ROBERT LEBECK. 1968

Das KUNSTMUSEUM WOLFSBURG zeigt Fotografien des deutschen Fotojournalisten Robert Lebeck (*1929 – †2014) aus dem Jahr 1968.

Ich durfte die Ausstellung im Vorfeld der Eröffnung besichtigen. Noch bis zum 22. Juli 2018 können Besucher auf 900 Quadratmetern 110 Fine-Art-Prints aus dem Archiv des Fotografen bestaunen. Seine Witwe Cordula Lebeck verwaltet das umfangreiche Achiv Robert Lebeck und stellte mit dem Direktor des Kunstmuseum Wolfsburg, Dr. Ralf Beil, und Dr. Alexander Kraus , vom IZS (Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Stadt Wolfsburg), eine beeindruckende und umfangreiche Präsentation zusammen. Über achtzig der Fotomotive sind bislang unveröffentlicht und werden erstmals in einer Ausstellung gezeigt.

Motiviert durch die Zeigung der Kontakatabzüge verschiedener Reportage-Serien in der Ausstellung habe ich den Beitrag dieses Blogs ebenfalls in Anlehnung an die analogen Zeiten eines Bildbericht-Erstatters angelegt. Schließlich erinnere ich mich selber noch all zu gut an die Dunkelkammerarbeit und die anschließende Bereitstellung der Bildmotive auf Foto-Papier für die Redaktionen.

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Nach der Auswahl der Motive wurde ein Probeabzug mit Hinweisen für die Redaktion gemacht.

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Der könnte dann so (Bild oben, mit den Protagonisten der Ausstellung) ausgesehen haben. Bildunterzeile im Klartext: v.l.n.r.: Dr. Alexander Kraus (IZS, Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Stadt Wolfsburg), Cordula Lebeck (Archiv Robert Lebeck), Anita Placenti-Grau (IZS) und Dr. Ralf Beil (Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg). Ups, auf einmal in Color? Ganz ehrlich? Selbstverständlich alles digital gebaut. Aber diejenigen, die im Zeitalter analoger Fotografie groß und ab und an auch berühmt geworden sind, werden sich möglicherweise gut und gerne erinnern: an den „Workflow“ damaliger Arbeitsprozesse.

Ich war zwar für die 68er etwas zu jung, habe aber einen älteren Bruder (Jhrg. 1950), der durch die Ereignisse der Bewegung genügend motiviert war, kurz vor dem Abitur im Mai mit seinen Schulfreunden sein Gymnasium „anzuzünden“. So zumindest der Sprachgebrauch in der Provinz-, wenn auch Hansestadt Wesel. Später stellte sich allerdings heraus, dass die jugendlichen Vorabiturienten nach einer vorgezogenen Abi-Feier lediglich ins Gymnasium-Gebäude eingestiegen waren und die Feuerlöscher leer „gelöscht“ hatten – ohne Feuer. So blieben meiner Heimatstadt die Auswirkungen der 68er-Bewegung, zumindest unmittelbar, erspart.

1975 fing ich meine Ausbildung zum Fotografen an und die startete in den ersten Monaten mit Dunkelkammer-Dienst: Chemie ansetzen und Filme entwickeln für meine Meister. So ist die großartrige Lebeck-Schau in Wolfsburg auch ein kleines Stück Reise in meine eigene Vergangenheit. ke


„Das Jahr der Studentenunruhen fand ohne mich statt.“
Robert Lebeck, Erinnerungen eines Fotoreporters

Fotos: © Archiv Robert Lebeck

Robert Lebeck (1929 – 2014)
Ungewöhnliche Reportagen in den Zeitschriften „Revue“ und „Kristall“ machen den Fotografie-Autodidakten rasch bekannt. Schnell wird der „Stern“, eine der damals auflagenstärksten Illustrierten Deutschlands, auf ihn aufmerksam. 1966 entsendet die Wochenzeitschrift den gebürtigen Berliner als Bildkorrespondenten nach New York. Anfang 1968 kehrt Robert Lebeck zurück nach Hamburg und fotografiert fortan weltweit im Auftrag des „Stern“. Bis 1995 wird er, nur unterbrochen von einem kurzen Intermezzo als Chefredakteur bei „Geo“, als Fotoreporter für die Illustrierte arbeiten. Zahlreiche Ausstellungen, Bücher und Preise würdigen schon zu Lebzeiten sein umfangreiches OEuvre.

Robert Lebeck und das Jahr 1968 – Zwölf Monate, vierundzwanzig Reportagen
„Als in Paris die Barrikaden brannten, arbeitete ich in Florida an einer Serie über zwei ermordete Studentinnen; während Studenten vor dem Springer-Hochhaus demonstrierten, fotografierte ich die Taufe von Hildegard Knefs Kind; und als die Russen in Prag einmarschierten, begleitete ich gerade den Papst nach Bogotá.“ So resümiert der deutsche Fotograf, Bildjournalist und Sammler Robert Lebeck in seinen „Erinnerungen eines Fotoreporters“ das Jahr 1968. Bei genauerer Betrachtung der Kontaktbogen, Fotoabzüge sowie Reportagen von Robert Lebeck, die in diesem epochemachenden Jahr für den „Stern“ entstanden sind, zeigt sich allerdings, wie sehr sich entgegen der Einschätzung des Fotografen die gesellschaftlichen Veränderungen in seinen pointierten Aufnahmen spiegeln.

Diese exemplarischen Reportagefotografien machen den Aktionsradius des Bildjournalisten in diesem Jahr sichtbar. Es folgen acht zentrale Ausstellungskapitel in chronologischer Reihenfolge: vom Prager Frühling bis zum nordirischen Winter. Medienstationen und Großprojektionen bilden den zeitgeschichtlichen Rahmen, in dem die Bedeutsamkeit der Fotografien Robert Lebecks umso deutlicher wird. Original-Kontaktbogen und „Stern“-Hefte geben zudem vertiefte Einblicke in die fotografische Arbeit Lebecks und die bildredaktionelle Praxis jenes Jahres.


Fotos: © 2018 k.enderlein FOTOGRAFIE

In der Ausstellung „Robert Lebeck. 1968“ werden – fünfzig Jahre später – die im mythisierenden Rückblick bislang nicht immer wahrnehmbaren roten Fäden des Jahres zwischen Aufbruch, Protest, Beharren und Scheitern anhand beispielhafter Fotografie-Serien sichtbar, die Robert Lebeck in New York, Bogotá, Kassel, Belfast oder Wolfsburg erstellt hat. Viele von ihnen sind – das macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus – nie gedruckt worden und der Öffentlichkeit bislang komplett unbekannt. Ob „Geschiedene Frauen“, Rudi Dutschke in Prag, Robert F. Kennedys Beerdigung oder Joseph Beuys auf der documenta: Stets trifft in Robert Lebecks Arbeiten verdichtete Zeitgeschichte auf starke Bildreportage sowie Fotokunst.
Die Schau beginnt suggestiv mit einem raumhohen All-Over der Fotografie Robert Lebecks und Originaltondokumenten von 1968. Nach einem Saal zu „1968“, der die unterschiedlichsten Aktionsfelder des Fotojournalisten in diesem Jahr sichtbar macht, folgen dann die zentralen acht Ausstellungskapitel und Fotoreportagen in chronologischer Reihenfolge vom Prager Frühling bis zum nordirischen Winter. Medienstationen und Großprojektionen bilden die zeitgeschichtliche Folie, auf der die Bedeutsamkeit der Fotoreportagen Robert Lebecks umso deutlicher wird. Original-Kontaktbogen und „Stern“-Hefte geben den Besuchern zudem vertieften Einblick in die fotografische Arbeit Lebecks und die bildredaktionelle Praxis jener Jahre. Text: Kunstmusem Wolfsburg


ZDF – Zahlen, Daten, Fakten zur Ausstellung:

Ausstellungstitel Robert Lebeck. 1968
Ausstellungszeitraum 4. März bis 22. Juli 2018
Ausstellungsort Gesamtes Obergeschoss des Kunstmuseums Wolfsburg
Ausstellungskuratoren Ralf Beil, Alexander Kraus (IZS, Wolfsburg)
Ausstellungsobjekte 110 eigens fr die Ausstellung produzierte Fine-Art-Prints,
davon 100 in Schwarz-Weiß und 10 in Farbe (Nordirland-Reportage)
33 Original-Kontaktbogen (Wolfsburg, documenta)
18 „Stern“-Hefte des Jahres 1968 mit Robert Lebeck-Fotostrecken
5 Medienstationen (documenta, Fall Kreutzmann, Bogotá)
1 Kinoraum (Beerdigung Robert F. Kennedy)
1 Großprojektion (Joseph Beuys auf der documenta)
sowie originale Tondokumente aus dem Jahr 1968
Ausstellungskatalog Herausgeber Ralf Beil, Alexander Kraus
Verlag Steidl Verlag, Göttingen
Autoren Ralf Beil, Michael Glasmeier, Fabian Köster, Alexander Kraus,
Aleksandar Nedelkovski, Stefanie Pilzweger-Steiner, Stephan Ruderer,
Annette Vowinckel, Martina Winkler, Ulf Erdmann Ziegler
Gestaltung Cordula Lebeck, Berlin
Abbildungen 180 Schwarz-Weiß-Abbildungen, 28 Farb-Abbildungen,
18 „Stern“-Doppelseiten
Technische Übersicht Hardcover, 320 Seiten, 226 Abbildungen, 22,5 x 30 cm
Sprachen deutsche und englische Ausgabe
Preis 38 € im Museumshop


Alle meine Fotos zum Ausstellungspreview finden Sie in den SCHUBLADEN meines Fotoarchives:

PhotoAlbum BEGEGNUNGEN

weitere Informationen:

Kunstmuseum Wolfsburg

YouTube Video ROBERT LEBECK

 

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