DIE EMSCHER. BILDGESCHICHTE EINES FLUSSES

Sonderaustellung über den „Revierkanal“ im Ruhr Museum auf Zollverein in Essen noch bis zum 16. April 2023

Über einhundert Jahre diente die Emscher zwischen Holzwickede und ihrer Mündung am Rhein bei Dinslaken als Kloake für Industrie und Wohnbau. Seit 2021 ist die Emscher abwasserfrei und heißt seitdem „Neue Emscher“. Der Weg zu diesem Titel war lang und gliedert sich grob in drei Zeitabschnitte: 1. Die alte vorindustrielle Emscher war im Mittelalter Anrainerstrom für zahlreiche Wasserschlösser und -mühlen. 2. Im 20. Jahrhundert, dem Zeitalter der Siedlungs- und Industrieentwicklung im Rhurgebiet, diente die Emscher vornehmlich als Abwasserkanal . 3. Nach umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen in den letzten zwanzig Jahren durch strategische Maßnahmen der Emschergenossenschaft glänzt die neue Emscher heute geradezu als Naherholungsgebiet.

Diese Zeitabschnitte beleuchtet jetzt die umfangreichste Fotografie-Ausstellung, die es je im Ruhr Museum zu bestaunen gab, sehr eindrucksvoll mit über vierhundert Bildern und neun Filmen. Die Kulisse der Kohlenwäsche, in der die Ausstellung platziert ist, trägt genau wie die zahllosen Fotografien, der Wandteppich, Pläne, Gemälde und 3-D-Animationen zu einer außergewöhnlichen multimedialen Präsentation bei, die Historiker wie Fotografie-Ästheten geleichermaßen zu beeindrucken vermag.

Aus den Pressetexten des RuhrMuseum: DIE GESCHICHTE DER EMSCHER
Wasser hatte im Ruhrgebiet, dem ehemals größten industriellen Ballungsraum in Europa, schon immer eine besondere Bedeutung. Zum einen musste es aus großen Tiefen bis zu tausend Meter nach oben gepumpt werden, um an den Stoff der Begierde des Industriezeitalters, die Kohle, zu gelangen und sie massenhaft abbauen zu können. Über Tage musste das Grubenwasser nicht nur über die bestehenden Wassersysteme abgepumpt werden, sondern diese dienten auch als wichtigste Transportwege für die tonnenweise geförderte Kohle und für die mit ihrer Hilfe erzeugten Produkte der Montanindustrie. Die Hauptprobleme der Wasserwirtschaft waren aber spätestens mit dem Beginn der Hochindustrialisierung die Entsorgung der Abwässer auf der einen und die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser auf der anderen Seite. Dabei handelte es sich bei den Abwässern nicht nur um das Schmutzwasser der damals größten Industrieanlagen in Europa, sondern auch um das Brauchwasser und die Fäkalien einer zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf über fünf Millionen Menschen angewachsenen Bevölkerung einschließlich der für ihre Ernährung notwendigen Nutztiere. Dies stellte eine schier unglaubliche Herausforderung dar, zumal jeder Versuch, das Abwasser wie in anderen Industriegebieten und Metropolen unterirdisch abzuleiten, scheiterte, da die anhaltenden Bergsenkungen das Leitungssystem zerstörten und zu Verseuchungen des Erdreichs führten. Die Folgen waren große Seuchen wie Typhus, Cholera und Diphterie ab Ende des 19. Jahrhunderts mit Hunderten von Toten. Angesichts dieser Situation wurde 1899 die Emschergenossenschaft als Deutschlands erster Wasserwirtschaftsverband gegründet. Was sie anschließend schuf, war eine ingenieurstechnische Meisterleistung: Der Fluss und seine Nebenläufe wurden nach und nach begradigt, die Gewässer eingedeicht und mit Betonsohlschalen befestigt. Vorüber war die Zeit der Seuchen und Überflutungen. Was blieb, war der Gestank eines offenen Abwasserlaufs.

Mit dem Ende des Bergbaus stellte sich die Emschergenossenschaft einer neuen Herausforderung. Das Abwasser wurde aus dem Fluss unter die Erde verbannt. Rund 5,5 Milliarden Euro wurden in den Bau von vier modernen Großkläranlagen, drei großen Pumpwerken und 436 Kilometer unterirdische Kanäle investiert. Diese Arbeiten schaffen heute die Grundlage für die bemerkenswerte Umgestaltung: Die Emscher und ihre Nebenläufe werden wieder zu Habitaten für Pflanzen und Tiere und zum Erlebnis- und Erholungsraum für die Menschen. Die Geschichte des Flusses war und ist also immer auch die der Bewältigung von gesellschaftlichen Herausforderungen. Dabei steht die nächste bereits vor der Tür: Der Klimawandel ist deutlich spürbar. Die Temperaturen in den Städten steigen, Phasen der Trockenheit wechseln sich ab mit Starkregenereignissen.


DAS BILDARCHIV DER EMSCHERGENOSSENSCHAFT
Das kurz nach der Gründung der Emschergenossenschaft (1899) entstandene Bildarchiv gehört zu den bedeutendsten Archiven der Region und umfasst inzwischen 200.000 digitale und analoge Bildeinheiten. Ergänzt wird der Bestand durch einen Fundus aus Luftbildern seit den 1920er Jahren. Es bietet eine einmalige Dokumentation der Wasserwirtschaft im nördlichen Ruhrgebiet von 1906 bis 1966. Insgesamt wurden 40.000 Glasplattennegative in einem mehrjährigen Prozess digitalisiert und 2005 dem Ruhr Museum zur fotokonservatorisch angemessenen Aufbewahrung übergeben.

Alle Fotos der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs im Ordner BEGEGNUNGEN.

Detailinformationen zur Ausstellung hat die Zuhause-Seite des Ruhr Museums zu bieten.


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