SALLY MANN

„Nur wenige Fotografen zu irgendeinem Zeitpunkt und an irgendeinem Ort haben Sally Manns Beständigkeit des einfachen Sehvermögens, ihre ruhige technische Brillanz und die klar kommunizierte Beredsamkeit, die sie von ihren menschlichen und anderen Subjekten bezieht, erreicht – Subjekte, die mit einer Leidenschaft beobachtet werden, die von der Liebe kaum zu unterscheiden ist.“ Reynolds Preis, TIME

JEU DE PAUME, Paris – Sally Mann © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Das Jeu de Paume in Paris befindet sich im Jardin des Tuileries, nur wenige Schritte vom Place de la Concorde entfernt und ist ein Ort, der sich Fotografie, Video, Kunst- und Autorenfilm und neuen Technologien widmet. Bis zum 22. September 2019 zeigt das Museum die Retrospektive der amerikanischen Fotografin Sally Mann (*1. Mai 1951 in Lexington, Virginia, USA).

Seit mehr als vierzig Jahren produziert Sally Mann experimentelle Fotografien von eindringlicher Schönheit, die die wesentlichen Themen des Lebens erforschen: Erinnerung, Begehren, Tod, familiäre Bindungen und die meisterhafte Gleichgültigkeit der Natur gegenüber Männern. Die Einheit dieses riesigen Korpus – Porträts, Stillleben, Landschaften und verschiedene Studien – basiert auf der Erinnerung an einen Ort, den Süden der Vereinigten Staaten.

Sally Mann hat vor langer Zeit darüber geschrieben, was es bedeutet, im Süden der Vereinigten Staaten zu leben. Basierend auf einer tiefen Liebe zu ihrer Heimat und einer guten Kenntnis ihres komplexen historischen Erbes wirft sie starke und herausfordernde Fragen zu Geschichte, Identität, Rasse und Religion auf, die über geografische und nationale Grenzen hinweggehen. Die Ausstellung, die erste große Retrospektive der renommierten Künstlerin, beschäftigt sich damit, wie ihr Verhältnis zu ihrer Heimat ihr Werk geprägt hat.

Die Retrospektive, die in fünf Teilen organisiert ist und viele der Öffentlichkeit unbekannte oder unveröffentlichte Werke zeigt, ist sowohl ein Überblick über das Werk der Künstlerin über vier Jahrzehnte als auch eine detaillierte Analyse, wie sich das Erbe des Südens, sowohl Heimat als auch Friedhof, Zuflucht und Schlachtfeld, in seinem Werk als mächtige und beunruhigende Kraft herausstellt, die bis heute die Identität und Erfahrungen eines ganzen Landes prägt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museums.


BERTHE MORISOT

Das Musée d´Orsay in Paris zeigt die Impressionistin in einer umfangreichen Einzelausstellung noch bis zum 22. September 2019

Musée d`Orsay, Paris – Berthe Morisot © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Berthe Morisot (1841-1895) ist eine wichtige Figur des Impressionismus, die heute weit weniger bekannt ist als ihre männlichen Kollegen Monet, Degas oder Renoir. Sie war jedoch von Beginn an als einer der innovativsten Künstler der Gruppe anerkannt.

Sie ist eine der großen Damen des Impressionismus, neben Mary Cassatt und Marie Bracquemond. Berthe Morisot, ganz in der Nähe von Édouard Manet, dessen Modell und Freundin sie war, zeichnet sich durch ihre Vorliebe für Porträts, das Thema Kindheit und Mutterschaft, aus. Es war nicht einfach für eine Frau, sich in der Welt der modernen Kunst durchzusetzen. Obwohl sie zunächst kritisiert und verspottet wurde, unterstützt von ihrem Mann Eugène Manet, dem Bruder des Malers von „Mittagessen auf dem Rasen“, gab sie die Malerei nie auf und machte Julie, ihre Tochter, zu ihrem Lieblingsmodell.

Berthe Morisot wurde in Bourges als Tochter eines Präfekten geboren und stammt aus der Bourgeoisie. Ermutigt, ihre künstlerische Sensibilität zu entwickeln, bildete sie sich wie ihre Schwester Edma in der Kunst der Malerei aus. Beide stellten seit 1864 im Salon aus. Damals war es den Frauen verboten, die École des beaux-arts zu besuchen, und der junge Künstler trainierte nach den großen Meisterwerken des Louvre. Dort traf sie Édouard Manet, einen Künstler, der bereits berühmt und umstritten war. Berthe erhielt auch Unterricht von Jean-Baptiste Camille Corot.

Die junge Künstlerin begann als Landschaftsgärtnerin, bevor sie sich der Figur näherte, einem Thema, das sie in den 1870er Jahren behandelte. Unabhängig davon besuchte sie ein hochkarätiges künstlerisches Umfeld: Edgar Degas, Charles Cros, das Paar Manet, Mallarmé…. Berthe nutzte den Einfluss von Manet und diente ihm bei vielen Gelegenheiten als Modell. Ihre Bindung wurde durch Berthes Heirat mit Eugène, dem Bruder von Edouard Manet, im Jahr 1874 gestärkt.

1874 markiert die Geburt der impressionistischen Bewegung, zu der Berthe Morisot aktiv beitrug. Sie war die einzige Malerin in der berühmten impressionistischen Ausstellung bei Nadar in diesem Jahr. Morisots Palette zeichnete sich durch ihren weißen Geschmack aus, und ihre Berührung wurde im Dienste der intimen Subjekte entfernt. Dies war die Zeit ihrer persönlichen Entwicklung, obwohl sie mit Kritik konfrontiert war, die allen modernen Malern feindlich gesinnt war und sie für die Leere der Themen, die Art und Weise der Malerei und die Ablehnung des Akademismus verantwortlich machte.

1878 wurde Julie, die einzige Tochter des Paares, geboren. Sie wurde das Lieblingsmodell ihrer Mutter und lernte mit ihr zu malen. 1892 verschwand ihr Vater Eugene und der Dichter Mallarmé wurde zum Vormund des Mädchens. Für Berthe Morisot waren die 1890er Jahre eine Zeit des Schmerzes und der Krankheit, obwohl die Künstlerin als eine der großen Persönlichkeiten der impressionistischen Avantgarde galt. Sie starb 1895.

Mehr Informationen zur Ausstellung im Musée d´Orsay in Paris gibt es auf der Zuhause-Seite des Museums.


VAN GOGH BEWEGT

Eine Reise zu den größten Meisterwerken van Goghs!

Atelier des Lumières, Paris – La Nuit Étoilée, © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Die digitale Ausstellung im Atelier des Lumières in der Rue Saint Maur in Paris lässt die Besucher in die Gemälde von Vincent van Gogh (1853-1890) eintauchen, einem Genie, das zu seinen Lebzeiten nicht anerkannt wurde und die Malerei verändert hat. Diese neue visuelle und musikalische Produktion, die auf die gesamte Fläche des Ateliers projiziert wird, zeichnet das intensive Leben des Künstlers nach, der in den letzten zehn Jahren seines Lebens mehr als 2.000 Bilder gemalt hat, die sich heute in Sammlungen auf der ganzen Welt befinden.

Die Ausstellung untersucht van Goghs zahlreiche Werke, die sich im Laufe der Jahre radikal weiterentwickelt haben, von den „Kartoffelessern“ (1885), „Zwölf Sonnenblumen in einer Vase“ (1888) und „Sternenhimmel“ (1889) bis hin zu „Schlafzimmer in Arles“ (1889). Das Atelier des Lumières hebt die ausdrucksstarken und kraftvollen Pinselstriche des niederländischen Malers hervor und wird von den kräftigen Farben seiner einzigartigen Gemälde beleuchtet. Warme Farbtöne weichen düsteren Farben. Die eindringliche Ausstellung erinnert an van Goghs hoch emotionale, chaotische und poetische Innenwelt und unterstreicht das ständige Wechselspiel von Licht und Schatten.

Die thematische Route zeichnet die Lebensabschnitte des Künstlers und seine Aufenthalte in Neunen, Arles, Paris, Saint-Rémy-de-Provence und Auvers-sur-Oise nach. Die Besucher werden in das Herz seiner Werke entführt, von den frühen bis zu den reifen Jahren, von seinen sonnigen Landschaften und Nachtlandschaften bis zu seinen Porträts und Stillleben.

Ergänzt wird dies durch ein neues Lehrmittel im Inneren des Tanks im Zentrum des Ateliers: Eine Auswahl der berühmten Gemälde van Goghs ist in ihrer Gesamtheit vertreten und wird von Kommentaren über sein Werk und das Museum, in dem es ausgestellt ist, begleitet.

Das visuelle und musikalische Werk von Culturespaces unter der Leitung von Gianfranco Iannuzzi, Renato Gatto und Massimiliano Siccardi hebt den farblichen Reichtum seiner Palette hervor, ebenso wie die Kraft seiner Zeichnungen und seine Verwendung von Impasto.

Zu sehen ist die multimediale Installation noch bis zum 31. Dezember 2019.

Cornelia Ganitta hat auf ihrer Internet-Seite artbenelux.de einen wunderbaren Bericht über die Präsentation in Paris geschrieben.

Weitere Informationen zu der Ausstellung gibt es hier, auf der Zuhause-Seite von Atelier des Lumières.


KUNSTPALAST ZEIGT NORBERT TADEUSZ

29. August 2019 bis 5. Januar 2020

Mein Bildbericht der Ausstellungsvorbesichtigung

KUNSTPALAST Düsseldorf – Norbert Tadeusz, Ausstellungsansicht © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Der Kunstpalast zeigt mit etwa 40 Gemälden und Arbeiten auf Papier die erste Museumsausstellung von Norbert Tadeusz (1940–2011) in Düsseldorf seit 1991. Der gebürtige Dortmunder studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys und nahm mit seinem figurativen, sehr körper­lichen Malstil schnell eine Sonderstellung ein, die sich von den konzeptuell, minimalistisch oder abstrakt ausge­richteten Arbeiten von Kommilitonen wie Imi Knoebel, Blinky Palermo, Reiner Ruthenbeck oder Katharina Sieverding deutlich abhob. Die Figur im Raum sollte zu seinem zentralen Thema werden. „Ich male, was ich gesehen habe“, war sein häufig zitiertes Credo.

KUNSTPALAST Düsseldorf – Norbert Tadeusz, Generaldirektor Felix Krämer (rechts) © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Mit dieser Präsentation bringen wir dem Publikum einen der wichtigsten figurativen Maler seiner Generation in Erinnerung.“, betont Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast. „Tadeusz´ ebenso virtuose wie provokante Bilder haben nichts von ihrer Brisanz eingebüßt.“

KUNSTPALAST Düsseldorf – Norbert Tadeusz, Kurator Kay Heymer © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Mit seiner Malerei markierte Tadeusz im Vergleich zu den während seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie vorherrschenden konzeptuell, minimalistisch oder abstrakt ausgerichteten Arbeiten schnell einen eigenständigen Stil.“, unterstreicht Kay Heymer. „In seiner figurativen Malerei hat er sich mit zeitgenössischen formalen Fragen auseinandergesetzt, blieb dabei aber immer beeinflusst von archaischen Vorstellungen.“

Folgestation der Ausstellung ist das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster (8.5.2020 bis 2.8.2020)

Alle Bilder der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Infos zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des KUNSTPALAST

Portrait Norbert Tadeusz, 2010 Foto: © Michael Dannemann

AUS MEINEN SCHUBLADEN 08.19

Auch wenn die Pariser Enten nicht schwimmen können, sie lieben im heißen Sommer das kühlende Wasser im Rinnstein.“ © Paris 1980er Jahre, 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Bösartige, heruntergekommene, geschundene, betrügerische Stadt! Du hast mir geholfen.“ Michel Butor (französicher Schriftsteller, *September 1926 †August 2016)

„In Paris herumstreifen – anbetungswürdiges und köstliches Dasein. Flanieren ist eine Wissenschaft, ist die Feinschmeckerei des Auges. Spazierengehen ist vegetieren, flanieren heißt leben.“ Charles Baudelaire (französicher Schriftsteller, *April 1862 †August 1867)

„Der Pariser hat die Fähigkeit, sich mit allem eifrigst zu beschäftigen, aber nur drei Tage lang. Am vierten gilt es als taktlos, noch einmal davon anzufangen.“ Stendahl (französicher Schriftsteller, *Januar 1783 †März 1843)

„Was den Parisern fremd ist, kommt ihnen lächerlich vor. Ich gestehe, ich kann diese Begeisterung für ihre eigenen Sitten nich in Übereinstimmung bringen mit ihrer Gabe, sie alle Tage auszuwechseln.“ Michel de Montaigne (französicher Philosoph, *Februar 1533 †September 1592)

„Paris ist schwer. Eine Galeere. Ich kann nicht sagen, wie unsympathisch mir hier alles ist, mit welcher Ablehnung ich hier herumgehe. Die Gasse begann von allen Seiten zu riechen. Es roch, soviel sich unterscheiden ließ, nach Jodoform, nach dem Fett der Pommes frites, nach Angst. Alle Städte riechen im Sommer.“ Rainer Maria Rilke (deutscher Dichter, *Dezember 1875 †Dezember 1926)

„Es ist verrückt, daß die Kleider der großen Modemacher so viel kosten. Da könnte man wirklich zum Kommunisten werden.“ Brigitte Bardot (französiche Filmschauspielerin und Sängerin, *1934 in Paris)

„Jeder, der es riskiert hierherzukommen, sollte sich also sagen, daß er sich nicht auf Rosen bettet. Was sich hier erreichen läßt, das ist der Fortschritt, und was zum Teufel das auch sein mag, der ist hier zu finden.“ Vincent van Gogh (holländischer Maler, *März 1853 †Juli 1890)

Auch Karl Lagerfeld war Paris. Ich träume oft von dieser Stadt. Mal ehrlich, Paris ist doch immer eine Reise wert. ke

Mehr meiner Bildberichte aus der französischen Metropole finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album REISEBILDER.


HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH

William Egglestone (* 27. Juli 1939 in Memphis, Tennessee) ist achtzig geworden.

aus „OPEN CITY – Street Photographs since 1950“, Katalog zur Ausstellung im MUSEUM OF MODERN ART OXFORD, 2001, Seiten 116/117 © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Freddy Langer, als Redakteur im Feuilleton der F.A.Z. zuständig für das „Reiseblatt“, würdigte die Arbeit des Fotografen William Egglestone in einem schönen Bericht in seiner Hauszeitung.

Hier ist die Zuhause-Seite des US-amerikanischen Fotografen.


MARTIN PARR – RETROSPEKTIVE

19.7. bis 10.11.19 – NRW FORUM DÜSSELDORF

Anlässlich der Ausstellung „MARTIN PARR – RETROSPEKTIVE“ im NRW FORUM Düsseldorf erzählt der britische Fotograf (2. von links) ausnahmsweise ohne Kamera der zur Ausstellungsvorbesichtigung eingeladenen Presse eine Geschichte, links im Bild der Kurator der Ausstellung Ralph Goertz – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ein Geschichtenerzähler, der das mit seiner Kamera tut, heißt neudeutsch „Visual Storyteller“. Schafft man es, eine ganze Geschichte in einem einzigen Foto zu erzählen, ist dieses Bild eine One Picture Story. Der britische Fotograf Martin Parr (*1952 in Epsom, Surrey) bedient diese Genre seit den 1970er Jahren – und damals hätte man ihn noch Bildberichterstatter, Lichtbildner oder Reportagefotograf genannt. Unter den FotografInnen seiner Zeit war er ein Dokumentarfotograf, ein Chronist. Und das ist er bis heute, wie seine jüngste Arbeit mit dem Titel „KLEINGÄRTNER“ zeigt, die er mit dem Kurator Ralph Goertz in Düsseldorfer Kleingartensiedlungen im Laufe des letzten Jahres visualisiert hat.

Martin Parr in der Ausstellung neben einem Motiv seiner Serie „KLEINGÄRTNER“ – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Mit typisch britischem Humor karikiert er die Menschen in ihrem persönlichen Umfeld, zumeist bunt und schrill und häufig unwiderstehlich intim. Dabei inszeniert er seine Protagonisten aber immer höflich und liebevoll, und das sieht man den Bildern auch an. Er zeichnet mit seiner Kamera keine kritischen Szenarien, er überlässt es uns BetrachterInnen, seine Geschichten weiter und zu Ende zu denken.

Martin Parr – Knokke, Belgium 2001 © Martin Parr/Magnum-Photos

Neben vieler seiner bekannten Farbmotive zeigt die Ausstellung im NRW FORUM auch Parrs frühen Arbeiten aus den 1970er Jahren in kontrastreichem schwarz und weiß. Schon damals beherrschte Parr die Kunst, den Blitz an der Kamera als Aufhelllicht für die bildwichtigen Teile im Motiv dezent aber wirksam einzusetzen. Heute arbeitet Parr gerne mit einem Ringblitz ums Objektiv.

Martin Parr, NRW FORUM – Ausstellungsansicht © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Martin Parr – O’Connell Bridge, Dublin, IRELAND, From ‚Bad Weather‘ – October 1981 © Martin Parr/Magnum Photos

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des NRW FORUM


TILL BRÖNNER – MELTING POTT

k.e Der Jazz-Musiker Till Brönner (*1971 in Viersen) bespielt das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg mit seiner Fotografie (noch bis 6. Oktober 2019).

Als Jazz-Musiker gilt Till Brönner schon lange als Nr. 1 in Deutschland und als einer der ganz Großen in der Welt. Seine Sensibilität und seine Krativität als Musiker hat er wohl ohne große Schwierigkeiten auf die Fotografie übertragen können. Vor etwa acht Jahren hat er angefangen neben seinem tagesfüllenden Hauptberuf, neben täglichen Übungen mit der Trompete, neben Konzerten und vielen Reisen, auf seinen internationalen Tourneestationen eine Kamera in die Hand zu nehmen. Seine Motive waren die Portraits anderer KünstlerInnen in seinem Umfeld. Hier half ihm die intime Nähe zu seinen KollegInnen, die seine Portraits stark wirken ließen. Und so gab es bereit 2014 einen opulenten Bilderkatalog beim teNeues-Verlag unter dem Titel „Faces of Talent“.

Mittlerweile bestens mit der Kamera vertraut ließ sich Brönner dann vor etwa zwei Jahren auf ein Projekt ein, das ihm für musikalische Arbeit wenig Zeit ließ. Die Idee dieses Projektes stamme ursprünglich von Bodo Hombach (*1953 in Mülheim an der Ruhr), in dessen Funktion als Vorstandsmitglied der Brost-Stiftung. So weiß es Walter Smerling (Direktor Museum Küppersmühle) zu berichten.

Mit der niederrheinischen (Un-)Voreingenommenheit des gebürtigen Vierseners reiste Brönner seit Ende 2018 bis kurz vor den geplanten Ausstellungstermin im Juni 2019 mit der Kamera durch das ihm bis dahin unbekannte Revier. Zumeist in schwarz/weiß entstanden so Bildberichte unterschiedlichster fotografischer Genres: Landschaften, Industrie, jounalistische Reportagen, Abstraktionen und immer wieder auch Portraits – mal klassisch inszeniert, mal im Reportagestil.

TB: „Für mich hat es hier im Ruhrgebiet ‘gemenschelt’, und deshalb war klar, dass ich die Geschichte dieser Ausstellung weitgehendst über Menschen erzählen wollte.“

Beim Begehen der Ausstellungsräume des Museums Küppersmühle bekommt man schnell den Eindruck, die Retrospektive eines Lichtbildners aus den letzten zwanzig Jahren zu sehen. Vertraut man aber den Wandtexten, die die Entstehungsdaten ausschließlich aus den Jahren 2018 und 2019 ausweisen, so begreift man, mit welcher hoch konzentrierten Leidenschaft der Fotoautor Brönner in den wenigen Monaten das Ruhrgebiet begriffen hatte.

Wir sehen die Fotografien eines sensiblen und gewandten Formalästheten, der das Genre der Fotografie ebenso beherrscht, wie sein Musikinstrument. Nur leider findet man keine neuen Bilder aus dem Revier. Nicht nur die Bildsprache ist den vielen bekannten Bildern zahlreicher FotografInnenen ähnlich, die sich im Revier mit der Kamera kurzfristig ausgetobt haben oder das Umfeld langfristig beobachtet haben, weil sie dort leben. Es sind auch die immer wiederkehrenden Motive der Montan-Industrie, der Trinkhallen, mit und ohne Menschen, der Fußball- und Sporvereine, der medizinischen und sozialen Einrichtungen für versehrte Kinder aus den Krisenbgebieten dieser Welt – wir sehen eine Schönheitskönigin und die verschiedensten Gruppen von Menschen, die sich nach der Arbeit in Sport-, Karnevals-, Motorrad-, Fußball- und anderen Vereinen versammeln.

Nur die Menschen, die Protagonisten der Fotoserien, sind jetzt andere. Aber machen sie wirklich das charkteristische dieser Region aus? Oder findet man sie nicht überall auf der Welt? Dann drängt sich jedoch sofort die nächste Frage auf: Was ist denn dann das Alleinstellungsmerkmal des seit Jahrzenten sich verändernden Reviers, das sich lohnte, fotografisch umzusetzen?

Diese Antwort fällt nicht leicht – und so helfen auch die zum Teil aussagekräftigen Fotografien von Till Brönner leider nicht, das Revier neu zu sehen.

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Mehr Informationen zur Ausstellung in Duisburg finden Sie auf der Zuhause-Seite des MKM


SOMMERUNDGANG 2019

Die Kunstakademie Düsseldorf zeigte die Abschlussarbeiten ihrer Studierenden vom 10. bis 14. Juli 2019

51 Studierende Stellten stellten ihre Abschlussarbeiten vor:

Laura Aberham, Israel Aten, Eliza Ballesteros, Yukie Laurentia Beheim, Joscha Bender, Louisa-Sophie Brüseke, Jana Buch, Vanessa Castra, Dana-Zoe Dittrich-Wamser, Benjamin Eberhardt, Bradley Aaron Emerson, Lisa-Maria Feike, Thimo Franke, Teye Gerbracht, Lukas Goersmeyer, Nicholas Brian Grafia, Manuel Gröger, Paulina Hoffmann, Soonho Jeong, Steve Joußen, Kaiso, Sarah Krischnick, Lisa Klinger, Annette Kössler, Lukrezia Krämer, Moritz Krauth, Aylin Leclaire, Eun-Hwa Lee, Jacob Madel, Oliver Meier, Filiz Özcelik, Richard Pothmann, Maximillian Sänger, Rosa Sarholz, Kai Schmidt, Lisa Seidel, Linjie Sheng, Maya Shirakawa, Christina Steffans, Arjan Stockhausen, Marie Sturm, Hiroki Tanaka, Fivos Theodosakis, Caner Teker, Tadashi Toyama, Georgi Vlahov, Robin Weuste, Samira Witt, Yi Wu, Yiy Zhang und Vera Zlatic.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH

Am letzten Tag war ich mit der Kamera dabei, traf viele junge, meist unvoreingenommene KünstlerInnen, die sich mit ihren Arbeiten in den großzügigen Räumlichkeiten der Akademie präsentierten. Für viele war es ihre erste kommerzielle Zeigung. Bekanntlich führen die ProfessorInnen ihre SchülerInnen mit dieser Veranstaltung auch an das „Kunstgeschäft“ heran. Ich würde mir eine solche Verkaufsausstellung lieber außerhalb einer Kunstschule wünschen, unabhängig davon, dass manche Preisvorstellungen der AutorInnen eher irritierten als zum Kauf motivierten. Im Hause einer Akademie wirken die Preise „mitgelernt“ und führen die Studierenden zwangsweise zu einem kommerziellen Verständnis ihrer Arbeit. „Draußen“ ist der Markt hart, dafür ungerecht, das lernen die jungen AbgängerInnen noch früh genug. Im Leben nach der Akademie ist dann hinlänglich Gelegenheit, den Marktwert einer Arbeit zu ermitteln, ob mit oder ohne professionelle Hilfe der Kaufleute in den Galerien.

Hier sehen Sie meinen BILDBERICHT:

Alle Fotos des Sommerrundgangs finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN


DIE GROSSE 2019

GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG NRW DÜSSELDORF

MEIN BILDBERICHT

Einige Verantwortliche, Einzelportraits von links oben nach rechts unten: Ausstellungsleiter Michael Kortländer, Tanz-Dramaturgin Anaïs Emilia Rödel, Generaldirektor Felix Krämer, Kunstpreisträger Boris Becker, Kulturdezernent Hans-Georg Lohe und Förderpreisträger Philipp Röcker

Drei der 121 KünstlerInnen: (v.l.n.r.:) Melanie Wiora, „??“ und Dejan Saric

18 Ausstellungsansichten im DETAIL:

Und hier die Skulpturen im Außenbereich auch im Detail:

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Alle Infos zur Ausstellung gibt es auf der Zuhause-Seite vom Kunstpalast und hier.


HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH

BENJAMIN KATZ

Aus der Rubrik ?MEHR SEHEN? – !MEIN TIPP!

Benjamin Katz als Kunstpreisträger in DIE GROSSE NRW, Düsseldorf 2016 © k.enderlein FOTOGRAFIE

In meinen wenigen Begegnungen mit Benjamin Katz (*14.06.1939) ist mir dieser Mann als leise, unaufgeregte, bescheidene und aufmerksame Persönlichkeit in Erinnerung geblieben. Tausende seiner bekannten Fotografien zeugen von einem Künstlerleben im Umfeld anderer KünstlerInnen, seit Mitte der siebziger Jahre, nach einer Zeit als Galerist und Kunstschaffender, immer auch mit einer Kamera in der Hand. Katz „chronikiert“, wie er selbst einmal gesagt hat, seit Jahrzehnten KünstlerkollegInnen, ausschließlich in Schwarz auf Weiß, und immer in einer vertrauten Nähe zu seinen ProtagonistInnen.

Was jetzt aber im Museum Ludwig in Köln an den Wänden hängt (noch bis zum 22.09.2019), sind auf den ersten Blick gänzlich andere bislang unbekannte Motive. Anfang der sechziger Jahre war er 18 Monate in dem Berliner Sanatorium Havelhöhe, um von einer schweren Tuberkuloseerkrankung zu genesen. Während dieses unfreiwilligen Aufenthaltes fotografierte der junge Katz mit seiner Rolleiflex seine Umgebeung, Architektur, Landschaft, Räume mit Menschen. Alles stark linienorientierte quadratische Bilder mit einem hohen Anspruch an formale Ästhetik – und wirklich nicht so ganz anders, als seine späteren Arbeiten, in denen Kunst und KünstlerInnen im Mittelpunkt stehen – nicht nur, weil er durchgängig ablenkende Farben in seinen Motiven auslässt.

Benjamin Katz als Kunstpreisträger in DIE GROSSE NRW, Düsseldorf 2016 © k.enderlein FOTOGRAFIE
Benjamin Katz, „Berlin Havelhöhe 1960/1961“, Ausstellungsansicht Museum Ludwig Köln © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Nicht nur zu der Ausstellung im Museum Ludwig meinen herzlichen Glückwunsch, obendrein ist Benjamin Katz am 14. Juni 2019 achtzig geworden. ke

Alle Fotos meines Besuchs des Museum Ludwig finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museum Ludwig


BESTE FREUNDE

50 Jahre Freundeskreis der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen – 5.6. bis 7.7.2019 im K20 in Düsseldorf

BESTE FREUNDE, v.l.n.r.: Dr. Maria Müller-Schareck, Leopold von Diergardt, Prof. Dr. Susanne Gaensheimer, Robert Rademacher – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Pressetext zur Ausstellung, Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen:

Seit 1969 ist die Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen e.V. ein wertvoller und verlässlicher Förderer des Museums. Mit Ankäufen erweitert der Freundeskreis die Sammlung und hilft bei der Finanzierung von Ausstellungen. Ebenso hat er durch Übernahme eines größeren Teils der Baukosten den für die Kunstsammlung so überaus wichtigen Erweiterungsbau mit Klee Halle und Henkel Galerie möglich gemacht. Museum und Freundeskreis sind seit einem halben Jahrhundert „Beste Freunde„.

Gewürdigt wird dies nun mit einer Präsentation wichtiger Erwerbungen des Freundeskreises, Werken von Amedeo Modigliani, Max Ernst und Francis Bacon, von Ad Reinhard, Robert Rauschenberg, Ellsworth Kelly und Agnes Martin, von Gerhard Richter und Günther Uecker, von Bernd und Hilla Becher, Thomas Struth und vielen anderen.

„In einer Auftragsarbeit von Gerhard Richter aus dem Jahr 1964 ist neben dem Portrait Alfred Schmelas die Schulter von Werner Schmalenbach zu sehen.“ so erläutert Robert Rademacher, der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung NRW, eines der Werke aus der Sammlung, die vom 5. Juni an in Düsseldorf gezeigt werden. In der Henkel Galerie des Erweiterungsbaus des Museums finden sich viele weitere Schätze aus dem Bestand der Sammlung. Und zu fast allen weiß Rademacher amüsierende Anekdötchen zu berichten. Nie sei es einfacher gewesen, finanzielle Unterstützung aus Wirtschaft und Politik für den Erwerb großartiger Kunst zu erhalten, als in Zeiten eines Rudolf v. Bennigsen-Foerder (1971 bis 1989 Vorstandsvorsitzender der VEBA – heute Eon) und eines Johannes Rau (1978 bis 1998 der sechste Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen). „Beharrlichkeit bei der Beschaffung nötiger Finanzmittel war Vorraussetzung erfolgreicher Sammlungsarbeit.“ weiß Rademacher zu berichten. Durch die seit Gründung des Vereins kontinuierlich erhöhten Mitgliedsbeiträge und die großzügige individuelle Unterstützung von Gönnern sei die Gesellschaft aber auch in der heutigen Zeit und zukünftig in der Lage, die Sammlung mit wertvollen Zukäufen zu bereichern. Die dafür zum Teil notwendige Finanzierung durch Banken sei somit durch seriöse Bonität gewährleistet.

BESTE FREUNDE, v.l.n.r.: Dr. Maria Müller-Schareck, Prof. Dr. Susanne Gaensheimer, Robert Rademacher – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Seit nunmehr 50 Jahren fördern die Freunde der Kunstsammlung mit ihren inzwischen knapp 1.000 Mitgliedern die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen sowohl ideell als auch materiell. Dabei geht es in erster Linie um den Erwerb von Kunstwerken, die die Sammlung des Museums maßgeblich erweitern. So haben die Freunde in diesem halben Jahrhundert mehr als 40 bedeutende Bilder, Skulpturen, Fotografien und Videoarbeiten für das Museum sowie unzählige wichtige Bücher für die Werner Schmalenbach-Bibliothek erworben.

Weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite der Kunstsammlung

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN


ALLES FARBE!

Jörn Stoya und die Sammlung des Museum Morsbroich in Leverkusen

Museum Morsbroich Leverkusen, Museumsdirektor und Kurator Fritz Emslander © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Museum Morsbroich Leverkusen, Ausstellungsvorbesichtigung, v.l.n.r.: Künstler Jörn Stoya, Kuratorin Stefanie Kreuzer, Künstler Paco Knöller und Direktor und Kuartor Fritz Emslander © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ja, wirklich alles (in) Farbe, und das mit voller Kraft. Der Künstler Jörn Stoya (*1957 in Lüneburg) hat als Co-Kurator einer farbintensiven Präsentation im Museum Morsbroich wahre Schätze aus der Museumssammlung zusammen mit seinen eigenen Arbeiten an die Wände gebracht. Er selbst bezeichnet sich als Kommunikator im Dialog mit anderen zeitgenössischen KünstlerInnen, mit deren Werken, mit Kunstgeschichte und allem, was Kunst beschreiben und begreifen lässt. So korrespondieren seine eigenen Arbeiten jeweils mit den Werken anderer KünstlerInnen. Aus diesem Dialog entsteht ein Zusammenspiel von zum Teil flirrenden Farben und unübersehbaren Beziehungen.

Unterstützt durch frühsommerliches Licht durch die großzügigen Fenster des Museums und „laute“ Galeriebeleuchtung im Innern strahlen die Arbeiten von Josef Albers, Carl Andre, Arman, Joachim Bandau, Georg Baselitz, Alexander Calder, Bernard Frize, Katharina Fritsch, Rupprecht Geiger, Barbara Hepworth, Alexej von Jawlensky, Donald Judd, Yves Klein, Imi Knoebel, Jeff Koons, Norbert Kricke, Sol LeWitt, Joseph Marioni, Charlotte Posenenske, Fiona Rae, Robert Rauschenberg, David Reed, Oskar Schlemmer, Andy Warhol, Lawrence Weiner und eben von Jörn Stoya und schreien so nach Aufmerksamkeit.

„Stoyas Arbeiten mit ihrer teils flammenden Farbigkeit, der archaisch wirkenden Materialität ohne Pinsel aufgetragener Pigmente, verbindet mit den ausgewählten Sammlungsstücken eine teils puristisch wirkende Klarheit und einen dezidiert bejahenden Zugriff auf die Welt. Das Miteinander gestaltet sich mal harmonisch wie ein Familientreffen oder eine indirekte Hommage, mal wie ein Schlagabtausch. Zusammen schärfen sie unseren Blick auf die unterschiedlichsten Gebrauchs- und Wirkungsweisen der Farbe.“ Dr. Fritz Emslander

Museum Morsbroich Leverkusen, Künstler Jörn Stoya © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Museum Morsbroich Leverkusen, Künstler Paco Knöller © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

PACO KNÖLLER – ZEICHNUNGEN UND HOLZSCHNITTE

Wenn bei Jörn Stoya die Impulse für seine Kreativität aus dem Dialog mit der Kunst, den KünstlerInnen und deren Werke – also mehr von außen – kommen, dann sind es bei Paco Knöller (*1950 in Obermachtal) eher seine Emotionen – also mehr innere Wahrnehmungen -, die ihn bei seinen Werken inspirieren. Man muss den Künstlern nicht persönlich begegnen, um diese interessante Spannung der Gesamt-Ausstellung zu erfahren. Die einzelnen Arbeiten der beiden erklären sich hierin von selbst. In der oberen Etage des Museum Morsbroich wird es durch die Zeichnungsfolgen Knöllers, vornehmlich in feinen Linien, ruhiger aber nicht weniger aufregend. Die zeitaufwendig entstehenden Zeichnungen werden von seinen persönlichen Botschaften bestimmt, die er in Linienform zu Papier bringt. „Behutsam und langsamer werdend bei zunehmender Emotion“, wie der Künstler selbst sagt.

„Knöllers Zeichnungsfolgen, die so poetische Titel wie „Rumoren“, „Wenn Zellkerne zu wandernden Planeten werden“ oder „Lichtsaat“ tragen, sind eng und vielfach miteinander verknüpft. Sie fügen sich zu einem zeichnerisch entwickelten Gedankengebäude zusammen. In ihm ist die Figur – meist in knappen Umrisslinien als Kopf, Hand, Arm rudimentär angedeutet – ein Ort, an den wir uns jeweils begeben können. Sie verweist auf die Erlebnissphäre dessen, der da zeichnet, oder dessen, der die Zeichnung betrachtet und sich darin spiegeln kann.

Um in der Zeichnung einen Denkraum zu öffnen, benötigt es einen spezifischen Zustand der Wachheit und Beweglichkeit in der Wahrnehmung. Knöllers Arbeit an dem Zeichnungszyklus Aufwachraum (seit 2014) ist in diesem Sinne zu verstehen. Sie beginnt damit, der Trägheit und Beschränktheit des eigenen Blicks gewahr zu werden, um die Schlafmaske der Konvention und Selbstzensur ablegen zu können. So wird man empfänglich für das, was man vorher nicht sehen konnte, vielleicht auch für das, was sich dem bloßen Augenschein entzieht, wenn man Knöllers subtilen zeichnerischen Expeditionen folgt.“ Dr. Fritz Emslander

Weitere Informationen finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museums Morsbroich

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN

Weitere Begegnungen mit KUNST|SCHAFFENDEN entdecken Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album KUNST|SCHAFFENDE


AI WEIWEI IN DÜSSELDORF

Als Künstler ein Aktivist – als Aktivist ein Künstler, Ai Weiwei © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE
Klare Worte von Ai Weiwei als politischer Kunst-Aktivist zum Thema menschlicher Krisen © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Everything is art. Everything is politics“ so brachte der international bekannte Gegenwartskünstler Ai Weiwei das Grundprinzip seiner Arbeitsweise auf den Punkt. Dieses Motto „Alles ist Kunst, alles ist Politik“ ist auch Leitmotiv der umfangreichen Ausstellung, die die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bis zum 1. September 2019 zeigt. Im Mittelpunkt steht dabei die enge Verzahnung von politischem Engagement und künstlerischer Arbeit Ai Weiweis. Die Ausstellung mit raumfüllenden Installationen und Werken aus den vergangenen zehn Jahren ist in den beiden Häusern der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20 und K21, zu sehen. Mit seinen regimekritischen Äußerungen gegenüber der Regierung in China und als lange verfolgter Dissident wird Ai Weiwei zumeist als politischer Kunst-Aktivist wahrgenommen, der sich in seinen jüngsten Arbeiten mit Migration als Massenphänomen und Beispiel einer grundsätzlichen menschlichen Krise beschäftigt.

Pro. Dr. Susanne Gaensheimer (links), Direktorin der Kunstsammlung NRW, im Gespräch mit dem WDR © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

„Als Aktivist ist er Künstler und als Künstler ist er Aktivist. Mit dieser Erweiterung seines Kunstbegriffs, bei dem politisches und künstlerisches Handeln nicht zu trennen sind, steht Ai Weiwei sicherlich den Gedanken von Joseph Beuys sehr nahe. Das macht unsere Ausstellung – gerade auch hier in Düsseldorf – so bedeutsam“, erklärt die Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Susanne Gaensheimer.

Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick über Ai Weiweis Schaffen aus vier Jahrzehnten und konzentriert sich auf Schlüsselthemen, die sein Werk seit den 1980er Jahren auszeichnen: die Flüchtlingskrise und das Spannungsfeld von Individualität und Staat. Ai Weiweis Werke entstehen mit dem Grundgedanken der Humanität, sei es beim Erdbeben von Sichuan, der globalen Flüchtlingskrise oder bei Fragen freier Meinungsäußerung. Im K21 ist seine monumentale Arbeit „Life Cycle“ (2018) erstmals in Europa zu sehen. Über 17 Meter misst die fragile, fast transparente Skulptur aus Bambus und Sisalgarn. Sie stellt eine Vielzahl von Figuren in einem Schlauchboot dar, wie es von vielen Geflüchteten bei der lebensgefährlichen Passage über das Mittelmeer benutzt wird. Einige ihrer Köpfe haben sich in Figuren der chinesischen Tierkreiszeichen verwandelt und verweisen metaphorisch sowohl auf das Ausmaß der menschlichen Krise als auch auf den Kreislauf menschlichen Lebens.

„Laundromat“ (2016) entstand vor dem Hintergrund der Geschehnisse im griechischen Flüchtlingslager Idomeni, deren Zeuge Ai Weiwei war, als er seinen abendfüllenden Dokumentarfilm „Human Flow“ (2017) drehte: Die Installation besteht aus Habseligkeiten, die die Bewohner dort zurückließen, als sie 2016 durch die Schließung des Lagers erneut vertrieben wurden. In weiteren Räumen im K21 lässt sich der Werdegang Ai Weiweis anhand von frühen, kaum je gezeigten Arbeiten seit den 1980er Jahren nachvollziehen.

In den großen Ausstellungshallen des K20 sind die beiden Schlüsselwerke „Straight“ und „Sunflower Seeds“ zum ersten Mal überhaupt in ihrem vollen Umfang gemeinsam in einer Ausstellung zu sehen. Auf 650 Quadratmetern breitet sich die spektakuläre Installation „Sunflower Seeds“ (2010) aus: 100 Tonnen handgefertigte und individuell bemalte Sonnenblumenkerne aus Porzellan, hergestellt in der traditionsreichen chinesischen Porzellan-Metropole Jingdezhen. Ai Weiwei untersucht die Rolle des traditionellen Handwerks im Zeitalter von Massenproduktion und Globalisierung. Die Arbeit wurde zuerst 2010 in der Turbine Hall der Tate Modern in London gezeigt und ist in Düsseldorf nun zum ersten Mal wieder vollständig aufgebaut.

Die noch nie zuvor in Europa komplett gezeigte Installation „Straight“ besteht aus 164 Tonnen Armierungseisen, die Ai Weiwei nach dem verheerenden Erdbeben von Sichuan 2008 aus eingestürzten Schulgebäuden bergen ließ. Tausende Schulkinder verloren damals ihr Leben unter den Trümmern. In einem zeitaufwendigen Prozess wurden die verbogenen Stahlstäbe wieder geradegebogen und zu einer Landschaft modelliert. Für K20 hat Ai Weiwei eine neue Anordnung von „Straight“ entwickelt, die das Material aus Sichuan in seiner Gesamtheit präsentiert und seine Ortlosigkeit im globalen Ausstellungsbetrieb betont.

„Everything ist art. Everything is politics.“ Ai Weiwei beseelt beide Häuser der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf – © 2019 k.enderlein FOTOGRAFIE

Ai Weiwei, 1957 in Beijing geboren, wird weltweit als Künstler, Architekt, Kurator, Filmregisseur und Fotograf gefeiert. Als Sohn des berühmten Dichters Ai Qing wuchs er während dessen Verbannung in Nordchina auf und kehrte 1976 mit der Familie nach Beijing zurück. Die während seiner Zeit in New York in den 1980er Jahren gewonnenen Eindrücke von Konzeptkunst und Pop Art, hat er für seine Arbeitsweise fruchtbar gemacht, die auf eine kritische Betrachtung von Kulturgeschichte sowie von chinesischen und globalen gesellschaftlichen Entwicklungen zielt.

Pressetext Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Weitere Informationen gibt es auf der Zuhause-Seite der Kunstsammlung NRW

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Album BEGEGNUNGEN