SILENT SONG

Der Niederländische Fotokünstler Chris Keulen präsentiert den Bildband über seine Europa-Reisen

Chris Keulen präsentiert seinen neuen Bildband „SILENT SONG“ bei der Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung im Bureau Europa in Maastricht, Foto: © 2025 Karsten Enderlein

Mein Freund und Kollege Chris Keulen (*1959 in Heerlen) nutzte letzten Samstag die Ausstellungseröffnung seines Projektes „SILENT SONG“ für die Präsentation seines gleichnamigen Buches. Der niederländische Fotokünstler war in den letzten Jahren niemals auf der Suche nach Bildmotiven, sondern er ließ sich finden von einem Wandel, der das vermeintlich bekannte Europa auf neue Art beschreibt.

Auch die gerahmten Miniaturen wecken Begehrlickeiten bei den Gästen der Ausstellungseröffnung, Foto: © 2025 Karsten Enderlein

Chris Keulen war auf seiner Reise auch über die europäische Ostgrenzen hinaus, in Ländern, die uns so sehr vertraut nicht sind, wie unsere üblichen Reiseziele. Und dennoch vernehmen wir bekannte Motive, die uns nicht nur aus den täglichen Nachrichtensendungen bekannt sind. Manchmal fürchten wir, es könnte auch in unserer Nachbarschaft bald so aussehen.

Die Leiterin des Bureau Europa, Floor van Spaendonck, moderiert die Veranstaltung, Foto: © 2025 Karsten Enderlein

Chris‘ Fotografien sind größtenteils dunkle, traurige auch schmerzhafte Bilder, die eine Wirklichkeit beschreiben, die trotzdem auch zu unserer persönlichen Wahrheit dazugehört. Wir dürfen eben nicht vergessen, wie die Welt aussieht an Stellen, an die wir selber nicht gerne gehen. Sensibilisiert durch seine Zeitdokumente, die, wie in der Fotografie üblich, vielleicht schon Sekunden nach der Belichtung nicht mehr existieren und sich verändert haben, bleibt die Hoffnung, wir können selber zu einem Wandel mit beitragen, der unser Europa, bestenfalls unsere ganze Welt, wieder ins Gleichgewicht bringt.

Der übervolle Veranstaltungssaal zwingt die vielen Interessierten auf den Flur, Foto: © 2025 Karsten Enderlein

Gerade wegen seiner eindringlichen Bilder, die ein gewisses Ungleichgewicht in unserer Gesellschaft vermitteln, spüren wir den Willen, etwas verändern zu müssen. Chris nimmt uns trotz einer gewissen Schwermütigkeit in seinen Fotografien nicht die Hoffnung, dass wir es selbst in die Hand nehmen können, unsere Vorstellungen einer heilen Welt zu verwirklichen. Zu dieser Hoffnung passt ein Lied von Lale Andersen, welches Chris zu seiner Buchpräsentation den Anwesenden einspielte: „Ein Schiff wird kommen“ aus dem Jahre 1960. Handelt doch der Text auch vom Warten und Hoffen eines Mädchens aus Piräus, die ihre Träume erfüllen und ihre Sehnsucht gestillt wissen möchte.

Frisch gedruckt, soeben fertig, zum Verkauf bereit, Foto: © 2025 Karsten Enderlein

Die Fotoausstellung ist noch bis zum 25. Mai 2025 in Maastricht zu sehen. Detailinformationen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Bureau Europa.

Das Buch SILENT SONG erscheint im Eigenverlag, Informationen dazu bitte auf der Zuhause-Seite von Chris Keulen.

Alle meine Fotografien der Ausstellungseröffnung und der Buchpräsentation in Maastricht finden Sie in den SCHUBLADEN meine Archivs genau hier.

PALASTBLÜHEN

Florale Meisterstücke im Kunstpalast Düsseldorf nur für 10 Tage

Das stilisierte Farbspektrum an der Wand im Gemälde „15 systematische Farbreihen mit blauem Zentrum“ des Schweizer Künstlers Richard Paul Lohse aus den Jahren 1950/1967 wird durch das inszenierte Blumenarrangement aufgegriffen.

Vom 21. bis 30. März 2025 kann man im Düsseldorfer Kunstpalast den Frühling riechen: nasenbetäubender Duft erfüllt die großzügigen Räumlichkeiten des Museums, in denen in pfiffigen Arrangements 27 blumige Kreationen den Exponaten der Sammlung gegenüber stehen. Das frühlingshafte Wetter vor den Türen des Kunstpalast passt gut zum Rundgang durch die Räume. Seit Jahrhunderten bedient die Malerei das Genre der Blumenstillleben und erfreut Betrachtende mit zeitlosen farbenprächtigen Darstellungen in der Kunst. Doch erst zum zweiten Mal interpretieren Düsseldorfer FloristInnen mit ihren Blumenkreationen die Kunstwerke auf ganz unkonventionelle Art, „…. und das ist bundesweit einmalig!“ freut sich der Generaldirektor Kunstplast Felix Krämer. Die Sprache der Farbe ist international und beschallt so für alle verständlich das Innere der monochromen Backsteinarchitektur des Museums. Ein echter Genuß für alle Sinne, natürlich nur für kurze Zeit.


Alle Fotografien: © 2025 Karsten Enderlein, die komplette Bilderauswahl der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs hier.

Weitere Informationen zum Kunstpalast finden Sie auf seiner Zuhause-Seite.

CHAGALL

Die frühen Jahre – Große Marc Chagall Ausstellung im K20

Ich erinnere mich gut an die Bilder in den Lesefibeln meiner Unterstufen-Schulzeit: die dort abgebildeten Bilder eines Marc Chagall machten großen Eindruck auf mich. Laute klare Farben und unzählige figürliche Detailmotive in den Abbildungen zwischen den Lesestücken weckten nicht nur höchste Aufmerksamkeit bei mir, sondern bewegten mich obendrein zu Phantasiereisen abseits des schulischen Alltags. Ich möchte das heute keinem Schulbuchverlag wirklich vorwerfen, aber mein Interesse für die Gemäldeabbildungen könnte durchaus ursächlich für meinen Unmut gewesen sein, die dazwischen befindlichen Texte zu lesen, wie es mein Deutschlehrer damals aus gut gemeinten pädagogischen Gründen gefordert hatte. Heute erfahre ich nun in der Düsseldorfer Präsentation ein Wiedersehen mit den wunderbaren Motiven Marc Chagalls aus meiner Lesefibel von damals. Die großformatigen Originalgemälde üben jetzt eine noch größere Faszination auf mich aus.

Susanne Gaensheimer (rechts), Direktorin Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, auf dem Weg in die Ausstellung mit Susanne Fernandes-Silva, Leitung Kommunikation

An dieser Stelle finden Sie Auszüge aus dem Pressetext des Museums: Der russisch-französische Maler Marc Chagall ist ein Ausnahmetalent der Moderne und zählt zu den wichtigsten Künstler*innen des 20. Jahrhunderts. Seine fantastisch-poetischen Bildwelten und deren Motive sind bis heute rätselhaft, deren intensive Farbigkeit außergewöhnlich.
Die Ausstellung im K20 zeigt vom 15. März bis 20. August 2025 rund 120 Gemälde und Papierarbeiten aus allen Schaffenszeiten des Künstlers. Ein Schwerpunkt liegt auf den frühen Arbeiten, die zwischen 1910 und 1923 entstanden sind. Deutlich zeigen sich hier die Einflüsse der Avantgarden auf das Werk Chagalls aber auch die gesellschaftskritische und bisweilen dunkle Seite seines Werks. Die Ausstellung veranschaulicht zudem die Entwicklung des Künstlers und seiner Motive bis in die 1980er Jahre, in denen er mit der leuchtenden Farbigkeit seiner Bilder ein breites Publikum begeisterte.

Marc Chagall (geb. 1887 in Witebsk, Russisches Kaiserreich, heute Belarus – gest. 1985 in Saint-Paul-de-Vence, Frankreich) kommt 1911 mit 23 Jahren nach Paris. Wie viele seiner Künstlerkolleginnen ist er mittellos, spricht kaum Französisch und ist überwältigt von der Modernität und Energie der Stadt. Anders als in anderen europäischen Ländern, wurden Juden in Frankreich ab dem Jahr 1791 als freie Bürger anerkannt. Das zog viele jüdische Künstlerinnen nach Paris, um dort zu leben und zu arbeiten und sich frei in der Kunst auszudrücken. Dennoch waren sie im Alltag mit Ausgrenzung und Diskriminierung konfrontiert. Chagall findet, anders als die meisten Immigrant*innen, nach kurzer Zeit Zugang zu den Pariser Zirkeln der künstlerischen und literarischen Avantgarde und wird Teil einer eingeschworenen Freundesclique, die sich gegenseitig unterstützt. Deren Kern bilden die Literaten und Kunstkritiker Guillaume Apollinaire, Blaise Cendrars und Ludwig Rubiner, der Filmtheoretiker Ricciotto Canudo und die Künstlerinnen Robert und Sonia Delaunay, Fernand Léger und einige andere. Auch Herwarth Walden, der Berliner Galerist und Herausgeber der Zeitschrift Der Sturm, ist Mitglied dieses Kreises. Er zeigt 1913 Werke des noch unbekannten Chagall im Ersten Deutschen Herbstsalon und ermöglicht ihm 1914 seine erste große Einzelausstellung überhaupt. Worin begründet sich Chagalls früher Erfolg? Wie viele junge Künstlerinnen experimentiert auch er mit den Stilen der westlichen Avantgarde. Das Besondere ist, dass er Fauvismus und Kubismus mit jüdischen Motiven und osteuropäischer Folklore verbindet. Daraus entspringt eine aus dem Erleben begründete surreale Motivwelt – das verschafft Chagall ein Alleinstellungsmerkmal in seiner Zeit. Schwebende Menschen und Tiere, Geiger auf Dächern, Riesen, Winzlinge und Mischwesen bevölkern seine stets in überwältigender Farbigkeit gestalteten Kompositionen. Das ist „surnaturel“ (übernatürlich), so schwärmt der Schriftsteller Guillaume Apollinaire beim ersten Besuch in Chagalls Atelier. Innerhalb von nur vier Jahren hat sich Chagall einen unverkennbaren Stil erarbeitet. Doch die fremden Welten, die Chagall entwirft, sind keineswegs nur poetisch aufgeladene Märchen, sondern enthalten scharfe Kritik an den gesellschaftlichen Bedingungen seiner Zeit.

Der voll besetzte Saal bei der Ausstellungsvorbesichtigung für MedienvertreterInnen verspricht geduldiges Schlangesstehen beim Besuch der Ausstellung. Aber es lohnt!


Marc Chagall reflektiert zeitlebens seine Herkunft. Vor allem in den frühen Werken thematisiert er die Kindheit und Jugend in der Begrenztheit des jüdischen Viertels in Witebsk. Die Kleinstadt mit ihren eng gedrängten Häusern und dem markanten Kirchturm ist ein oft verwendetes Motiv. Bilder wie Sabbath, 1911, Das gelbe Zimmer, 1911, Russland, den Eseln und den Anderen, 1911, und Golgatha (Die Kreuzigung), 1912, erzählen Geschichten vom jüdischen Alltag, den Festen und Gebräuchen, von Liebe und Lust, aber auch Ritualmordbeschuldigungen und Pogromen, die Chagall 1905 in Witebsk erleben musste.
Nach der Ausstellung in der Sturm-Galerie in Berlin, reist Chagall im Sommer 1914 weiter nach Witebsk. Geplant ist ein kurzer Aufenthalt, doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert die Rückreise nach Paris. Acht Jahre bleibt er in Russland, wohnt wechselweise in St. Petersburg, Witebsk und Moskau. Durch die Heirat mit Bella Rosenfeld erhält Chagalls Kunst neue Impulse: Das Glück der Zweisamkeit wird zu einem zentralen Motiv.
Zugleich greift er auf vertraute Themen zurück: Er malt die Eltern und Geschwister; in diversen Selbstporträts hinterfragt er seine Situation. Malerische Experimente wagt er nur bei Landschaften und Liebespaarmotiven.

Die Werke Marc Chagalls begeistern auch die Jugend – und das ganz OHNE Smartphones.

Die Versprechen der Oktoberrevolution von 1917 wecken zunächst Chagalls Enthusiasmus. Er wird 1918 zum Kommissar für die schönen Künste der Region Witebskernannt, gründet eine Kunsthochschule und wird dessen Leiter. Er lädt namhafte Künstler, wie El Lissitzky und Kasimir Malewitsch als Lehrer ein. Ihre unterschiedlichen
Kunstauffassungen führen jedoch zu Streitigkeiten. Besonders mit Malewitsch, der für den Suprematismus steht – also für die „abstrakte, reine Malerei“ – gibt es Diskussionen über das Verständnis von revolutionärer Kunst. Als Chagalls Studenten zu Malewitsch wechseln, verlässt Chagall die Akademie und zieht nach Moskau. Die Ausstellung im K20 präsentiert eine Reihe außergewöhnlicher Papierarbeiten, die zeigt, wie Chagall trotzdem über Jahre
hinweg mit abstrakten Kompositionen experimentiert.


Chagall kehrt 1922 zunächst nach Berlin und 1923 nach Paris zurück. Er muss feststellen, dass seine zurückgelassenen Werke verkauft oder zerstört sind. Er beginnt, Neufassungen zu malen und begeistert damit Sammlerinnen und Galeristinnen. Erstmals kann er in den 1920er und 1930er Jahren ein unbeschwertes Leben führen. Eine neue Leichtigkeit und ein transparenter Farbauftrag finden Einzug in seine Bilder. Motive aus Witebsk stehen neben neuen, in Frankreich gewonnenen Eindrücken. Eine Einladung der Surrealist*innen, sich ihrer Gruppe anzuschließen, lehnt er ab.
Fortan lässt sich bei Chagall kaum mehr eine chronologisch fassbare stilistische Entwicklung feststellen. Er wiederholt Bildmotive und Themen, schafft dafür neue Kontexte und greift mit der Anlehnung an ein Sujet auch auf frühere Stilstufen zurück.
1941 emigriert Chagall nach New York. Erst 1948 kehrt er nach Frankreich zurück. Seinen herausragenden Status als Künstler hat er längst international manifestiert – durch zahlreiche Ausstellungen und Großaufträge für Glasfenster und Dekorationsarbeiten in Theater- und Opernhäusern. Auch in den späten Werken der 1960er bis 1980er Jahre
reagiert er sensibel auf gesellschaftliche Entwicklungen und das Weltgeschehen insgesamt. Witebsk und Paris werden zunehmend zu Sehnsuchtsorten und Christus, der gekreuzigte Jude, zum Sinnbild des Leidens.
Ausgangspunkt und Anlass der Ausstellung sind drei Gemälde von Marc Chagall, die vor dem Ersten Weltkrieg in Paris entstanden sind und sich im Besitz der Kunstsammlung befinden. Es handelt sich um die Arbeiten Selbstbildnis, 1909, Der Geigenspieler, 1911-1914, und Rabbiner mit Zitrone (Festtag), 1914; alle drei Gemälde dürfen zu den frühen Hauptwerken des Künstlers gezählt werden.

SIE HABEN POST – aus Eindhoven: Das Van Abbemuseum in Eindhoven hatte zur Ausstellungseröffnung gerade noch rechtzeitig sein Werk von Chagall „Homage an Apollinaire (Adam und Eva)“ von 1911/12 angeliefert. Es musste jetzt nur noch ausgepackt werden.

36 namentlich genannte Leihgeber verzeichnet der umfängliche und großartig sortierte Katalog zu beiden Ausstellungen in Wien und Düsseldorf. Unter ihnen renommierte Museen wie das Centre Pompidou Paris, die Finnish National Gallery, Helsinki, die Hamburger Kunsthalle, das Kunstmuseum Basel, The Metropolitan Museum of Art, New York, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid, The Museum of Modern Art, New York, das Städel Museum, Frankfurt, die Tate Gallery of Modern Art, London, das Tel Aviv Museum of Art und das Van Abbemuseum, Eindhoven. Eine herausfordernde Organisation der Überzeugungsarbeit und der Logistik muss notwendig gewesen sein, um so viele Leihgaben im Düsseldorfer K20 für die Ausstellung präsentieren zu können. Gelohnt hat es allemal.

Die Kuratorin Susanne Meyer-Büser ist gleichermaßen Mitherausgeberin des Katalogs.

Die Kuratorin Susanne Meyer-Büser (rechts) mit Susanne Gaensheimer, Direktorin Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Alle Fotografien: © 2025 Karsten Enderlein

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung sind in den SCHUBLADEN meines Archivs hier zu sehen.

Alle Informationen zur Chagall Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des K20.

RUTH HALLENSLEBEN

Bilder im Auftrag. Fotografien von Ruth Hallensleben 1931-1973 – Ausstellung im Ruhr Museum in Essen

Das Kuratoren-Team mit Museumsdirektor Heinrich Theodor Grütter, v.l.n.r.: Thomas Morlang, Giulia Cramm, Stefanie Grebe, Prof. H.T. Grütter und Dr. Thomas Dupke

120 Originalabzüge und neu angefertigte Reprints zeigt die Galerieausstellung im Ruhr Museum Essen von der Industriefotografien Ruth Hallensleben (*1898 – †1977, geb. und gest. in Köln). Aus dem Fundus des Museums, der insgesamt 38.000 Negative und 1.500 Abzüge der Fotoautorin umfasst, sind noch bis zum 24.08.2025 nicht nur die Auftragsarbeiten aus der Schwerindustrie, sondern auch Motive aus den Bereichen Architektur, Landschaft, Reise, Portrait und Werbung zu sehen. Die Motive stammen aus dem Schaffenszeitraum zwischen 1931 und 1973.


Werkszeitschriften der Auftraggeber, vornehmlich aus dem Ruhrgebiet, werden als Belegexemplare in Vitrinen der Ausstellung ebenfalls präsentiert. Sie verdeutlichen den Kommunikationsbedarf und -stil der damaligen Zeit. Im Bereich der (Schwer-) Industriefotografie war Hallensleben als Frau damals eine absolute Ausnahme. Diesen Zustand belegen allerdings noch heute meine Internet-Recherchen nach Industriefotografie-Studios. Da hat sich meiner Beobachtung nach und zu meinem Bedauern immer noch nicht viel geändert. In der Fotoabteilung des Unternehmens, in dem ich selbst von 1975 bis 2014 als Fotograf tätig war, haben wir erst in den 90er-Jahren weibliche Fotografie-Auszubildene eingestellt. Dass es im Betrieb keine Damentoiletten gab, war zumeist die fadenscheinige Erklärung für diese vorurteilige Auffassung. Lediglich das Labor und die spätere Postproduktion waren bis auf eine Ausnahme in den späten 80er-Jahren in unserem Team weiblich besetzt. Den gegenüber den Fotografen schlechtere Bezahlung der Frauen erschwerte obendrein den Wunsch, als Fotografin in der Schwerindustrie zu arbeiten.


Obwohl der opulente, die Ausstellung begleitende Katalog zu diesem Thema eine andere Interpretation artikuliert, nämlich dass Hallensleben ausschließlich aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz bei den ausnahmslos männlichen Auftraggebern hohe Anerkennung erhielt, lässt mich dennoch ahnen, dass es durchaus auch glaubwürdig ist anzunehmen, dass die „Barone“ der Stahlindustrie ein höheres Maß an Vergnüglichkeit bei der Arbeit mit der Fotografin erfuhren, als mit ihren männlichen Kollegen. In meinem Fotografenleben habe ich diese Erfahrung bis weit in die Nullerjahre immer wieder machen dürfen. Damit spreche ich keineswegs der Fotografin Hallensleben ihre fachliche Expertise ab. Die ist deutlich in ihren Bildern zu lesen. Wir sehen durchgängig kontrastreiche, formalästhetische, lineare Bildmotive, die die nicht immer attraktiven Produktionsbetriebe geradezu als Orte der Anmut erscheinen lassen. Das zu vermitteln war ohnedies im Sinne ihrer Auftraggeber.

Das KuratorInnen-Team mit Stefanie Grebe, Dr. Thomas Dupke, Thomas Morlang und Giulia Cramm hat den 240-seitigen Katalog professionell historisch sowie fachlich sehr kurzweilig gestaltet. Zwei Jahre hat das Team intensiv an der Präsentation gearbeitet. Das lohnenswerte Ergebnis ist noch bis zum 24. August dieses Jahres in der Galerie auf der 21-Meter-Ebene des Ruhr Museum zu besehen.

Eingang zur Galerieausstellung im Ruhr Museum auf der 21-Meter-Ebene

Alle Bilder der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs hier.

Der empfehlenswerte umfangreiche Katalog ist im Museum für € 29,95 erhältlich. Weitere Information zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des Ruhr Museum.

ICH WAR IM MUSEUM

69 Selbstportraits von Annegret Soltau, vernäht mit ihrer persönlichen Suche nach ihrem Vater und ihrer Identität – Eine großartige Präsentation im MUSEUM GOCH noch bis zum 30.03.2025.

Einen Beleg für meinen Besuch im Museum erhielt ich im Museumsshop. © 2025 Karsten Enderlein

Inspiriert durch einen Bericht über die Ausstellung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Samstag, 11. Januar 2025, machte ich mich spontan auf den Weg in den Norden meiner Heimat, den Niederrhein. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hielt der niederrheinische Nebel sich hartnäckig den ganzen Tag über. Mein Ziel war die Stadt Goch, eine im Stadtkern über zwanzigtausend Einwohner zählende Gemeinde, kurz vor der Landesgrenze zu den Niederlanden. Wie unser Rheinstrom führte auch die Niers, die sich fließend durch Goch schlängelt, ein beeindruckendes Hochwasser. Unmittelbar an der Niers liegt das Museum Goch.

Unmittelbar an der Niers gelegen vermittelt das Umfeld des Museums die typische niederrheinische Landschaft © 2025 Karsten Enderlein

Das Museum Goch zeigt noch bis zum 30. März die sehr persönliche und beeindruckende Arbeit der Künstlerin Annegret Soltau. Kurz nach dem Krieg 1944 in Lüneburg geboren wuchs sie als uneheliches Kind bei ihrer Großmutter in der Elbmarsch bei Hamburg auf. Über ihren leiblichen Vater erfuhr die in Darmstadt lebende Künstlerin auch von ihrer Mutter nichts. Ihre sie immer begleitende Frage, wer er war, motivierte sie zur Suche nach ihm. Ihre seit 1988 gesammelten Korrespondenzen mit verschiedensten Institutionen und Behörden verarbeitete sie zusammen mit zahlreichen Dokumenten letztlich in der jetzt präsentierten Arbeit.

Ausstellungsansicht im Ergeschoss © 2025 Karsten Enderlein

Als Ausgangsmaterial für meine künstlerische Arbeit“ erklärte Annegret Soltau 2010, „verwende ich die Dokumente meiner jahrelangen, erfolglosen Suche nach meinem verschollenen Vater. Die Arbeit besteht bisher aus 69 Selbstportraits. In meinem Gesicht habe ich die Original-Briefe der Behörden z.B. Rotes Kreuz, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. oder Deutsche Dienststelle für Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht eingenäht. Somit wird meinen Selbstportraits die ungelöste Schicksalsgeschichte infolge des 2. Weltkriegs förmlich ins Gesicht geschrieben, aber diese förmlichen Antwortschreiben bleiben wie eine leere Stelle in meinem Gesicht, wie ein weißer Fleck.“ – Galerie Anita Beckers, Portfolio Annegret Soltau, Frankfurt a.M. 2010

Ausstellungsansicht im Ergeschoss © 2025 Karsten Enderlein

In den 1970er Jahren entwickelte Annegret Soltau unter dem Eindruck ihrer Arbeitserfahrungen bei einem Unfallarzt die Technik der Fotovernähung. Mittels der Werkzeuge einer Chirurgin operiert sie an den Verletzungen, die sie zuvor den Fotografien durch Zerreißen zugefügt hat. Das Nähen ist als Heilungsprozess zu verstehen. Im Gegensatz zur Collage durchdringt der Faden die verschiedenen Schichten und schafft eine dauerhafte, buchstäblich ins Fleisch gestochene Verbindung. Die Serie „Vatersuche“ ist ein Beispiel für diese Technik. Als einzige materielle Spuren der Existenz ihres Vaters vernäht sie die Dokumente, die sie auf ihrer Suche gesammelt hat, und zeichnet so das unsichtbare Band zu ihm nach.

Im Foyer des Museum Goch © 2025 Karsten Enderlein

Annegret Soltau nimmt uns durch ihre Arbeit nicht nur mit auf ihre persönliche Suche nach ihrem Vater. Wir spüren geradezu auch ihre Schmerzen nach, die durch vaterloses Aufwachsen verursacht werden, und den Aufwand, den es bedarf, Antworten zu finden auf die Fragen nach der eigenen Herkunft und der daraus resultierenden Identität.

Meine kleine Reise an den Niederrhein in das Museum Goch war eine äußerst beseelende kurzweilige Erfahrung. Es war auch eine Reise in meine eigene Vergangenheit, vermittelt durch die vertrauten Bilder der grauen Nebel über den winterlichen Wiesen und Wäldern. Und nicht zuletzt: ich war im Museum.

Ausstellungsansicht im Ergeschoss © 2025 Karsten Enderlein

Alle Bilder meines Besuchs im Museum Goch finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs genau hier.

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Museum Goch gibt es hier.

L I C H T B L I C K E für 2 0 2 5

Weihnachten ist das Fest der Hoffnung und des Lichts

Der Himmel über Düsseldorf, Weihnachten 2024, © 2024 Karsten Enderlein

„Jede Sekunde fusionieren rund
600 Millionen Tonnen Wasserstoff
zu 596 Millionen Tonnen Helium,
und der Massenunterschied von
4 Millionen Tonnen wird als Energie
freigesetzt und sorgt dafür,
dass die Sonne scheint.“

aus „Die Sonne – Eine Entdeckung“
von Sibylle Anderl und Claus Leggewie,
Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2024


Sehen wir die Sonne nicht, ist sie nicht weg, sie scheint dann nur woanders.

Ich wünsche allen LeserInnen LICHTBLICKE für das Jahr 2025

BILDER LESEN LERNEN

In jüngster Vergangenheit wurde eine Vielzahl von Bildern veröffentlicht, welche die Zerstörung und ihre Auswirkungen in der Ukraine sowie im Gazastreifen dokumentieren. In diesen Regionen wird ein technisch hoch effektiver und grauenvoller Vernichtungskrieg geführt. Die massive Bildberichterstattung im Internet und in den Medien, geradezu in Echtzeit, gewährleistet eine permanente Präsenz in unserem Bewusstsein. Aufgrund der Vertrautheit mit Bildern, die seit der Erfindung der Fotografie in unser kollektives Gedächtnis übergegangen sind, sowie der Kenntnis ihrer Hintergründe, verbinden wir mit ihnen Assoziationen von Krieg, Vernichtung, Tod, Elend, Flucht, Hunger und Verzweiflung. Lässt uns der Blick auf ein zerstörtes Haus durch einen Zaun dann unberührt? Obgleich die Kenntnis darüber vorhanden ist, dass es sich um den Abriss eines asbestverseuchten Bürogebäudes handelt, an dessen Stelle bald ein neues, schöneres Hochhaus errichtet werden wird, wird dennoch unmittelbar eine Assoziation mit Krieg evoziert. Und das, was auf dem Bild durch den Zaun verborgen bleibt, denken wir hier weiter mit Hilfe eigener Erinnerungen an die zahllosen Bilder von zerstörten Städten und Häusern.

Destruktion in Düsseldorf, im Dezember 2024

Bilder lesen lernen heißt am Beispiel dieser Fotografie, dass ich für mein Bildverstehen meine bereits gelernten, wenn auch subjektiven Wahrheiten immer wieder mit dem Gesehenen abgleichen muss, um die Sprache der Fotografie zu verstehen. So begreife ich, was die FotoautorInnen, die hinter den unzähligen kommunizierten Bildern stehen, die ich täglich wahrnehmen kann, mir mitteilen wollen. Bestenfalls lerne ich aber auch, manipulative visuelle Fehlinformationen, irritierende Bildmontagen und Bilder aus ursprünglich anderen Zusammenhängen besser von authentischen Motiven und Hintergründen zu unterscheiden. In sich einer gravierend verändernden Medienkultur der heutigen Zeit bin ich gut beraten, immer wieder aufs Neue die Sprache der Fotografie entsprechend zeitgemäß zu übersetzen.

Mehr ?Kriegsbilder in den SCHUBLADEN meines Archivs finden Sie hier.

ZEIT FÜR EINEN CHRISTBAUM

Wer meine fotografische Arbeit beobachtet, wird nachvollziehen, warum ich mich vor dem Hintergrund der Werke der britischen Künstlerin Sarah Morris so wohl und motiviert fühle: kräftige und klare Farben, Architekturfragmente, hochglänzende Oberflächen, das Überschreiten von Grenzen der Abstraktion, strengste Geometrie, stringente Konzeption, Raster, das alles sehe ich in den Bildern, mit denen die in New York lebende Künstlerin ihre Werke für mich höchst attraktiv macht. Und ich beginne beim Betrachten sofort, Linien, Formen und Farben im Kopf in Fotografien zu verwandeln und suche mit der Kamera nach einem virtuellen Gitternetz, in das mein Bild hinein passen soll.

Fotografie: © 2024 mARTina – Martina Enderlein

Und dann ist da plötzlich meine Assoziation zu einem emotionalen und melancholischen Motiv, dass ich in Sarah Morris‘ Bild wiederfinde: Ein abstrahierter Stadtplan mit Hotspots für neugierige Touristen New Yorks in Form eines Christbaums mit bunten Kugeln. Oh ja, ich erinnere mich, bald weihnachtet es wieder sehr.

Mehr von Sarah Morris im Kunstmusem Krefeld finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs.

DER MARKT IN ARLES

Bildbericht vom Arlenser Markt im Juni 2024 – Eine fotografische Fingerübung.

Selbst auf dem Wochenmarkt in Arles erfahre ich die höhere Intensität der Farben in mediterraner Umgebung, wie sie Vincent van Gogh schon über 130 Jahre zuvor wahrgenommen hatte. Dass ich als Lichtbildner van Goghs visionäre Sehweisen heute noch nachvollziehen darf, erfüllt mich mit Demut und ein wenig Stolz.

LICHT UND SCHATTEN

Die Ausstellungsreihe „Made in Düsseldorf“ der Stadtsparkasse Düsseldorf in Kooperation mit dem NRW-Forum präsentiert Arbeiten von Janice Guy, Martina Sauter, Elger Esser, Anna Vogel, Eileen Quinlan und Frauke Dannert – noch bis zum 27. Oktober im NRW-Forum in Düsseldorf.

Vor zwei Arbeiten von Anna Vogel (hinten links) und drei von Elger Esser und vor der Eröffnung ihrer Ausstellung wartet die Kuratorin der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf Katharina Wettwer auf zahlreiche interessierte Fotografie-LiebhaberInnen, Foto: © 2024 Karsten Enderlein

Ausstellungsvorbesichtigung für MedienvertreterInnen im NRW Forum Düsseldorf am 12. September 2024 um 11:00 Uhr, pünktlich zum bundesweiten Alarmgeschrille der örtlichen Sirenen und zahlloser Handys in den Taschen der BerichterstatterInnen in der Rotunde des NRW-Forums! Ich war pünktlich, hatte aber meine Hausaufgaben nicht gemacht, wusste also nicht genau, was ich erwarten konnte, und so war ich gespannt auf die Präsentation von „SUPERHEROES“. Und in der lernte ich viel über SuperheldInnen, Batman, Joker, Manga und Anime, und erfuhr eine Schau in insgesamt elf Themenbereichen in einer Vielfalt eines Genres, das mir bis dahin wenig bekannt war. Über 1.600 Exponate hatte der Kurator der Ausstellung und künstlerische Leiter des NRW-Forum Alain Bieber mit seinem Team in eineinhalb Jahren von privaten SammlerInnen zusammengetragen und wirkungsvoll im Erdgeschoss des Hauses zu einer Blockbuster-Ausstellung dekoriert. Und in der kracht es nicht nur für Hardcore-Fans kreischbunt – auch für Nichtexperten, wie mich, lohnt durchaus ein Besuch (vom 13. September 2024 bis 11. Mai 2025).


Nach meiner Vorbesichtigung von „SUPERHEROES“ mit der Kamera freute ich mich dann auf die Fotografie-Ausstellung im Obergeschoss des Backsteingebäudes am Ehrenhof: „LICHT UND SCHATTEN“. Umschalten im Kopf war jetzt angesagt: Nach schrillen und bunten und lauten Impulsen galt es, mich einzustellen auf grafische und monochrome und leise Seherlebnisse, die obendrein großzügig sparsam die Wände der Museumsgalerie zieren. Das gelang mir schnell, nicht zuletzt weil der Saal bis auf die Kuratorin Katharina Wettwer menschenleer war. Die Arbeiten von sechs FotokünstlerInnen hat die Kuratorin aus dem Fundus der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf ausgewählt und vor dem Hintergrund „technischer Grenzen und Möglichkeiten der Fotografie“ zusammengeführt. So erinnern die verschiedenen Materialien der Exponate nicht zufällig auch an die Anfänge der Fotografie, wirken aber auch im mittlerweile digitalen Zeitalter wirksam und nachhaltig: Silbergelantineabzüge, Sofortbilder, Heliogravuren auf Büttenpapier, Pigmentprints mit MDF-Rahmung, Handabzüge, Barytpapiere – vielleicht auch für jüngere BesucherInnen erklärungsbedürftig so ein Begriff wie „Mehrfachbelichtung“. Zwischen 1977 und 2021 entstanden die Arbeiten von Janice Guy, Martina Sauter, Elger Esser, Anna Vogel, Eileen Quinlan und Frauke Dannert, die mich alle bekannten Filter meiner Digitalkameras und Nachbearbeitungssoftware vergessen ließen. Fast eine kleine Reise zu den Anfängen zumindest aber in die Vergangenheit der Fotografie, wo Licht und Schatten die Hauptbestandteile kreativer LichtbildnerInnen waren. Unbedingt sehenswert!


Mehr Wissenswertes und weitere Fakten zu den Ausstellungen finden Sie auf der Zuhause-Seite des NRW-Forum.

Alle meine Bilder beider Ausstellungsvorbesichtigungen finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs.

DANKE FÜR DIE BLUMEN


Anders als das NEGATIV oben waren die Rückmeldungen, die Glückwünsche und die konstruktiven Kritiken zu meiner Ausstellung im Stadtwerke Wasserturm Wesel bislang ausnahmslos POSITIV. Danke für die Blumen.

Das RHEIN|LAND ist noch bis zum 29. September 2024 in Wesel zu besichtigen.


Fotografien: © 2024 Karsten Enderlein

Sollten BesucherInnen den kleinen Katalog zur Ausstellung nicht mitgenommen haben, so ist er hier als pdf-Dokument auch im Download erhältlich. Ebenso für jeden, der noch nicht in der Ausstellung war.

FOTOAUSSTELLUNG IM STADTWERKE WASSERTURM IN WESEL ERÖFFNET

In eigener Sache:


Der Fotokünstler Karsten Enderlein – rechts – mit Rainer Hegmann – Geschäftsführer der Stadtwerke vor einem Bild der Weseler Rheinbrücke,
Foto: © 2024 Armin Fischer

Wasserlandschaft im Turm

Text und Fotografien von meinem Schulfreund und Kollegen Armin Fischer

Karsten Enderlein präsentiert seine Ausstellung RHEIN|LAND

Der Wasserturm der Stadtwerke Wesel hat in seiner bisherigen Ausstellungshistorie schon so manche besonderen Werke gesehen, aber die Bilderserie des Fotografen Karsten Enderlein ist ganz bestimmt ein besonderes Highlight. Geboren in Wesel, heute in Düsseldorf lebend, arbeitete Enderlein rund 35 Jahre als fotografische Spitzenkraft im Thyssenkrupp Konzern und war sich der Existenz des vielen Wassers am Niederrhein immer bewusst.

Seit 2014 als freischaffender Fotokünstler unterwegs, war das schon in früheren Ausstellungen hervorgehobene Thema Rheinstrom nun endlich an der Reihe konsequent verfolgt zu werden. Rund zehn Jahre umfasst die mehr als imposante fotografische Bilderschau im Stadtwerke Wasserturm in Wesel. Von der Entstehung im Tomasee bis nach Rotterdam sind die wichtigsten Abschnitte geschickt ausgewählt und in cleanen, geometrisch orientierten Farbbildern mit einer ganz besonderen Ästhetik präsentiert. Originalzitat des Machers dazu: „Meine Bilder entstehen im Kopf und ich fotografiere, was ich denke!“

Dazu gehört auch eine besonders ausgiebige Beschäftigung mit dem Thema. So weiß Enderlein zu berichten, dass man heute nach neuesten Ausgrabungen davon ausgeht, dass der Fluss eher 15 als 12 Millionen Jahre alt ist und pro Sekunde an normalen Tagen rund 2200 cbm Wasser an Wesel vorbeifließen. In Zeiten von Rhein-Hochwasser können das auch schon mal die unglaubliche Menge von 6000 sein. Die alt-ehrwürdigen Metallbehälter im Turm hatten damals gerade insgesamt 1000 cbm Vorrat zur Trinkwasserversorgung der ganzen Stadt. Bei diesen Zahlen kam der Geschäftsführer der Stadtwerke Rainer Hegmann aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wer hätte mit diesen Mengen gerechnet?

Der Besuch lohnt sich in jedem Fall, auch Schulklassen könnten damit den Erdkunde Unterricht anschaulich verfeinern, zudem hat der Fotokünstler auch eine ansehnliche Begleitbroschüre erstellt. Insgesamt 5 Fotografien zeigen Weseler Motive, unter anderem die Rheinbadeanstalt kurz vor dem Umbau und sofort kommen Erinnerungen aus der Jugendzeit auf, der Geruch von Sonnencreme, Pommes und nassen Badesachen mit Chloranhaftungen. Der ständig mögliche Blick auf die Schiffe am Fluss war häufig interessanter als das mitgebrachte Buch. arfi

Karsten Enderlein an der Tafel mit seinen Fotografien des Weseler Rheins aus den Siebzigerjahren.
Foto: © 2024 Armin Fischer

Weitere Informationen zur Ausstellung und zu Enderleins RHEIN|LAND-Projekt findet man u.a. auf folgenden Zuhause-Seiten: k.enderlein RHEIN|LAND, KUNST im TURM,

RHEIN|LAND-AUSSTELLUNG IM WASSERTURM WESEL


Der Rhein, an dem ich seit 1956 wohne, arbeite und lebe, war immer für mich ein Faszinosum. Die endlosen Wassermengen, die sekündlich den Strom hinabfließen, dazu das wahrnehmbare Rauschen, die wechselnden Wasserstände, die dem Rhein jedes Mal ein anderes Gesicht verleihen, die je nach Wetter und Jahres- und Tageszeit unterschiedlichen Farben des Wassers, das alles macht diesen Fluss und sein unmittelbares Umland für mich höchst anziehend. Mit zunehmendem Alter lernte ich obendrein, welche historische und wirtschaftliche Bedeutung diese Binnenwasserstraße als Grenze wie auch als Transportweg bis heute hat. Bedeutende Künstler der Malerei und der Literatur arbeiten sich seit Jahrhunderten ab an dieser äußerst beeindruckenden Wasserlandschaft.

Ich erinnere mich, wie wir Kinder Anfang der sechziger Jahre mit meinem Vater, wenn er sonntags frei hatte, bei Hochwasser an den Rhein gingen, um die Wasserwüste zu bestaunen. Meine Faszination für dieses Ereignis ist bis heute ungebrochen.


2014 startete ich meine Expedition mit der Kamera entlang des großen Flusses. Die Impressionen von landschaftlichen, kulturellen und industriellen Alltagsszenen der rheinischen Flusslandschaften von der Quelle bis zur Mündung versuchte ich dabei in Fotografien von linearer Ästhetik zu verwandeln. Geländer, Bojen, Masten, Krane oder Brückenpfeiler bilden ebenso wie Teile von Architektur und anderen ufernahen Bauwerken den vertikalen Inhalt der Bildmotive. Die immer in Bildmitte kreuzende Horizontale beschreibt dagegen das ewig fließende Wasser des Rheinstroms, auf das ich immer wieder den Blick freigebe.


Wenn mich einzelne Themen oder konkrete Fotomotive entdeckt haben, die ich dann umsetze, denke ich meistens sofort an eine wie auch immer geartete Präsentation dieser Werke. Fotografie ist für mich eine Sprache, in die ich meine visuellen Wahrnehmungen übersetzen möchte, und die ich mit anderen teilen möchte. Dabei ist grundsätzlich die Verständnisfrage der Betrachtenden entscheidend: Ist ein Motiv, so wie ich es arbeite, lesbar, so dass alle verstehen, was ich damit ausdrücken möchte?

Gerne würde ich Betrachtende meiner Werkgruppe RHEIN|LAND sensibilisieren für eine Diskrepanz zwischen der Jahrmillionen alten Natur und den heutigen Bedürfnissen des Menschen, den Fluss für seine Zwecke zu nutzen. Mit diesem Anspruch habe ich Fotografien gearbeitet, die eine etwas andere Sichtweise auf ein hinlänglich bekanntes Motiv beschreiben.

Der Arbeit an meiner laufenden Werkgruppe RHEIN|LAND für eine Präsentation vorausgegangen war meine Begegnung anlässlich einer Kunstausstellung im Wasserturm im Januar 2023 mit dem Kulturverantwortlichen der Stadtwerke Wesel GmbH, in deren Besitz das Baudenkmal Wasserturm Wesel ist, Uwe van de Sand. Schnell hatten wir uns angefreundet und einen möglichen Ausstellungstermin verabredet.


RHEIN|LAND – Portrait einer Wasserlandschaft – Ausstellung im Wasserturm Wesel – 31. August bis 29. September 2024

Neben den Öffnungszeiten am Wochenende, an denen ich anwesend bin, ist der Stadtwerke-Wasserturm werktags geöffnet: montags – donnerstags von 09.00-15.00 Uhr und freitags 09.00-12.00 Uhr.


Ich freue mich sehr auf zahlreiche Begegnungen. Fotomontage: © 2024 Karsten Enderlein

In diesen Tagen erfahren BesucherInnen in meiner Bilderwerkstatt eine hohe Betriebsamkeit: ich bin in den finalen Vorbereitungsmaßnahmen meiner Fotoausstellung in Wesel. Nach etwa zehn Jahren fotografischer Arbeit entlang des Stroms, ein paar tausend Reisekilometer zwischen der Schweiz und der Nordsee, dem Feinrechnen hunderter ausgewählter Rohdateien und den Recherchen zu dem Thema vor und nach den Arbeitsreisen folgten Monate der Konzeption für eine mögliche Präsentation meiner Werkgruppe mit dem Namen RHEIN|LAND.

Nun gilt es, 48 ausgewählte Prints zu drucken, zu passepartourieren und zu rahmen, zehn Dateien für den Druck großformatiger Tafeln auf Hartschaumplatten und Alu-Dibond zu optimieren und mit dem Dienstleister für Digitaldruck zu koordinieren und für einen 44-seitigen Katalog Inhalte, Auswahlmotive und Sachtexte zu liefern. Alles in allem eine Menge Aufwand, der trotz aller Widrigkeiten mir ein Höchstmaß an Freude bereitet. Es gibt für mich als Fotograf nichts was schöner, spannender und befriedigender ist, als Bilder, die ursprünglich in meinem Kopf entstanden für eine interessierte Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Ein Übersetzungsprozess aus Ideen, Impulsen und Erfahrungen in die zweidimensionale Fotografie – mit dem Anspruch an Perfektion und auch nach allen Regeln der Kunst. Wie froh bin ich immer wieder, gerade in den aktuellen Zusammenhängen, mich völlig unbedarft und unvoreingenommen im Alter von 18 Jahren zu dieser wunderbaren Arbeit berufen zu fühlen.


Über das Weseler Wahrzeichen Wasserturm ein Text von der Website „WESEL Tourismus“: Der inmitten der Innenstadt im Jahr 1886 errichtete Wasserturm kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Die technische und architektonische Konstruktion wurde von Prof. Otto Intze, einem bekannten Wasserbau-Ingenieur ausgeführt. Durch Rohrleitungen war der 40 Meter hohe Turm, der als Wasserspeicher diente, mit dem Alten Wasserwerk an der Lippe verbunden. 1923 wurde anstelle eines ursprünglich geplanten zweiten Turms aus Kostengründen nur ein zweiter Behälter unterhalb des ursprünglichen Behälters eingebaut und war damit ein technisches Kuriosum.

Der Turm stand bis zum Inferno des 16. Februar 1945. 1947 wurden der untere, inzwischen wiederhergestellte Wasserbehälter und 1951 auch der obere Stützbodenbehälter wieder in Betrieb genommen. Als er 1979 außer Betrieb genommen wurde, hatte er – abgesehen von kriegsbedingten Unterbrechungen – 93 Jahre seine Aufgabe als wichtiges Glied in der Wasserversorgung Wesels erfüllt.

Seit 1987 ist der Wasserturm im Stadtzentrum technisches Denkmal und Bestandteil der Route Industriekultur. Unter dem Motto „Kunst im Turm“ werden seit 1991 wechselnde Ausstellungen durchgeführt. Ganz aktuell wird der Wasserturm als „Dritter Ort“ unter der Förderung für kulturelle Orte der Kultur und Begegnung im ländlichen Raum weiterentwickelt.


Weitere Informationen finden sich auf den jeweiligen Zuhause-Seiten des Kunstverein Kunst im Turm und meiner Werkgruppe. Alle Fotos der Werkgruppe RHEIN|LAND sind in den SCHUBLADEN meines Archivs hier zu finden. (Obacht: opening time: 8:00 am to 0:00 am CET)

Einen Katalog zum Ansehen und Downloaden findet man in meiner pdf-Büchersammlung.

Alle Fotografien auf dieser Seite: © 2024 Karsten Enderlein

MAISON DE SANTÉ SAINT-PAUL

Im Sanatorium des Klosters Saint-Paul-de-Mausole in Saint-Rémy-de-Provence wurde Vincent van Gogh von Mai 1889 bis Mai 1890 psychiatrisch behandelt.


Der Text zum Thema ist aus dem informativen Buch „Der große VAN GOGH Atlas“ aus dem SIEVEKING VERLAG, 2017

DIE HEIL- UND PFLEGEANSTALT Die Heil- und Pflegeanstalt lag ungefähr anderthalb Kilometer südlich der Stadt Saint-Remy. Sie bestand aus einem Gebäudekomplex, der den Namen Saint-Paul-de-Mausole trug: ein ehemaliges Kloster. Ein idealer Ort also für ein „privates Institut zur Behandlung von Geistes­kranken beiderlei Geschlechts“, wie es in einer Anzeige hieß. Der behandelnde Arzt war der Ansicht, dass „Herr van Gogh unter Epilepsieanfällen litt, die mitlängeren Zwischenpausen auftreten“. Deshalb sei es besser, dass er unter Aufsicht gestellt werde. Bereits einen Tag, nachdem er in der Pflegeanstalt angekommen war, schrieb Vincent seinem frisch verheirateten Bruder, dass die Entscheidung, nach Saint-Remy zu gehen, richtig gewesen sei. Er nannte die Anstalt zwar „einen Zoo“, erkannte aber auch, dass die Patienten dort in guten Händen waren. „Obwohl einige hier ernsthaft krank sind, erregt der Wahnsinn in mir inzwischen‘ nicht mehr so viel Angst und Abscheu wie früher“, erklärte er. Er stellte fest, dass „Geisteskrankheit“ eine Krankheit wie jede andere sei, und fürchte sich nun weniger vor der eigenen Situation. Die neue Umgebung werde ihm guttun.


VINCENTS ZIMMER Im ersten Stock im Männertrakt der Anstalt hatte Vincent ein eigenes kleines Zimmer. Es hatte eine „graugrüne Tapete und zwei wassergrüne Vorhänge mit einem Aufdruck aus sehr blassen Rosen, die mit feinen blutroten Linien verlebendigt wurden. […] Durch das vergitterte Fenster blicke ich auf ein ummauertes Kornfeld […], über dem morgens die Sonne in ihrer ganzen Pracht aufgeht. Außerdem habe ich – weil hier mehr als 30 Zimmer nicht belegt sind – ein Extrazimmer, wo ich arbeite.“ Dieses Extrazimmer lag in einem anderen Flügel des Gebäudes und hatte Ausblick auf den Anstaltsgarten.


DIE BÄDER FÜR DIE HYDROTHERAPIE „Ich nehme jetzt zweimal pro Woche ein Bad und bleibe für zwei Stunden, darinsitzen.“, schrieb Vincent an Theo. Die Bäder waren Teil seiner Behandlung, deren offizieller Name „Hydrotherapie“ lautete. Im 19. Jahrhundert war dies eine übliche Behandlungsmethode für psychiatrische Patienten. Man war der Ansicht, dass die Bäder eine beruhigende Wirkung ausübten. Meistens wurden Wechselbäder verabreicht, das heißt, die Patienten saßen abwechselnd im heißen oder kalten Wasser oder wurden nach einem heißen Bad kalt abgeduscht. Bei Vincent schien die Behandlung anzuschlagen, doch hatte sie nicht bei jedem den erwünschten Erfolg, Wie aus seinen Worten über einen über einen neuen Patienten zu schließen ist: „Er ist jetzt kaum ruhiger geworden, obwohl er den ganzen Tag im Bad gesessen hat.“


DER VERLASSENE STEINBRUCH Etwas länger als zwei Monate nach seiner Aufnahme in die Anstalt war es wieder so weit. An einem stür­mischen Tag stand Vincent van Gogh am Eingang des verlassenen Steinbruchs bei den Alpilles und malte. Inmitten dieser rauen und wilden Umgebung wurde er plötzlich vom Gefühl tiefster Einsamkeit erfasst und spürte, dass sich ein Anfall ankündigte. Er beendete das Bild aber trotzdem.


VOLLKOMMEN VERWIRRT Zurück in der Anstalt, war er furchtbar verwirrt, und es wurde immer schlimmer. Er aß nicht nur Schmutz vom Boden, sondern auch Paraffin. Er hatte es dem Jungen aus den Händen gerissen, der die Lampen mit dem Brennstoff füllen musste. Weil Vincent aber auch Ölfarbe aß und Terpentin trank, durfte er nicht mehr malen, obwohl er behauptete, dass er das un­ bedingt müsse, um wieder gesund zu werden. Einen Monat lang verließ er nicht sein Zimmer. Schließlich wurde ihm wieder erlaubt zu malen, doch sollte es noch eine ganze Weile dauern, bis er sich wieder vorsichtig hinauswagte.


Alle Fotografien: © 2024 mARTina (1) + Karsten Enderlein (17)

SAINTES-MARIES-DE-LA-MER

„Endlich schreibe ich dir aus Saintes-Maries-de-la-Mer am Mittelländischen Meer. Das Mittelländische Meer hat eine Farbe wie Makrelen, also wechselnd, man weiß nicht recht, ist es grün oder violett, man weiß nicht recht, ist es blau, denn eine Sekunde später schimmert es sogar rosa oder grau.“ Vincent van Gogh in Brief 499 an seinen Bruder Theo, 16. Juni 1888

„Jetzt, da ich das Meer hier gesehen habe, fühle ich ganz, wie wichtig es ist, im Süden zu bleiben und zu spüren, daß man die Farbe noch mehr übersteigern muß – es ist nicht mehr weit bis Afrika.“ Vincent van Gogh in Brief 500 an seinen Bruder Theo, ~ 5. Juni 1888

Das Meer bei Saintes-Maries-de-la-Mer, Foto: © 2024 Karsten Enderlein

DER HIMMEL ÜBER DER PROVENCE

Durch Vincent van Goghs „STERNENNACHT“ inspriert: Der Himmel, auch am Tag ein visueller Genuss

Auch tagsüber begegnet uns in der Provence ein anderer Himmel als in meiner Heimat, dem Rheinland, wo ich aufgewachsen bin. Foto: © 2024 Karsten Enderlein

Im Frühjahr 1888 schrieb der Maler Vincent van Gogh aus Arles an der Rhône in Südfrankreich an seine Schwester Willemien: „Ich möchte jetzt unbedingt einen Sternenhimmel malen. Oft habe ich den Eindruck, dass die Nacht noch farbenfroher ist als der Tag, in den intensivsten Violett-, Blau- und Grüntönen“. Zu dieser Zeit gab es so gut wie keine originalen Farbfotografien, und doch hatte van Gogh mit seiner Beobachtung der nächtlichen Stimmung in der Provence jene vorausschauende Wahrnehmung, die auch in der Farbfotografie bis heute eine Rolle spielt: Bei Nachtaufnahmen sind die abgebildeten Himmel auf unseren fotografischen Medien blauer, als wir sie in der realen Beobachtung sehen. Der Grund dafür ist kein Geheimnis: Die ersten gebräuchlichen Farbfilme, Kleinbildfilme etwa von Kodak in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, waren vor allem für Amateure gedacht, die auf Reisen oder bei anderen gesellschaftlichen Anlässen meist tagsüber im Sonnenlicht fotografierten. Deshalb gossen die Filmhersteller eine blau-überempfindliche Emulsion auf das Trägermaterial – es entstanden die so genannten Tageslichtfilme, die die Farben der Motive bei Tageslichteinstrahlung knackiger, also kontrastreicher erscheinen ließen. Auch die lichtempfindlichen Bildsensoren unserer Digitalkameras sind heute noch empfindlicher für den Blauanteil des Tageslichts, das sich von Natur aus relativ gleichmäßig aus den blauen, roten und grünen Anteilen des sichtbaren Lichts zusammensetzt.


Schon Vincent van Gogh muss ein ausgeprägtes Gespür für Farben und Farbstimmungen in der Natur gehabt haben, denn er erkannte dieses naturwissenschaftliche Phänomen lange vor der intensiven Nutzung der Fotografie. Es spielte eine wichtige Rolle bei der Suche nach der wirkenden Farbe in seinen Bildern, vor allem in den südlichen Gefilden der meernahen Provence.

Der im 14. Jahrhundert entdeckte römische Obelisk aus dem 5. Jahrhundert wurde erst im 17. Jahrhundert als Sonnensymbol auf dem Platz von Arles neu interpretiert. Foto: © 2024 Karsten Enderlein

Die südeuropäische Lage zum Mittelmeer lässt den Himmel über der Provence auch tagsüber anders erscheinen, als wir es beispielsweise aus dem Rheinland gewohnt sind. Die steilere Sonne um die Mittagszeit lässt den vertrauten blauen Schönwetterhimmel intensiver erscheinen. Außerdem können wir ungewohnte Wolkenformationen beobachten.


Der Blick durch oder über den Sucher in den Himmel regt auf jeden Fall zur fotografischen Aktivität an – nicht nur nachts.


Alle Fotografien des Himmels über der Provence finden Sie hier in den SCHUBLADEN meines Archivs.

Gerne verweise ich abschließend nicht ganz uneigennützig auch auf meine Werkgruppe aus den Jahren 1992 bis 2022 über das Leben und Wirken des niederländischen Malergenies unter https://k-enderlein-vangogh.com/

MUSEUM DER SCHÖNEN KÜNSTE

Ein Rundgang im gar nicht kleinen Petit Palais in Paris

Wer kann da schon dem Empfang wiederstehen, Foto: © 2024 Karsten Enderlein

Das Petit Palais wurde wie das gegenüberliegende Nachbargebäude, das Grand Palais, an der Avenue Winston Churchill für die Weltausstellung 1900 gebaut. Es wurde 1902 in ein Museum umgewandelt. Das von Charles Girault entworfene Gebäude hat die Form eines Trapezes und besteht aus vier Flügeln, die sich um einen halbkreisförmigen Garten gruppieren, der von einem reich verzierten Peristyl begrenzt wird. Dem Architekten gelang eine gelungene Mischung aus traditioneller und moderner Architektur, die sich im natürlichen Fluss der Besucher durch das Gebäude und in den kühnen Öffnungen zu den Gärten der Champs-Elysées und des Innenhofs zeigt. So wird das Museum in Paris auf seiner Zuhause-Seite beschrieben. Bei unserem Rundgang durch die Ausstellungen wurden alle Begehrlichkeiten, die der Text versprach, befriedigt.


Fürs fotografische Tagebuch – der emotionale Eindruck, der Monets „Sonnenuntergang über der Seine bei Lavacourt, Winterstimmung“ von 1880 hinterlässt, bleibt ohnedies im Kopf, Foto: © 2024 Karsten Enderlein

Voller Demut bewegten wir uns in vermeintlich viel zu großen Sälen, die wir bislang aus nur aus den Lust- und Luxus-Schlössern der Herrschenden voriger Jahrhunderte kannten. Der fast überwältigende Eindruck bestätigte aber gleichermaßen die Erfahrung, dass Kunstkonsum immer auch mit einem Ort- bzw. Raumerlebnis verbunden sein sollte. Unabhängig von präsentierten Werken Kunstschaffender gehört der Raum drumherum mit zur Erfahrung eines geistvollen Erlebens. Das kann aus Kostengründen nicht immer gut gelingen, ist aber im Petit Palais auf jeden Fall im Eintrittsgeld enthalten, und das auch noch in diesem Sommer kostenfrei.


Nicht immer ist weiß auch gleich Marmor, Foto: © 2024 Karsten Enderlein

Bitte schauen Sie alle Fotografien unseres Rundgangs im Petit Palais in den SCHUBLADEN meines Archivs.

Informationen aus erster Hand über das Petit Palais finden Sie hier.

VAN GOGHS STERNENNACHT ZUR NACHHALTIGEN INSPIRATION

Die Fondation Vincent van Gogh Arles zeigt erstmals La Nuit Étoilée am Entstehungsort in Arles in einem Cosmischen Rundgang zusammen mit Werken von 78 weiteren KünstlerInnen aus den Jahren 1861 bis 2024.

Van Goghs Sternennacht (Arles 1888), Leihgabe aus dem Pariser Musée d’Orsay, hinter Glas und gut bewacht, ganz rechts Gemälde von Kasimir Malewitch aus dem Jahr 1916

Die Sternennacht, die Vincent van Gogh im September 1888 nur wenige Meter von der Fondation Vincent van Gogh in Arles entfernt zeigt, ist das Ergebnis eines Wunsches, der ihn seit langem begleitete. Im Frühjahr zuvor schreibt er an seinem Freund Émile Bernard: „Ein Sternenhimmel zum Beispiel – das ist etwas, das ich gerne versuchen würde.“ An seine Schwester: „Ich möchte jetzt unbedingt einen Sternenhimmel malen. Oft habe ich den Eindruck, dass die Nacht noch farbenprächtiger ist als der Tag, in den intensivsten Violett-, Blau- und Grüntönen.“

Lange Zeit ist dieses Gemälde Ausdruck der Aufmerksamkeit, die Vincent der Nacht entgegenbringt, eine Neigung, die er entwickelt hatte, als er Gedichte las und die Werke der von ihm bewunderten Maler studierte.


Die Ausstellung in der Fondation Vincent van Gogh erforscht die visuelle Kultur der Zeit, in der die Sternennacht über der Rhône entstand und befasst sich mit der Nähe dieses Werks zu den Werken späterer Künstler. Der erste Teil widmet sich dem Sternenhimmel und der astronomischen Kultur der Künstler, während der zweite die metaphysischen oder spirituellen Hypothesen behandelt, die Van Gogh und andere in seiner Nachfolge beeinflussten.


Der Rundgang durch die Ausstellung lädt dazu ein, zu begreifen, was der niederländische Meister andeutete, als er seinem Bruder im Juli 1888 schrieb: „[…] – aber Du solltest wissen, dass ich mitten in einer komplizierten Berechnung stecke, die dazu führt, dass die Leinwände schnell nacheinander fertig sind, aber lange vorher berechnet wurden. Und wenn die Leute sagen, dass sie zu schnell fertig sind, kannst du ihnen antworten, dass sie sie zu schnell angeschaut haben.“

In insgesamt sieben Kabinetten des Museums inmitten der Arlenser Altstadt können wir 164 Werke von 78 internationalen Kunstschaffenden erfahren und die unterschiedlichsten Arten von Inspirationen durch das Bild van Goghs ergründen. Die Überschriften der einzelnen Sektionen machen neugierig und helfen bei Fragen nach möglicher Interpretation der ausgestellten Arbeiten: „Dunkelheit, Firmament, Kosmos, Astronomische Werkstatt, Lichter in der Stadt, Spiralen des Himmels, Heilige Sternwarten & Pfade der Seele.“

Die Arbeiten folgender Kunstschaffenden sind höchst ästhetisch in gelungener Museumsarchitektur ausgestellt: Juliette Agnel – Jean-Michel Alberola – Dove Allouche – Jean-Marie Appriou – Giacomo Balla – Anna-Eva Bergman – Lee Bontecou – Djabril Boukhenaïssi – Antoine Bourdelle – Charbel-joseph H. Boutros – Victor Brauner – Gillian Brett  – Frédéric Bruly Bouabré – Carlo Carrà – Frédéric-Auguste Cazals – Maurice Chabas – Jean Chacornac – Gaëlle Choisne – Mikalojus Konstantinas Čiurlionis – Lucien Clergue – Caroline Corbasson – Camille Corot – Tony Cragg – Gustave Doré – James Ensor – Félicie d’Estienne d’Orves – Hippolyte Fizeau – Camille Flammarion – Robert Fludd – Lucio Fontana – Léon Foucault – Helen Frankenthaler – Gloria Friedmann – Akseli Gallen-Kallela – Augusto Giacometti – Jean-Jacques Grandville – Wenzel Hablik – Thomas Houseago – Victor Hugo – Louise Janin  – Eugène Jansson – Vassily Kandinsky – Anish Kapoor – Anselm Kiefer – Paul Klee – Yves Klein – Ivan Klioune – František Kupka – Alicja Kwade – Bertrand Lavier – Kasimir Malevitch – Arturo Martini – Charles Marville – Paul Mignard – Jean-François Millet – Adolphe Monticelli – Mariko Mori – Edvard Munch – Georgia O’Keeffe – Meret Oppenheim – Lioubov Popova – Enrico Prampolini – Ferdinand Quénisset – Odilon Redon – Evariste Richer – Lord Rosse – Raymond Roussel – Warren De La Rue – Franck Scurti – Alexandre Séon – SMITH – Léon Spilliaert – August Strindberg – Bruno Taut – Daniel Tremblay – Étienne Léopold Trouvelot – George Frederic Watts
& Vincent van Gogh



Auch die Fotografie kommt in der sehr attraktiven Ausstellung nicht zu kurz. Zwei großartige Werke von Lucien Clergue sind zu entdecken, dem Arlenser, der mit seinem Freund Michel Tournier 1968 das jährlich in Arles stattfindende Fotografie-Festival Rencontres Internationales de la Photographie gründete, das sich mittlerweile zu einer der größten und einflussreichsten Veranstaltungen in Europa entwickelt hat. Assoziationen mit Andreas Gurskys Serie „Bangkok I bis IX“, die 2011 entstand, sind durchaus gerechtfertigt. Bei Clergue sehen wir Sonnenreflexe auf der Rhône (von 1962), die – durch eine mäßige Langzeitbelichtung abstrahiert – oszillieren, wie Physiker sagen würden.

Ausstellungsansicht mit Lucien Clergues „Soleil sur l’eau, Camargue“ von 1962, Foto: © 2024 Karsten Enderlein

Über Vincent van Gogh, im Zusammenhang mit seinem Werk „Sternennacht“: Er wird am 30. März 1853 in Groot- Zundert in den Niederlanden geboren. Im Alter von 16 Jahren war er bei der Kunsthandelsfirma Goupil & Cie in Den Haag angestellt und arbeitete später für deren Filialen in Brüssel, London und Paris. Da er kein Interesse am Kunsthandel hatte, wandte er sich der Religion zu und trat 1878-1879 als Laienprediger in Belgien auf.

Im August 1880 beschloss er, Künstler zu werden. Er verstand sich als Maler des Alltagslebens, insbesondere der Bauern und Bäuerinnen, und ließ sich unter anderem von Jean-François Millet und Adolphe Monticelli aus Marseille inspirieren. Landschaften und Stillleben bestimmen ebenfalls sein Werk. 1886 entdeckte er in Paris die Kunst des japanischen Drucks und traf sich mit den Künstlern der impressionistischen Bewegung. Van Gogh ist davon überzeugt, dass die Farbe der Schlüssel zur Modernität ist, und zieht im Februar 1888 in die Provence. In Arles kann er inmitten der strahlenden Natur und des hellen Lichts malen.

Aber er möchte auch die Nacht darstellen. Sechs Monate nach seiner Ankunft, im September 1888, schuf er mit La Nuit étoilée eines seiner Hauptwerke. Im darauffolgenden Monat zog Paul Gauguin zu ihm in sein „gelbes Haus“ und verwirklichte damit Van Goghs Traum, in Arles eine Künstlergemeinschaft zu gründen. Ende Dezember endete die Zusammenarbeit nach einem heftigen Streit, in dessen Folge sich Van Gogh selbst verstümmelte. Im Mai 1889 bat der enttäuschte und kranke niederländische Maler um ein Asyl in Saint-Rémy-de-Provence. Dort blieb er ein Jahr lang und setzte seine Suche nach einer ausdrucksstarken, auf Farbe und Pinselstrich basierenden Kunst fort, wobei er unter anderem eine zweite Version von „Sternennacht“ malte. In den 27 Monaten, die Van Gogh in der Provence verbrachte, schuf er über 500 Gemälde und Zeichnungen.

Im Mai 1890 reiste er nach Auvers-sur-Oise, wo er innerhalb von zwei Monaten die letzten 74 Bilder seines insgesamt über 2.000 Gemälde umfassenden Werks malte. Er starb am 29. Juli 1890 im Alter von 37 Jahren.


Auch vor den „Sonnenblumen“ (2016 und 2017/1018)) von Dove Allouche suchen Besucherinnen Inspiration am Firmament, Foto: © 2024 Karsten Enderlein

Alle Informationen zur Ausstellung findet man auf der Zuhause-Seite der Fondation. Der englischsprachige Katalog ist leider zur Zeit vergriffen. Das französischsprachige Exemplar kostet 30,00 Euro zzgl. Versand. Und an dieser Stelle noch ein wichtiger Hinweis für mögliche Provence- und Van-Gogh-Fans, die die weite Reise nach Südfrankreich nicht scheuen: Achtung: Van Goghs Gemälde „Sternennacht“ verlässt die Ausstellung am Abend des 25. August. Die Ausstellung wird bis zum 8. September fortgesetzt.

Die Mäzenin und Stifterin Maja Hoffmann (Mitte) eröffnet die Ausstellung vor großem Publikum, Foto: © 2024 Karsten Enderlein

Alle Fotografien der Ausstellungseröffnung in Arles am 31.05.2024 sehen Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs hier.

Gerne verweise ich abschließend nicht ganz uneigennützig auch auf meine Werkgruppe aus den Jahren 1992 bis 2022 über das Leben und Wirken des niederländischen Malergenies unter https://k-enderlein-vangogh.com/

MEIN PARIS – BEGEGNUNGEN 1978-2024

Aus über 45 Jahren eine Auswahl an Fotografien aus den SCHUBLADEN meines Archivs

MEIN PARIS – BEGEGNUNGEN 05.2024

Ende November 1978: ein Freund bat mich um einen Transport seines in Deutschland gekauften Kühlschranks für seine Wohnung im damaligen Arbeiterviertel um die Rue Saint-Maur im 11. Arrondissement. Eine abenteuerliche Fahrt über die „grüne Grenze“ mit meinem Renault R6 TL – bei Nacht und Nebel, weil wir den Einführungszoll auf Küchengeräte nach Frankreich sparen wollten. Mein erstes Mal in Paris. Seitdem zieht es mich regelmäßig in die französische Metropolregion an der Seine mit heute mittlerweile über zwölf Millionen Einwohnern. Damals wirkte diese riesige Stadt auf mich Landei unheimlich exotisch. So viele Menschen in Bewegung, so viele wunderschöne alte Wohnhäuser und Bauten, so viele Straßencafés, so viel Lärm und so viel Farbe und Farbigkeit kannte ich nicht einmal aus Berlin, und der damals noch existierende Westteil der Stadt war schon eine große Nummer. Die mich fast überfordernden Impressionen wollte ich nicht nur als Erinnerung im Kopf behalten, deshalb war bis heute auf jeder meiner Paris-Reisen die Kamera dabei – zuletzt auf einer Frankreich-Reise im Juni dieses Jahres.


Ganz Paris scheint ständig in Bewegung. Reisende mit mehr oder weniger Gepäck begegnen einem in der ganzen Stadt, rund um die Uhr. Dem historischen Zentralismus der Pariser Herrschenden ist es geschuldet, dass auf Reisen durch Frankreich, egal ob mit dem Zug, dem Auto oder dem Flugzeug kein Weg an der Metropole vorbeiführt. Als Zug- und Flugreisender muss man dann von einem Kopfbahnhof zum anderen Anschluss-Kopfbahnhof quer durch die Stadt. Also ab in den Untergrund, in die Metro, erste Strecke im Jahre 1900 erbaut. Hier ist dicht gedrängt ein repräsentativer Querschnitt durch die französische Bevölkerung zu beobachten. Alles fährt, alles läuft, und in den Cafés rund um die Bahnhöfe warten alle auf den nächsten Anschluss.



Genügend Raum gibt es in der brodelnden Metropole für die heute so genannte Entschleunigung aber auch. Große und kleine oasenartige Parks bieten nicht nur im Sommer Gelegenheit für Begegnungen oder für einen erholsamen kleinen Schlaf. Denn Paris kann anstrengend sein, auch weil bis zu 16 Millionen ausländische Touristen pro Jahr auf der Suche nach Kultur und Konsum diese beiden Ereignisse pauschal vermischen.


Eine Musterwohnung mit dem poetischen Namen „Eve“ stand im Dreck zur Besichtigung, ein Quadratmeter 2.800 Francs. Einige Häuser waren schon bewohnt, sie hatten große Innenhöfe, durch die Passagen pfiff der Wind. In einem Innenhof sah ich auch einen Kinderspielplatz: Er bestand nur aus einem quadratischen Sandkasten, zwanzig mal zwanzig Meter. Zwei Kinder saßen dösend darin. Es gab ein Schnellverkaufgeschäft, das „Quick food“ hieß. An einer Snack-Bar mit Sandwiches und dergleichen stand traurig mit alt-französischen Buchstaben „Brasserie“… La Défense müßte eigentlich Sperrzone sein – weil da die Geheimnisse der technokratischen Welt sich ganz unverschämt verraten. Ein Stacheldraht gehört ringsherum und Schilder „Fotografieren verboten“. Aber die verantwortlichen Unmenschen in ihren menschenwürdigen Umgebungen sind sich schon zu sicher. Geil lassen sie auf den Tafeln vor den Hochhausunterschlupfen ihre Namen leuchten: Bank von Winterthur, Chase Manhatten Bank, Siemens, Esso… Die Architekten und Planer sollen sich inzwischen von ihren eigenen Entwürfen distanzieren, hört man. Was ist das, ein Architekt? Peter Handke: Als das Wünschen noch geholfen hat. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1974


Peter Handke! 1974! – Seitdem hat sich viel verändert, oder auch nicht? Paris ist viel zu groß und zu komplex, um Unterschiede und Kontraste zwischen Kunst und Kommerz, arm und reich, groß und klein verbergen zu können. So erfährt man immer augenfällige Gegensätzlichkeiten – wie zwischen Tag und Nacht. Dadurch ist kaum Veränderung durch Anpassung sichtbar, denn manchmal sind die Unterschiede einfach zu groß. Dieses Jahr ist Paris ganz im Olympia-Taumel. Nach Roland Garros und der Tour de France ein weiterer Höhepunkt verkommerzialisierter Sportereignisse. Das Paris am Rand kurz vor der Périphérique bietet dennoch Platz für Besinnlichkeit und Abstand, und das ständige Rauschen signalisiert trotzig weiterhin die Lebendigkeit und Vielfältigkeit dieser einzigartigen Stadt.


Mein Traum von Paris wird weitergehen. Und ich werde zurückkehren und werde wieder überrascht sein von Neuem wie von Bewährtem. Und ich werde brennen, wieder auf den Straßen Begegnungen zu erfahren, Begegnungen mit Menschen, Situationen und Orten. Kaum eine Reise verändert so stark mein Denken wie eine nach Paris. Und für mein Leben und meine Fotografie finde ich nirgends so viel Inspiration wie in dieser Stadt. Deshalb hoffe ich auf noch viele Begegnungen in meinem Paris.


Eine Auswahl meiner PARIS-Fotografien finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs an dieser Stelle.

Alle Fotos: © 2024 Karsten Enderlein