ALLES FARBE!

Jörn Stoya und die Sammlung des Museum Morsbroich in Leverkusen

Museum Morsbroich Leverkusen, Museumsdirektor und Kurator Fritz Emslander © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Museum Morsbroich Leverkusen, Ausstellungsvorbesichtigung, v.l.n.r.: Künstler Jörn Stoya, Kuratorin Stefanie Kreuzer, Künstler Paco Knöller und Direktor und Kuartor Fritz Emslander © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ja, wirklich alles (in) Farbe, und das mit voller Kraft. Der Künstler Jörn Stoya (*1957 in Lüneburg) hat als Co-Kurator einer farbintensiven Präsentation im Museum Morsbroich wahre Schätze aus der Museumssammlung zusammen mit seinen eigenen Arbeiten an die Wände gebracht. Er selbst bezeichnet sich als Kommunikator im Dialog mit anderen zeitgenössischen KünstlerInnen, mit deren Werken, mit Kunstgeschichte und allem, was Kunst beschreiben und begreifen lässt. So korrespondieren seine eigenen Arbeiten jeweils mit den Werken anderer KünstlerInnen. Aus diesem Dialog entsteht ein Zusammenspiel von zum Teil flirrenden Farben und unübersehbaren Beziehungen.

Unterstützt durch frühsommerliches Licht durch die großzügigen Fenster des Museums und „laute“ Galeriebeleuchtung im Innern strahlen die Arbeiten von Josef Albers, Carl Andre, Arman, Joachim Bandau, Georg Baselitz, Alexander Calder, Bernard Frize, Katharina Fritsch, Rupprecht Geiger, Barbara Hepworth, Alexej von Jawlensky, Donald Judd, Yves Klein, Imi Knoebel, Jeff Koons, Norbert Kricke, Sol LeWitt, Joseph Marioni, Charlotte Posenenske, Fiona Rae, Robert Rauschenberg, David Reed, Oskar Schlemmer, Andy Warhol, Lawrence Weiner und eben von Jörn Stoya und schreien so nach Aufmerksamkeit.

„Stoyas Arbeiten mit ihrer teils flammenden Farbigkeit, der archaisch wirkenden Materialität ohne Pinsel aufgetragener Pigmente, verbindet mit den ausgewählten Sammlungsstücken eine teils puristisch wirkende Klarheit und einen dezidiert bejahenden Zugriff auf die Welt. Das Miteinander gestaltet sich mal harmonisch wie ein Familientreffen oder eine indirekte Hommage, mal wie ein Schlagabtausch. Zusammen schärfen sie unseren Blick auf die unterschiedlichsten Gebrauchs- und Wirkungsweisen der Farbe.“ Dr. Fritz Emslander

Museum Morsbroich Leverkusen, Künstler Jörn Stoya © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Museum Morsbroich Leverkusen, Künstler Paco Knöller © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

PACO KNÖLLER – ZEICHNUNGEN UND HOLZSCHNITTE

Wenn bei Jörn Stoya die Impulse für seine Kreativität aus dem Dialog mit der Kunst, den KünstlerInnen und deren Werke – also mehr von außen – kommen, dann sind es bei Paco Knöller (*1950 in Obermachtal) eher seine Emotionen – also mehr innere Wahrnehmungen -, die ihn bei seinen Werken inspirieren. Man muss den Künstlern nicht persönlich begegnen, um diese interessante Spannung der Gesamt-Ausstellung zu erfahren. Die einzelnen Arbeiten der beiden erklären sich hierin von selbst. In der oberen Etage des Museum Morsbroich wird es durch die Zeichnungsfolgen Knöllers, vornehmlich in feinen Linien, ruhiger aber nicht weniger aufregend. Die zeitaufwendig entstehenden Zeichnungen werden von seinen persönlichen Botschaften bestimmt, die er in Linienform zu Papier bringt. „Behutsam und langsamer werdend bei zunehmender Emotion“, wie der Künstler selbst sagt.

„Knöllers Zeichnungsfolgen, die so poetische Titel wie „Rumoren“, „Wenn Zellkerne zu wandernden Planeten werden“ oder „Lichtsaat“ tragen, sind eng und vielfach miteinander verknüpft. Sie fügen sich zu einem zeichnerisch entwickelten Gedankengebäude zusammen. In ihm ist die Figur – meist in knappen Umrisslinien als Kopf, Hand, Arm rudimentär angedeutet – ein Ort, an den wir uns jeweils begeben können. Sie verweist auf die Erlebnissphäre dessen, der da zeichnet, oder dessen, der die Zeichnung betrachtet und sich darin spiegeln kann.

Um in der Zeichnung einen Denkraum zu öffnen, benötigt es einen spezifischen Zustand der Wachheit und Beweglichkeit in der Wahrnehmung. Knöllers Arbeit an dem Zeichnungszyklus Aufwachraum (seit 2014) ist in diesem Sinne zu verstehen. Sie beginnt damit, der Trägheit und Beschränktheit des eigenen Blicks gewahr zu werden, um die Schlafmaske der Konvention und Selbstzensur ablegen zu können. So wird man empfänglich für das, was man vorher nicht sehen konnte, vielleicht auch für das, was sich dem bloßen Augenschein entzieht, wenn man Knöllers subtilen zeichnerischen Expeditionen folgt.“ Dr. Fritz Emslander

Weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museums Morsbroich

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Begegnungen mit KUNST|SCHAFFENDEN entdecken Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album KUNST|SCHAFFENDE


AI WEIWEI IN DÜSSELDORF

Als Künstler ein Aktivist – als Aktivist ein Künstler, Ai Weiwei © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Klare Worte von Ai Weiwei als politischer Kunst-Aktivist zum Thema menschlicher Krisen © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Everything is art. Everything is politics“ so brachte der international bekannte Gegenwartskünstler Ai Weiwei das Grundprinzip seiner Arbeitsweise auf den Punkt. Dieses Motto „Alles ist Kunst, alles ist Politik“ ist auch Leitmotiv der umfangreichen Ausstellung, die die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bis zum 1. September 2019 zeigt. Im Mittelpunkt steht dabei die enge Verzahnung von politischem Engagement und künstlerischer Arbeit Ai Weiweis. Die Ausstellung mit raumfüllenden Installationen und Werken aus den vergangenen zehn Jahren ist in den beiden Häusern der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20 und K21, zu sehen. Mit seinen regimekritischen Äußerungen gegenüber der Regierung in China und als lange verfolgter Dissident wird Ai Weiwei zumeist als politischer Kunst-Aktivist wahrgenommen, der sich in seinen jüngsten Arbeiten mit Migration als Massenphänomen und Beispiel einer grundsätzlichen menschlichen Krise beschäftigt.

Pro. Dr. Susanne Gaensheimer (links), Direktorin der Kunstsammlung NRW, im Gespräch mit dem WDR © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Als Aktivist ist er Künstler und als Künstler ist er Aktivist. Mit dieser Erweiterung seines Kunstbegriffs, bei dem politisches und künstlerisches Handeln nicht zu trennen sind, steht Ai Weiwei sicherlich den Gedanken von Joseph Beuys sehr nahe. Das macht unsere Ausstellung – gerade auch hier in Düsseldorf – so bedeutsam“, erklärt die Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Susanne Gaensheimer.

Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick über Ai Weiweis Schaffen aus vier Jahrzehnten und konzentriert sich auf Schlüsselthemen, die sein Werk seit den 1980er Jahren auszeichnen: die Flüchtlingskrise und das Spannungsfeld von Individualität und Staat. Ai Weiweis Werke entstehen mit dem Grundgedanken der Humanität, sei es beim Erdbeben von Sichuan, der globalen Flüchtlingskrise oder bei Fragen freier Meinungsäußerung. Im K21 ist seine monumentale Arbeit „Life Cycle“ (2018) erstmals in Europa zu sehen. Über 17 Meter misst die fragile, fast transparente Skulptur aus Bambus und Sisalgarn. Sie stellt eine Vielzahl von Figuren in einem Schlauchboot dar, wie es von vielen Geflüchteten bei der lebensgefährlichen Passage über das Mittelmeer benutzt wird. Einige ihrer Köpfe haben sich in Figuren der chinesischen Tierkreiszeichen verwandelt und verweisen metaphorisch sowohl auf das Ausmaß der menschlichen Krise als auch auf den Kreislauf menschlichen Lebens.

„Laundromat“ (2016) entstand vor dem Hintergrund der Geschehnisse im griechischen Flüchtlingslager Idomeni, deren Zeuge Ai Weiwei war, als er seinen abendfüllenden Dokumentarfilm „Human Flow“ (2017) drehte: Die Installation besteht aus Habseligkeiten, die die Bewohner dort zurückließen, als sie 2016 durch die Schließung des Lagers erneut vertrieben wurden. In weiteren Räumen im K21 lässt sich der Werdegang Ai Weiweis anhand von frühen, kaum je gezeigten Arbeiten seit den 1980er Jahren nachvollziehen.

In den großen Ausstellungshallen des K20 sind die beiden Schlüsselwerke „Straight“ und „Sunflower Seeds“ zum ersten Mal überhaupt in ihrem vollen Umfang gemeinsam in einer Ausstellung zu sehen. Auf 650 Quadratmetern breitet sich die spektakuläre Installation „Sunflower Seeds“ (2010) aus: 100 Tonnen handgefertigte und individuell bemalte Sonnenblumenkerne aus Porzellan, hergestellt in der traditionsreichen chinesischen Porzellan-Metropole Jingdezhen. Ai Weiwei untersucht die Rolle des traditionellen Handwerks im Zeitalter von Massenproduktion und Globalisierung. Die Arbeit wurde zuerst 2010 in der Turbine Hall der Tate Modern in London gezeigt und ist in Düsseldorf nun zum ersten Mal wieder vollständig aufgebaut.

Die noch nie zuvor in Europa komplett gezeigte Installation „Straight“ besteht aus 164 Tonnen Armierungseisen, die Ai Weiwei nach dem verheerenden Erdbeben von Sichuan 2008 aus eingestürzten Schulgebäuden bergen ließ. Tausende Schulkinder verloren damals ihr Leben unter den Trümmern. In einem zeitaufwendigen Prozess wurden die verbogenen Stahlstäbe wieder geradegebogen und zu einer Landschaft modelliert. Für K20 hat Ai Weiwei eine neue Anordnung von „Straight“ entwickelt, die das Material aus Sichuan in seiner Gesamtheit präsentiert und seine Ortlosigkeit im globalen Ausstellungsbetrieb betont.

„Everything ist art. Everything is politics.“ Ai Weiwei beseelt beide Häuser der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ai Weiwei, 1957 in Beijing geboren, wird weltweit als Künstler, Architekt, Kurator, Filmregisseur und Fotograf gefeiert. Als Sohn des berühmten Dichters Ai Qing wuchs er während dessen Verbannung in Nordchina auf und kehrte 1976 mit der Familie nach Beijing zurück. Die während seiner Zeit in New York in den 1980er Jahren gewonnenen Eindrücke von Konzeptkunst und Pop Art, hat er für seine Arbeitsweise fruchtbar gemacht, die auf eine kritische Betrachtung von Kulturgeschichte sowie von chinesischen und globalen gesellschaftlichen Entwicklungen zielt.

Pressetext Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Weitere Informationen gibt es auf der Zuhause-Seite der Kunstsammlung NRW

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100 JAHRE • FERLINGHETTI

… UND DIE BEAT GENERATION

100 Jahre FERLINGHETTI, Außenansicht der Galerie am Carlsplatz – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Ausstellung zeigt an zentraler Stelle in Düsseldorf Kunst, Werk, Wirkung und das Umfeld einer der wichtigen Figuren der amerikanischen Nachkriegs-Literatur und Kunst seit den 1950er Jahren. Die multi-mediale und durch Live-Elemente performativ aufgebaute Ausstellung in Düsseldorf stellt den legendären Poeten, Künstler, Verleger und Buchhändler vor, der in diesem Jahr seinen 100-jährigen Geburtstag in San Francisco feiert: Lawrence Ferlinghetti.

100 Jahre FERLINGHETTI – das Ausstellungs- und Kuratorenteam mit Carsten Reinhold Schulz, Matthias Rücker und Reimund Jonen, v.l.n.r. © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Im Zentrum der Ausstellung wird der etwa eineinhalbstündige Dokumentarfilm „Ferlinghetti – a rebirth of wonder“ stehen. Er zeigt auf spannende Weise die Szenerie San Franciscos und den Zusammenhang von Lawrence Ferlinghetti, dem City Lights Bookstore, den Einflüssen der Beat-Generation bis hin zu Patty Smith. Gedreht wurde er vom offiziellen Chronisten der „Beats“, dem preisgekrönten Fotografen und Filmemacher Chris Felver, der auch die thematisch zugehörigen Filme „West Coast“ und „Beat & Beyond“ zur Ausstellung beisteuert.

100 Jahre FERLINGHETTI – Ausstellungsansicht © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Dokumentarfilme und Fotografien, Spoken-Words-Performances, Aktionen, live Im-pro-Jazz, Bücher, Tapes mit Orginal-Audioaufnahmen, Zeitzeugen, Diskussionen, Musik, Vorträge und Malerei von Beats um Ferlinghetti und auch heutiger, aktueller Lyriker und Künstler, die sich dieser Literaturgattung verpflichtet fühlen, sorgen für ein umfassendes Bild einer aufregenden und wichtigen künstlerischen Bewegung aus den USA seit 1953. Ein Land mit hohem politischem und wirtschaftlichem Einfluss, das seit einigen Jahren wieder beginnt mit isolationistischen Tendenzen für kulturelle Eindimensionalität zu sorgen. Oder um mit Ferlinghetti zu sprechen: „Who are we now?“ …

Kunst: Erdinc Arslan / Reimund Jonen / Sven Kierst / Milena Milosavljevic / Thyra Schmidt / Bertram Rutz / Brian Gysin / Paulo Greuel / Peter Marifoglou / Dieter Marshall / Das Zweite Feld / 26.5. Andreas von Linden (Mindix) 24 Std. Live-Performance
Musik live: Chansons Skuril mit Frank Fabry und Tom Redmann 18.5., 20.00 Uhr / St. Tropics, Mike Jansen, Peter v.d. Heusen 19.5., 18.00 Uhr / Wolfgang Schmidke 20.5., 20.00 Uhr
Poets live: Ralph M. Beyer, Michael Schuhmacher, 17.5., 20.00 / Sascha Matesic (Sushi), Bernard Hoffmeister 24.5., 20.00 Uhr / Markus Hanke, Andi Substanz 31.5., 20.00 Uhr

Team der Ausstellung „100 Jahre Lawrence Ferlinghetti“: Matthias Rücker, Kurator // Reimund Jonen, THE BOX Gallery // Carsten Reinhold Schulz, Kunstverein JASON RØ e.V.

Haus Carlsplatz 6 in Düsseldorfwww.ferlinghetti100.jimdofree.com

Text: © 2019 Das Ausstellungsteam – Fotos: © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

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MARGATE, GB

In der Stadt an der Themsemündung erfährt man allenthalben einen Himmel im Turner-Format. Joseph Mallord William Turner (1775-1851) war der bedeutendste bildende Künstler Englands in der Epoche der Romantik. Er ging in Ramsgate zur Schule und besuchte die Stadt bis zu seinem Tode regelmäßig.

Inspiriert von seinen Werken spüre ich als Fotograf seiner Begeisterung für Naturgewalten und wechselhafte Wetterstimmungen nach, und es müßigt mich, ähnlich geartete Stimmungen mit der Kamera nachzuzeichnen. Das geht in Küstennähe gut, da dort durch stärkere Winde wechselhaftes Wetter nicht ungewöhnlich ist. Wo sich am düsteren kalten Himmel bereits weltuntergangsähnliche bedrohliche Szenarien abzeichen, wird der Vordergrund noch von hartem Sonnenlicht lieblich und warm beschienen. Dieser sichtbare scheinbare Gegensatz lässt die Fotomotive geradezu surreal wirken, als seien sie am Rechner des Photoshop-Artisten entstanden. Dabei sind diese Szenarien, wenn oft auch nur sekundenweise, ganz real und höchst lebendig wahrnehmbar. ke

Storm on Margate Sands c.1835-40 Joseph Mallord William Turner 1775-1851 © Courtauld Institute Gallery, London

Der Künstler Joseph Mallord William Turner wird am 23. April 1775 in London geboren. Der Maler schafft unverwechselbare, großartige Arbeiten, Quelle seiner unerschöpflichen Inspiration sind das Wasser und Schiffe, darüber hinaus begeistern dramatische Naturszenen Turner ein Leben lang.
Turner ist Autodidakt und genießt keine künstlerische Ausbildung, er lernt jedoch schnell und hat großes Talent. Der vierzehnjährige Turner ist Stipendiat der Royal Academy. Im folgenden Jahr, 1790, stellt der junge Künstler in der Jahresausstellung der Acadamy sein erstes Aquarell aus. Begeisterung erhebt sich sowohl unter den Kritikern als auch unter den Förderern für das Können des jungendlichen Talentes.
Joseph Mallord William Turner genießt früh größte Aufmerksamkeit, dennoch bleibt er verschlossen, schweigsam und zuweilen auch mürrisch. Fast eifersüchtig hütet Turner seine Arbeitsmethode, auch sein Privatleben hüllt der Künstler in Schweigen.
Sechsundzwanzigjährig wird Joseph Turner in die Royal Acadamy aufgenommen. Anschließend reist Turner quer durch seine Heimat. Die Erlebnisse hält Turner in Skizzen fest, die die Basis für seine Aquarelle sind. 1796 stellt er sein erstes Ölgemälde „Fischer auf See“ aus. Anschließend, im Jahr 1799, wird Turner zum außerordentlichen Mitglied der Royal Acadamy ernannt. Noch im selben Jahr besucht er Beckford, der einer seiner Förderer ist. Dort kommt Turner mit zwei Werken des Malers Claude Lorrain in Berührung und ist so beeindruckt, dass er fortan selbst große, historische Bilder malen möchte. Anschließend reist er erstmals aufs europäische Festland. (siehe hierzu auch: Turner und die Rheinromantik)
1804 ist er finanziell so gestärkt, dass er sein Haus durch einen Galerieanbau erweitert. Dort stellt er seine eigenen Werke aus, was seiner Zeit in der englischen Kunstwelt einmalig erscheint.

J.M.W. Turner – Storm off the East Coast ~1835 © Sheffield Galleries & Museums Trust

Im Jahr 1807 wird Joseph Turner Professor für Perspektive an der Royal Academy. Sein Erfolg ist beeindruckend, Turner ist neben John Constable einer der führenden englischen Landschaftsmaler. Zahlreiche Werke werden 1819 in zwei größeren Ausstellungen gezeigt.
Noch im selben Jahr wird des Künstlers Italienreise der Auslöser für eine radikale Wende in seinem Schaffen, das südliche Licht wird ihn nicht mehr loslassen. In den nächsten vier Monaten schafft er mehr als 2000 Bleistiftskizzen von Rom und seiner Umgebung. Er kehrt nach England zurück und beginnt die Kraft des Lichts in seine Werke einzubetten. Zwar bricht Turner seinen Stil nicht abrupt, doch zieht er eine klare Trennung zwischen seinen Auftragsarbeiten und seinen Experimenten, in denen sich seine Ideen voll entfalten.
Viele seiner berühmtesten Bilder entstehen in den letzten Lebensjahren, in denen sich der Maler auch aufgrund seines Gesundheitszustandes aus dem Gesellschaftsleben zurückzieht.
Der Maler Joseph Mallord William Turner verstirbt 76-jährig am 19. Dezember 1851 in London.

Text: © Art Directory GmbH

Fotografien: © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Alle Fotos meiner Reise an die Themsemündung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs unter MARGATE


TURNER CONTEMPORARY MARGATE

Turner Contemporary, Margate GB, Außenansicht – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Turner Contemporary, Margate GB, Blick aus dem Foyer – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Turner Contemporary befindet sich an der Küste von Margate in Großbritannien , an der gleichen Stelle, an der Turner während seines Besuchs in der Stadt wohnte, und präsentiert ein fortlaufendes Programm von Wechselausstellungen, Veranstaltungen und Lernmöglichkeiten, die eine interessante Verbindung zwischen historischer und zeitgenössischer Kunst herstellen. Die Galerie bietet Raum für alle, um verschiedene Seh-, Denk- und Lernformen zu entdecken.

Turner Contemporary, Margate GB, Ausstellungsansicht – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Organisation wurde 2001 gegründet, um die Zusammenarbeit des Künstlers J.M.W. Turner mit Margate, Kent, zu kontextualisieren, zu feiern und auszubauen. Im Jahr 2011 eröffnete die von Sir David Chipperfield entworfene Turner Contemporary Gallery und hat sich schnell zu einer Besucherattraktion von nationaler und internationaler Bedeutung entwickelt.

Turner Contemporary ist ein Katalysator für die Regeneration von Margate und East Kent und verzeichnet bereits über 1,5 Millionen Besucher. Die Vision der Organisation ist Art Inspiring Change, indem sie Zusammenarbeit, Lernen, Ehrgeiz und Transformation nutzt, um jedem den Zugang zu erstklassiger Kunst zu ermöglichen.

Zur Ausstellung „Ein Ort, der nur im Mondlicht existiert“

Zu einem bestimmten Zeitpunkt während ihres Besuchs bei Turner Contemporary werden die Augen der meisten Besucher auf den Blick aus den Fenstern zum Meer gezogen, durch die sie auf einen fernen, scheinbar unendlichen Horizont blicken werden. In diesem Fall ist die Blickrichtung durchaus angemessen. Der Ort dieser Ausstellung von Katie Paterson an der Stelle, an der Turner von der Pension von Sophia Booth aus zuschaute, war von Anfang an ein zentraler Bestandteil der Konzeption. Wie Paterson erklärt, war es bei ihrer ersten Annäherung „der Kontext des Ortes, des Meeres, des Himmels, des Lichts – all diese Beziehungen lagen mir im Kopf; nicht nur die Schönheit der Architektur von Turner Contemporary, sondern auch alles um sie herum und was sie repräsentiert“.

Turner Contemporary, Margate GB, Ausstellungsansicht – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Auf den ersten Blick scheint Patersons Werk wenig mit dem des größten britischen Aquarellisten zu verbinden. Sie bewegt sich fließend zwischen den Technologien, bündelt Kollaborateure aus Wissenschaft, Architektur, Literatur und Raumfahrt und untersucht die komplexen Beziehungen zwischen der menschlichen Existenz und der Weite von Raum und Zeit. Doch obwohl sein Arbeitsgebiet Papier, Leinwand und Gravurplatte waren, beschäftigte sich auch Turner mit breiteren Ideen; als ausgebildeter Architekturzeichner war er mit einer Reihe der führenden Wissenschaftler seiner Zeit befreundet und verfolgte Entwicklungen in Disziplinen wie Geologie, Chemie, Paläontologie und Astronomie. Er und Paterson hätten viel zu besprechen gehabt: Sie sind beide Himmelsbeobachter, Kenner von Lichteffekten und Aufstellungen, rastlose Experimentatoren und Studenten des Erhabenen…..

Turner Contemporary, Margate GB, Ausstellungsansicht – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Auswahl der Werke von Turner für die Ausstellung erfolgte zu einer Zeit, in der Paterson die künstlerische Produktion unterbrochen hatte, um sich auf ihr Buch „A place that exists only in moonlight“ zu konzentrieren, das zeitgleich mit der Ausstellung veröffentlicht wird. Das Buch, dessen Umschlag mit kosmischem Staub bedruckt ist – eine Mischung, sagt Paterson, „aus Mars, Mond, Sternschnuppen, Meteoriten und Asteroiden“, sie hat sich in einem Stößel und Mörser gemahlen – enthält über 100 kurze Texte, von denen eine Auswahl auch an den Wänden gezeigt wird, geschnitten in Sterlingsilber. Buch- und Silbertexte sind zusammen Teil der fortlaufenden Ideenreihe, die im Mittelpunkt der Ausstellung und ihrer Praxis steht: Werke, die vielleicht jemals im physischen Bereich realisiert werden können oder auch nicht, aber in dieser destillierten Form als „Ideenbilder“ in der Phantasie derjenigen, die sie lesen, Gestalt annehmen. „Viele meiner Ideen beginnen mit ein paar Worten in meinem Kopf; so sind sie in der Ideas-Serie geschrieben“, sagt Paterson. „Für mich scheinen die, die am besten funktionieren, immer aus dem Nichts zu kommen – wirklich natürlich kommen sie von einer ganzen Reihe von Dingen, an die ich über Jahre gedacht und verdaut habe, aber es fühlt sich an wie ein Blitz aus heiterem Himmel, wenn sie ankommen.“

Turner Contemporary, Margate GB, Detail Außenansicht – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Von Turner sind diese rein konzeptuellen Arbeiten nicht so weit entfernt, wie man vermuten könnte: Eines der Skizzenbücher, die der Künstler während seines Aufenthalts an der Kentküste mit Skizzen von rauer See und einem ruhigen Hafen zusammengestellt hat, heißt einfach Ideen: Folkstone (sic). „Während ich an dem Buch arbeitete, schickte ich meine Ideen an Ian Warrell, ein Kurator und Turner-Experte, der den riesigen Turner-Nachlass in der Tate sehr gut kennt“, erklärt Paterson. „Er begann, eine lange Liste von Turner-Werken zu erstellen, die Beziehungen zu ihnen haben könnten, in die ich mich vertiefen konnte. Er war ein Bindeglied und fand Bilder, die mir sonst nie begegnet wären.“ Als der Auswahlprozess weiterging, wuchs ihr Gefühl der Verbundenheit. „Ich interessiere mich zunehmend für Turners extrem abstrakte Werke. Einige sind so leicht, so flüchtig, dass sie fast wegfliegen. Eines der von mir ausgewählten Aquarelle hat nur drei oder vier Pinselstriche; während ich es betrachtete, sah ich die Idee „Der Himmel der Venus, der auf der Erde nachgebildet wurde“.

Text © 2019 Turner Contempoprary, Übersetzung Deepl Übersetzer

Alle Fotos meines Museumsbesuchs sind in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN


HOCHZEIT IM FRÜHLING

Frühling, gute Zeit für Hochzeit – HOCHZEITSGESELLSCHAFT vor dem Standesamt Düsseldorf Inselstraße © April 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Hochzeit

Das ist ein Flöten und Geigen,
Trompeten schmettern drein;
Da tanzt den Hochzeitreigen
Die Herzallerliebste mein.

Das ist ein Klingen und Dröhnen
Von Pauken und Schalmein;
Dazwischen schluchzen und stöhnen
Die guten Engelein.

Nr V aus „Sieben Lieder“ von Heinrich Heine (1822)


AUS MEINEN SCHUBLADEN 04.2019

Blitzportraits #2, #3, #4, #5, Wesel 1984 © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

B L I T Z P O R T R A I T S

Die mutigen zum Teil bösen s/w-Bilder – sowohl vom schillernden Zentrum, als auch von den trostlosen Rändern der amerikanischen Gesellschaft der 50er und 60er Jahre – von Diane Arbus (*1923†1971), die sich wiederum August Sanders (*1876†1964) fotografische „Sozial-Arbeit“ als Vorbild nahm, waren Inspiration für meine Blitzportraits. Mit Hasselblad und Normaloptik, Handblitz und Stativ machte ich mich in Wesel in der Dämmerung auf die Suche nach Protagonisten. Eigentlich sollte es eine technische Übung sein, in welchem Belichtungsverhältnis vorhandenes weiches Licht zu hartem Aufhellblitz wirkten. Die Einkaufszone der Stadt war Mitte der 80er Lebensmittelpunkt vieler Leute aus allen Schichten unserer Gemeinde. Und so entstand eine winzig kleine aber vielschichtige fotografische Dokumentation über die Weseler Gesellschaft. Ganz ungeniert inszenierten sich die angesprochenen PassantInnen vor meiner Kamera, mal mehr, mal weniger verlegen – immer aber in selbstbewußten Posen. Und so verraten sie uns alle ein Stück über ihre Persönlichkeit, ohne dass ich ihnen Worte hätte abringen müssen.

Blitzportrait #1 Duisburg, mein Kollege und Freund Burkhard Wassenberg (*1957†1995) 1984 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Erst Jahre nach meiner eigenen Serie lernte ich die Arbeit der amerikanischen Fotografin Dorothea Lange (*1895†1966) kennen. Ihre dokumentarischen Portraitaufnahmen der VerliererInnen der großen Wirtschaftskrise in den USA in den 30er Jahren zeigen eine Bildsprache, welche mir „passte“ und die mir selbst in meiner gewerblichen Arbeit häufig als Vorbild diente. Die Protagonisten inszenieren sich selbst, sie erzählen ihre eigene Geschichte – über sich, über ihr Leben vielleicht auch über ihre Träume.

In der Dunkelkammer von Dorothea Lange hing ein Zitat vom Maler Francis Bacon (*1909†1992): „Die Betrachtung der Dinge, so wie sie sind, ohne Ersatz oder Betrug, ohne Irrtum oder Unklarheit, ist eine edlere Sache als eine Fülle von Erfindungen.“

k.e


 

GASOMETER OBERHAUSEN

Die Ausstellungshalle im Revier feiert Doppel-Jubiläum

GASOMETER OBERHAUSEN – Ausstellungsansicht „DER BERG RUFT“ © 2019 k.enderlein FOTOGRFAIE

Europas höchste Ausstellungshalle hat zweifach Grund zu feiern: 

90 Jahre alt wird der Gasometer Oberhausen in diesem Jahr. Und vor 25 Jahren wandelte sich der einstige Industriegigant vom Gasbehälter zur Kathedrale der Kultur. Er belebt seither mit spektakulären Ausstellungen und Events die Kulturlandschaft des Ruhrgebiets. Als Wahrzeichen des Reviers reicht seine Ausstrahlung weit über die Region hinaus.

Aus Anlass dieses doppelten Jubiläums erscheint ein Band, der die unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte des einzigartigen Denkmals mit faszinierenden Bildern und vielen O-Tönen nachzeichnet.

GASOMETER OBERHAUSEN – Jeanette Schmitz (Geschäftsführerin der Gasometer Oberhausen GmbH) und Achim Nöllenheidt (stellv. Leiter Klartext Verlag) präsentieren den Jubiläumsband © 2019 k.enderlein FOTOGRFAIE

In Betrieb genommen wurde das 117,5 Meter hohe Meisterwerk der Ingenieurbaukunst am 15. Mai 1929 als gigantischer Gasbehälter für die Kohle-, Stahl- und Chemieindustrie. Sein zweites Leben begann 1994 als einzigartige Ausstellungshalle und Raum für spektakuläre Events. Über acht Millionen Menschen besuchten seither die Inszenierungen in dieser „Kathedrale der Industriekultur“. Der vorliegende Bildband ist ein Rückblick auf die beispiellose Erfolgsgeschichte des Industriegiganten, der heute Wahrzeichen des Ruhrgebiets und, seit 25 Jahren ohne städtische Zuschüsse betrieben, ein bedeutsamer Bestandteil der Kulturlandschaft NRWs ist. Faszinierende Bilder zeigen die beeindruckende Industriearchitektur des Gasometers und die gelungene Verbindung des Raumes mit den schöpferischen Kräften innerhalb der verschiedenen Ausstellungen. Wegbereiter, Architekten, Künstler, Wissenschaftler und Kuratoren, die an der Umgestaltung und Entwicklung mitgewirkt haben, kommen in den begleitenden Texten zu Wort.

„Für alle, die die Ausstellungen gesehen haben, ist dieses Buch ein wundervolles Wiedersehen. Den anderen macht es Lust auf einen Ort, der einzigartig ist.“, so Jeanette Schmitz.

GASOMETER OBERHAUEN, Außenansicht „Hüttenflur“ © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

DER BERG RUFT“ heißt die aktuelle Ausstellung. Sie zeigt – verlängert noch bis zum 27.10.2019 – die Vielfalt der Berge und erzählt von der ewigen Faszination, die diese imposanten Welten in kargen Höhen und dünner Luft auf uns Menschen ausüben. Die Ausstellung läßt ihre BesucherInnen teilhaben an den legendären Erstbesteigungen, mit der Menschen den Bergen begegnen; denn sie waren stets auch Orte religiöser Verehrung, der Zuflucht und Besinnung in Abgeschiedenheit, voller Mythen und Geheimnisse.

GASOMETER OBERHAUSEN – Das Matterhorn, Ausstellungsansicht „DER BERG RUFT“ © Gasometer Oberhausen Foto: Thomas Machoczek

Höhepunkt der Ausstellung im 100 Meter hohen Luftraum des ehemaligen Gasbehälters ist eine monumentale Nachbildung des Matterhorns, die den legendären Berg anhand modernster 3-D-Projektionen im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten eindrucksvoll in Szene setzt.

Weitere Informationen zum Gasometer, seiner Geschichte und den Ausstellungen bietet die Zuhause-Seite GASOMETER.de

Alle Bilder der aktuellen Ausstellung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN


 

AUS MEINEN SCHUBLADEN 03.2019

F R A U E N Q U O T E

Wo waren die ganzen Männer? Beim Fußball, am Stammtisch, oder waren das alles schon Witwen auf dem Foto? Für damalige Verhältnisse eine Ansammlung ungewöhnlich vieler Frauen in der deutschen Öffentlichkeit, die auf den Plätzen der Stadt meistens den Männern vorbehalten war. 1:10 das Verhältnis von Mann zu Frau. Von dieser Frauenquote können wir heute nur träumen. Doch sicher täuscht die Momentaufnahme öffentlichen Lebens in meiner Heimatstadt Wesel gegen Ende der 70er Jahre. Vielleicht waren die Jungs gerade bei einem sonntäglichen Umzug des Schützenvereins. Oder die Damen auf dem Foto waren die Anghörigen des Männergesangvereins. Nach so langer Zeit weiß ich das nicht mehr genau.

CARMEL – Bauhaus in Haifa

Fotografien von Stephanie Kloss im Alten Rathaus Düsseldorf

Altes Rathaus Düsseldorf, CARMEL – Bauhaus in Haifa, Fotografin Stephanie Kloss mit Kulturdezernent Hans-Georg Lohe © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Im Rahmen der JüdischenKulturTage Rhein-Ruhr präsentiert die Stadt Düsseldorf eine Fotoaustellung im Alten Rathaus.

Dass in den 1930er und 1940er Jahren in Haifa und an den Hängen des Berges Carmel eine bemerkenswerte Vielfalt an modernistischer Architektur im Internationalen Stil entstand, ist heute weitgehend unbekannt. Zu stark ist die Aufmerksamkeit auf Israels „Bauhaus-Stadt“ Tel Aviv fokussiert.

Stephanie Kloss`Fotografien zeigen mit hohem ästhetischen Anspruch die Bauten der Haifaer Moderne in ihrer skulpturalen und charakteristischen Formensprache, die die Aufbruchstimmung jener Epoche verkörpern und sich den Zeichen der Zeit widersetzen.

Alle Fotografien der Ausstellungseröffnung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Informationen zu den JüdischenKulturTagen Rhein-Ruhr finden Sie hier


TWO RIVERS

Joachim Brohm / Alec Soth – ZWEI FOTOGRAFEN, ZWEI FLÜSSE – vom 29. März bis 7. Juli 2019

Ausstellung im NRW Forum Düsseldorf

NRW Forum, TWO RIVERS, Joachim Brohm vor einem Werk von Alec Soth © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Zwei Fotografen, zwei Flüsse: Die Ausstellung „Two Rivers“ präsentiert die wichtigsten fotografischen Werkgruppen des deutschen Künstlers Joachim Brohm und des US-Amerikanischen Fotografen Alec Soth. In einer Weltpremiere vereint die Ausstellung Werke aus insgesamt zehn Serien, unter anderem Alec Soth’ Hauptwerk „Sleeping by the Mississippi“ und Joachim Brohms berühmte „Ruhr“-Serie.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Alec Soth’ Serie „Sleeping by the Missisippi“ und Joachim Brohms Serie „Ruhr“, die beide Menschen an der Peripherie des Flusses porträtieren. Brohm, der an der Folkwang Hochschule studierte, ist bildender Künstler, der sich mit dem Medium der Fotografie ausdrückt. Soth steht als lyrischer Dokumentarfotograf in der Tradition von Robert Frank, Stephen Shore und Joel Sternfeld. Was die beiden verbindet, ist ein dokumentarisch-künstlerischer Blick, der sie als sensible Dokumentaristen ihres sozialen Umfeldes ausweist. Die Ausstellung versammelt insgesamt zehn Werkgruppen der beiden Fotografen, neben den bekannten Serien an der Ruhr und am Mississippi werden weltweit zum ersten Mal auch Joachim Brohms seltene Porträts und ein neues Werk von Alec Soth gezeigt.

NRW Forum, TWO RIVERS, Kurator Ralph Goertz, die Fotografen Alec Soth und Joachim Brohm und der NRW Forum Direktor Alain Bieber, v.l.n.r. © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Alec Soth gehört seit seinem ersten Hauptwerk „Sleeping by the Mississippi“ aus dem Jahre 2004 zu den wichtigsten Fotografen der internationalen Fotoszene. Soth ist bildender Künstler, Magnum-Fotograf, Blogger, Verleger und Pädagoge. Er erforscht die vielen verschiedenen Formen der Fotografie und wie sie sich in der Welt präsentieren. Als lyrischer Dokumentarfotograf – in der Tradition von Robert Frank, Stephen Shore und Joel Sternfeld – sieht sich Soth in erster Linie als amerikanischer Fotograf. Die Landschaften der USA, der majestätische Mississippi, die donnernden Niagarafälle, die weiten und offenen Wüsten, die kleinen Städte und Vororte: Alle haben die Struktur und den Rahmen für seine poetischen Studien über das amerikanische Leben geschaffen.

NRW Forum, TWO RIVERS, die Fotokünstler Joachim Brohm und Alec Soth, v.l.n.r. © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Joachim Brohm ist bildender Künstler, der sich mit dem Medium der Fotografie ausdrückt und maßgeblich an der Entwicklung der Fotografie als Kunstform seit den 1980er Jahren beteiligt war. In seiner ersten, international viel beachteten Serie „Ruhr“ (1980-1983) dokumentierte er das Freizeitverhalten der Menschen am Ufer der Ruhr. Brohm gehört neben den Fotografen der Düsseldorfer Fotoschule zu den wichtigsten Fotokünstlern in Deutschland. In seinen oft dokumentarisch geprägten Arbeiten setzt er sich vor allem mit den Strukturen der Stadtentwicklung und der Stadtperipherie – mit allen sozialen, soziologischen, ökonomischen und kulturellen Implikationen – auseinander. Künstlerisch ausgebildet und geprägt wurde er an der Folkwang Hochschule in der Tradition von Otto Steinert und Michael Schmidt, aber auch durch sein Fulbright Stipendium an der Ohio State University, an der er Fotografie bei Allan Sekula studierte.

NRW Forum, TWO RIVERS, Ausstellungsansicht © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des NRW Forum


F A B E L F A K T . PIA FRIES

Der Kunstpalast Düsseldorf gibt einen Einblick in das künstlerische Schaffen der Schweizer Künstlerin – vom 28. März bis 16. Juni 2019

Kunstpalast Düsseldorf, FABELFAKT.Pia Fries – Pia Fries vor ihrem Werk „maserzug 1“ aus dem Jahr 2008 © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Wie ein Lichtzelt wirkt der neue grell weiße Raum im Erdgeschoss des Kunstpalast, in dem das Museum die Arbeiten von der in Düsseldorf lebenden Künstlerin präsentiert. Im „Raum 1“, wie Generaldirektor Felix Krämer und seine KollegInnen den neuen Ausstellungsraum nennen, waren vor dem Umbau die Kasse und der Museumsshop untergebracht. Die Werke der Künstlerin Pia Fries, die zumeist auf weiß grundierten Tafeln gearbeitet sind, fügen sich fast nahtlos in das Blickfeld der BesucherInnen ein und wirken dadurch trotz extensiver Materialigkeit leicht und bewegt.

Kunstpalast Düsseldorf, FABELFAKT.Pia Fries – Ausstellungsansicht © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Unter dem Titel FABELFAKT widmet sich erstmals in Düsseldorf eine umfangreiche Einzelausstellung dem Schaffen von Pia Fries (*1955). Einige Werke der Künstlerin, die ihr Malereistudium als Meisterschülerin bei Gerhard Richter abschloss, werden erstmals öffentlich gezeigt. Die 65 ausgestellten Arbeiten aus sieben verschiedenen Werkgruppen stammen aus den letzten 20 Jahren.

Kunstpalast Düsseldorf, FABELFAKT.Pia Fries – Pia Fries vor ihrem Werk „maserzug 1“ (li.) aus dem Jahr 2008 © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Ich freue mich, dass wir mit dieser Ausstellung die seit mehr als dreißig Jahren in Düsseldorf lebende und arbeitende Schweizer Künstlerin Pia Fries zeigen können.“, betont Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast. „National und international wurde ihr Werk bereits an vielen Orten gezeigt, wobei die Präsentation im Kunstpalast ihre erste Museumsausstellung in Düsseldorf ist. Es ist zudem die erste Ausstellung, die sich dem engen Zusammenspiel von Grafik und Malerei im Oevre von Pia Fries widmet.“ „Ich freue mich sehr, dass ich in der Stadt, in der ich seit vielen Jahre arbeite und lebe, hier im Kunstpalast einen Einblick in mein künstlerisches Schaffen geben kann.“, betont Pia Fries.

Mit dem Ausstellungstitel FABELFAKT verweist die Künstlerin auf eine sich in ihren Gemälden wiederfindende Verschmelzung konträrer Ansätze. Ihre Malerei kann dichte Masse, flüssige Spur oder auch ein Spiel von Texturen, Fakturen und sich wiederholenden Formen darstellen. „Die Kunstvon Pia Fries zeichnet sich durch den direkten Einsatz der Farbe, die Freude am Experiment und die Suche nach neuen, widerständigen Formulierungen aus.“, erklärt Gunda Luyken, Kuratorin der Ausstellung. „Als ein bedeutender Gegenpol zur Malerei dient der Künstlerin die Grafik.“ Fries arbeitet häufig mit Siebdruck, um Fragmente historischer Druckgrafik von ganz unterschiedlichen Vorbildern wie Maria Sibylla Merian, Hendrick Goltzius oder Stefano della Bella für ihre Malerei zu nutzen. Ihre kraftvollen und skulptural anmutenden Bilder oszillieren nicht nur zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, sondern hinsichtlich ihrer kunsthistorischen Referenzen auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Kunstpalast Düsseldorf, FABELFAKT.Pia Fries – Kuratorinnen Gunda Luyken (li.) und Melanie Grimm © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Die Bildwelten von Pia Fries spiegeln stets das Prozesshafte ihrer Arbeiten wider, die Verwandlung und Weiterentwicklung von Abbildungszitaten.“, hebt die Co-Kuratorin Melanie Grimm hervor. „Ihre Werke sind niemals eindeutig, sie sind bewusst konstruierte Hybride aus Grafik und Malerei, die Illusionsräume und körper schaffen. In ihnen zeigt sich nicht nur das assoziative Potenzial der Fragmentierung, sondern auch das dynamische Zusammenspiel von grafischer Linie und pastoser Farbe.“ Im malerischen Prozess wird die Farbe von Fries gerüttelt, gerührt, geknetet, gequetscht, geschlagen, zerschnitten, abgekratzt oder ausgestochen. Sie nutzt Spachtel, Messer, Bürsten, Malrechen und Pinsel, um die Farbe mit Strukturen zu versehen oder stellenweise abzukratzen. Sie vermischt die Farbtöne in Schlieren und Wirbeln. Gelegentlich lässt sie auch Bildebenen durch lasierenden Farbauftrag schimmern. Ihr Bildträger ist vielfach die weiß grundierte Holztafel oder das Papier.

Kunstpalast Düsseldorf, FABELFAKT.Pia Fries – Pia Fries (li.) im Gespräch mit einer wdr3-Redakteurin © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Ausstellung beginnt mit der Serie parsen und module von 1999, in der erstmals Fries‘ Interesse an sich wiederholenden Strukturen sichtbar wird. Es folgt die Werkgruppe merian, die von den Arbeiten der gleichnamigen Naturforscherin und Künstlerin inspiriert ist. Im Kapitel der name der farbe reagiert die Künstlerin mit ihrer Malerei auf Siebdrucke, die eigene Farbskulpturen oder farbige Kreppbänder zum Thema haben. In weisswirt und maserzug richtet sich daskünstlerische Interesse von Pia Fries auf den Bildträger Holz und das Linienspiel in dessen Maserungen. Die Gruppe seewärts zeigt ihre Auseinandersetzung mit den malerischen Radierungen des italienischen Barockkünstlers Stefano della Bella sowie mit der Linienführung des Kupferstechers Hendrick Goltzius. Die Beschäftigung der Künstlerin mit Goltzius dauert bis heute an. In der Werkgruppe corpus transludi widmet sich Fries seinen „Himmelsstürmern“, während die unter aussicht und passage zusammengestellte Bilderfolge um seine berühmte Herkules-Figur kreist und den Abschluss der Ausstellung bildet.

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Informationen bietet die Webseite des Kunstpalast Düsseldorf


N A C H L E S E – DER BILDBERICHT

DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019

DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 – NRW Forum, Zeitgenössische Portraits von skandinavischen FotografInnen im OG © k.enderlein FOTOGRAFIE
DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 – Tilch Hagemann vor ihrer Arbeit im FLINGERN15 auf der Ackerstraße © k.enderlein FOTOGRAFIE
DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 – Großfotos der venezuelanischen Künstlerin Anu Paz im Studio for Artistic Research, Ackerstraße © k.enderlein FOTOGRAFIE
DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 – Das Antichambre Hotel Friends präsentiert Julius Brauckmann, Jaana Caspary, Felix Contzen und Jonas Hohnke © k.enderlein FOTOGRAFIE
DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 – Außenausstellung von Fotografie-Studierenden der fotobus society auf dem Schadowplatz © k.enderlein FOTOGRAFIE
DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 – Galerie Breckner zeigt Werke aus dem Nachlass des Fotojournalisten Volker Krämer (1943-1999) © k.enderlein FOTOGRAFIE
DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 – Sittart-Galerie zeigt neue Arbeiten von Josef Schulz (im Bild) und Natascha Borowsky © k.enderlein FOTOGRAFIE
DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 – Ein Blick in die alte Kämmerei mit einer Videoinstallation von Annika Eliane Krause, HSD © k.enderlein FOTOGRAFIE

Das Programm und weitere Informationen sind einzusehen unter:

www.duesseldorfphotoweekend.de

www.facebook.com/duesseldorfphotoweekend

www.instagram.com/duesseldorfphotoweekend

Alle Fotos des DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019 finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN


FOTOGRAFINNEN AN DER FRONT

Von Lee Miller bis Anja Niedringhaus

Kunstpalast Düsseldorf – 8. März bis 10. Juni 2019

Kunstpalast Düsseldorf – Fotografinnen an der Front, v.l.n.r.: Christine Spengler und Carolyn Cole (Fotografinnen), Felicity Korn und Anne-Marie Beckmann (Kuratorinnen) © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die Ausstellung Fotografinnen an der Front widmet sich dem bislang wenig beachteten Beitrag von Frauen zur Kriegsfotografie. Gezeigt werden circa 140 Fotografien von Carolyn Cole (*1961), Françoise Demulder (1947–2008), Catherine Leroy (1944–2006), Susan Meiselas (*1948), Lee Miller (1907–1977), Anja Niedringhaus (1965–2014), Christine Spengler (*1945) und Gerda Taro (1910–1937). Die in den Jahren 1936 bis 2011 entstandenen Aufnahmen dokumentieren die lange Tradition von in Krisengebieten tätigen Fotografinnen und stellen die weitläufige Vor-stellung infrage, die Kriegsfotografie sei ein von Männern dominiertes Berufsfeld.

Kunstpalast Düsseldorf – Fotografinnen an der Front, Felix Krämer (Generaldirektor Kunstpalast, links) und Oberbürgermeister Thomas Geisel © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Der wesentliche Beitrag von Frauen zur Kriegsfotografie ist bisher nicht ausreichend gewürdigt worden.“, betont Felix Krämer. „Die Ausstellung im Kunstpalast zeigt, dass in der Kriegsberichterstattung, wie in allen anderen Sparten der Fotografie, Bilder von zeitloser Relevanz entstanden sind. Sie liefern nicht nur wichtige Anregungen für vielfältige Diskurse, sondern ihnen gebührt auch eine angemessene museale Anerkennung.“ Anhand der ausgewählten Arbeiten wird deutlich, dass sich Fotojournalistinnen verschiedenster Bildstrategien und Erzählformen bedienen. „Wir zeigen acht Fotografinnen mit acht unterschiedlichen Perspektiven auf den Krieg.“, erläutert Felicity Korn, eine der beiden Kuratorinnen. „Jede von ihnen steht für ihren eigenen Stil. Die jeweiligen Herangehensweisen changieren zwischen der Wahrung sachlicher Distanz, unmittelbarer Direktheit und persönlicher Anteilnahme.“ Gemeinam ist allen Werken, dass sie vorrangig für die schnelllebige Nachrichtenwelt geschaffen wurden. Jede der präsentierten Fotografinnen publizierte ihre Bilder in wichtigen Zeitungen und Magazinen. Die Wirkung und Bedeutung der Aufnahmen geht weit über das hinaus, was sie abbilden. „Es braucht Ausstellungen wie diese, um die großartigen Fotografien aus der Bilderflut der Medienlandschaft herauszufiltern.“, erklärt Anne-Marie Beckmann, ebenfalls Kuratorin der Ausstellung. „Die Präsentation in einem Kunstmuseum bietet die Möglichkeit, sowohl die inhaltliche Dimension als auch die künstlerische Kraft der Aufnahmen hervorzuheben und auf sich wirken zu lassen.“

Kunstpalast Düsseldorf – Fotografinnen an der Front, Felicity Korn, Carolyn Cole, Christine Spengler und Anne-Marie Beckmann © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Kunstpalast Düsseldorf – Fotografinnen an der Front, Christine Spengler (Fotografin) © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Kunstpalast Düsseldorf – Fotografinnen an der Front, Carolyn Cole (Fotografin) © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Vielerorts waren die Fotografinnen an vorderster Front im Einsatz und machten Aufnahmen von Kriegsgräueln, von Verwundeten und Leichen, die den Betrachter nicht schonen. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen erhielten sie häufiger Zugang zu Familien und Betroffenen, da sie nicht als Kriegsteilnehmer wahrgenommen wurden. Gegliedert ist die chronologsch aufgebaute Ausstellung in acht monographische Kapitel. Die Auswahl berücksichtigt Arbeiten von den europäischen Konflikten der 1930er- und 1940er-Jahre bis zu den jüngsten internationalen Kriegsgeschehen. Bei der Zusammenstellung wurde darauf geachtet, dass die wichtigsten fotografischen Positionen vertreten sind und zugleich sehr unterschiedliche Kriegsgebiete aus den letzten 80 Jahren beleuchtet werden.

Kunstpalast Düsseldorf – Fotografinnen an der Front, Ausstellungsansicht der Fotos von Anja Niedringhaus © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie unter KUNSTPALAST

Katalog   
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein ca. 224 Seiten und 163 Abbildungen umfassender Katalog im Prestel Verlag mit Texten von Anne-Marie Beckmann, Ingo Borges, Melanie Grimm, Sebastian Knoll, Felicity Korn, Kristina Lemke, Brigitte Sahler und Maria Zinser.
Museumsausgabe: 29,80 €, Buchhandelsausgabe: 35,00 €

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs in dem Album BEGEGNUNGEN


DUESSELDORF PHOTO WEEKEND 2019

Haus der Universität, Düsseldorf © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

8. bis 10. März 2019

Die zahlreichen Schauräume in der rheinischen Fotografie-Hochburg Düsseldorf haben zum Teil auch längere Ausstellungszeiten bis in den April.

Zur achten Ausgabe des Duesseldorf Photo Weekend zeigen mehr als 50 Ausstellungen historische und zeitgenössische Positionen der Fotografie. Aktuelle fotografische Tendenzen, Fragen im Hinblick auf den Bedeutungswandel der Bildkultur und der Gesellschaft stehen hier in Reflexion mit Fotografie und ihrer Kulturgeschichte. Museen, Galerien und Off-Räume bieten an diesem Wochenende neben den Ausstellungen ein vielfältiges Programm mit Künstlergesprächen, Vorträgen und Filmen zum Medium Fotografie.

Einen thematischen Schwerpunkt bildet dieses Jahr die Reflexion über aktuelle gesellschaftliche Diskurse, die sich mit Fragen der Konstruktion von Geschlecht, Identität und gesellschaftlichem System befassen.

Und hier gibts die ZEITUNG als pdf-Dokument zum Download.

Hommage á Vincent van Gogh, HvG#005 – Stillleben mit Äpfeln und Holzschale © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Das Programm und weitere Informationen sind einzusehen unter:

www.duesseldorfphotoweekend.de

www.facebook.com/duesseldorfphotoweekend

www.instagram.com/duesseldorfphotoweekend

Öffnungszeiten der Teilnehmenden während des Duesseldorf Photo Weekend 2019:

8. März, 18:00 – 21.00 Uhr; 9. März, 12:00 – 20:00 Uhr; 10. März, 12:00 – 18:00 Uhr


AUS MEINEN SCHUBLADEN 02.2019

22. Februar 2019 – Heute denke ich an meinen Vater. Er hätte heute Geburtstag. Am 25. Dezember 2003 starb er mit 81 Jahren. Dieses Foto ist das letzte, was ich von ihm gemacht hatte. Es war kurz vor seinem Tod. Erinnerungen habe ich viele. Damals hatte ich Angst, dass er so einfach geht, wo noch so viel zu fragen und zu sagen war. Heute sind viele Fragen beantwortet, weil ich mich mit meiner eigenen Biografie beschäftigt habe.

Vater, das letzte Foto, 25.12.2003 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Eine Frage bleibt mir dennoch, die ich mir immer wieder stelle, bei meinen fotografischen Arbeiten und beim Betrachten meiner Fotografien – zum Beispiel diese Bilder aus meiner Arbeit RAUM|ORDNUNG: Wie viel ist da von meinem Vater drin, und wie viel ist in mir von ihm?

k.enderlein 22.02.2019


KUNSTSAMMLUNG NRW IN DÜSSELDORF

Ed Atkins bespielt die Bel Etage im K21

K21, „Ye Olde Food“ – Ed Atkins – Ed Atkins hinter einer seiner Videoarbeiten © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Der britische Künstler Ed Atkins gehört zu den Pionieren einer jungen Künstlergeneration, die sich intensiv mit den radikalen Veränderungen unserer Lebenswirklichkeit durch die rasante Entwicklung der digitalen Medien auseinandersetzt. International bekannt wurde er mit seinen computergenerierten Animationen, in denen er die Versprechungen, Potentiale und Ideologien der von ihm verwendeten Technologien kritisch hinterfragt.

K21, „Ye Olde Food“ – Ed Atkins – v.l.n.r.: Susanne Gaensheimer (Direktorin der Kunstsammlung NRW), Ed Atkins, Ursula Wißborn (Vorstand der Stiftung der Sparda-Bank West), Beatrice Hilke (Kuratorin der Ausstellung) © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Im Zentrum seiner Animationen steht zumeist ein nicht näher zu bestimmender Protagonist, den er durch seine eigene Mimik, Gestik und Stimme zu scheinbarem Leben erweckt. Seine mit Motion-Capture-Technologie bewegten Figuren demonstrieren ein beunruhigendes Maß an Lebensnähe und regen an, über Körperlichkeit und Emotionalität in einer zunehmend digitalisierten Welt nachzudenken. So thematisiert er in seinen bewegenden Videos mit ihren kraftvollen Soundtracks Existenzielles wie Liebe, Tod oder Krankheit. Er fragt, wie Begehren, Melancholie und Vergänglichkeit angesichts ihrer digitalen Abstraktion heute erfahren werden. Nicht nur mit seinen international gezeigten Videoarbeiten, sondern auch als Autor und Zeichner ist der 1982 in Oxford geborene Künstler bekannt geworden.

K21, „Ye Olde Food“ – Ed Atkins – Ed Atkins (links) © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

In seiner von Ausstellung zu Ausstellung erweiterten Werkgruppe „Ye Olde Food“, die Atkins in der Bel Etage für das K21 eingerichtet hat (23.02.2019 – 16.06.2019), verdichtet er Text, Sound und Bild zu einer pseudohistorischen Umgebung: Er versetzt den Betrachter in eine ländliche Welt mit idyllischen Landschaften und scheinbar heimeligen Holzhütten. Atkins nutzt die digitale Bildproduktion, um physische Gegenstände radikal zu entmaterialisieren und sie dennoch realistisch wiederzugeben.

K21, „Ye Olde Food“ – Ed Atkins – Ed Atkins (3. von links) im Gespräch vor der Ausstellungspräsentation © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die einst so geschwätzigen Charaktere seiner frühen Videos sind in „Ye Olde Food“ verstummt. Stattdessen stöhnen, keuchen und weinen sie nun unaufhörlich und scheinen wie gefangen in einem nicht enden wollenden Loop übersteigerter Sentimentalität.

K21, „Ye Olde Food“ – Ed Atkins – Susanne Gaensheimer (Direktorin der Kunstsammlung NRW) und Beatrice Hilke (Kuratorin der Ausstellung) © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ergänzt wird die Installation im K21 von einem sich ständig wiederholenden Klavierstück des zeitgenössischen Schweizer Komponisten Jürg Frey. Die fragile Klangtextur aus nur acht Akkorden taucht mit ihrer langsam stockenden Abfolge die Räume in eine melancholisch-romantische, von Ambivalenzen geprägte Atmosphäre.

K21, „Ye Olde Food“ – Ed Atkins – Ausstellungsansicht © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Neben den Videos dominieren vier monumentale Kleiderständer mit zahlreichen historisierenden Kostümen aus dem Fundus der Deutschen Oper Berlin die Ausstellungssäle der Bel Etage. Mit ihrem Gewicht, ihrem Geruch und zudem den Raum akustisch dämpfend bilden sie einen starken Gegensatz zur hochaufgelösten Digitalität der computergenerierten Bilder. Auch sie erinnern wie die Videos an zahllose Körper und Leben – die abwesend sind. Damit stehen sie der Fiktionalität von Atkins‘ Bildwelten durchaus nahe. Ihre Historizität auf der Bühne ist ebenso heuchlerisch wie die vergossenen Tränen der digitalen Figuren.

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie unter Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen


?MEHR SEHEN? – !MEIN TIPP!

MUSEUM MORSBROICH LEVERKUSEN

Museum Morsbroich Leverkusen, Außenansicht gesehen durch das Hohlspiegelobjekt „Integration“ von Adolph Luther © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

27. Januar 2019 – 05. Mai 2019

Mit Arbeiten von Alexander Basile, Johannes Bendzulla, Mia Boysen, Louisa Clement, Natalie Czech, Owen Gump, Alwin Lay, Peter Miller, Anne Pöhlmann, Johannes Post, Sebastian Riemer, Morgaine Schäfer, Berit Schneidereit, Shigeru Takato, Christoph Westermeier, Anna Vogel, Moritz Wegwerth und Matthias Wollgast

Düsseldorf und Köln, die Akademie und die Kunsthochschule, das Atelier von Bernd und Hilla Becher und die zahlreichen rheinischen Museen und Ausstellungsinstitutionen mit dem (Sammlungs-)Schwerpunkt Fotografie gelten nicht nur in Deutschland, sondern auch international als ein Zentrum für zeitgenössische Fotografie.

1976 wurde Bernd Becher als Professor für Fotografie an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. Damit war die erste Professur für Fotografie in Deutschland eingerichtet und der Grundstein für eine bis heute anhaltende fotografische Tradition gelegt, aus der die berühmte „Becherschule“ und in der „ersten Generation“ weltbekannte FotografInnen wie Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth hervorgegangen sind. Ruff und Gursky sind später an die Düsseldorfer Akademie als Professoren zurückgekehrt und haben – neben Christopher Williams, der seit mehreren Jahren die Fotoklasse leitet – wesentlich dazu beigetragen, den fotografischen Diskurs weiterzuentwickeln.

1990 entstand mit der Kunsthochschule für Medien in Köln und dem damals einzigen Diplomstudiengang „Audiovisuelle Medien“ ein neuer, zukunftsweisender Ort künstlerischer Lehre und Praxis. Die Professur für Künstlerische Fotografie an der KHM wurde 1994 mit Jürgen Klauke besetzt, der sie bis 2009 innehatte. „Seit 2011 ist Beate Gütschow Professorin für Künstlerische Fotografie.“ Im Zentrum der Lehre der Künstlerischen Fotografie der Kunsthochschule Köln stand seit jeher das konzeptionelle Arbeiten sowie ein medienreflexives und genreübergreifendes Experimentieren. Hier haben zahlreiche Künstler studiert, die das Medium Fotografie per se als künstlerisches Ausdrucksmittel sowie als Erkenntnismittel neu denken und bearbeiten – bis hin zur völligen Verwerfung der Fotografie und all ihrer tradierten Zuschreibungen.

Konzeptuelles Denken verband bereits der dokumentarische Ansatz von Bernd und Hilla Becher mit der Fotografie. Dies wurde von den Fotografen der ersten Generation der Becherschule aufgegriffen. Die Grenzen des Mediums wurden erweitert und damit auch grundlegend die Vorstellungen davon, was neue Fotografie sein kann. Mit ihren Arbeiten haben diese Fotografen der ersten Generation seit den 1980er Jahren eine Reihe von StudentenInnen der nachfolgenden Generation inspiriert.


Die Ausstellung Die nächste Generation. Junge Fotografie made im Rheinland legt das Augenmerk auf diese „nächste Generation“. Sie zeigt Werke von KünstlerInnen, die in den 1970er und 1980er Jahren geboren sind. Geprägt von der fotografischen Tradition der Bechers, der Becherschüler oder aber auch in einiger Entfernung von diesen, verfolgen sie in ihren Arbeiten einen dezidiert konzeptuellen Ansatz. Die Grenzen des Mediums können hierbei in vielfältiger Art und Weise überschritten werden: Die Fotografie öffnet sich in den Raum, in das Bewegtbild, in die Malerei, in den Bereich zwischen Grafik und Fotografik und auch in den virtuellen Raum.

Kuratoren der Ausstellung sind Heide Häusler und Stefanie Kreuzer.

Weitere Informationen finden Sie unter Museum Morsbroich

Alle Fotos der Austellung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs in dem Album BEGEGNUNGEN