution mit dem Fall der Mauer und der Grenzen innerhalb Deutschlands wird die Ausstellung einen wesentlichen Beitrag leisten zu einem vertieften Verständnis zwischen Ost und West.“, so Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Grußwort für den Ausstellungskatalog. „Es gilt einen neuen, gerechten Blick auf die Kunst der DDR zu werfen, es gilt auch einen selbstkritischen Blick auf die westdeutsche Aufnahme dieser Kunst zu werfen. Für beides sollten wir Betrachter zuallererst eine große Neugier mitbringen. Dann werden uns neue und überraschende Kenntnisse geschenkt werden.“
Einen Überraschungseffekt, eine bisher nicht gekannte Sehweise der DDR-Kunst für sich entdecken können, erhoffen sich auch der Kurator Steffen Krautzig und Generaldirektor Felix Kämer nicht nur bei den nach 1989 geborenen BesucherInnen, sondern auch bei den MitarbeiterInnen von Kultur- und Bildungsinstitutionen, die die gezeigten mehr als 130 Werke für eine kunstgeschichtliche gesamtdeutsche Betrachtungweise nutzen können.
Wir sehen in der Ausstellung im Kunstpalast Arbeiten von den Nachkriegsjahren bis zum Mauerfall von Gerhard Altenbourg (1926–1989), Carlfriedrich Claus (1930–1998), Hermann Glöckner (1889–1987), Angela Hampel (*1956), Bernhard Heisig (1925–2011), Wilhelm Lachnit (1899–1962), Wolfgang Mattheuer (1927–2004), Michael Morgner (*1942), A.R. Penck (1939–2017), Cornelia Schleime (*1953), Willi Sitte (1921–2013), Werner Tübke (1929–2004) und Elisabeth Voigt (1893–1977).
– Die Veröffentlichungsfreigabe der hier bisher gezeigten Reproduktionen der Werke ist leider abgelaufen. k.e –
Die drei noch lebenden vertretenen KünstelerInnen leben und arbeiten noch heute in den neuen Ländern.
„Sie nahmen mir die Freiheit zur Kunst, deshalb habe ich mich völlig entblößt. Ich machte mich nackt, weil man mich auch nackt machte. Die DDR ließ nichts von mir übrig.“ so die Künstlerin in einem Gespräch 2016 mit Oliver Koerner von Gustdorf. (Hier das ganze Interview.)
„In der Ausstellung wird sichtbar, dass Kategorisierungen wie systemkonforme ,Staatskunst‘ und nonkonforme Untergrundkunst zu kurz greifen.“, hebt der Kurator Steffen Krautzig hervor. „Mit dem Untergang der DDR verloren die damals entstandenen Kunstwerke ihre politischen Funktionen – auch die Werke, die sich bewusst von politischen Vereinnahmungen abgrenzten. Schon immer haben sich in der Kunstgeschichte Funktionen und Bedeutungen gewandelt. Wir wollen mit unserer Schau – ohne Entstehungszusammenhänge und kulturpolitische Hintergründe zu verschweigen – die Kunstwerke in den Mittelpunkt rücken und ihre Bedeutung für unsere Gegenwart vorstellen.“
Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung im Kunstpalast finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN.
Weitere Informationen zu der Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des KUNSTPALAST.
„Nur wenige Fotografen zu irgendeinem Zeitpunkt und an irgendeinem Ort haben Sally Manns Beständigkeit des einfachen Sehvermögens, ihre ruhige technische Brillanz und die klar kommunizierte Beredsamkeit, die sie von ihren menschlichen und anderen Subjekten bezieht, erreicht – Subjekte, die mit einer Leidenschaft beobachtet werden, die von der Liebe kaum zu unterscheiden ist.“ Reynolds Preis, TIME
Das Jeu de Paume in Paris befindet sich im Jardin des Tuileries, nur wenige Schritte vom Place de la Concorde entfernt und ist ein Ort, der sich Fotografie, Video, Kunst- und Autorenfilm und neuen Technologien widmet. Bis zum 22. September 2019 zeigt das Museum die Retrospektive der amerikanischen Fotografin Sally Mann (*1. Mai 1951 in Lexington, Virginia, USA).
Seit mehr als vierzig Jahren produziert Sally Mann experimentelle Fotografien von eindringlicher Schönheit, die die wesentlichen Themen des Lebens erforschen: Erinnerung, Begehren, Tod, familiäre Bindungen und die meisterhafte Gleichgültigkeit der Natur gegenüber Männern. Die Einheit dieses riesigen Korpus – Porträts, Stillleben, Landschaften und verschiedene Studien – basiert auf der Erinnerung an einen Ort, den Süden der Vereinigten Staaten.
Sally Mann hat vor langer Zeit darüber geschrieben, was es bedeutet, im Süden der Vereinigten Staaten zu leben. Basierend auf einer tiefen Liebe zu ihrer Heimat und einer guten Kenntnis ihres komplexen historischen Erbes wirft sie starke und herausfordernde Fragen zu Geschichte, Identität, Rasse und Religion auf, die über geografische und nationale Grenzen hinweggehen. Die Ausstellung, die erste große Retrospektive der renommierten Künstlerin, beschäftigt sich damit, wie ihr Verhältnis zu ihrer Heimat ihr Werk geprägt hat.
Die Retrospektive, die in fünf Teilen organisiert ist und viele der Öffentlichkeit unbekannte oder unveröffentlichte Werke zeigt, ist sowohl ein Überblick über das Werk der Künstlerin über vier Jahrzehnte als auch eine detaillierte Analyse, wie sich das Erbe des Südens, sowohl Heimat als auch Friedhof, Zuflucht und Schlachtfeld, in seinem Werk als mächtige und beunruhigende Kraft herausstellt, die bis heute die Identität und Erfahrungen eines ganzen Landes prägt.
Weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museums.
Berthe Morisot (1841-1895) ist eine wichtige Figur des Impressionismus, die heute weit weniger bekannt ist als ihre männlichen Kollegen Monet, Degas oder Renoir. Sie war jedoch von Beginn an als einer der innovativsten Künstler der Gruppe anerkannt.
Sie ist eine der großen Damen des Impressionismus, neben Mary Cassatt und Marie Bracquemond. Berthe Morisot, ganz in der Nähe von Édouard Manet, dessen Modell und Freundin sie war, zeichnet sich durch ihre Vorliebe für Porträts, das Thema Kindheit und Mutterschaft, aus. Es war nicht einfach für eine Frau, sich in der Welt der modernen Kunst durchzusetzen. Obwohl sie zunächst kritisiert und verspottet wurde, unterstützt von ihrem Mann Eugène Manet, dem Bruder des Malers von „Mittagessen auf dem Rasen“, gab sie die Malerei nie auf und machte Julie, ihre Tochter, zu ihrem Lieblingsmodell.
Berthe Morisot wurde in Bourges als Tochter eines Präfekten geboren und stammt aus der Bourgeoisie. Ermutigt, ihre künstlerische Sensibilität zu entwickeln, bildete sie sich wie ihre Schwester Edma in der Kunst der Malerei aus. Beide stellten seit 1864 im Salon aus. Damals war es den Frauen verboten, die École des beaux-arts zu besuchen, und der junge Künstler trainierte nach den großen Meisterwerken des Louvre. Dort traf sie Édouard Manet, einen Künstler, der bereits berühmt und umstritten war. Berthe erhielt auch Unterricht von Jean-Baptiste Camille Corot.
Die junge Künstlerin begann als Landschaftsgärtnerin, bevor sie sich der Figur näherte, einem Thema, das sie in den 1870er Jahren behandelte. Unabhängig davon besuchte sie ein hochkarätiges künstlerisches Umfeld: Edgar Degas, Charles Cros, das Paar Manet, Mallarmé…. Berthe nutzte den Einfluss von Manet und diente ihm bei vielen Gelegenheiten als Modell. Ihre Bindung wurde durch Berthes Heirat mit Eugène, dem Bruder von Edouard Manet, im Jahr 1874 gestärkt.
1874 markiert die Geburt der impressionistischen Bewegung, zu der Berthe Morisot aktiv beitrug. Sie war die einzige Malerin in der berühmten impressionistischen Ausstellung bei Nadar in diesem Jahr. Morisots Palette zeichnete sich durch ihren weißen Geschmack aus, und ihre Berührung wurde im Dienste der intimen Subjekte entfernt. Dies war die Zeit ihrer persönlichen Entwicklung, obwohl sie mit Kritik konfrontiert war, die allen modernen Malern feindlich gesinnt war und sie für die Leere der Themen, die Art und Weise der Malerei und die Ablehnung des Akademismus verantwortlich machte.
1878 wurde Julie, die einzige Tochter des Paares, geboren. Sie wurde das Lieblingsmodell ihrer Mutter und lernte mit ihr zu malen. 1892 verschwand ihr Vater Eugene und der Dichter Mallarmé wurde zum Vormund des Mädchens. Für Berthe Morisot waren die 1890er Jahre eine Zeit des Schmerzes und der Krankheit, obwohl die Künstlerin als eine der großen Persönlichkeiten der impressionistischen Avantgarde galt. Sie starb 1895.
Mehr Informationen zur Ausstellung im Musée d´Orsay in Paris gibt es auf der Zuhause-Seite des Museums.