Ein Geschichtenerzähler, der das mit seiner Kamera tut, heißt neudeutsch „Visual Storyteller“. Schafft man es, eine ganze Geschichte in einem einzigen Foto zu erzählen, ist dieses Bild eine One Picture Story. Der britische Fotograf Martin Parr (*1952 in Epsom, Surrey) bedient diese Genre seit den 1970er Jahren – und damals hätte man ihn noch Bildberichterstatter, Lichtbildner oder Reportagefotograf genannt. Unter den FotografInnen seiner Zeit war er ein Dokumentarfotograf, ein Chronist. Und das ist er bis heute, wie seine jüngste Arbeit mit dem Titel „KLEINGÄRTNER“ zeigt, die er mit dem Kurator Ralph Goertz in Düsseldorfer Kleingartensiedlungen im Laufe des letzten Jahres visualisiert hat.
Mit typisch britischem Humor karikiert er die Menschen in ihrem persönlichen Umfeld, zumeist bunt und schrill und häufig unwiderstehlich intim. Dabei inszeniert er seine Protagonisten aber immer höflich und liebevoll, und das sieht man den Bildern auch an. Er zeichnet mit seiner Kamera keine kritischen Szenarien, er überlässt es uns BetrachterInnen, seine Geschichten weiter und zu Ende zu denken.
Neben vieler seiner bekannten Farbmotive zeigt die Ausstellung im NRW FORUM auch Parrs frühen Arbeiten aus den 1970er Jahren in kontrastreichem schwarz und weiß. Schon damals beherrschte Parr die Kunst, den Blitz an der Kamera als Aufhelllicht für die bildwichtigen Teile im Motiv dezent aber wirksam einzusetzen. Heute arbeitet Parr gerne mit einem Ringblitz ums Objektiv.
k.e Der Jazz-Musiker Till Brönner (*1971 in Viersen) bespielt das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg mit seiner Fotografie (noch bis 6. Oktober 2019).
Als Jazz-Musiker gilt Till Brönner schon lange als Nr. 1 in Deutschland und als einer der ganz Großen in der Welt. Seine Sensibilität und seine Krativität als Musiker hat er wohl ohne große Schwierigkeiten auf die Fotografie übertragen können. Vor etwa acht Jahren hat er angefangen neben seinem tagesfüllenden Hauptberuf, neben täglichen Übungen mit der Trompete, neben Konzerten und vielen Reisen, auf seinen internationalen Tourneestationen eine Kamera in die Hand zu nehmen. Seine Motive waren die Portraits anderer KünstlerInnen in seinem Umfeld. Hier half ihm die intime Nähe zu seinen KollegInnen, die seine Portraits stark wirken ließen. Und so gab es bereit 2014 einen opulenten Bilderkatalog beim teNeues-Verlag unter dem Titel „Faces of Talent“.
Mittlerweile bestens mit der Kamera vertraut ließ sich Brönner dann vor etwa zwei Jahren auf ein Projekt ein, das ihm für musikalische Arbeit wenig Zeit ließ. Die Idee dieses Projektes stamme ursprünglich von Bodo Hombach (*1953 in Mülheim an der Ruhr), in dessen Funktion als Vorstandsmitglied der Brost-Stiftung. So weiß es Walter Smerling (Direktor Museum Küppersmühle) zu berichten.
Mit der niederrheinischen (Un-)Voreingenommenheit des gebürtigen Vierseners reiste Brönner seit Ende 2018 bis kurz vor den geplanten Ausstellungstermin im Juni 2019 mit der Kamera durch das ihm bis dahin unbekannte Revier. Zumeist in schwarz/weiß entstanden so Bildberichte unterschiedlichster fotografischer Genres: Landschaften, Industrie, jounalistische Reportagen, Abstraktionen und immer wieder auch Portraits – mal klassisch inszeniert, mal im Reportagestil.
TB: „Für mich hat es hier im Ruhrgebiet ‘gemenschelt’, und deshalb war klar, dass ich die Geschichte dieser Ausstellung weitgehendst über Menschen erzählen wollte.“
Beim Begehen der Ausstellungsräume des Museums Küppersmühle bekommt man schnell den Eindruck, die Retrospektive eines Lichtbildners aus den letzten zwanzig Jahren zu sehen. Vertraut man aber den Wandtexten, die die Entstehungsdaten ausschließlich aus den Jahren 2018 und 2019 ausweisen, so begreift man, mit welcher hoch konzentrierten Leidenschaft der Fotoautor Brönner in den wenigen Monaten das Ruhrgebiet begriffen hatte.
Wir sehen die Fotografien eines sensiblen und gewandten Formalästheten, der das Genre der Fotografie ebenso beherrscht, wie sein Musikinstrument. Nur leider findet man keine neuen Bilder aus dem Revier. Nicht nur die Bildsprache ist den vielen bekannten Bildern zahlreicher FotografInnenen ähnlich, die sich im Revier mit der Kamera kurzfristig ausgetobt haben oder das Umfeld langfristig beobachtet haben, weil sie dort leben. Es sind auch die immer wiederkehrenden Motive der Montan-Industrie, der Trinkhallen, mit und ohne Menschen, der Fußball- und Sporvereine, der medizinischen und sozialen Einrichtungen für versehrte Kinder aus den Krisenbgebieten dieser Welt – wir sehen eine Schönheitskönigin und die verschiedensten Gruppen von Menschen, die sich nach der Arbeit in Sport-, Karnevals-, Motorrad-, Fußball- und anderen Vereinen versammeln.
Nur die Menschen, die Protagonisten der Fotoserien, sind jetzt andere. Aber machen sie wirklich das charkteristische dieser Region aus? Oder findet man sie nicht überall auf der Welt? Dann drängt sich jedoch sofort die nächste Frage auf: Was ist denn dann das Alleinstellungsmerkmal des seit Jahrzenten sich verändernden Reviers, das sich lohnte, fotografisch umzusetzen?
Diese Antwort fällt nicht leicht – und so helfen auch die zum Teil aussagekräftigen Fotografien von Till Brönner leider nicht, das Revier neu zu sehen.
Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN
Mehr Informationen zur Ausstellung in Duisburg finden Sie auf der Zuhause-Seite des MKM
Die Kunstakademie Düsseldorf zeigte die Abschlussarbeiten ihrer Studierenden vom 10. bis 14. Juli 2019
51 Studierende Stellten stellten ihre Abschlussarbeiten vor:
Laura Aberham, Israel Aten, Eliza Ballesteros, Yukie Laurentia Beheim, Joscha Bender, Louisa-Sophie Brüseke, Jana Buch, Vanessa Castra, Dana-Zoe Dittrich-Wamser, Benjamin Eberhardt, Bradley Aaron Emerson, Lisa-Maria Feike, Thimo Franke, Teye Gerbracht, Lukas Goersmeyer, Nicholas Brian Grafia, Manuel Gröger, Paulina Hoffmann, Soonho Jeong, Steve Joußen, Kaiso, Sarah Krischnick, Lisa Klinger, Annette Kössler, Lukrezia Krämer, Moritz Krauth, Aylin Leclaire, Eun-Hwa Lee, Jacob Madel, Oliver Meier, Filiz Özcelik, Richard Pothmann, Maximillian Sänger, Rosa Sarholz, Kai Schmidt, Lisa Seidel, Linjie Sheng, Maya Shirakawa, Christina Steffans, Arjan Stockhausen, Marie Sturm, Hiroki Tanaka, Fivos Theodosakis, Caner Teker, Tadashi Toyama, Georgi Vlahov, Robin Weuste, Samira Witt, Yi Wu, Yiy Zhang und Vera Zlatic.
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH
Am letzten Tag war ich mit der Kamera dabei, traf viele junge, meist unvoreingenommene KünstlerInnen, die sich mit ihren Arbeiten in den großzügigen Räumlichkeiten der Akademie präsentierten. Für viele war es ihre erste kommerzielle Zeigung. Bekanntlich führen die ProfessorInnen ihre SchülerInnen mit dieser Veranstaltung auch an das „Kunstgeschäft“ heran. Ich würde mir eine solche Verkaufsausstellung lieber außerhalb einer Kunstschule wünschen, unabhängig davon, dass manche Preisvorstellungen der AutorInnen eher irritierten als zum Kauf motivierten. Im Hause einer Akademie wirken die Preise „mitgelernt“ und führen die Studierenden zwangsweise zu einem kommerziellen Verständnis ihrer Arbeit. „Draußen“ ist der Markt hart, dafür ungerecht, das lernen die jungen AbgängerInnen noch früh genug. Im Leben nach der Akademie ist dann hinlänglich Gelegenheit, den Marktwert einer Arbeit zu ermitteln, ob mit oder ohne professionelle Hilfe der Kaufleute in den Galerien.
Hier sehen Sie meinen BILDBERICHT:
Alle Fotos des Sommerrundgangs finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN
Einige Verantwortliche, Einzelportraits von links oben nach rechts unten: Ausstellungsleiter Michael Kortländer, Tanz-Dramaturgin Anaïs Emilia Rödel, Generaldirektor Felix Krämer, Kunstpreisträger Boris Becker, Kulturdezernent Hans-Georg Lohe und Förderpreisträger Philipp Röcker
Drei der 121 KünstlerInnen: (v.l.n.r.:) Melanie Wiora, „??“ und Dejan Saric
18 Ausstellungsansichten im DETAIL:
Und hier die Skulpturen im Außenbereich auch im Detail:
Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN
Alle Infos zur Ausstellung gibt es auf der Zuhause-Seite vom Kunstpalast und hier.
In meinen wenigen Begegnungen mit Benjamin Katz (*14.06.1939) ist mir dieser Mann als leise, unaufgeregte, bescheidene und aufmerksame Persönlichkeit in Erinnerung geblieben. Tausende seiner bekannten Fotografien zeugen von einem Künstlerleben im Umfeld anderer KünstlerInnen, seit Mitte der siebziger Jahre, nach einer Zeit als Galerist und Kunstschaffender, immer auch mit einer Kamera in der Hand. Katz „chronikiert“, wie er selbst einmal gesagt hat, seit Jahrzehnten KünstlerkollegInnen, ausschließlich in Schwarz auf Weiß, und immer in einer vertrauten Nähe zu seinen ProtagonistInnen.
Was jetzt aber im Museum Ludwig in Köln an den Wänden hängt (noch bis zum 22.09.2019), sind auf den ersten Blick gänzlich andere bislang unbekannte Motive. Anfang der sechziger Jahre war er 18 Monate in dem Berliner Sanatorium Havelhöhe, um von einer schweren Tuberkuloseerkrankung zu genesen. Während dieses unfreiwilligen Aufenthaltes fotografierte der junge Katz mit seiner Rolleiflex seine Umgebeung, Architektur, Landschaft, Räume mit Menschen. Alles stark linienorientierte quadratische Bilder mit einem hohen Anspruch an formale Ästhetik – und wirklich nicht so ganz anders, als seine späteren Arbeiten, in denen Kunst und KünstlerInnen im Mittelpunkt stehen – nicht nur, weil er durchgängig ablenkende Farben in seinen Motiven auslässt.
Pressetext zur Ausstellung, Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen:
Seit 1969 ist die Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen e.V. ein wertvoller und verlässlicher Förderer des Museums. Mit Ankäufen erweitert der Freundeskreis die Sammlung und hilft bei der Finanzierung von Ausstellungen. Ebenso hat er durch Übernahme eines größeren Teils der Baukosten den für die Kunstsammlung so überaus wichtigen Erweiterungsbau mit Klee Halle und Henkel Galerie möglich gemacht. Museum und Freundeskreis sind seit einem halben Jahrhundert „Beste Freunde„.
Gewürdigt wird dies nun mit einer Präsentation wichtiger Erwerbungen des Freundeskreises, Werken von Amedeo Modigliani, Max Ernst und Francis Bacon, von Ad Reinhard, Robert Rauschenberg, Ellsworth Kelly und Agnes Martin, von Gerhard Richter und Günther Uecker, von Bernd und Hilla Becher, Thomas Struth und vielen anderen.
„In einer Auftragsarbeit von Gerhard Richter aus dem Jahr 1964 ist neben dem Portrait Alfred Schmelas die Schulter von Werner Schmalenbach zu sehen.“ so erläutert Robert Rademacher, der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung NRW, eines der Werke aus der Sammlung, die vom 5. Juni an in Düsseldorf gezeigt werden. In der Henkel Galerie des Erweiterungsbaus des Museums finden sich viele weitere Schätze aus dem Bestand der Sammlung. Und zu fast allen weiß Rademacher amüsierende Anekdötchen zu berichten. Nie sei es einfacher gewesen, finanzielle Unterstützung aus Wirtschaft und Politik für den Erwerb großartiger Kunst zu erhalten, als in Zeiten eines Rudolf v. Bennigsen-Foerder (1971 bis 1989 Vorstandsvorsitzender der VEBA – heute Eon) und eines Johannes Rau (1978 bis 1998 der sechste Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen). „Beharrlichkeit bei der Beschaffung nötiger Finanzmittel war Vorraussetzung erfolgreicher Sammlungsarbeit.“ weiß Rademacher zu berichten. Durch die seit Gründung des Vereins kontinuierlich erhöhten Mitgliedsbeiträge und die großzügige individuelle Unterstützung von Gönnern sei die Gesellschaft aber auch in der heutigen Zeit und zukünftig in der Lage, die Sammlung mit wertvollen Zukäufen zu bereichern. Die dafür zum Teil notwendige Finanzierung durch Banken sei somit durch seriöse Bonität gewährleistet.
Seit nunmehr 50 Jahren fördern die Freunde der Kunstsammlung mit ihren inzwischen knapp 1.000 Mitgliedern die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen sowohl ideell als auch materiell. Dabei geht es in erster Linie um den Erwerb von Kunstwerken, die die Sammlung des Museums maßgeblich erweitern. So haben die Freunde in diesem halben Jahrhundert mehr als 40 bedeutende Bilder, Skulpturen, Fotografien und Videoarbeiten für das Museum sowie unzählige wichtige Bücher für die Werner Schmalenbach-Bibliothek erworben.
Weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite der Kunstsammlung
Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN
Ja, wirklich alles (in) Farbe, und das mit voller Kraft. Der Künstler Jörn Stoya (*1957 in Lüneburg) hat als Co-Kurator einer farbintensiven Präsentation im Museum Morsbroich wahre Schätze aus der Museumssammlung zusammen mit seinen eigenen Arbeiten an die Wände gebracht. Er selbst bezeichnet sich als Kommunikator im Dialog mit anderen zeitgenössischen KünstlerInnen, mit deren Werken, mit Kunstgeschichte und allem, was Kunst beschreiben und begreifen lässt. So korrespondieren seine eigenen Arbeiten jeweils mit den Werken anderer KünstlerInnen. Aus diesem Dialog entsteht ein Zusammenspiel von zum Teil flirrenden Farben und unübersehbaren Beziehungen.
Unterstützt durch frühsommerliches Licht durch die großzügigen Fenster des Museums und „laute“ Galeriebeleuchtung im Innern strahlen die Arbeiten von Josef Albers, Carl Andre, Arman, Joachim Bandau, Georg Baselitz, Alexander Calder, Bernard Frize, Katharina Fritsch, Rupprecht Geiger, Barbara Hepworth, Alexej von Jawlensky, Donald Judd, Yves Klein, Imi Knoebel, Jeff Koons, Norbert Kricke, Sol LeWitt, Joseph Marioni, Charlotte Posenenske, Fiona Rae, Robert Rauschenberg, David Reed, Oskar Schlemmer, Andy Warhol, Lawrence Weiner und eben von Jörn Stoya und schreien so nach Aufmerksamkeit.
„Stoyas Arbeiten mit ihrer teils flammenden Farbigkeit, der archaisch wirkenden Materialität ohne Pinsel aufgetragener Pigmente, verbindet mit den ausgewählten Sammlungsstücken eine teils puristisch wirkende Klarheit und einen dezidiert bejahenden Zugriff auf die Welt. Das Miteinander gestaltet sich mal harmonisch wie ein Familientreffen oder eine indirekte Hommage, mal wie ein Schlagabtausch. Zusammen schärfen sie unseren Blick auf die unterschiedlichsten Gebrauchs- und Wirkungsweisen der Farbe.“ Dr. Fritz Emslander
Wenn bei Jörn Stoya die Impulse für seine Kreativität aus dem Dialog mit der Kunst, den KünstlerInnen und deren Werke – also mehr von außen – kommen, dann sind es bei Paco Knöller (*1950 in Obermachtal) eher seine Emotionen – also mehr innere Wahrnehmungen -, die ihn bei seinen Werken inspirieren. Man muss den Künstlern nicht persönlich begegnen, um diese interessante Spannung der Gesamt-Ausstellung zu erfahren. Die einzelnen Arbeiten der beiden erklären sich hierin von selbst. In der oberen Etage des Museum Morsbroich wird es durch die Zeichnungsfolgen Knöllers, vornehmlich in feinen Linien, ruhiger aber nicht weniger aufregend. Die zeitaufwendig entstehenden Zeichnungen werden von seinen persönlichen Botschaften bestimmt, die er in Linienform zu Papier bringt. „Behutsam und langsamer werdend bei zunehmender Emotion“, wie der Künstler selbst sagt.
„Knöllers Zeichnungsfolgen, die so poetische Titel wie „Rumoren“, „Wenn Zellkerne zu wandernden Planeten werden“ oder „Lichtsaat“ tragen, sind eng und vielfach miteinander verknüpft. Sie fügen sich zu einem zeichnerisch entwickelten Gedankengebäude zusammen. In ihm ist die Figur – meist in knappen Umrisslinien als Kopf, Hand, Arm rudimentär angedeutet – ein Ort, an den wir uns jeweils begeben können. Sie verweist auf die Erlebnissphäre dessen, der da zeichnet, oder dessen, der die Zeichnung betrachtet und sich darin spiegeln kann.
Um in der Zeichnung einen Denkraum zu öffnen, benötigt es einen spezifischen Zustand der Wachheit und Beweglichkeit in der Wahrnehmung. Knöllers Arbeit an dem Zeichnungszyklus Aufwachraum (seit 2014) ist in diesem Sinne zu verstehen. Sie beginnt damit, der Trägheit und Beschränktheit des eigenen Blicks gewahr zu werden, um die Schlafmaske der Konvention und Selbstzensur ablegen zu können. So wird man empfänglich für das, was man vorher nicht sehen konnte, vielleicht auch für das, was sich dem bloßen Augenschein entzieht, wenn man Knöllers subtilen zeichnerischen Expeditionen folgt.“ Dr. Fritz Emslander
Weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museums Morsbroich
Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN
Weitere Begegnungen mit KUNST|SCHAFFENDEN entdecken Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album KUNST|SCHAFFENDE
„Everything is art. Everything is politics“ so brachte der international bekannte Gegenwartskünstler Ai Weiwei das Grundprinzip seiner Arbeitsweise auf den Punkt. Dieses Motto „Alles ist Kunst, alles ist Politik“ ist auch Leitmotiv der umfangreichen Ausstellung, die die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bis zum 1. September 2019 zeigt. Im Mittelpunkt steht dabei die enge Verzahnung von politischem Engagement und künstlerischer Arbeit Ai Weiweis. Die Ausstellung mit raumfüllenden Installationen und Werken aus den vergangenen zehn Jahren ist in den beiden Häusern der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20 und K21, zu sehen. Mit seinen regimekritischen Äußerungen gegenüber der Regierung in China und als lange verfolgter Dissident wird Ai Weiwei zumeist als politischer Kunst-Aktivist wahrgenommen, der sich in seinen jüngsten Arbeiten mit Migration als Massenphänomen und Beispiel einer grundsätzlichen menschlichen Krise beschäftigt.
„Als Aktivist ist er Künstler und als Künstler ist er Aktivist. Mit dieser Erweiterung seines Kunstbegriffs, bei dem politisches und künstlerisches Handeln nicht zu trennen sind, steht Ai Weiwei sicherlich den Gedanken von Joseph Beuys sehr nahe. Das macht unsere Ausstellung – gerade auch hier in Düsseldorf – so bedeutsam“, erklärt die Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Susanne Gaensheimer.
Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick über Ai Weiweis Schaffen aus vier Jahrzehnten und konzentriert sich auf Schlüsselthemen, die sein Werk seit den 1980er Jahren auszeichnen: die Flüchtlingskrise und das Spannungsfeld von Individualität und Staat. Ai Weiweis Werke entstehen mit dem Grundgedanken der Humanität, sei es beim Erdbeben von Sichuan, der globalen Flüchtlingskrise oder bei Fragen freier Meinungsäußerung. Im K21 ist seine monumentale Arbeit „Life Cycle“ (2018) erstmals in Europa zu sehen. Über 17 Meter misst die fragile, fast transparente Skulptur aus Bambus und Sisalgarn. Sie stellt eine Vielzahl von Figuren in einem Schlauchboot dar, wie es von vielen Geflüchteten bei der lebensgefährlichen Passage über das Mittelmeer benutzt wird. Einige ihrer Köpfe haben sich in Figuren der chinesischen Tierkreiszeichen verwandelt und verweisen metaphorisch sowohl auf das Ausmaß der menschlichen Krise als auch auf den Kreislauf menschlichen Lebens.
„Laundromat“ (2016) entstand vor dem Hintergrund der Geschehnisse im griechischen Flüchtlingslager Idomeni, deren Zeuge Ai Weiwei war, als er seinen abendfüllenden Dokumentarfilm „Human Flow“ (2017) drehte: Die Installation besteht aus Habseligkeiten, die die Bewohner dort zurückließen, als sie 2016 durch die Schließung des Lagers erneut vertrieben wurden. In weiteren Räumen im K21 lässt sich der Werdegang Ai Weiweis anhand von frühen, kaum je gezeigten Arbeiten seit den 1980er Jahren nachvollziehen.
In den großen Ausstellungshallen des K20 sind die beiden Schlüsselwerke „Straight“ und „Sunflower Seeds“ zum ersten Mal überhaupt in ihrem vollen Umfang gemeinsam in einer Ausstellung zu sehen. Auf 650 Quadratmetern breitet sich die spektakuläre Installation „Sunflower Seeds“ (2010) aus: 100 Tonnen handgefertigte und individuell bemalte Sonnenblumenkerne aus Porzellan, hergestellt in der traditionsreichen chinesischen Porzellan-Metropole Jingdezhen. Ai Weiwei untersucht die Rolle des traditionellen Handwerks im Zeitalter von Massenproduktion und Globalisierung. Die Arbeit wurde zuerst 2010 in der Turbine Hall der Tate Modern in London gezeigt und ist in Düsseldorf nun zum ersten Mal wieder vollständig aufgebaut.
Die noch nie zuvor in Europa komplett gezeigte Installation „Straight“ besteht aus 164 Tonnen Armierungseisen, die Ai Weiwei nach dem verheerenden Erdbeben von Sichuan 2008 aus eingestürzten Schulgebäuden bergen ließ. Tausende Schulkinder verloren damals ihr Leben unter den Trümmern. In einem zeitaufwendigen Prozess wurden die verbogenen Stahlstäbe wieder geradegebogen und zu einer Landschaft modelliert. Für K20 hat Ai Weiwei eine neue Anordnung von „Straight“ entwickelt, die das Material aus Sichuan in seiner Gesamtheit präsentiert und seine Ortlosigkeit im globalen Ausstellungsbetrieb betont.
Ai Weiwei, 1957 in Beijing geboren, wird weltweit als Künstler, Architekt, Kurator, Filmregisseur und Fotograf gefeiert. Als Sohn des berühmten Dichters Ai Qing wuchs er während dessen Verbannung in Nordchina auf und kehrte 1976 mit der Familie nach Beijing zurück. Die während seiner Zeit in New York in den 1980er Jahren gewonnenen Eindrücke von Konzeptkunst und Pop Art, hat er für seine Arbeitsweise fruchtbar gemacht, die auf eine kritische Betrachtung von Kulturgeschichte sowie von chinesischen und globalen gesellschaftlichen Entwicklungen zielt.
Pressetext Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Weitere Informationen gibt es auf der Zuhause-Seite der Kunstsammlung NRW
Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN
Die Ausstellung zeigt an zentraler Stelle in Düsseldorf Kunst, Werk, Wirkung und das Umfeld einer der wichtigen Figuren der amerikanischen Nachkriegs-Literatur und Kunst seit den 1950er Jahren. Die multi-mediale und durch Live-Elemente performativ aufgebaute Ausstellung in Düsseldorf stellt den legendären Poeten, Künstler, Verleger und Buchhändler vor, der in diesem Jahr seinen 100-jährigen Geburtstag in San Francisco feiert: Lawrence Ferlinghetti.
Im Zentrum der Ausstellung wird der etwa eineinhalbstündige Dokumentarfilm „Ferlinghetti – a rebirth of wonder“ stehen. Er zeigt auf spannende Weise die Szenerie San Franciscos und den Zusammenhang von Lawrence Ferlinghetti, dem City Lights Bookstore, den Einflüssen der Beat-Generation bis hin zu Patty Smith. Gedreht wurde er vom offiziellen Chronisten der „Beats“, dem preisgekrönten Fotografen und Filmemacher Chris Felver, der auch die thematisch zugehörigen Filme „West Coast“ und „Beat & Beyond“ zur Ausstellung beisteuert.
Dokumentarfilme und Fotografien, Spoken-Words-Performances, Aktionen, live Im-pro-Jazz, Bücher, Tapes mit Orginal-Audioaufnahmen, Zeitzeugen, Diskussionen, Musik, Vorträge und Malerei von Beats um Ferlinghetti und auch heutiger, aktueller Lyriker und Künstler, die sich dieser Literaturgattung verpflichtet fühlen, sorgen für ein umfassendes Bild einer aufregenden und wichtigen künstlerischen Bewegung aus den USA seit 1953. Ein Land mit hohem politischem und wirtschaftlichem Einfluss, das seit einigen Jahren wieder beginnt mit isolationistischen Tendenzen für kulturelle Eindimensionalität zu sorgen. Oder um mit Ferlinghetti zu sprechen: „Who are we now?“ …
Kunst: Erdinc Arslan / Reimund Jonen / Sven Kierst / Milena Milosavljevic / Thyra Schmidt / Bertram Rutz / Brian Gysin / Paulo Greuel / Peter Marifoglou / Dieter Marshall / Das Zweite Feld / 26.5. Andreas von Linden (Mindix) 24 Std. Live-Performance Musik live: Chansons Skuril mit Frank Fabry und Tom Redmann 18.5., 20.00 Uhr / St. Tropics, Mike Jansen, Peter v.d. Heusen 19.5., 18.00 Uhr / Wolfgang Schmidke 20.5., 20.00 Uhr Poets live: Ralph M. Beyer, Michael Schuhmacher, 17.5., 20.00 / Sascha Matesic (Sushi), Bernard Hoffmeister 24.5., 20.00 Uhr / Markus Hanke, Andi Substanz 31.5., 20.00 Uhr
Team der Ausstellung „100 Jahre Lawrence Ferlinghetti“: Matthias Rücker, Kurator // Reimund Jonen, THE BOX Gallery // Carsten Reinhold Schulz, Kunstverein JASON RØ e.V.
In der Stadt an der Themsemündung erfährt man allenthalben einen Himmel im Turner-Format. Joseph Mallord William Turner (1775-1851) war der bedeutendste bildende Künstler Englands in der Epoche der Romantik. Er ging in Ramsgate zur Schule und besuchte die Stadt bis zu seinem Tode regelmäßig.
Inspiriert von seinen Werken spüre ich als Fotograf seiner Begeisterung für Naturgewalten und wechselhafte Wetterstimmungen nach, und es müßigt mich, ähnlich geartete Stimmungen mit der Kamera nachzuzeichnen. Das geht in Küstennähe gut, da dort durch stärkere Winde wechselhaftes Wetter nicht ungewöhnlich ist. Wo sich am düsteren kalten Himmel bereits weltuntergangsähnliche bedrohliche Szenarien abzeichen, wird der Vordergrund noch von hartem Sonnenlicht lieblich und warm beschienen. Dieser sichtbare scheinbare Gegensatz lässt die Fotomotive geradezu surreal wirken, als seien sie am Rechner des Photoshop-Artisten entstanden. Dabei sind diese Szenarien, wenn oft auch nur sekundenweise, ganz real und höchst lebendig wahrnehmbar. ke
Der Künstler Joseph Mallord William Turner wird am 23. April 1775 in London geboren. Der Maler schafft unverwechselbare, großartige Arbeiten, Quelle seiner unerschöpflichen Inspiration sind das Wasser und Schiffe, darüber hinaus begeistern dramatische Naturszenen Turner ein Leben lang. Turner ist Autodidakt und genießt keine künstlerische Ausbildung, er lernt jedoch schnell und hat großes Talent. Der vierzehnjährige Turner ist Stipendiat der Royal Academy. Im folgenden Jahr, 1790, stellt der junge Künstler in der Jahresausstellung der Acadamy sein erstes Aquarell aus. Begeisterung erhebt sich sowohl unter den Kritikern als auch unter den Förderern für das Können des jungendlichen Talentes. Joseph Mallord William Turner genießt früh größte Aufmerksamkeit, dennoch bleibt er verschlossen, schweigsam und zuweilen auch mürrisch. Fast eifersüchtig hütet Turner seine Arbeitsmethode, auch sein Privatleben hüllt der Künstler in Schweigen. Sechsundzwanzigjährig wird Joseph Turner in die Royal Acadamy aufgenommen. Anschließend reist Turner quer durch seine Heimat. Die Erlebnisse hält Turner in Skizzen fest, die die Basis für seine Aquarelle sind. 1796 stellt er sein erstes Ölgemälde „Fischer auf See“ aus. Anschließend, im Jahr 1799, wird Turner zum außerordentlichen Mitglied der Royal Acadamy ernannt. Noch im selben Jahr besucht er Beckford, der einer seiner Förderer ist. Dort kommt Turner mit zwei Werken des Malers Claude Lorrain in Berührung und ist so beeindruckt, dass er fortan selbst große, historische Bilder malen möchte. Anschließend reist er erstmals aufs europäische Festland. (siehe hierzu auch: Turner und die Rheinromantik) 1804 ist er finanziell so gestärkt, dass er sein Haus durch einen Galerieanbau erweitert. Dort stellt er seine eigenen Werke aus, was seiner Zeit in der englischen Kunstwelt einmalig erscheint.
Im Jahr 1807 wird Joseph Turner Professor für Perspektive an der Royal Academy. Sein Erfolg ist beeindruckend, Turner ist neben John Constable einer der führenden englischen Landschaftsmaler. Zahlreiche Werke werden 1819 in zwei größeren Ausstellungen gezeigt. Noch im selben Jahr wird des Künstlers Italienreise der Auslöser für eine radikale Wende in seinem Schaffen, das südliche Licht wird ihn nicht mehr loslassen. In den nächsten vier Monaten schafft er mehr als 2000 Bleistiftskizzen von Rom und seiner Umgebung. Er kehrt nach England zurück und beginnt die Kraft des Lichts in seine Werke einzubetten. Zwar bricht Turner seinen Stil nicht abrupt, doch zieht er eine klare Trennung zwischen seinen Auftragsarbeiten und seinen Experimenten, in denen sich seine Ideen voll entfalten. Viele seiner berühmtesten Bilder entstehen in den letzten Lebensjahren, in denen sich der Maler auch aufgrund seines Gesundheitszustandes aus dem Gesellschaftsleben zurückzieht. Der Maler Joseph Mallord William Turner verstirbt 76-jährig am 19. Dezember 1851 in London.
Turner Contemporary befindet sich an der Küste von Margate in Großbritannien , an der gleichen Stelle, an der Turner während seines Besuchs in der Stadt wohnte, und präsentiert ein fortlaufendes Programm von Wechselausstellungen, Veranstaltungen und Lernmöglichkeiten, die eine interessante Verbindung zwischen historischer und zeitgenössischer Kunst herstellen. Die Galerie bietet Raum für alle, um verschiedene Seh-, Denk- und Lernformen zu entdecken.
Die Organisation wurde 2001 gegründet, um die Zusammenarbeit des Künstlers J.M.W. Turner mit Margate, Kent, zu kontextualisieren, zu feiern und auszubauen. Im Jahr 2011 eröffnete die von Sir David Chipperfield entworfene Turner Contemporary Gallery und hat sich schnell zu einer Besucherattraktion von nationaler und internationaler Bedeutung entwickelt.
Turner Contemporary ist ein Katalysator für die Regeneration von Margate und East Kent und verzeichnet bereits über 1,5 Millionen Besucher. Die Vision der Organisation ist Art Inspiring Change, indem sie Zusammenarbeit, Lernen, Ehrgeiz und Transformation nutzt, um jedem den Zugang zu erstklassiger Kunst zu ermöglichen.
Zur Ausstellung „Ein Ort, der nur im Mondlicht existiert“
Zu einem bestimmten Zeitpunkt während ihres Besuchs bei Turner Contemporary werden die Augen der meisten Besucher auf den Blick aus den Fenstern zum Meer gezogen, durch die sie auf einen fernen, scheinbar unendlichen Horizont blicken werden. In diesem Fall ist die Blickrichtung durchaus angemessen. Der Ort dieser Ausstellung von Katie Paterson an der Stelle, an der Turner von der Pension von Sophia Booth aus zuschaute, war von Anfang an ein zentraler Bestandteil der Konzeption. Wie Paterson erklärt, war es bei ihrer ersten Annäherung „der Kontext des Ortes, des Meeres, des Himmels, des Lichts – all diese Beziehungen lagen mir im Kopf; nicht nur die Schönheit der Architektur von Turner Contemporary, sondern auch alles um sie herum und was sie repräsentiert“.
Auf den ersten Blick scheint Patersons Werk wenig mit dem des größten britischen Aquarellisten zu verbinden. Sie bewegt sich fließend zwischen den Technologien, bündelt Kollaborateure aus Wissenschaft, Architektur, Literatur und Raumfahrt und untersucht die komplexen Beziehungen zwischen der menschlichen Existenz und der Weite von Raum und Zeit. Doch obwohl sein Arbeitsgebiet Papier, Leinwand und Gravurplatte waren, beschäftigte sich auch Turner mit breiteren Ideen; als ausgebildeter Architekturzeichner war er mit einer Reihe der führenden Wissenschaftler seiner Zeit befreundet und verfolgte Entwicklungen in Disziplinen wie Geologie, Chemie, Paläontologie und Astronomie. Er und Paterson hätten viel zu besprechen gehabt: Sie sind beide Himmelsbeobachter, Kenner von Lichteffekten und Aufstellungen, rastlose Experimentatoren und Studenten des Erhabenen…..
Die Auswahl der Werke von Turner für die Ausstellung erfolgte zu einer Zeit, in der Paterson die künstlerische Produktion unterbrochen hatte, um sich auf ihr Buch „A place that exists only in moonlight“ zu konzentrieren, das zeitgleich mit der Ausstellung veröffentlicht wird. Das Buch, dessen Umschlag mit kosmischem Staub bedruckt ist – eine Mischung, sagt Paterson, „aus Mars, Mond, Sternschnuppen, Meteoriten und Asteroiden“, sie hat sich in einem Stößel und Mörser gemahlen – enthält über 100 kurze Texte, von denen eine Auswahl auch an den Wänden gezeigt wird, geschnitten in Sterlingsilber. Buch- und Silbertexte sind zusammen Teil der fortlaufenden Ideenreihe, die im Mittelpunkt der Ausstellung und ihrer Praxis steht: Werke, die vielleicht jemals im physischen Bereich realisiert werden können oder auch nicht, aber in dieser destillierten Form als „Ideenbilder“ in der Phantasie derjenigen, die sie lesen, Gestalt annehmen. „Viele meiner Ideen beginnen mit ein paar Worten in meinem Kopf; so sind sie in der Ideas-Serie geschrieben“, sagt Paterson. „Für mich scheinen die, die am besten funktionieren, immer aus dem Nichts zu kommen – wirklich natürlich kommen sie von einer ganzen Reihe von Dingen, an die ich über Jahre gedacht und verdaut habe, aber es fühlt sich an wie ein Blitz aus heiterem Himmel, wenn sie ankommen.“
Von Turner sind diese rein konzeptuellen Arbeiten nicht so weit entfernt, wie man vermuten könnte: Eines der Skizzenbücher, die der Künstler während seines Aufenthalts an der Kentküste mit Skizzen von rauer See und einem ruhigen Hafen zusammengestellt hat, heißt einfach Ideen: Folkstone (sic). „Während ich an dem Buch arbeitete, schickte ich meine Ideen an Ian Warrell, ein Kurator und Turner-Experte, der den riesigen Turner-Nachlass in der Tate sehr gut kennt“, erklärt Paterson. „Er begann, eine lange Liste von Turner-Werken zu erstellen, die Beziehungen zu ihnen haben könnten, in die ich mich vertiefen konnte. Er war ein Bindeglied und fand Bilder, die mir sonst nie begegnet wären.“ Als der Auswahlprozess weiterging, wuchs ihr Gefühl der Verbundenheit. „Ich interessiere mich zunehmend für Turners extrem abstrakte Werke. Einige sind so leicht, so flüchtig, dass sie fast wegfliegen. Eines der von mir ausgewählten Aquarelle hat nur drei oder vier Pinselstriche; während ich es betrachtete, sah ich die Idee „Der Himmel der Venus, der auf der Erde nachgebildet wurde“.
Die mutigen zum Teil bösen s/w-Bilder – sowohl vom schillernden Zentrum, als auch von den trostlosen Rändern der amerikanischen Gesellschaft der 50er und 60er Jahre – von Diane Arbus (*1923†1971), die sich wiederum August Sanders (*1876†1964) fotografische „Sozial-Arbeit“ als Vorbild nahm, waren Inspiration für meine Blitzportraits. Mit Hasselblad und Normaloptik, Handblitz und Stativ machte ich mich in Wesel in der Dämmerung auf die Suche nach Protagonisten. Eigentlich sollte es eine technische Übung sein, in welchem Belichtungsverhältnis vorhandenes weiches Licht zu hartem Aufhellblitz wirkten. Die Einkaufszone der Stadt war Mitte der 80er Lebensmittelpunkt vieler Leute aus allen Schichten unserer Gemeinde. Und so entstand eine winzig kleine aber vielschichtige fotografische Dokumentation über die Weseler Gesellschaft. Ganz ungeniert inszenierten sich die angesprochenen PassantInnen vor meiner Kamera, mal mehr, mal weniger verlegen – immer aber in selbstbewußten Posen. Und so verraten sie uns alle ein Stück über ihre Persönlichkeit, ohne dass ich ihnen Worte hätte abringen müssen.
Erst Jahre nach meiner eigenen Serie lernte ich die Arbeit der amerikanischen Fotografin Dorothea Lange (*1895†1966) kennen. Ihre dokumentarischen Portraitaufnahmen der VerliererInnen der großen Wirtschaftskrise in den USA in den 30er Jahren zeigen eine Bildsprache, welche mir „passte“ und die mir selbst in meiner gewerblichen Arbeit häufig als Vorbild diente. Die Protagonisten inszenieren sich selbst, sie erzählen ihre eigene Geschichte – über sich, über ihr Leben vielleicht auch über ihre Träume.
In der Dunkelkammer von Dorothea Lange hing ein Zitat vom Maler Francis Bacon (*1909†1992): „Die Betrachtung der Dinge, so wie sie sind, ohne Ersatz oder Betrug, ohne Irrtum oder Unklarheit, ist eine edlere Sache als eine Fülle von Erfindungen.“
Europas höchste Ausstellungshalle hat zweifach Grund zu feiern:
90 Jahre alt wird der Gasometer Oberhausen in diesem Jahr. Und vor 25 Jahren wandelte sich der einstige Industriegigant vom Gasbehälter zur Kathedrale der Kultur. Er belebt seither mit spektakulären Ausstellungen und Events die Kulturlandschaft des Ruhrgebiets. Als Wahrzeichen des Reviers reicht seine Ausstrahlung weit über die Region hinaus.
Aus Anlass dieses doppelten Jubiläums erscheint ein Band, der die unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte des einzigartigen Denkmals mit faszinierenden Bildern und vielen O-Tönen nachzeichnet.
In Betrieb genommen wurde das 117,5 Meter hohe Meisterwerk der Ingenieurbaukunst am 15. Mai 1929 als gigantischer Gasbehälter für die Kohle-, Stahl- und Chemieindustrie. Sein zweites Leben begann 1994 als einzigartige Ausstellungshalle und Raum für spektakuläre Events. Über acht Millionen Menschen besuchten seither die Inszenierungen in dieser „Kathedrale der Industriekultur“. Der vorliegende Bildband ist ein Rückblick auf die beispiellose Erfolgsgeschichte des Industriegiganten, der heute Wahrzeichen des Ruhrgebiets und, seit 25 Jahren ohne städtische Zuschüsse betrieben, ein bedeutsamer Bestandteil der Kulturlandschaft NRWs ist. Faszinierende Bilder zeigen die beeindruckende Industriearchitektur des Gasometers und die gelungene Verbindung des Raumes mit den schöpferischen Kräften innerhalb der verschiedenen Ausstellungen. Wegbereiter, Architekten, Künstler, Wissenschaftler und Kuratoren, die an der Umgestaltung und Entwicklung mitgewirkt haben, kommen in den begleitenden Texten zu Wort.
„Für alle, die die Ausstellungen gesehen haben, ist dieses Buch ein wundervolles Wiedersehen. Den anderen macht es Lust auf einen Ort, der einzigartig ist.“, so Jeanette Schmitz.
„DER BERG RUFT“ heißt die aktuelle Ausstellung. Sie zeigt – verlängert noch bis zum 27.10.2019 – die Vielfalt der Berge und erzählt von der ewigen Faszination, die diese imposanten Welten in kargen Höhen und dünner Luft auf uns Menschen ausüben. Die Ausstellung läßt ihre BesucherInnen teilhaben an den legendären Erstbesteigungen, mit der Menschen den Bergen begegnen; denn sie waren stets auch Orte religiöser Verehrung, der Zuflucht und Besinnung in Abgeschiedenheit, voller Mythen und Geheimnisse.
Höhepunkt der Ausstellung im 100 Meter hohen Luftraum des ehemaligen Gasbehälters ist eine monumentale Nachbildung des Matterhorns, die den legendären Berg anhand modernster 3-D-Projektionen im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten eindrucksvoll in Szene setzt.
Weitere Informationen zum Gasometer, seiner Geschichte und den Ausstellungen bietet die Zuhause-Seite GASOMETER.de
Alle Bilder der aktuellen Ausstellung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN
Wo waren die ganzen Männer? Beim Fußball, am Stammtisch, oder waren das alles schon Witwen auf dem Foto? Für damalige Verhältnisse eine Ansammlung ungewöhnlich vieler Frauen in der deutschen Öffentlichkeit, die auf den Plätzen der Stadt meistens den Männern vorbehalten war. 1:10 das Verhältnis von Mann zu Frau. Von dieser Frauenquote können wir heute nur träumen. Doch sicher täuscht die Momentaufnahme öffentlichen Lebens in meiner Heimatstadt Wesel gegen Ende der 70er Jahre. Vielleicht waren die Jungs gerade bei einem sonntäglichen Umzug des Schützenvereins. Oder die Damen auf dem Foto waren die Anghörigen des Männergesangvereins. Nach so langer Zeit weiß ich das nicht mehr genau.
Im Rahmen der JüdischenKulturTage Rhein-Ruhr präsentiert die Stadt Düsseldorf eine Fotoaustellung im Alten Rathaus.
Dass in den 1930er und 1940er Jahren in Haifa und an den Hängen des Berges Carmel eine bemerkenswerte Vielfalt an modernistischer Architektur im Internationalen Stil entstand, ist heute weitgehend unbekannt. Zu stark ist die Aufmerksamkeit auf Israels „Bauhaus-Stadt“ Tel Aviv fokussiert.
Stephanie Kloss`Fotografien zeigen mit hohem ästhetischen Anspruch die Bauten der Haifaer Moderne in ihrer skulpturalen und charakteristischen Formensprache, die die Aufbruchstimmung jener Epoche verkörpern und sich den Zeichen der Zeit widersetzen.
Alle Fotografien der Ausstellungseröffnung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN
Weitere Informationen zu den JüdischenKulturTagen Rhein-Ruhr finden Sie hier
Zwei Fotografen, zwei Flüsse: Die Ausstellung „Two Rivers“ präsentiert die wichtigsten fotografischen Werkgruppen des deutschen Künstlers Joachim Brohm und des US-Amerikanischen Fotografen Alec Soth. In einer Weltpremiere vereint die Ausstellung Werke aus insgesamt zehn Serien, unter anderem Alec Soth’ Hauptwerk „Sleeping by the Mississippi“ und Joachim Brohms berühmte „Ruhr“-Serie.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Alec Soth’ Serie „Sleeping by the Missisippi“ und Joachim Brohms Serie „Ruhr“, die beide Menschen an der Peripherie des Flusses porträtieren. Brohm, der an der Folkwang Hochschule studierte, ist bildender Künstler, der sich mit dem Medium der Fotografie ausdrückt. Soth steht als lyrischer Dokumentarfotograf in der Tradition von Robert Frank, Stephen Shore und Joel Sternfeld. Was die beiden verbindet, ist ein dokumentarisch-künstlerischer Blick, der sie als sensible Dokumentaristen ihres sozialen Umfeldes ausweist. Die Ausstellung versammelt insgesamt zehn Werkgruppen der beiden Fotografen, neben den bekannten Serien an der Ruhr und am Mississippi werden weltweit zum ersten Mal auch Joachim Brohms seltene Porträts und ein neues Werk von Alec Soth gezeigt.
Alec Soth gehört seit seinem ersten Hauptwerk „Sleeping by the Mississippi“ aus dem Jahre 2004 zu den wichtigsten Fotografen der internationalen Fotoszene. Soth ist bildender Künstler, Magnum-Fotograf, Blogger, Verleger und Pädagoge. Er erforscht die vielen verschiedenen Formen der Fotografie und wie sie sich in der Welt präsentieren. Als lyrischer Dokumentarfotograf – in der Tradition von Robert Frank, Stephen Shore und Joel Sternfeld – sieht sich Soth in erster Linie als amerikanischer Fotograf. Die Landschaften der USA, der majestätische Mississippi, die donnernden Niagarafälle, die weiten und offenen Wüsten, die kleinen Städte und Vororte: Alle haben die Struktur und den Rahmen für seine poetischen Studien über das amerikanische Leben geschaffen.
Joachim Brohm ist bildender Künstler, der sich mit dem Medium der Fotografie ausdrückt und maßgeblich an der Entwicklung der Fotografie als Kunstform seit den 1980er Jahren beteiligt war. In seiner ersten, international viel beachteten Serie „Ruhr“ (1980-1983) dokumentierte er das Freizeitverhalten der Menschen am Ufer der Ruhr. Brohm gehört neben den Fotografen der Düsseldorfer Fotoschule zu den wichtigsten Fotokünstlern in Deutschland. In seinen oft dokumentarisch geprägten Arbeiten setzt er sich vor allem mit den Strukturen der Stadtentwicklung und der Stadtperipherie – mit allen sozialen, soziologischen, ökonomischen und kulturellen Implikationen – auseinander. Künstlerisch ausgebildet und geprägt wurde er an der Folkwang Hochschule in der Tradition von Otto Steinert und Michael Schmidt, aber auch durch sein Fulbright Stipendium an der Ohio State University, an der er Fotografie bei Allan Sekula studierte.
Wie ein Lichtzelt wirkt der neue grell weiße Raum im Erdgeschoss des Kunstpalast, in dem das Museum die Arbeiten von der in Düsseldorf lebenden Künstlerin präsentiert. Im „Raum 1“, wie Generaldirektor Felix Krämer und seine KollegInnen den neuen Ausstellungsraum nennen, waren vor dem Umbau die Kasse und der Museumsshop untergebracht. Die Werke der Künstlerin Pia Fries, die zumeist auf weiß grundierten Tafeln gearbeitet sind, fügen sich fast nahtlos in das Blickfeld der BesucherInnen ein und wirken dadurch trotz extensiver Materialigkeit leicht und bewegt.
Unter dem Titel FABELFAKT widmet sich erstmals in Düsseldorf eine umfangreiche Einzelausstellung dem Schaffen von Pia Fries (*1955). Einige Werke der Künstlerin, die ihr Malereistudium als Meisterschülerin bei Gerhard Richter abschloss, werden erstmals öffentlich gezeigt. Die 65 ausgestellten Arbeiten aus sieben verschiedenen Werkgruppen stammen aus den letzten 20 Jahren.
„Ich freue mich, dass wir mit dieser Ausstellung die seit mehr als dreißig Jahren in Düsseldorf lebende und arbeitende Schweizer Künstlerin Pia Fries zeigen können.“, betont Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast. „National und international wurde ihr Werk bereits an vielen Orten gezeigt, wobei die Präsentation im Kunstpalast ihre erste Museumsausstellung in Düsseldorf ist. Es ist zudem die erste Ausstellung, die sich dem engen Zusammenspiel von Grafik und Malerei im Oevre von Pia Fries widmet.“ „Ich freue mich sehr, dass ich in der Stadt, in der ich seit vielen Jahre arbeite und lebe, hier im Kunstpalast einen Einblick in mein künstlerisches Schaffen geben kann.“, betont Pia Fries.
Mit dem Ausstellungstitel FABELFAKT verweist die Künstlerin auf eine sich in ihren Gemälden wiederfindende Verschmelzung konträrer Ansätze. Ihre Malerei kann dichte Masse, flüssige Spur oder auch ein Spiel von Texturen, Fakturen und sich wiederholenden Formen darstellen. „Die Kunstvon Pia Fries zeichnet sich durch den direkten Einsatz der Farbe, die Freude am Experiment und die Suche nach neuen, widerständigen Formulierungen aus.“, erklärt Gunda Luyken, Kuratorin der Ausstellung. „Als ein bedeutender Gegenpol zur Malerei dient der Künstlerin die Grafik.“ Fries arbeitet häufig mit Siebdruck, um Fragmente historischer Druckgrafik von ganz unterschiedlichen Vorbildern wie Maria Sibylla Merian, Hendrick Goltzius oder Stefano della Bella für ihre Malerei zu nutzen. Ihre kraftvollen und skulptural anmutenden Bilder oszillieren nicht nur zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, sondern hinsichtlich ihrer kunsthistorischen Referenzen auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
„Die Bildwelten von Pia Fries spiegeln stets das Prozesshafte ihrer Arbeiten wider, die Verwandlung und Weiterentwicklung von Abbildungszitaten.“, hebt die Co-Kuratorin Melanie Grimm hervor. „Ihre Werke sind niemals eindeutig, sie sind bewusst konstruierte Hybride aus Grafik und Malerei, die Illusionsräume und körper schaffen. In ihnen zeigt sich nicht nur das assoziative Potenzial der Fragmentierung, sondern auch das dynamische Zusammenspiel von grafischer Linie und pastoser Farbe.“ Im malerischen Prozess wird die Farbe von Fries gerüttelt, gerührt, geknetet, gequetscht, geschlagen, zerschnitten, abgekratzt oder ausgestochen. Sie nutzt Spachtel, Messer, Bürsten, Malrechen und Pinsel, um die Farbe mit Strukturen zu versehen oder stellenweise abzukratzen. Sie vermischt die Farbtöne in Schlieren und Wirbeln. Gelegentlich lässt sie auch Bildebenen durch lasierenden Farbauftrag schimmern. Ihr Bildträger ist vielfach die weiß grundierte Holztafel oder das Papier.
Die Ausstellung beginnt mit der Serie parsen und module von 1999, in der erstmals Fries‘ Interesse an sich wiederholenden Strukturen sichtbar wird. Es folgt die Werkgruppe merian, die von den Arbeiten der gleichnamigen Naturforscherin und Künstlerin inspiriert ist. Im Kapitel der name der farbe reagiert die Künstlerin mit ihrer Malerei auf Siebdrucke, die eigene Farbskulpturen oder farbige Kreppbänder zum Thema haben. In weisswirt und maserzug richtet sich daskünstlerische Interesse von Pia Fries auf den Bildträger Holz und das Linienspiel in dessen Maserungen. Die Gruppe seewärts zeigt ihre Auseinandersetzung mit den malerischen Radierungen des italienischen Barockkünstlers Stefano della Bella sowie mit der Linienführung des Kupferstechers Hendrick Goltzius. Die Beschäftigung der Künstlerin mit Goltzius dauert bis heute an. In der Werkgruppe corpus transludi widmet sich Fries seinen „Himmelsstürmern“, während die unter aussicht und passage zusammengestellte Bilderfolge um seine berühmte Herkules-Figur kreist und den Abschluss der Ausstellung bildet.
Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN