DA IST KUNST DRIN

Düsseldorfer Kulturstätten, die bewegen

Das Kulturjahr 2015 hat in Düsseldorf unter anderem mit Günther Uecker schon sehr
spektakulär begonnen und verspricht uns für das laufende Jahr weitere Höhepunkte
in den Museen der Landeshauptstadt.
Rechtzeitig präsentiert der Fotokünstler Karsten Enderlein eine Serie über die
Düsseldorfer Kunstmuseen und Ausstellungshäuser, als wolle er uns in Erinnerung rufen, wie die Gebäude aussehen, in denen wir Kulturereignisse betrachten können.
Seine großformatigen Fotografien zeigen uns vertraute Düsseldorfer Museumsarchitektur, die er in geometrische halbabstrakte Formen verwandelt. Und man darf zuweilen mehrmals hinsehen, um die dem Museumsgänger vertrauten Standorte zu identifizieren.

Man erkennt eine durchgehende Bildsprache, ist dennoch überrascht von der
Unterschiedlichkeit der Motive, die – bei aller Bescheidenheit – variantenreiche
Assoziationen bekannter Künstler hervor ruft: Monets „Kathedrale von Rouen – Das Portal – Morgenstimmung – 1894″ und Lyonel Feiningers „Dom in Halle – 1931“ kommen einem ebenso in den Sinn wie die Fotografien Peter Weselys „MoMa in New York, 2003“
und Thomas Ruffs Serie „L.M.V.D.R. – 2001“.

Der Fotograf verrät uns, dass er mit einer hochauflösenden Mittelformat-Digitalkamera mit extrem kurzer Brennweite zum Teil Minuten lange Belichtungen ohne Stativ aus der Hand arbeitet. Die auf diese Weise entstehenden Unschärfen erinnern eher an Aquarelle oder Zeichnungen als an Fotografien. Darüber hinaus optimiert er seine Motive am Rechner durch Farbreduzierung und hohen Kontrast. Die Bilder wirken trotz ihrer Abstrahierung organisch und unterscheiden sich auch für untrainierte Betrachter von den heutzutage üblichen Motiven mit Filtereffekten eines Photoshop-Artisten.

Enderleins Bilder verraten seine Sensibilität für Formen, Perspektiven und
geometrische Linien. Aber erst seine Liebe und seine Leidenschaft
für die Fotografie machen aus seinen Kompositionen spektakuläre Werke aus Licht,
Form und Farbe. Weil unästhetische Details durch die Unschärfe verborgen bleiben,
erfahren die Gebäude an sich auch ein ungeahntes Maß an Attraktivität.

Die Düsseldorfer Kulturstätten können viel bewegen – Enderlein macht uns mit seinen Fotografien nicht nur neugierig auf das, was in den abgebildeten Gebäuden drin ist, sondern auch auf die Architektur selbst. Ein Grund mehr, mal wieder zum und ins Museum zu gehen.

Klaus Brinkmann, Düsseldorf, im März 2015

CD 418_01_LR_web

CD 418_11_LR_web

CD 427_01_LR_web

CD 418_14_LR_web

CD 427_02_LR_web

CD 418_04_LR_web

CD 419_05_LR_web

CD 418_08_LR_web