Auf der kürzesten, wenngleich sehr beeindruckenden Kunstmeile des Reviers, dem Dellviertel in Duisburg, findet man neben dem bekannten filmforum auf dem Dellplatz die von Gerhard Losemann betirebene Galerie DU-ART. Diesen Sommer präsentiert Losemann innerhalb seines vertauten Formats „DU/ART-Stiftung Künstlernachlässe“ die Arbeiten von vier FotografInnen. Wir erfahren vier unterschiedliche Themen in vier unterschiedlichen Sprachen der Fotografie: eiskalte Landschaften, Abstraktionen einer Arktis-Reise von Britta Lauer, vergessene Industrie-Orte, die sich ducrh Vernachlässigung renauturieren von Bernd Kritz, abstrahierte Industrie-Details von Maschinen und Produkten von Hartmut Müsseler und Karl Langs (*1932 †2021) „Mars-Landschaften“ aus der Atacama-Wüste Argentiniens kombiniert mit Menschen-Begegnungen aus China.
Kurator Gerhard Losemann im Gespräch mit Gästen auf der Ausstellungseröffnung in der Duisburger Galerie DU/ART
Außen-/Innenansicht der Galerie am Dellplatz in Duisburg
Donnerstags und freitags ist die Galerie zwischen 18:00 und 20:00 Uhr geöffnet. Auf den jeweiligen Zuhause-Seiten von zwei der austtellenden KünstlerInnen finden Sie mehr Informationen über ihre Biografie und ihr Werk.
Der NEWSROOM des LWL-Museum bietet folgenden Text zur Ausstellung:„Fast täglich sehen wir seit 2022 Bilder von Zerstörungen und Angriffen durch die russische Armee, aber Bilder aus Russland selbst sind weitaus seltener. Dafür gibt es viele Gründe, unter anderem die Schwierigkeit, in einem repressiven Umfeld zu arbeiten. Heitmann porträtiert ein Land, geprägt von einem viertel Jahrhundert unter Putins Herrschaft, in dem das Regime alles getan hat, um den Krieg zu verbergen“, erklärt Andreas Suermann, stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe. Und LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger ergänzt: „Nanna Heitmann gibt Einblicke in verborgene Welten. Ihre Bilder lenken den Blick auf die Menschen im Krieg. Sie zeigen Verlust, nationalistische Begeisterung, Spaltung, Wahn, Stolz und Trauer.“
Am 24. Februar 2022 fotografierte Nanna Heitmann die ersten russischen Panzer in der Ukraine. Ihr Foto auf dem Titel des „Time Magazine“ wurde weltberühmt. Seitdem dokumentiert Heitmann den Kontrast zwischen dem realen Geschehen im Krieg und dessen verzerrter Wahrnehmung in der russischen Gesellschaft. Die Ausstellung „Krieg und Frieden“ im historischen Gebläsehaus der Henrichshütte zeigt knapp 50 großformatige Arbeiten, entstanden in den Jahren 2018 bis 2023, größtenteils in Russland und teilweise in der Ukraine.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Fotografien zweier Reisen Heitmanns: einer im Jahr 2018 durch Sibirien und einer späteren Reise, schon in Zeiten des Krieges, in entlegene Winkel Russlands. „Zusammen gesehen lassen sie uns dieses Land ganz und gar entdecken – seine Schönheit, seine Gefahren, seinen Schmerz und seine Lügen“, schreibt Roger Cohen, Kolumnist der New York Times, in einem Text zur Ausstellung. Weiter heißt es dort: „Heitmanns Fotografien stellen die Kernfrage: Wo lauerte in der Abgeschiedenheit und Einsamkeit von vor sechs Jahren die Saat für die militaristische Hysterie, die so vielen jungen Ukrainern und Russen das Leben gekostet hat?“
Nanna Heitmann, geboren 1994 in Ulm, lebt in Moskau. 2019 wurde sie für den MAGNUM-Award nominiert und ist seit 2023 Mitglied der renommierten Foto-Agentur. Mit ihrer Arbeit zu Russlands Krieg für die New York Times wurde Heitmann Mitte Mai als eine von zwei Finalistinnen für den Pulitzer-Preis nominiert. Im Februar 2022 war sie für ein Langzeitprojekt über Menschen und ihre Lebensweisen in Russland unterwegs in der Ost-Ukraine, als die Panzer kamen. „Viele Russinnen und Russen leben seither in einer alternativen Realität. In ihr kämpft die russische Armee in der Ukraine gegen den ‚kollektiven faschistischen Westen'“, so Heitmann.
Alle Informationen über die Ausstellung in Hattingen finden Sie auf der Zuhauseseite des Museums hier.
Rechtzeitig vor den bevorstehenden Sportevents in der Metropole an der Seine sind wir wieder zurück und ich kann, beseelt durch vielfältige Inspiration, folgende Bildberichte ankündigen:
Begegnungen in PARIS
Van Gogh war hier – Maison de santé Saint-Paul
VAN GOGH AND THE STARS – 78 KünstlerInnen & Vincent van Gogh in ARLES
Der Himmel über der PROVENCE
Ein Rundgang im gar nicht kleinen PETIT PALAIS in Paris
Der Einladung des Amts für Kommunikation der Landeshauptstadt Düsseldorf folgten am 26. März die MedienvertreterInnen in das Foyer der gemeinnützigen Kulturinstitution „Bilker Bunker“ in Düsseldorf-Bilk. Ein passender Ort für die Vorabinformationen der jährlichen Düsseldorfer Kulturveranstaltung, in der der „Bilker Bunker“ in diesem Jahr erstmals auch vertreten ist. Die unkaputtbare Architektur an der Aachener Straße 39 aus dem Jahre 1944 war inspirierende Kulisse und Vorgeschmack auf zahlreiche Orte der Begegnung im Rahmen der NACHT DER MUSEEN. Neben den großen Kultur-Schauräumen der Stadt werden am 27. April, von 19 bis 2 Uhr, insgesamt über fünfzig Museen, Galerien und Sonderlocations teilnehmen. Die VeranstalterInnen wollen bestenfalls den Rekord vom Vorjahr mit über 25.000 BesucherInnen übertreffen.
Jessica Jacobi vom Bilker Bunker, Miriam Koch, Beigeordnete für Kultur und Integration, Daniel Tobias Etzel (v.l.n.r.), Geschäftsführer k/c/e Marketing GmbH
Der Pressedienst der Landeshauptsadt Düsseldorf hat auf seiner Zuhause-Seite einen Text zur Düsseldorfer NACHT DER MUSEEN mit umfangreichen Informationen und eine Liste der teilnehmenden Institutionen hier veröffentlicht.
Detailinformationen zur „Kultur im Mondschein“ finden sich auf der exklusiven Zuhause-Seite unter dieser Adresse.
Ausstellungsansicht der aktuellen Präsentation im Bilker Bunker: Zwischenwelten – Dialog der Dimensionen
Nach umfänglicher Neugestaltung des Bunkers dient der ehemalige Schutzraum seit 2023 als geschützter Raum für experimentelle Kunst- und Kulturformate.
Der Düsseldorfer KUNSTPALAST präsentiert Craggs raumfüllende Skulpturen zum Begreifen mit allen Sinnen – Ausstellung vom 22. Februar bis 26. Mai 2024
Begreifen – im doppelten Sinne des Wortes Bedeutung – erwünscht.
Der englische Bildhauer Tony Cragg (*1949, Liverpool) und der Museumsdirektor Dr. Felix Krämer bezeichnen die aktuelle Ausstellung im Düsseldorfer KUNSTPALAST als ein Experiment. Entgegen musealer Gepflogenheiten werden Craggs etwa 30 raumfüllende Skulpturen dem Publikum uneingeschränkt dargeboten: Erfahren, erfassen, begreifen – alles im doppelten Wortsinn – ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Die BesucherInnen sind aufgefordert, tradierte Hemmungen in Form von Berührungsängsten zu überwinden und gegenständliche Kunst mit allen Sinnen zu erleben.
BesucherInnen ertasten das Material der Tony Cragg Skulpturen und erfahren dadurch mehr.Ein wacher und neugieriger Tony Cragg vor seinem Werk WAVE von 2022.
„Es sind unsere Wahrnehmungen von materiellen Formen, die für die Entstehung unserer Gefühle, Gedanken und Ideen grundlegend sind.“
Tony Cragg, 2019
Die von Cragg verwendeten unterschiedlichsten Materialien lassen die verschiedensten physischen Eigenschaften erspüren. Man erfährt Glätte und Rauheit und Stumpfheit, Kälte und Wärme, und so provozieren die plastischen und stofflichen Eigenschaften der Oberflächen subjektive Assoziationen, die den Museumsbesuch zu einer Phantasiereise werden lassen. Die farblosen weißen Wände der monumentalen Ausstellungssäle geben den nötigen Raum für eigene Interpretationen.
Die großen Hallen des KUNSTPALAST laden zum Parkour ähnlichen Rundgang.
Zum Schluss des Rundgangs durch die Präsentation passieren die BesucherInnen Tony Craggs nachgebautes Atelier. Hier sind Originalutensilien des Künstlers ausgelegt, die Einblicke in seine Arbeits- und Denkweise geben. Aber Achtung, denn hier gelten wieder die üblichen Regeln für einen Museumsbesuch: don’t touch – nicht anpacken!
Originalutensilien des Plastikers Tony Cragg – Nachbau seines Ateliers.
Alle meine Fotografien der Ausstellungsvorbesichtigung liegen in den SCHUBLADEN meines Archivs, genau hier.
Die Zuhause-Seite des KUNSTPALAST bietet umfängliche Informationen sowie Bildmaterial zur Ausstellung.
Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum präsentiert die Wege der Abstraktion 1920 bis heute noch bis zum 1. September 2024
Der Wuppertaler Kunstförderer und Mäzen Eberhard Robke beäugt Werke von Georg Baselitz und Markus Lüpertz.
Der Titel der Ausstellung „NICHT VIEL ZU SEHEN“ hält nicht, was er verspricht. Und das ist gut so. Die Einladung zur Presse-Vorbesichtigung in Wuppertal versprach dagegen die Präsentation zahlreicher abstrakter Werke bildender Kunst und hielt dieses Versprechen auch ein. Obendrein animierten die Kuratorin der Ausstellung Dr. Beate Eickhoff und der Museumsdirektor Dr. Roland Mönig die versammelten MedienvertreterInnen zum Parkour ähnlichen Rundgang durch die zehn unterschiedlich großen Ausstellungssäle geradezu in einer Endlosschleife. Man solle sich einlassen auf die zahlreichen Beispiele künstlerischer Abstraktion, um so die eigenen Organe der Wahrnehmung zu schärfen. Die Kuratorin beschrieb die drei Pole der abstrakten Kunst als 1. das Loslösen vom Realismus, 2. die Visualisierung des Ungegenständlichen und 3. die emotionslose Konzentration auf die Form, die Farbe und die Komposition, sozusagen als die Konkrete Kunst.
Am Kopf der großen Runde präsentieren Dr. Roland Mönig, Museumsdirektor, und Dr. Beate Eickhoff, Kuratorin, den MedienvertreterInnen die Ausstellung.
Bei meiner eigenen fotografischen Arbeit versuche ich, formale Ästhetik durch Reduzierung und Abstraktion von Räumen und Flächen und Farben zu erreichen. Das lenkt den Blick der Betrachtenden schnörkelloser auf Wesentliches. Dadurch schaffe ich einen klaren und verständlicheren Akzent der Sprache Fotografie. Für diese Arbeitsweise dienen mir die gegenständlichen und figürlichen Bilder weniger zur Inspiration, als die streng grafischen und abstrakten Werke. Zwei fotografische Arbeiten – von Hans-Christian Schink und Claus Goedicke – verdeutlichen eine vergleichbare Arbeitsweise und fügen sich so gut in die etwa 90 anderen Werke der Malerei und Grafik und die sieben Skulpturen.
Zwei fotografische Arbeiten von Hans-Christian Schink aus seiner Reisebilder-Serie Vietnam von 2005Links im Bild fie Fotografie von Claus Goedicke.
In der aktuellen Sammlungspräsentation des Von der Heydt-Museum steht die Abstraktion im Fokus: von der klassischen Moderne bis hin zu heutigen Tendenzen der ungegenständlichen Malerei. Hauptwerke bekannter KünstlerIinnen sind genauso zu sehen wie lange verborgene Kostbarkeiten aus den Depots. Eine Reihe von Neuerwerbungen aus den vergangenen Jahren wird erstmals überhaupt ausgestellt. Insgesamt präsentiert die Schau rund 90 Werke, davon sieben Skulpturen.
Ausstellungsansicht bei der Pressevorbesichtigung
Die abstrakte und gegenstandslose Kunst entstand Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Bewusstsein heraus, dass Malerei und Skulptur mehr können, als die Dinge, die man sieht, abzubilden. Abstraktion stand ab den 1920er Jahren auch für Fortschritt, Modernität und gesellschaftspolitische Revolution. Sie bedeutete einen Bruch mit allen formalen Konventionen. Dass das Feld der Möglichkeiten auch im 21. Jahrhundert noch längst nicht erschöpft ist, zeigen die Positionen aktueller Kunst in der Ausstellung.
Viel beachtete Farblithografie von Wassily Kandinsky von 1923
Der Vollständigkeit halber im Nachfolgenden die ausgestellten KünstlerInnen alphabetisch: Michael Argov, Hans Arp, Olle Baertling, Georg Baselitz, Willi Baumeister, Daniel Behrendt, Roger Bissiere, Sandro Chia, Emil Cimiotti, Jo Delahaut, Jean Dubuffet, Ulrich Erben, Max Ernst, Jean Fautrier, Günther Förg, Pius Fox, Raimund Girke, Claus Goedicke, Bruno Goller, Kuno Gonschior, Katharina Grosse, Marcia Hafif, Toulu Hassani, Bernhard Heisig, Christian Hellmich , Karl H. Hödicke, Hans Hofmann, Franziska Holstein, Adolf Hölzel, Wassily Kandinsky, Per Kirkeby, Konrad Klapheck, Paul Klee, Norbert Kricke, Daniel Lergon, Markus Lüpertz, Joseph Marioni, Georges Mathieu, Ulrich Meister, Georg Meistermann, Jean Metzinger, Francois Morellet, Wilhelm Morgner, Georg Muche, Ernst Wilhelm Nay, Moritz Neuhaff, Frank Nitsche, Richard Oelze, Driss Ouadahi, Amedee Ozenfant, A. R. Penck, Serge Poliakoff, Mario Prassinos, Neo Rauch, Jean-Paul Riopelle, Judith Rothschild, Hans-Christian Schink, Oskar Schlemmer, Emil Schumacher, Jessica Stockholder, Yves Tanguy, Antoni Tapies, Peter Tollens, Tatjana Valsang, Winfied Vimich, Comelius Völker, Hannsjörg Voth, Andreas von Weizsäcker, Friedrich Werthmann, Fritz Winter und Ossip Zadkine.
Kunstförderer und Mäzen Eberhard Robke und Museumsdirektor Dr. Roland Mönig wirken zufrieden im Gespräch.
Alle meine Fotografien der Ausstellungsvorbesichtigung liegen in den SCHUBLADEN meines Archivs, genau hier.
Die Zuhause-Seite des Von der Heydt-Museums bietet umfängliche Informationen sowie Bildmaterial zur Ausstellung.
Düsseldorfer KUNSTPALAST zeigt große Fotografie – vom 1. Februar bis 20. Mai 2024
Kuratorin Linda Konze, Leitung Fotosammlung KUNSTPALAST Düsseldorf, und Generaldirektor KUNSTPALAST Felix Krämer präsentieren der Presse die Fotoausstellung SIZE MATTERS – Größe in der Fotografie.
SIZE MATTERS ? – frei übersetzt etwa „Größe spielt eine Rolle“, weckt als Titel der aktuellen Fotografie-Ausstellung im KUNSTPALAST in Düsseldorf meine Neugier und lässt gleichermaßen ein paar Fragen aufkommen: Welche Bedeutung hat die Größe einer Fotografie? In welchem visuellen Genre, außer bei Außenwerbung und hinweisgebenden Plakaten im öffentlichen Raum, ist Größe einer Fotografie auch wichtig? Welche Größe ist eigentlich gemeint: Bildgröße, Dateigröße, Abbildungsgröße, Größe im Sinne von Wert oder Selbstwert?
Beim aufmerksamen Rundgang durch die Ausstellung finde ich durchaus Antworten auf meine Fragen und lerne dabei, dass Größe nur im Verhältnis entsteht. Begrifflichkeiten kommen mir in den Sinn wie: Vergrößerungs- und Abbildungsmaßstab, Skalierung, Kamera- und Bildformat, Bildwinkel, Perspektive, Formatierung, Auflösung, Schnittweite, Brennweite, Bild- und Dingweite, Bits und Bytes, Datentransferrate. Doch letztlich geht es bei allem auch um den Betrachtungsabstand und somit um meine subjektive Wahrnehmung. Diese ist unabhängig von allen möglichen Parametern verantwortlich für meine persönliche Bewertung und mein persönliches Verständnis eines betrachteten Bildes. Für meine Seh- und Sichtweise. Dafür bietet die Ausstellung ausreichend Impulse.
Auch ohne fundierte Kenntnisse der physikalischen Optik und der Grundlagen der Fotografie lässt sich die Arbeit der Kuratorin Linda Konze unterhaltend begreifen. Von zirka fünfzig KünstlerInnen finde ich 187 Werke, die ich nicht nur visuell auf ihre „Größe“ abklopfen kann.
Mein Bildbericht vom Rundgang durch die Schausammlung des grunderneuerten Kunstpalasts in Düsseldorf
Die Hauptverantwortlichen v.l. oben im Uhrzeigersinn: Felix Krämer (2.v.l.), Generaldirektor Kunstpalast, Architekt Joachim Sieber, Sieber Architekten, Co-Kuratorin Felicity Korn (rechts), Moderne Kunst Kunstpalast und Dr. Stephan Keller (Bildmitte), Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf anl. der Vorbesichtigung für MedienvertreterInnen am 16. November 2023.
Kein Exponat, aber um so wichtiger für die neue Geometrie im Hause Kunstpalast: die zwei zusätzlich gestalteten Treppen ermöglichen neuerlich einen RUND-Gang, der seinen Namen auch verdient. Sie gestatten es, die beiden Gebäudeteile des Kunstpalastes – den Sammlungsflügel und den Ausstellungsflügel – in einer Richtung über zwei Etagen zu durchlaufen. Ein langer Weg, Felicity Korn empfiehlt bequemes Schuhwerk: von rund 130.000 Objekten, die der Kunstpalast besitzt und verwahrt, werden etwa 800 Werke aus elf Jahrhunderten gezeigt. Der chronologische Rundgang durch 49 Räume schlägt einen Bogen von der Kunst des Mittelalters über die Sammlungsschwerpunkte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwartskunst.
Die äußerst attraktive Gestaltung der einzelnen Räume mit ihren Werkgruppen lädt alle BesucherInnen zum Dialog mit der Kunst von bekannten und weniger bekannten KünstlerInnen ein. Der regelmäßig kostenfreie Eintritt jeden ersten Donnerstag im Monat und weitere kostenfreie Veranstaltungen könnten in der Tat auch GelegenheitsbesucherInnen auf die 5000 Quadratmeter Ausstellungsfläche im Kunstpalast locken. Das offene Museum könnte so ein Ort der Begegnung für alle Menschen werden, unabhängig von Alter und kunsthistorischer Vorbildung. Und in der hauseigenen Bar, die dem Künstlertreff der sechziger Jahre – dem Creamcheese – nachempfunden ist, böte sich ausgiebig Gelegenheit für nicht nur Kunst und Kultur bezogene Gespräche.
Zu einem visuellen Rundgang in Form von Fotografien lade ich herzlich ein, um vorab einen Überblick über das Ergebnis der aufwendigen Umbau-, Renovierungs, und Modernisierungsarbeiten zu geben. Hier geht es in die SCHUBLADEN meines Archivs.
Alle weiteren Informationen bietet die umfangreich gegliederte Zuhause-Seite des KUNSTPALAST.
Episoden der Erinnerung – Fotoausstellung im Rahmen der WESELER KULTURNACHT
Der Weg ins „Nachtigallental“
Bei meiner letzten Fotoausstellung im Weseler Rathaus unter dem Titel HEIM|KEHR – Meine Orte der Erinnerung, sprach mich eine Weseler Unternehmerin an und fragte, ob ich mir ein Ausstellungsprojekt mit ähnlicher Thematik zur Kulturnacht in Wesel vorstellen könnte. Lange zu überlegen brauchte ich nicht, ich war neugierig geworden und sofort bereit, ein weiteres spannendes Projekt zum Thema Erinnerungen zu arbeiten. Mit Margit Keunecke und Conny Barlag von der Firma Bestattungen KEUNECKE besprach ich in der Konzeption die nötigen Details für eine Fotopräsentation. Der Termin war sportlich gesetzt, vorgegeben vom WeselMarketing und der Stadt Wesel: Die Weseler Kulturnacht am 16. September 2023.
Der Laubbläser
Meiner Konzeption für die fotografische Projektarbeit lagen folgende Gedanken zugrunde: Unsere Lieben lassen uns nach ihrem Tod mit zahllosen Erinnerungen allein: Orte, Räume, Gegenstände und Begebenheiten lassen uns der Menschen gedenken, die uns fehlen. So entstehen gedankliche oder auch reale Leerräume. Oft schmerzliche, aber auch positive Erinnerungen helfen uns, Abschied zu nehmen. Immer wieder erhalten wir Impulse, unser Andenken wach zu halten, und wir können unsere LEER|RAEUME wieder füllen und beleben. Das hilft uns in unserer Trauer.
Die Lieblingsfarbe Royalblau
Nach vorsichtigem Annähern an die Hinterbliebenen verstorbener Weseler und Weselerinnen schlug mir in den Gesprächen mit ihnen sehr schnell eine unerwartete Offenheit entgegen. Obwohl ich für die meisten ein wildfremder Mensch war, erzählten sie mir nach anfänglichem Zögern von ihren persönlichsten Erinnerungen an ihre jeweiligen verstorbenen Lieblingsmenschen. In diesen Gesprächen entstanden die Bildmotive schon in meinem Kopf, und in Absprache mit den ProtagonistInnen konnte ich umgehend die unterschiedlichsten LEER|RAEUME fotografisch umsetzen.
Der Auedeich
Auf diese Weise entstanden über fünfzehn unterschiedlichste Motive, die ich in einer möglichst einheitlichen Bildsprache zu gestalten versuchte. Jedes einzelne Motiv ist in der Ausstellung mit einem Wandtext versehen, der den Titel der individuellen Erinnerung trägt und mit dem Namen der Hinterbliebenen und den Geburts- und Todesdaten der Verstorbenen versehen ist. Für Betrachtende werden die persönlichen Erinnerungen, die hinter den Bildmotiven stecken, auf individuelle Art weitererzählt, unabhängig davon, ob vielleicht der ein oder die andere WeselerIn bekannte Namen wiedertrifft.
Die Keksdose
Genauer Zeitpunkt und Ort der jeweiligen Veranstaltungen im Rahmen der Weseler Kulturnacht sind im Detail hier und hier zu erfahren.
An alle neugierigen FreundInnen der Fotografie und sonstige Interessierte möcht ich – hoffentlich nicht zu spät – auf eine immer sehenswerte Zeigung an der Universität der Künste in Essen hinweisen:
Große Jahresausstellung des Fachbereichs Gestaltung ab 23. Juni im Quartier Nord – Eröffnung am 22. Juni um 19 Uhr
Einblicke in aktuelle Arbeiten der Studiengänge Fotografie, Industrial Design und Kommunikationsdesign
Der Folkwang Rundgang findet im Quartier Nord am Campus Welterbe Zollverein an folgenden Terminen statt: Donnerstag, 22. Juni (19.00 bis 22.00 Uhr), Freitag, 23. Juni (12.00 bis 22.00 Uhr), Samstag 24. Juni (12.00 bis 22.00 Uhr) sowie Sonntag 25. Juni (12.00 bis 19.00 Uhr). Der Eintritt ist frei.
DIE GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG NRW DÜSSELDORF 2023 vom 4.6.-9.7.2023
Noch im Aufbau: DIE GROSSE NRW im Kunstpalast in Düsseldorf am Vortag der Eröffnung.
Die Förderpreisträgerin Lara Kaiser und der Kunstpreisträger Jan Kolata vor der Sonderedition „kleinerer“ Kolatas.
KUNSTPREIS DER KÜNSTLER 2023 FÜR JAN KOLATA
Jedes Jahr verleiht DIE GROSSE den Kunstpreis der Künstler. Der diesjährige Preisträger ist Jan Kolata. Sein Werk kann als Kompendium der Möglichkeiten der abstrakten Malerei gesehen werden. Kolatas große Formate entstehen auf dem Boden seines Lierenfelder Ateliers. Mithilfe von großen Pinseln, Boden- und Fensterwischern bearbeitet er in mehreren Schichten seine Bilder, die zwar komplex, jedoch nie unübersichtlich wirken. Mal ist der Duktus deutlich sichtbar, mal verschwindet die expressive Bewegung hinter einer monochromen Fläche. Auf der Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Systematik und Inspiration, Analyse und Emotion, Kalkül und Zufall, entwickelt Jan Kolata ein CEuvre, das die Vielfalt der Abstraktion offenbart und als Hommage an sein Medium aufgefasst werden kann.
LARA KAISER – FÖRDERPREISTRÄGERIN 2023
Was auf den ersten Blick sichtbar zu werden scheint, sind Räume. Ein Vorhang, ein einfacher Tisch in einem entleerten Raum, eine Zimmerecke, undurchsichtige Fenster oder Türen. Anschnitte alltäglicher Situationen werden Ausgangspunkt der Malerei. Oft bleibt vage, welcher Gegenstand gemeint ist, ist der Raum nur Anlass malerischer Vorgänge, die vielmehr das Licht betonen, Atmosphäre schaffen und den Blick in Bewegung setzen. Es geht um Dinge, die Sensibilität einfordern, die die Aufmerksamkeit auf die Eindrücke lenken, die in der Wechselwirkung zwischen Welt und Sehen entstehen und so in erster Linie die Elemente der Malerei befragen.
mein BILDBERICHT der Ausstellungsvorbesichtigung:
Nach vierzehn Jahren übergibt der „Cheforganisator“ Miachael Kortländer seinen Job an seinen Nachfolger. Dr. Emmanuel Mir, Kunstwissenschaftler und Leiter des Landesbüros für Bildende Kunst NRW, wird zukünftig für die Präsentation der GROSSEN in Düsseldorf verantwortlich sein. In diesem Jahr galt es mit der zehn-köpfigen Jury aus 1137 Bewerbungen 153 Arbeiten der KünstlerInnen für die Ausstellung im Kunstpalast in Düsseldorf heraus zu suchen. Dei Verkaufsausstellung lockt investitionskräftige Profis wie Sammlungsanfänger gleichermaßen – von ein paar hundert bis zu 65.000 Euro ist das Preisfenster geöffnet.
Unter dem Titel DAS KLEINE FORMAT zeigt der Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen e.V. in einer eigens dafür eingerichteten Verkaufsfläche ausgewählte, kleinformatige Arbeiten (max. 40×50 cm) in einem Preissegment bis 800 Euro inklusive Rahmen. Zum Erwerb direkt in der Ausstellung!
Um zukünftig auch bei der jüngeren Generation ein nachhaltigeres Kunstverständnis zu vermitteln kooperiert DIE GROSSE mit verschiedenen Nachwuchs-Institutionen: In diesem Jahr wurde die Akademieklasse Prof. Gonzalez-Foerster eingeladen, den vorgesehenen Bereich zu bespielen. Die Studierenden werden u.a. eine Soundinstallation präsentieren. Auch sind es wieder SchülerInnen des 12. Jahrganges des Bildungsganges Gestaltungstechnische/r Assistent/in AHR der Lore-Lorentz-Schule, die mit der Planung und Durchführung einer Kampagne für DIE GROSSE 2023 beauftragt wurden. Vom 13.-18.06.2023 werden die Ergebnisse im Atrium des Kunstpalast zu sehen sein. SchülerInnen des WIM-WENDERS-GYMNASIUMS der Einführungsphase, dem ersten Jahr der gymnasialen Oberstufe, haben einen nutzbaren Audioguide für DIE GROSSE selbst erarbeitet. Sie haben zwölf Künstlerinnen der Ausstellung ausgewählt, mit deren Arbeiten sie sich intensiv auseinandergesetzt haben. Die Kurztexte des Audioguides sind als Gedichte, innere Monologe, Dialoge oder als Interviews zu hören.
Erstmals in diesem Jahr findet man das Genre Fotografie sortiert in einem Raum.
Mehr Informationen zur GROSSEN finden Sie auf den Zuhause-Seiten der Veranstalter:
Ich freue mich auf die Präsentation meines jüngsten Projektes HEIM | KEHR in meiner Heimatstadt Wesel. Ab dem 14. April können zahlreiche Abbildungen meiner fotografischen Spurensuche im Rathaus der Stadt Wesel öffentlich besichtigt werden. Bis zum 11. August 2023 wird der Flur vor dem Büro der Weseler Bürgermeisterin mit meiner Arbeit beseelt sein. Das freut mich sehr, nicht zuletzt, weil die Präsentation meines Projektes in Wesel Sinn macht, in meiner Heimatstadt, in der ich fast vierzig Jahre gelebt und gearbeitet habe, und in der heute noch zahlreiche meiner Freunde leben. Mitte der Siebzigerjahre fing ich meine Ausbildung zum Fotografen an und machte meine ersten Gehrversuche mit der Kamera – ausgerechnet in Wesel.
Bildauswahl Wesel-Motive 1975-1980
Im Jahre 2019 erfuhr ich aus den Medien vom bevorstehenden Abriss der Weseler Niederrheinhalle. Zu diesem Zeitpunkt digitalisierte ich gerade den Nachlass meines schon im Jahre 2003 verstorbenen Vaters: über fünfzig Fotobücher mit tausenden Bildern aus den 20er Jahren bis etwa 1995. Somit war ich ohnedies auf höchst emotionalen Wegen in der Vergangenheit meiner Familie und somit auch zwangsläufig in meiner eigenen unterwegs.
Auswahl-Motiv Tafel #1
Diese beiden Ereignisse waren die Initialzündung für meinen Anspruch, aus meinen vielen Erinnerungen an Weseler Stätten, Landschaften und Ereignisse ein Fotoprojekt zu machen. Mit Bildern in der Niederrheinhalle wollte ich sofort beginnen. Ich erhielt auf Anfrage großzügige Unterstützung der zuständigen Weseler Behörden. Ehe ich aber mit der Kamera in die traditionsträchtige Festhalle konnte, wurde diese zum Impfzentrum umfunktioniert. So arbeitete ich zunächst viele andere Erinnerungen meiner Kindheit und Jugend in Wesel an verschiedensten anderen Stätten auf.
Skyline und Rheinbrücken Wesel, August 2022
Die Motive fanden mich im Rheinbad, in meinem ehemaligen Gymnasium, heute Amtsgericht, in meiner Grundschule, am Tennisplatz, am Sportplatz, an der Zitadelle, an den ehemaligen Kinos, im Lutherhaus , im Weseler Dom, am Bahnhof, an der Kaserne, auf den Rheinbrücken, weiterhin in verschiedenen Firmen, Kaufhäusern, Geschäften und anderen Institutionen. Überall traf ich Menschen, entweder zufällig oder verabredet, weil ich teilweise Genehmigung und Begleitung erfragen musste. So wurden aus der reinen fotografischen Arbeit auch hoch interessante Begegnungen.
Niederrheinhalle Wesel, März 2021
Eine der spannendsten Erlebnisse war dann noch zum Schluss ein paar Tage vor dem Eröffnungstermin der Fotoausstellung mein Wiedersehen des Inneren der Niederrheinhalle. Zahlreiche Umbauten und Sanierungen hatten vieles mittlerweile verändert, trotzdem erkannte ich die Geometrie einzelner Stätten wieder. Dadurch kamen auch die Bilder der Erinnerung wieder in meinen Kopf. Die im Kellergeschoß etablierte Hausbar, der Ort, der später als „Sektbar“ vielen in nicht immer ruhmreicher Erinnerung geblieben ist, war mittlerweile zum Abstellraum umgebaut. Die Theke war ausgebaut, aber Teile des ursprünglichen Linoleumbodens und ein Barhocker aus der Zeit der Siebzigerjahre waren noch da. Ich erinnerte mich nur allzu gut an die Zeit feuchtfröhlicher Schützenfeiern, bei denen ich mich mit anderen jugendlichen Freunden ein ums andere Mal die Treppe hinunter getraut hatte.
Großer Saal der Niederrheinhalle Wesel, Blick zur Bühne, April 2023
Ehemalige Sektbar im Keller der Niederrheinhalle Wesel, April 2023
Barhocker und Sektkühler aus der Sektbar der Niederrheinhalle Wesel (Siebzigerjahre)
Unter dem Dach des NRW-FORUM in Düsseldorf kommen die FotografieliebhaberInnen noch bis Mitte Mai 2023 voll auf ihre Kosten: drei FotokünstlerInnen zeigen ihre unterschiedlichen Sicht- und Sehweisen in Bezug auf zeitgenössische Fotoarbeit auf zwei Etagen des Düsseldorfer Vorzeigeraums für visuelle Kommunikation. Alex Grein (*1983), die Britin Alison Jackson (*1960) und der Düsseldorfer Andreas Gefeller (*1970) schaffen es mit ihren jeweiligen fotografischen Interpretationen, uns zum Nachdenken anzuregen, in wie weit das Jahrhunderte alten Medium Fotografie in der heutigen Zeit noch glaubwürdig ist.
Auf dem Podium bei der Ausstellungsvorbesichtigung am 2. März 2023 (v.l.n.r.): Alex Grein, ihre Kuratorin Sarah Jonas, Andreas Gefeller, seine Kuratorin Judith Winterhager, die Kuratorin von Alison Jackson Anke Degenhard und Alain Bieber, Chef des NRW-Forums
Die Antworten auf diese gemeinsame provokative Frage nach der Glaubwürdigkeit der Fotografie im Zeitalter von „Fakenews“ fallen je nach eigener Betrachtung unterschiedlich aus. Wir lernen gar selbst kritisch zu hinterfragen, welche Abbildungen in den visuellen Medien wahr und welche „fake“ sein könnten. Wir lernen bestenfalls auch, mit unseren eigenen Fotos mehr glaub- und sinnhafte Inhalte und Botschaften zu generieren. Vielleicht sogar gehen wir etwas sparsamer mit dem Teilen unserer Fotoproduktionen um und gehen dafür einmal mehr ins Museum. Im NRW-FORUM z. B. können wir dort – vor zum Teil großformatigen Bildkompositionen – uns ein Bild im Kopf machen, das unsere Urteilsfähigkeit der „Weltsprache Fotografie“ – wie es Anke Degenhard so schön formuliert – ein wenig schärft. Sollte uns das nicht gelingen, bleibt uns immer noch ein großartiges Seh-Erlebnis.
Im Folgenden ein paar Impressionen der Ausstellung als Appetit-Häppchen, sozusagen.
Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBALDEN meines Archivs genau hier.
Die Zuhause-Seite des NRW-Forums informiert hier über viele weitere Details zur laufenden Ausstellung.
Die Ölstudien aus dem 19. Jahrhundert in der Ausstellung im Kunstpalast in Düsseldorf lehren uns eine neue Sichtweise auf die Natur.
Die Erfindung schnell trocknender Ölfarben, die sich obendrein in Tuben außerhalb der Ateliers bequem mitnehmen ließen, gestatteten den Malern im 19. Jahrhundert, ihre Motive in der Natur lebendig – somit unkonventionell – in Malerei umsetzen zu können. Die Kleinformate, die die Künstler, sozusagen damals on location, auf Holz- oder Papptafeln malten, wirken teilweise fotorealistisch.
Die KuratorInnen Florian Illies und Anna Christina Schütz vertiefen kurzweilig das Thema im Ausstellungskatalog, den unter anderen Autoren auch der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk mit einem Interpretationsangebot zum Thema „Grauwerte am Himmel“ bereichert. Die 170 abgebildeten Werke von 75 Künstlern und einer Künstlerin zeigen uns nicht nur im Original an den Wänden des Museums, sondern auch im Katalog geradezu fotorealistische Details, die die Maler seinerzeit in den Fokus nahmen. So lernen wir Betrachtenden, die Natur mit anderen Augen, bestenfalls mit den Augen der Künstler neu zu begreifen. Und wir werden uns so eines Tages an vermeintlich Profanes, wie Bäume oder Wellen oder Wolken, nachhaltig erinnern und erfreuen können.
Die fehlende Signatur auf den Gemälden und die Tatsache, dass die meisten von ihnen unveröffentlicht in den Ateliers und Depots verblieben, belegen, dass die Künstler sie nur für den privaten Gebrauch malten. Sie bezeugen die Experimentierfreudigkeit der Maler und den Anspruch, handwerkliche Finessen ihres Malens zu trainieren. So könnte man diese nicht kommerziellen Werke durchaus auch als Fingerübungen bezeichnen, durch die wir mehr über die jeweiligen Künstler als über die Werke selbst erfahren können.
Die Ausstellung im Kunstpalast in Düsseldorf ist noch bis zum 7. Mai 2023 zu sehen. Danach wird sie in Lübeck ausgestellt.
Detailinformationen bietet, wie immer, die Zuhause-Seite des Museums. Der attraktive Ausstellungskatalog, der etwa 200 Seiten umfasst, ist im Museum rabattiert und kostet dort 36,00 Euro.
Alle meine Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs, genau hier.
Ich freue mich auf die Präsentation einiger meiner Bildmotive aus meinem Van Gogh-Projekt und einen informativen Vortrag von Natalia Gershevskaya, Kunsthistorikerin und Kuratorin, mit dem Titel „Vanitas – damals und heute“.
Karsten Enderlein vor seinen Stillleben, Foto: Stefan Schuster
Die sanierte Rheinkirche in Homberg, seit etwa zwei Jahren ein Friedhof für Urnengräber, ist am Sonntag, dem 12, Februar 2023, Schauplatz für eine Ausstellungseröffnung und einen Vortrag zum Thema Vanitas. Vanitas-Stillleben sind im Bereich der Bildenden Kunst ein Genre, dessen sich auch die Niederländischen Maler des 16. und 17. Jahrhunderts wie Breughel, Claesz und Adriaen van Utrecht bedienten, die damit auf die Vergänglichkeit und die Eitelkeit des Lebens hinweisen wollten. Bis heute arbeiten Maler aber auch Fotografen stille Motive zu den unterschiedlichsten Themen. Natalia Gershevskaya wird in ihrem Vortrag zum Thema einen Bogen schlagen von der Renaissance bis zur Postmoderne.
Hier finden Sie auf der Zuhause-Seite des Kolumbariums in Duisburg-Homberg weitere Informationen zur Veranstaltung.
Meine guten Wünsche zum Jahreswechsel haben eine lange Tradition. Sie sind auch Anlass, in vermeintlich ruhigeren Zeiten an alle die zu denken und sich derer zu erinnern, die auf dem mittlerweile umfangreichen Verteiler stehen. So sind die zwei Tage und Nächte vor Weihnachten, in denen meine Frau Martina und ich die Karten produzieren, ein ganz besonderes und emotionales Erlebnis.
1990: Die Erste. In meinem Fotografenleben gehört die Suche nach dem etwas anderen Bild zum Alltag. Die Suche nach Licht in der Dunkelheit ist ohnedies wichtiger Anspruch in der Fotografie. Gepaart mit einer gehörigen Portion Sentimentalität, gerade zur Vorweihnachtszeit, passieren dann Bilder in meinem Kopf, die in über dreißig Jahren etliche Motive haben entstehen lassen. Diese verschicke ich jährlich seit 1990 als Schmuckkarte mit den besten Wünschen zum Jahreswechsel an FreundInnen, KollegInnen und gute Bekannte.
Die letzte Energiekrise in den Siebzigerjahren war längst überstanden, die heutige noch lange nicht absehbar. Und so sparten die starken Männer der Stahlindustrie nicht mit Strom, als sie beschlossen, nahe der automatisiert produzierenden Kokerei den von der Betriebsleitung organisierten Weihnachtsbaum mit über zwanzig 100-Watt-Glühbirnen auszurüsten. Und die brannten auch tagsüber, wenn der Nieselregen der Kühlwasserwolken durch die Werksanlagen waberte. Größer konnte der Kontrast zwischen der monumentalen Stahlfabrik und dem Symbol des Weihnachtsfestes – dem Christbaum – nicht sein. Ich sah auf der Fahrt durch das Werk den Baum, wo ansonsten im kilometerweiten Umfeld kein Baum und Strauch zu finden waren, und dachte an die wenigen starken Arbeiter, die im Zeitalter der Industrialisierung und Automation noch harte Arbeit verrichteten, und diesen Baum an diese Stelle gestellt haben mussten und verfiel in eine rauschige Sentimentalität, als ich dabei an meine Kindheit unter dem jährlichen Weihnachtsbaum dachte. Ich war ja schließlich auch schon ein erwachsener starker Mann und hatte geglaubt, dass ich dieses vermeintlich kindliche Erlebnis nicht mehr brauchte. Aber dieser Baum an der Kokerei, den ich im Dezember 1990 entdeckte, überzeugte mich damals sofort, dass gerade auch wir Erwachsenen einen Anspruch auf das Symbol der immergrünen Tanne für Leben, Ausdauer und Überleben haben sollen. Und das gerade in einer Zeit, die auch schon in den Neunzigerjahren größte Anstrengung im Arbeitsleben forderte.
1991. Kein Stern über Bethlehem – dennoch ein Licht in der Finsternis.
1992. Auch das Feuer eines Schlackenabgusses kann zur Weihnachtsgeschichte werden.
1993. Im Jahre 1992 begann ich mein Fotoprojekt über Vincent van Gogh und war nachhaltig bewegt von dessen Leben und Wirken. So brachte ich auch das Diamantenmuseum in Amsterdam kurz vor Weihnachten in Schwung.
1994. Der Heilige Apostel Andreas war Namensgeber für x-förmige Kreuze, die uns heute vor Eisenbahnverkehr warnen. In der Nacht zum 30. November im Jahre 60 soll er an einem solchen Kreuz hingerichtet worden sein.
1995. Ein wärmendes Feuer in eisigen Dezembernächten bietet auch an der Sinteranlage Krippenatmosphäre.
1996. Auch in der Mechanischen Hauptwerkstatt gedenkt man der Geburt Jesu Christi.
1997. Sind das nicht die drei Weisen aus dem Morgenland unter dem Stern zu Bethlehem?
1998. Das achte und letzte Motiv aus der Duisburger Werkskulisse. An kalten Dezemberabenden in der blauen Stunde mit den sternförmigen Lichtern kam ich nie an Weihnachten vorbei.
1999. Ich wusste im heißen August an der Atlantikküste Frankreichs schon, warum ich an den Christbaumstand auf dem Weihnachtsmarkt im Dezember denken musste.
2000. Auch im Manhattan des Mittelalters, der toskanischen Türme-Stadt San Gimignano, fand ich einen Lichtblick für das bevorstehende Weihnachtsritual.
2001. Außer einer kurzfristigen Ehrfurcht vor dem störenden Fotografen war in der Ostsee-Werft bei den Arbeitern noch nichts von Weihnachten zu spüren.
2002. Ich glaubte schon lange nicht mehr an den Weihnachtsmann, als er mir in einem Parkhaus in Oslo ins Bild lief.
2004. Eisige Salzwinde waren gut für meine Inspiration, ausgerechnet auf Sylt an das ein oder andere Licht am Horizont zu denken.
2006. Alle Weihnachtseinkäufe erledigt?
2007. Oder warten wir in Südtirol schon im Sommer auf’s Christkind?
2009. Die erste gemeinsame Karte mit meiner Frau Martina. Jetzt erweiterte sich der Verteiler. Die Post hielt zumindest ihre Portokosten in diesem Jahr stabil.
2012. Der Text unserer Karte kollidierte etwas mit dem Motiv: So richtig kam keine Fröhlichkeit auf beim winterlichen Spaziergang durch den Hofgarten in unserer Landeshauptstadt, in dem auch Heinrich Heine schon lustwandelte.
2013. Schon für das Jahr 2014 wünschten wir FREIRÄUME im Denken. Die sollten für Kreativität im Handeln sorgen.
2014. Der Blick zum Himmel tut auch den Nichtheiligen, Nichtweisen und NichtkönigInnen gut.
2015. Von Afghanistan über die Krim bis Venezuela – Krieg und Krisen auf der ganzen Welt. Der Ölzweig sollte ein Symbol für Wunsch nach Frieden sein – ein frommer Wunsch.
2016. Unser Aufruf zu Entspannung und Gelassenheit in bewegten Zeiten.
2017. „Ein Sonnenstrahl reicht hin, um viel Dunkel zu erhellen.“ Frei nach Franz von Assisi wünschten wir LICHTBLICKE.
2018. Der richtige Weg bringt neue Erkenntnisse.
2019. Da wo nichts im Wege steht, nichts ablenkt, kann man lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist.
2020. Immer für einen guten Gedanken gut: ein Meer von Blumen, hier frei nach Vincent van Gogh.
2021. „Es kommt nicht darauf an, wie wir aussehen, es kommt darauf an, wie wir sind.“ Aus „So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche“ von Karl Ove Knausgård.
2022: Die Aktuelle. So viele Heizkörper-Bilder in den Medien gesehen. Und jetzt noch eins auf unserer Weihnachtskarte. Wenn das nicht die Kreativität fördert, die beim Sparen hilft. Und das Denken in unserer Zeit wirklich ändert, gar wendet.
Immer wieder bin ich auf der Suche nach dem etwas anderen Bild. Solange ich kann, werde ich weitersuchen und pünktlich zum Jahreswechsel versuchen, Impulse zu geben, um im nächsten Jahr die Welt zu verbessern.
k.e im Januar 2023
Alle Bildmotive meiner Grußkarten zum Jahreswechsel seit 1990 finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs genau hier.
„Jede Zeit hat ihre Aufgaben, und durch die Lösung derselben rückt die Menschheit weiter.“ aus „REISEBILDER“ von Heinrich Heine, deutscher Dichter, Journalist und Lyriker, *1797 †1856
Ich wünsche allen LeserInnen kreative Ideen, die Welt in 2023 zu verbessern.