AUS MEINEN SCHUBLADEN 04.2019

Blitzportraits #2, #3, #4, #5, Wesel 1984 © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

B L I T Z P O R T R A I T S

Die mutigen zum Teil bösen s/w-Bilder – sowohl vom schillernden Zentrum, als auch von den trostlosen Rändern der amerikanischen Gesellschaft der 50er und 60er Jahre – von Diane Arbus (*1923†1971), die sich wiederum August Sanders (*1876†1964) fotografische „Sozial-Arbeit“ als Vorbild nahm, waren Inspiration für meine Blitzportraits. Mit Hasselblad und Normaloptik, Handblitz und Stativ machte ich mich in Wesel in der Dämmerung auf die Suche nach Protagonisten. Eigentlich sollte es eine technische Übung sein, in welchem Belichtungsverhältnis vorhandenes weiches Licht zu hartem Aufhellblitz wirkten. Die Einkaufszone der Stadt war Mitte der 80er Lebensmittelpunkt vieler Leute aus allen Schichten unserer Gemeinde. Und so entstand eine winzig kleine aber vielschichtige fotografische Dokumentation über die Weseler Gesellschaft. Ganz ungeniert inszenierten sich die angesprochenen PassantInnen vor meiner Kamera, mal mehr, mal weniger verlegen – immer aber in selbstbewußten Posen. Und so verraten sie uns alle ein Stück über ihre Persönlichkeit, ohne dass ich ihnen Worte hätte abringen müssen.

Blitzportrait #1 Duisburg, mein Kollege und Freund Burkhard Wassenberg (*1957†1995) 1984 © k.enderlein FOTOGRAFIE

Erst Jahre nach meiner eigenen Serie lernte ich die Arbeit der amerikanischen Fotografin Dorothea Lange (*1895†1966) kennen. Ihre dokumentarischen Portraitaufnahmen der VerliererInnen der großen Wirtschaftskrise in den USA in den 30er Jahren zeigen eine Bildsprache, welche mir „passte“ und die mir selbst in meiner gewerblichen Arbeit häufig als Vorbild diente. Die Protagonisten inszenieren sich selbst, sie erzählen ihre eigene Geschichte – über sich, über ihr Leben vielleicht auch über ihre Träume.

In der Dunkelkammer von Dorothea Lange hing ein Zitat vom Maler Francis Bacon (*1909†1992): „Die Betrachtung der Dinge, so wie sie sind, ohne Ersatz oder Betrug, ohne Irrtum oder Unklarheit, ist eine edlere Sache als eine Fülle von Erfindungen.“

k.e


 

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