69 Selbstportraits von Annegret Soltau, vernäht mit ihrer persönlichen Suche nach ihrem Vater und ihrer Identität – Eine großartige Präsentation im MUSEUM GOCH noch bis zum 30.03.2025.
Inspiriert durch einen Bericht über die Ausstellung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Samstag, 11. Januar 2025, machte ich mich spontan auf den Weg in den Norden meiner Heimat, den Niederrhein. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hielt der niederrheinische Nebel sich hartnäckig den ganzen Tag über. Mein Ziel war die Stadt Goch, eine im Stadtkern über zwanzigtausend Einwohner zählende Gemeinde, kurz vor der Landesgrenze zu den Niederlanden. Wie unser Rheinstrom führte auch die Niers, die sich fließend durch Goch schlängelt, ein beeindruckendes Hochwasser. Unmittelbar an der Niers liegt das Museum Goch.
Das Museum Goch zeigt noch bis zum 30. März die sehr persönliche und beeindruckende Arbeit der Künstlerin Annegret Soltau. Kurz nach dem Krieg 1944 in Lüneburg geboren wuchs sie als uneheliches Kind bei ihrer Großmutter in der Elbmarsch bei Hamburg auf. Über ihren leiblichen Vater erfuhr die in Darmstadt lebende Künstlerin auch von ihrer Mutter nichts. Ihre sie immer begleitende Frage, wer er war, motivierte sie zur Suche nach ihm. Ihre seit 1988 gesammelten Korrespondenzen mit verschiedensten Institutionen und Behörden verarbeitete sie zusammen mit zahlreichen Dokumenten letztlich in der jetzt präsentierten Arbeit.
„Als Ausgangsmaterial für meine künstlerische Arbeit“ erklärte Annegret Soltau 2010, „verwende ich die Dokumente meiner jahrelangen, erfolglosen Suche nach meinem verschollenen Vater. Die Arbeit besteht bisher aus 69 Selbstportraits. In meinem Gesicht habe ich die Original-Briefe der Behörden z.B. Rotes Kreuz, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. oder Deutsche Dienststelle für Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht eingenäht. Somit wird meinen Selbstportraits die ungelöste Schicksalsgeschichte infolge des 2. Weltkriegs förmlich ins Gesicht geschrieben, aber diese förmlichen Antwortschreiben bleiben wie eine leere Stelle in meinem Gesicht, wie ein weißer Fleck.“ – Galerie Anita Beckers, Portfolio Annegret Soltau, Frankfurt a.M. 2010
In den 1970er Jahren entwickelte Annegret Soltau unter dem Eindruck ihrer Arbeitserfahrungen bei einem Unfallarzt die Technik der Fotovernähung. Mittels der Werkzeuge einer Chirurgin operiert sie an den Verletzungen, die sie zuvor den Fotografien durch Zerreißen zugefügt hat. Das Nähen ist als Heilungsprozess zu verstehen. Im Gegensatz zur Collage durchdringt der Faden die verschiedenen Schichten und schafft eine dauerhafte, buchstäblich ins Fleisch gestochene Verbindung. Die Serie „Vatersuche“ ist ein Beispiel für diese Technik. Als einzige materielle Spuren der Existenz ihres Vaters vernäht sie die Dokumente, die sie auf ihrer Suche gesammelt hat, und zeichnet so das unsichtbare Band zu ihm nach.
Annegret Soltau nimmt uns durch ihre Arbeit nicht nur mit auf ihre persönliche Suche nach ihrem Vater. Wir spüren geradezu auch ihre Schmerzen nach, die durch vaterloses Aufwachsen verursacht werden, und den Aufwand, den es bedarf, Antworten zu finden auf die Fragen nach der eigenen Herkunft und der daraus resultierenden Identität.
Meine kleine Reise an den Niederrhein in das Museum Goch war eine äußerst beseelende kurzweilige Erfahrung. Es war auch eine Reise in meine eigene Vergangenheit, vermittelt durch die vertrauten Bilder der grauen Nebel über den winterlichen Wiesen und Wäldern. Und nicht zuletzt: ich war im Museum.
„Jede Sekunde fusionieren rund 600 Millionen Tonnen Wasserstoff zu 596 Millionen Tonnen Helium, und der Massenunterschied von 4 Millionen Tonnen wird als Energie freigesetzt und sorgt dafür, dass die Sonne scheint.“
aus „Die Sonne – Eine Entdeckung“ von Sibylle Anderl und Claus Leggewie, Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2024
Sehen wir die Sonne nicht, ist sie nicht weg, sie scheint dann nur woanders.
Ich wünsche allen LeserInnen LICHTBLICKE für das Jahr 2025
In jüngster Vergangenheit wurde eine Vielzahl von Bildern veröffentlicht, welche die Zerstörung und ihre Auswirkungen in der Ukraine sowie im Gazastreifen dokumentieren. In diesen Regionen wird ein technisch hoch effektiver und grauenvoller Vernichtungskrieg geführt. Die massive Bildberichterstattung im Internet und in den Medien, geradezu in Echtzeit, gewährleistet eine permanente Präsenz in unserem Bewusstsein. Aufgrund der Vertrautheit mit Bildern, die seit der Erfindung der Fotografie in unser kollektives Gedächtnis übergegangen sind, sowie der Kenntnis ihrer Hintergründe, verbinden wir mit ihnen Assoziationen von Krieg, Vernichtung, Tod, Elend, Flucht, Hunger und Verzweiflung. Lässt uns der Blick auf ein zerstörtes Haus durch einen Zaun dann unberührt? Obgleich die Kenntnis darüber vorhanden ist, dass es sich um den Abriss eines asbestverseuchten Bürogebäudes handelt, an dessen Stelle bald ein neues, schöneres Hochhaus errichtet werden wird, wird dennoch unmittelbar eine Assoziation mit Krieg evoziert. Und das, was auf dem Bild durch den Zaun verborgen bleibt, denken wir hier weiter mit Hilfe eigener Erinnerungen an die zahllosen Bilder von zerstörten Städten und Häusern.
Destruktion in Düsseldorf, im Dezember 2024
Bilder lesen lernen heißt am Beispiel dieser Fotografie, dass ich für mein Bildverstehen meine bereits gelernten, wenn auch subjektiven Wahrheiten immer wieder mit dem Gesehenen abgleichen muss, um die Sprache der Fotografie zu verstehen. So begreife ich, was die FotoautorInnen, die hinter den unzähligen kommunizierten Bildern stehen, die ich täglich wahrnehmen kann, mir mitteilen wollen. Bestenfalls lerne ich aber auch, manipulative visuelle Fehlinformationen, irritierende Bildmontagen und Bilder aus ursprünglich anderen Zusammenhängen besser von authentischen Motiven und Hintergründen zu unterscheiden. In sich einer gravierend verändernden Medienkultur der heutigen Zeit bin ich gut beraten, immer wieder aufs Neue die Sprache der Fotografie entsprechend zeitgemäß zu übersetzen.
Mehr ?Kriegsbilder in den SCHUBLADEN meines Archivs finden Sie hier.
Wer meine fotografische Arbeit beobachtet, wird nachvollziehen, warum ich mich vor dem Hintergrund der Werke der britischen Künstlerin Sarah Morris so wohl und motiviert fühle: kräftige und klare Farben, Architekturfragmente, hochglänzende Oberflächen, das Überschreiten von Grenzen der Abstraktion, strengste Geometrie, stringente Konzeption, Raster, das alles sehe ich in den Bildern, mit denen die in New York lebende Künstlerin ihre Werke für mich höchst attraktiv macht. Und ich beginne beim Betrachten sofort, Linien, Formen und Farben im Kopf in Fotografien zu verwandeln und suche mit der Kamera nach einem virtuellen Gitternetz, in das mein Bild hinein passen soll.
Und dann ist da plötzlich meine Assoziation zu einem emotionalen und melancholischen Motiv, dass ich in Sarah Morris‘ Bild wiederfinde: Ein abstrahierter Stadtplan mit Hotspots für neugierige Touristen New Yorks in Form eines Christbaums mit bunten Kugeln. Oh ja, ich erinnere mich, bald weihnachtet es wieder sehr.
Mehr von Sarah Morris im Kunstmusem Krefeld finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs.
Bildbericht vom Arlenser Markt im Juni 2024 – Eine fotografische Fingerübung.
Selbst auf dem Wochenmarkt in Arles erfahre ich die höhere Intensität der Farben in mediterraner Umgebung, wie sie Vincent van Gogh schon über 130 Jahre zuvor wahrgenommen hatte. Dass ich als Lichtbildner van Goghs visionäre Sehweisen heute noch nachvollziehen darf, erfüllt mich mit Demut und ein wenig Stolz.
Die Ausstellungsreihe „Made in Düsseldorf“ der Stadtsparkasse Düsseldorf in Kooperation mit dem NRW-Forum präsentiert Arbeiten von Janice Guy, Martina Sauter, Elger Esser, Anna Vogel, Eileen Quinlan und Frauke Dannert – noch bis zum 27. Oktober im NRW-Forum in Düsseldorf.
Ausstellungsvorbesichtigung für MedienvertreterInnen im NRW Forum Düsseldorf am 12. September 2024 um 11:00 Uhr, pünktlich zum bundesweiten Alarmgeschrille der örtlichen Sirenen und zahlloser Handys in den Taschen der BerichterstatterInnen in der Rotunde des NRW-Forums! Ich war pünktlich, hatte aber meine Hausaufgaben nicht gemacht, wusste also nicht genau, was ich erwarten konnte, und so war ich gespannt auf die Präsentation von „SUPERHEROES“. Und in der lernte ich viel über SuperheldInnen, Batman, Joker, Manga und Anime, und erfuhr eine Schau in insgesamt elf Themenbereichen in einer Vielfalt eines Genres, das mir bis dahin wenig bekannt war. Über 1.600 Exponate hatte der Kurator der Ausstellung und künstlerische Leiter des NRW-Forum Alain Bieber mit seinem Team in eineinhalb Jahren von privaten SammlerInnen zusammengetragen und wirkungsvoll im Erdgeschoss des Hauses zu einer Blockbuster-Ausstellung dekoriert. Und in der kracht es nicht nur für Hardcore-Fans kreischbunt – auch für Nichtexperten, wie mich, lohnt durchaus ein Besuch (vom 13. September 2024 bis 11. Mai 2025).
Nach meiner Vorbesichtigung von „SUPERHEROES“ mit der Kamera freute ich mich dann auf die Fotografie-Ausstellung im Obergeschoss des Backsteingebäudes am Ehrenhof: „LICHT UND SCHATTEN“. Umschalten im Kopf war jetzt angesagt: Nach schrillen und bunten und lauten Impulsen galt es, mich einzustellen auf grafische und monochrome und leise Seherlebnisse, die obendrein großzügig sparsam die Wände der Museumsgalerie zieren. Das gelang mir schnell, nicht zuletzt weil der Saal bis auf die Kuratorin Katharina Wettwer menschenleer war. Die Arbeiten von sechs FotokünstlerInnen hat die Kuratorin aus dem Fundus der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf ausgewählt und vor dem Hintergrund „technischer Grenzen und Möglichkeiten der Fotografie“ zusammengeführt. So erinnern die verschiedenen Materialien der Exponate nicht zufällig auch an die Anfänge der Fotografie, wirken aber auch im mittlerweile digitalen Zeitalter wirksam und nachhaltig: Silbergelantineabzüge, Sofortbilder, Heliogravuren auf Büttenpapier, Pigmentprints mit MDF-Rahmung, Handabzüge, Barytpapiere – vielleicht auch für jüngere BesucherInnen erklärungsbedürftig so ein Begriff wie „Mehrfachbelichtung“. Zwischen 1977 und 2021 entstanden die Arbeiten von Janice Guy, Martina Sauter, Elger Esser, Anna Vogel, Eileen Quinlan und Frauke Dannert, die mich alle bekannten Filter meiner Digitalkameras und Nachbearbeitungssoftware vergessen ließen. Fast eine kleine Reise zu den Anfängen zumindest aber in die Vergangenheit der Fotografie, wo Licht und Schatten die Hauptbestandteile kreativer LichtbildnerInnen waren. Unbedingt sehenswert!
Mehr Wissenswertes und weitere Fakten zu den Ausstellungen finden Sie auf der Zuhause-Seite des NRW-Forum.
Alle meine Bilder beider Ausstellungsvorbesichtigungen finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs.
Anders als das NEGATIV oben waren die Rückmeldungen, die Glückwünsche und die konstruktiven Kritiken zu meiner Ausstellung im Stadtwerke Wasserturm Wesel bislang ausnahmslos POSITIV. Danke für die Blumen.
Das RHEIN|LAND ist noch bis zum 29. September 2024 in Wesel zu besichtigen.
Ausstellungsansichten der Fotoausstellung RHEIN|LAND im Stadtwerke Wasserturm in Wesel (Raum 2.OG und Raum 4 im EG, rechts)
Sollten BesucherInnen den kleinen Katalog zur Ausstellung nicht mitgenommen haben, so ist er hier als pdf-Dokument auch im Download erhältlich. Ebenso für jeden, der noch nicht in der Ausstellung war.
Text und Fotografien von meinem Schulfreund und Kollegen Armin Fischer
Karsten Enderlein präsentiert seine Ausstellung RHEIN|LAND
Der Wasserturm der Stadtwerke Wesel hat in seiner bisherigen Ausstellungshistorie schon so manche besonderen Werke gesehen, aber die Bilderserie des Fotografen Karsten Enderlein ist ganz bestimmt ein besonderes Highlight. Geboren in Wesel, heute in Düsseldorf lebend, arbeitete Enderlein rund 35 Jahre als fotografische Spitzenkraft im Thyssenkrupp Konzern und war sich der Existenz des vielen Wassers am Niederrhein immer bewusst.
Seit 2014 als freischaffender Fotokünstler unterwegs, war das schon in früheren Ausstellungen hervorgehobene Thema Rheinstrom nun endlich an der Reihe konsequent verfolgt zu werden. Rund zehn Jahre umfasst die mehr als imposante fotografische Bilderschau im Stadtwerke Wasserturm in Wesel. Von der Entstehung im Tomasee bis nach Rotterdam sind die wichtigsten Abschnitte geschickt ausgewählt und in cleanen, geometrisch orientierten Farbbildern mit einer ganz besonderen Ästhetik präsentiert. Originalzitat des Machers dazu: „Meine Bilder entstehen im Kopf und ich fotografiere, was ich denke!“
Dazu gehört auch eine besonders ausgiebige Beschäftigung mit dem Thema. So weiß Enderlein zu berichten, dass man heute nach neuesten Ausgrabungen davon ausgeht, dass der Fluss eher 15 als 12 Millionen Jahre alt ist und pro Sekunde an normalen Tagen rund 2200 cbm Wasser an Wesel vorbeifließen. In Zeiten von Rhein-Hochwasser können das auch schon mal die unglaubliche Menge von 6000 sein. Die alt-ehrwürdigen Metallbehälter im Turm hatten damals gerade insgesamt 1000 cbm Vorrat zur Trinkwasserversorgung der ganzen Stadt. Bei diesen Zahlen kam der Geschäftsführer der Stadtwerke Rainer Hegmann aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wer hätte mit diesen Mengen gerechnet?
Der Besuch lohnt sich in jedem Fall, auch Schulklassen könnten damit den Erdkunde Unterricht anschaulich verfeinern, zudem hat der Fotokünstler auch eine ansehnliche Begleitbroschüre erstellt. Insgesamt 5 Fotografien zeigen Weseler Motive, unter anderem die Rheinbadeanstalt kurz vor dem Umbau und sofort kommen Erinnerungen aus der Jugendzeit auf, der Geruch von Sonnencreme, Pommes und nassen Badesachen mit Chloranhaftungen. Der ständig mögliche Blick auf die Schiffe am Fluss war häufig interessanter als das mitgebrachte Buch. arfi
Weitere Informationen zur Ausstellung und zu Enderleins RHEIN|LAND-Projekt findet man u.a. auf folgenden Zuhause-Seiten: k.enderlein RHEIN|LAND, KUNST im TURM,
Der Rhein, an dem ich seit 1956 wohne, arbeite und lebe, war immer für mich ein Faszinosum. Die endlosen Wassermengen, die sekündlich den Strom hinabfließen, dazu das wahrnehmbare Rauschen, die wechselnden Wasserstände, die dem Rhein jedes Mal ein anderes Gesicht verleihen, die je nach Wetter und Jahres- und Tageszeit unterschiedlichen Farben des Wassers, das alles macht diesen Fluss und sein unmittelbares Umland für mich höchst anziehend. Mit zunehmendem Alter lernte ich obendrein, welche historische und wirtschaftliche Bedeutung diese Binnenwasserstraße als Grenze wie auch als Transportweg bis heute hat. Bedeutende Künstler der Malerei und der Literatur arbeiten sich seit Jahrhunderten ab an dieser äußerst beeindruckenden Wasserlandschaft.
Ich erinnere mich, wie wir Kinder Anfang der sechziger Jahre mit meinem Vater, wenn er sonntags frei hatte, bei Hochwasser an den Rhein gingen, um die Wasserwüste zu bestaunen. Meine Faszination für dieses Ereignis ist bis heute ungebrochen.
2014 startete ich meine Expedition mit der Kamera entlang des großen Flusses. Die Impressionen von landschaftlichen, kulturellen und industriellen Alltagsszenen der rheinischen Flusslandschaften von der Quelle bis zur Mündung versuchte ich dabei in Fotografien von linearer Ästhetik zu verwandeln. Geländer, Bojen, Masten, Krane oder Brückenpfeiler bilden ebenso wie Teile von Architektur und anderen ufernahen Bauwerken den vertikalen Inhalt der Bildmotive. Die immer in Bildmitte kreuzende Horizontale beschreibt dagegen das ewig fließende Wasser des Rheinstroms, auf das ich immer wieder den Blick freigebe.
Wenn mich einzelne Themen oder konkrete Fotomotive entdeckt haben, die ich dann umsetze, denke ich meistens sofort an eine wie auch immer geartete Präsentation dieser Werke. Fotografie ist für mich eine Sprache, in die ich meine visuellen Wahrnehmungen übersetzen möchte, und die ich mit anderen teilen möchte. Dabei ist grundsätzlich die Verständnisfrage der Betrachtenden entscheidend: Ist ein Motiv, so wie ich es arbeite, lesbar, so dass alle verstehen, was ich damit ausdrücken möchte?
Gerne würde ich Betrachtende meiner Werkgruppe RHEIN|LAND sensibilisieren für eine Diskrepanz zwischen der Jahrmillionen alten Natur und den heutigen Bedürfnissen des Menschen, den Fluss für seine Zwecke zu nutzen. Mit diesem Anspruch habe ich Fotografien gearbeitet, die eine etwas andere Sichtweise auf ein hinlänglich bekanntes Motiv beschreiben.
Der Arbeit an meiner laufenden Werkgruppe RHEIN|LAND für eine Präsentation vorausgegangen war meine Begegnung anlässlich einer Kunstausstellung im Wasserturm im Januar 2023 mit dem Kulturverantwortlichen der Stadtwerke Wesel GmbH, in deren Besitz das Baudenkmal Wasserturm Wesel ist, Uwe van de Sand. Schnell hatten wir uns angefreundet und einen möglichen Ausstellungstermin verabredet.
RHEIN|LAND – Portrait einer Wasserlandschaft – Ausstellung im Wasserturm Wesel – 31. August bis 29. September 2024
Neben den Öffnungszeiten am Wochenende, an denen ich anwesend bin, ist der Stadtwerke-Wasserturm werktags geöffnet: montags – donnerstags von 09.00-15.00 Uhr und freitags 09.00-12.00 Uhr.
In diesen Tagen erfahren BesucherInnen in meiner Bilderwerkstatt eine hohe Betriebsamkeit: ich bin in den finalen Vorbereitungsmaßnahmen meiner Fotoausstellung in Wesel. Nach etwa zehn Jahren fotografischer Arbeit entlang des Stroms, ein paar tausend Reisekilometer zwischen der Schweiz und der Nordsee, dem Feinrechnen hunderter ausgewählter Rohdateien und den Recherchen zu dem Thema vor und nach den Arbeitsreisen folgten Monate der Konzeption für eine mögliche Präsentation meiner Werkgruppe mit dem Namen RHEIN|LAND.
Nun gilt es, 48 ausgewählte Prints zu drucken, zu passepartourieren und zu rahmen, zehn Dateien für den Druck großformatiger Tafeln auf Hartschaumplatten und Alu-Dibond zu optimieren und mit dem Dienstleister für Digitaldruck zu koordinieren und für einen 44-seitigen Katalog Inhalte, Auswahlmotive und Sachtexte zu liefern. Alles in allem eine Menge Aufwand, der trotz aller Widrigkeiten mir ein Höchstmaß an Freude bereitet. Es gibt für mich als Fotograf nichts was schöner, spannender und befriedigender ist, als Bilder, die ursprünglich in meinem Kopf entstanden für eine interessierte Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Ein Übersetzungsprozess aus Ideen, Impulsen und Erfahrungen in die zweidimensionale Fotografie – mit dem Anspruch an Perfektion und auch nach allen Regeln der Kunst. Wie froh bin ich immer wieder, gerade in den aktuellen Zusammenhängen, mich völlig unbedarft und unvoreingenommen im Alter von 18 Jahren zu dieser wunderbaren Arbeit berufen zu fühlen.
Über das Weseler Wahrzeichen Wasserturm ein Text von der Website „WESEL Tourismus“: Der inmitten der Innenstadt im Jahr 1886 errichtete Wasserturm kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Die technische und architektonische Konstruktion wurde von Prof. Otto Intze, einem bekannten Wasserbau-Ingenieur ausgeführt. Durch Rohrleitungen war der 40 Meter hohe Turm, der als Wasserspeicher diente, mit dem Alten Wasserwerk an der Lippe verbunden. 1923 wurde anstelle eines ursprünglich geplanten zweiten Turms aus Kostengründen nur ein zweiter Behälter unterhalb des ursprünglichen Behälters eingebaut und war damit ein technisches Kuriosum.
Der Turm stand bis zum Inferno des 16. Februar 1945. 1947 wurden der untere, inzwischen wiederhergestellte Wasserbehälter und 1951 auch der obere Stützbodenbehälter wieder in Betrieb genommen. Als er 1979 außer Betrieb genommen wurde, hatte er – abgesehen von kriegsbedingten Unterbrechungen – 93 Jahre seine Aufgabe als wichtiges Glied in der Wasserversorgung Wesels erfüllt.
Seit 1987 ist der Wasserturm im Stadtzentrum technisches Denkmal und Bestandteil der Route Industriekultur. Unter dem Motto „Kunst im Turm“ werden seit 1991 wechselnde Ausstellungen durchgeführt. Ganz aktuell wird der Wasserturm als „Dritter Ort“ unter der Förderung für kulturelle Orte der Kultur und Begegnung im ländlichen Raum weiterentwickelt.
Weitere Informationen finden sich auf den jeweiligen Zuhause-Seiten des Kunstverein Kunst im Turm und meiner Werkgruppe. Alle Fotos der Werkgruppe RHEIN|LAND sind in den SCHUBLADEN meines Archivs hier zu finden. (Obacht: opening time: 8:00 am to 0:00 am CET)
Einen Katalog zum Ansehen und Downloaden findet man in meiner pdf-Büchersammlung.
Im Sanatorium des Klosters Saint-Paul-de-Mausole in Saint-Rémy-de-Provence wurde Vincent van Gogh von Mai 1889 bis Mai 1890 psychiatrisch behandelt.
Der Text zum Thema ist aus dem informativen Buch „Der große VAN GOGH Atlas“ aus dem SIEVEKING VERLAG, 2017
DIE HEIL- UND PFLEGEANSTALT Die Heil- und Pflegeanstalt lag ungefähr anderthalb Kilometer südlich der Stadt Saint-Remy. Sie bestand aus einem Gebäudekomplex, der den Namen Saint-Paul-de-Mausole trug: ein ehemaliges Kloster. Ein idealer Ort also für ein „privates Institut zur Behandlung von Geisteskranken beiderlei Geschlechts“, wie es in einer Anzeige hieß. Der behandelnde Arzt war der Ansicht, dass „Herr van Gogh unter Epilepsieanfällen litt, die mitlängeren Zwischenpausen auftreten“. Deshalb sei es besser, dass er unter Aufsicht gestellt werde. Bereits einen Tag, nachdem er in der Pflegeanstalt angekommen war, schrieb Vincent seinem frisch verheirateten Bruder, dass die Entscheidung, nach Saint-Remy zu gehen, richtig gewesen sei. Er nannte die Anstalt zwar „einen Zoo“,erkannte aber auch, dass die Patienten dort in guten Händen waren. „Obwohl einige hier ernsthaft krank sind, erregt der Wahnsinn in mir inzwischen‘ nicht mehr so viel Angst und Abscheu wie früher“, erklärte er. Er stellte fest, dass „Geisteskrankheit“ eine Krankheit wie jede andere sei, und fürchte sich nun weniger vor der eigenen Situation. Die neue Umgebung werde ihm guttun.
VINCENTS ZIMMER Im ersten Stock im Männertrakt der Anstalt hatte Vincent ein eigenes kleines Zimmer. Es hatte eine „graugrüne Tapete und zwei wassergrüne Vorhänge mit einem Aufdruck aus sehr blassen Rosen, die mit feinen blutroten Linien verlebendigt wurden. […] Durch das vergitterte Fenster blicke ich auf ein ummauertes Kornfeld […], über dem morgens die Sonne in ihrer ganzen Pracht aufgeht. Außerdem habe ich – weil hier mehr als 30 Zimmer nicht belegt sind – ein Extrazimmer, wo ich arbeite.“ Dieses Extrazimmer lag in einem anderen Flügel des Gebäudes und hatte Ausblick auf den Anstaltsgarten.
DIE BÄDER FÜR DIE HYDROTHERAPIE„Ich nehme jetzt zweimal pro Woche ein Bad und bleibe für zwei Stunden, darinsitzen.“, schrieb Vincent an Theo. Die Bäder waren Teil seiner Behandlung, deren offizieller Name „Hydrotherapie“ lautete. Im 19. Jahrhundert war dies eine übliche Behandlungsmethode für psychiatrische Patienten. Man war der Ansicht, dass die Bäder eine beruhigende Wirkung ausübten. Meistens wurden Wechselbäder verabreicht, das heißt, die Patienten saßen abwechselnd im heißen oder kalten Wasser oder wurden nach einem heißen Bad kalt abgeduscht. Bei Vincent schien die Behandlung anzuschlagen, doch hatte sie nicht bei jedem den erwünschten Erfolg, Wie aus seinen Worten über einen über einen neuen Patienten zu schließen ist: „Er ist jetzt kaum ruhiger geworden, obwohl er den ganzen Tag im Bad gesessen hat.“
DER VERLASSENE STEINBRUCH Etwas länger als zwei Monate nach seiner Aufnahme in die Anstalt war es wieder so weit. An einem stürmischen Tag stand Vincent van Gogh am Eingang des verlassenen Steinbruchs bei den Alpilles und malte. Inmitten dieser rauen und wilden Umgebung wurde er plötzlich vom Gefühl tiefster Einsamkeit erfasst und spürte, dass sich ein Anfall ankündigte. Er beendete das Bild aber trotzdem.
VOLLKOMMEN VERWIRRT Zurück in der Anstalt, war er furchtbar verwirrt, und es wurde immer schlimmer. Er aß nicht nur Schmutz vom Boden, sondern auch Paraffin. Er hatte es dem Jungen aus den Händen gerissen, der die Lampen mit dem Brennstoff füllen musste. Weil Vincent aber auch Ölfarbe aß und Terpentin trank, durfte er nicht mehr malen, obwohl er behauptete, dass er das un bedingt müsse, um wieder gesund zu werden. Einen Monat lang verließ er nicht sein Zimmer. Schließlich wurde ihm wieder erlaubt zu malen, doch sollte es noch eine ganze Weile dauern, bis er sich wieder vorsichtig hinauswagte.
„Endlich schreibe ich dir aus Saintes-Maries-de-la-Mer am Mittelländischen Meer. Das Mittelländische Meer hat eine Farbe wie Makrelen, also wechselnd, man weiß nicht recht, ist es grün oder violett, man weiß nicht recht, ist es blau, denn eine Sekunde später schimmert es sogar rosa oder grau.“Vincent van Gogh in Brief 499 an seinen Bruder Theo, 16. Juni 1888
„Jetzt, da ich das Meer hier gesehen habe, fühle ich ganz, wie wichtig es ist, im Süden zu bleiben und zu spüren, daß man die Farbe noch mehr übersteigern muß – es ist nicht mehr weit bis Afrika.“Vincent van Gogh in Brief 500 an seinen Bruder Theo, ~ 5. Juni 1888
Im Frühjahr 1888 schrieb der Maler Vincent van Gogh aus Arles an der Rhône in Südfrankreich an seine Schwester Willemien: „Ich möchte jetzt unbedingt einen Sternenhimmel malen. Oft habe ich den Eindruck, dass die Nacht noch farbenfroher ist als der Tag, in den intensivsten Violett-, Blau- und Grüntönen“. Zu dieser Zeit gab es so gut wie keine originalen Farbfotografien, und doch hatte van Gogh mit seiner Beobachtung der nächtlichen Stimmung in der Provence jene vorausschauende Wahrnehmung, die auch in der Farbfotografie bis heute eine Rolle spielt: Bei Nachtaufnahmen sind die abgebildeten Himmel auf unseren fotografischen Medien blauer, als wir sie in der realen Beobachtung sehen. Der Grund dafür ist kein Geheimnis: Die ersten gebräuchlichen Farbfilme, Kleinbildfilme etwa von Kodak in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, waren vor allem für Amateure gedacht, die auf Reisen oder bei anderen gesellschaftlichen Anlässen meist tagsüber im Sonnenlicht fotografierten. Deshalb gossen die Filmhersteller eine blau-überempfindliche Emulsion auf das Trägermaterial – es entstanden die so genannten Tageslichtfilme, die die Farben der Motive bei Tageslichteinstrahlung knackiger, also kontrastreicher erscheinen ließen. Auch die lichtempfindlichen Bildsensoren unserer Digitalkameras sind heute noch empfindlicher für den Blauanteil des Tageslichts, das sich von Natur aus relativ gleichmäßig aus den blauen, roten und grünen Anteilen des sichtbaren Lichts zusammensetzt.
Schon Vincent van Gogh muss ein ausgeprägtes Gespür für Farben und Farbstimmungen in der Natur gehabt haben, denn er erkannte dieses naturwissenschaftliche Phänomen lange vor der intensiven Nutzung der Fotografie. Es spielte eine wichtige Rolle bei der Suche nach der wirkenden Farbe in seinen Bildern, vor allem in den südlichen Gefilden der meernahen Provence.
Die südeuropäische Lage zum Mittelmeer lässt den Himmel über der Provence auch tagsüber anders erscheinen, als wir es beispielsweise aus dem Rheinland gewohnt sind. Die steilere Sonne um die Mittagszeit lässt den vertrauten blauen Schönwetterhimmel intensiver erscheinen. Außerdem können wir ungewohnte Wolkenformationen beobachten.
Der Blick durch oder über den Sucher in den Himmel regt auf jeden Fall zur fotografischen Aktivität an – nicht nur nachts.
Alle Fotografien des Himmels über der Provence finden Sie hier in den SCHUBLADEN meines Archivs.
Gerne verweise ich abschließend nicht ganz uneigennützig auch auf meine Werkgruppe aus den Jahren 1992 bis 2022 über das Leben und Wirken des niederländischen Malergenies unter https://k-enderlein-vangogh.com/
Das Petit Palais wurde wie das gegenüberliegende Nachbargebäude, das Grand Palais, an der Avenue Winston Churchill für die Weltausstellung 1900 gebaut. Es wurde 1902 in ein Museum umgewandelt. Das von Charles Girault entworfene Gebäude hat die Form eines Trapezes und besteht aus vier Flügeln, die sich um einen halbkreisförmigen Garten gruppieren, der von einem reich verzierten Peristyl begrenzt wird. Dem Architekten gelang eine gelungene Mischung aus traditioneller und moderner Architektur, die sich im natürlichen Fluss der Besucher durch das Gebäude und in den kühnen Öffnungen zu den Gärten der Champs-Elysées und des Innenhofs zeigt. So wird das Museum in Paris auf seiner Zuhause-Seite beschrieben. Bei unserem Rundgang durch die Ausstellungen wurden alle Begehrlichkeiten, die der Text versprach, befriedigt.
Voller Demut bewegten wir uns in vermeintlich viel zu großen Sälen, die wir bislang aus nur aus den Lust- und Luxus-Schlössern der Herrschenden voriger Jahrhunderte kannten. Der fast überwältigende Eindruck bestätigte aber gleichermaßen die Erfahrung, dass Kunstkonsum immer auch mit einem Ort- bzw. Raumerlebnis verbunden sein sollte. Unabhängig von präsentierten Werken Kunstschaffender gehört der Raum drumherum mit zur Erfahrung eines geistvollen Erlebens. Das kann aus Kostengründen nicht immer gut gelingen, ist aber im Petit Palais auf jeden Fall im Eintrittsgeld enthalten, und das auch noch in diesem Sommer kostenfrei.
Die Fondation Vincent van Gogh Arles zeigt erstmals La Nuit Étoilée am Entstehungsort in Arles in einem Cosmischen Rundgang zusammen mit Werken von 78 weiteren KünstlerInnen aus den Jahren 1861 bis 2024.
Van Goghs Sternennacht (Arles 1888), Leihgabe aus dem Pariser Musée d’Orsay, hinter Glas und gut bewacht, ganz rechts Gemälde von Kasimir Malewitch aus dem Jahr 1916
Die Sternennacht, die Vincent van Gogh im September 1888 nur wenige Meter von der Fondation Vincent van Gogh in Arles entfernt zeigt, ist das Ergebnis eines Wunsches, der ihn seit langem begleitete. Im Frühjahr zuvor schreibt er an seinem Freund Émile Bernard: „Ein Sternenhimmel zum Beispiel – das ist etwas, das ich gerne versuchen würde.“ An seine Schwester: „Ich möchte jetzt unbedingt einen Sternenhimmel malen. Oft habe ich den Eindruck, dass die Nacht noch farbenprächtiger ist als der Tag, in den intensivsten Violett-, Blau- und Grüntönen.“
Lange Zeit ist dieses Gemälde Ausdruck der Aufmerksamkeit, die Vincent der Nacht entgegenbringt, eine Neigung, die er entwickelt hatte, als er Gedichte las und die Werke der von ihm bewunderten Maler studierte.
Die Ausstellung in der Fondation Vincent van Gogh erforscht die visuelle Kultur der Zeit, in der die Sternennacht über der Rhône entstand und befasst sich mit der Nähe dieses Werks zu den Werken späterer Künstler. Der erste Teil widmet sich dem Sternenhimmel und der astronomischen Kultur der Künstler, während der zweite die metaphysischen oder spirituellen Hypothesen behandelt, die Van Gogh und andere in seiner Nachfolge beeinflussten.
Der Rundgang durch die Ausstellung lädt dazu ein, zu begreifen, was der niederländische Meister andeutete, als er seinem Bruder im Juli 1888 schrieb: „[…] – aber Du solltest wissen, dass ich mitten in einer komplizierten Berechnung stecke, die dazu führt, dass die Leinwände schnell nacheinander fertig sind, aber lange vorher berechnet wurden. Und wenn die Leute sagen, dass sie zu schnell fertig sind, kannst du ihnen antworten, dass sie sie zu schnell angeschaut haben.“
In insgesamt sieben Kabinetten des Museums inmitten der Arlenser Altstadt können wir 164 Werke von 78 internationalen Kunstschaffenden erfahren und die unterschiedlichsten Arten von Inspirationen durch das Bild van Goghs ergründen. Die Überschriften der einzelnen Sektionen machen neugierig und helfen bei Fragen nach möglicher Interpretation der ausgestellten Arbeiten: „Dunkelheit, Firmament, Kosmos, Astronomische Werkstatt, Lichter in der Stadt, Spiralen des Himmels, Heilige Sternwarten & Pfade der Seele.“
Die Arbeiten folgender Kunstschaffenden sind höchst ästhetisch in gelungener Museumsarchitektur ausgestellt: Juliette Agnel – Jean-Michel Alberola – Dove Allouche – Jean-Marie Appriou – Giacomo Balla – Anna-Eva Bergman – Lee Bontecou – Djabril Boukhenaïssi – Antoine Bourdelle – Charbel-joseph H. Boutros – Victor Brauner – Gillian Brett – Frédéric Bruly Bouabré – Carlo Carrà – Frédéric-Auguste Cazals – Maurice Chabas – Jean Chacornac – Gaëlle Choisne – Mikalojus Konstantinas Čiurlionis – Lucien Clergue – Caroline Corbasson – Camille Corot – Tony Cragg – Gustave Doré – James Ensor – Félicie d’Estienne d’Orves – Hippolyte Fizeau – Camille Flammarion – Robert Fludd – Lucio Fontana – Léon Foucault – Helen Frankenthaler – Gloria Friedmann – Akseli Gallen-Kallela – Augusto Giacometti – Jean-Jacques Grandville – Wenzel Hablik – Thomas Houseago – Victor Hugo – Louise Janin – Eugène Jansson – Vassily Kandinsky – Anish Kapoor – Anselm Kiefer – Paul Klee – Yves Klein – Ivan Klioune – František Kupka – Alicja Kwade – Bertrand Lavier – Kasimir Malevitch – Arturo Martini – Charles Marville – Paul Mignard – Jean-François Millet – Adolphe Monticelli – Mariko Mori – Edvard Munch – Georgia O’Keeffe – Meret Oppenheim – Lioubov Popova – Enrico Prampolini – Ferdinand Quénisset – Odilon Redon – Evariste Richer – Lord Rosse – Raymond Roussel – Warren De La Rue – Franck Scurti – Alexandre Séon – SMITH – Léon Spilliaert – August Strindberg – Bruno Taut – Daniel Tremblay – Étienne Léopold Trouvelot – George Frederic Watts & Vincent van Gogh
Auch die Fotografie kommt in der sehr attraktiven Ausstellung nicht zu kurz. Zwei großartige Werke von Lucien Clergue sind zu entdecken, dem Arlenser, der mit seinem Freund Michel Tournier 1968 das jährlich in Arles stattfindende Fotografie-Festival Rencontres Internationales de la Photographie gründete, das sich mittlerweile zu einer der größten und einflussreichsten Veranstaltungen in Europa entwickelt hat. Assoziationen mit Andreas Gurskys Serie „Bangkok I bis IX“, die 2011 entstand, sind durchaus gerechtfertigt. Bei Clergue sehen wir Sonnenreflexe auf der Rhône (von 1962), die – durch eine mäßige Langzeitbelichtung abstrahiert – oszillieren, wie Physiker sagen würden.
Über Vincent van Gogh, im Zusammenhang mit seinem Werk „Sternennacht“: Er wird am 30. März 1853 in Groot- Zundert in den Niederlanden geboren. Im Alter von 16 Jahren war er bei der Kunsthandelsfirma Goupil & Cie in Den Haag angestellt und arbeitete später für deren Filialen in Brüssel, London und Paris. Da er kein Interesse am Kunsthandel hatte, wandte er sich der Religion zu und trat 1878-1879 als Laienprediger in Belgien auf.
Im August 1880 beschloss er, Künstler zu werden. Er verstand sich als Maler des Alltagslebens, insbesondere der Bauern und Bäuerinnen, und ließ sich unter anderem von Jean-François Millet und Adolphe Monticelli aus Marseille inspirieren. Landschaften und Stillleben bestimmen ebenfalls sein Werk. 1886 entdeckte er in Paris die Kunst des japanischen Drucks und traf sich mit den Künstlern der impressionistischen Bewegung. Van Gogh ist davon überzeugt, dass die Farbe der Schlüssel zur Modernität ist, und zieht im Februar 1888 in die Provence. In Arles kann er inmitten der strahlenden Natur und des hellen Lichts malen.
Aber er möchte auch die Nacht darstellen. Sechs Monate nach seiner Ankunft, im September 1888, schuf er mit La Nuit étoilée eines seiner Hauptwerke. Im darauffolgenden Monat zog Paul Gauguin zu ihm in sein „gelbes Haus“ und verwirklichte damit Van Goghs Traum, in Arles eine Künstlergemeinschaft zu gründen. Ende Dezember endete die Zusammenarbeit nach einem heftigen Streit, in dessen Folge sich Van Gogh selbst verstümmelte. Im Mai 1889 bat der enttäuschte und kranke niederländische Maler um ein Asyl in Saint-Rémy-de-Provence. Dort blieb er ein Jahr lang und setzte seine Suche nach einer ausdrucksstarken, auf Farbe und Pinselstrich basierenden Kunst fort, wobei er unter anderem eine zweite Version von „Sternennacht“ malte. In den 27 Monaten, die Van Gogh in der Provence verbrachte, schuf er über 500 Gemälde und Zeichnungen.
Im Mai 1890 reiste er nach Auvers-sur-Oise, wo er innerhalb von zwei Monaten die letzten 74 Bilder seines insgesamt über 2.000 Gemälde umfassenden Werks malte. Er starb am 29. Juli 1890 im Alter von 37 Jahren.
Alle Informationen zur Ausstellung findet man auf der Zuhause-Seite der Fondation. Der englischsprachige Katalog ist leider zur Zeit vergriffen. Das französischsprachige Exemplar kostet 30,00 Euro zzgl. Versand. Und an dieser Stelle noch ein wichtiger Hinweis für mögliche Provence- und Van-Gogh-Fans, die die weite Reise nach Südfrankreich nicht scheuen: Achtung: Van Goghs Gemälde „Sternennacht“ verlässt die Ausstellung am Abend des 25. August. Die Ausstellung wird bis zum 8. September fortgesetzt.
Alle Fotografien der Ausstellungseröffnung in Arles am 31.05.2024 sehen Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs hier.
Gerne verweise ich abschließend nicht ganz uneigennützig auch auf meine Werkgruppe aus den Jahren 1992 bis 2022 über das Leben und Wirken des niederländischen Malergenies unter https://k-enderlein-vangogh.com/
Aus über 45 Jahren eine Auswahl an Fotografien aus den SCHUBLADEN meines Archivs
MEIN PARIS – BEGEGNUNGEN 05.2024
Ende November 1978: ein Freund bat mich um einen Transport seines in Deutschland gekauften Kühlschranks für seine Wohnung im damaligen Arbeiterviertel um die Rue Saint-Maur im 11. Arrondissement. Eine abenteuerliche Fahrt über die „grüne Grenze“ mit meinem Renault R6 TL – bei Nacht und Nebel, weil wir den Einführungszoll auf Küchengeräte nach Frankreich sparen wollten. Mein erstes Mal in Paris. Seitdem zieht es mich regelmäßig in die französische Metropolregion an der Seine mit heute mittlerweile über zwölf Millionen Einwohnern. Damals wirkte diese riesige Stadt auf mich Landei unheimlich exotisch. So viele Menschen in Bewegung, so viele wunderschöne alte Wohnhäuser und Bauten, so viele Straßencafés, so viel Lärm und so viel Farbe und Farbigkeit kannte ich nicht einmal aus Berlin, und der damals noch existierende Westteil der Stadt war schon eine große Nummer. Die mich fast überfordernden Impressionen wollte ich nicht nur als Erinnerung im Kopf behalten, deshalb war bis heute auf jeder meiner Paris-Reisen die Kamera dabei – zuletzt auf einer Frankreich-Reise im Juni dieses Jahres.
MEIN PARIS – Begegnungen 2024
Ganz Paris scheint ständig in Bewegung. Reisende mit mehr oder weniger Gepäck begegnen einem in der ganzen Stadt, rund um die Uhr. Dem historischen Zentralismus der Pariser Herrschenden ist es geschuldet, dass auf Reisen durch Frankreich, egal ob mit dem Zug, dem Auto oder dem Flugzeug kein Weg an der Metropole vorbeiführt. Als Zug- und Flugreisender muss man dann von einem Kopfbahnhof zum anderen Anschluss-Kopfbahnhof quer durch die Stadt. Also ab in den Untergrund, in die Metro, erste Strecke im Jahre 1900 erbaut. Hier ist dicht gedrängt ein repräsentativer Querschnitt durch die französische Bevölkerung zu beobachten. Alles fährt, alles läuft, und in den Cafés rund um die Bahnhöfe warten alle auf den nächsten Anschluss.
MEIN PARIS – Begegnungen im Untergrund 1993MEIN PARIS – Begegnungen von Porte de Vincennes bis Porte Dauphine 1978, 1989, 2011, 2012
Genügend Raum gibt es in der brodelnden Metropole für die heute so genannte Entschleunigung aber auch. Große und kleine oasenartige Parks bieten nicht nur im Sommer Gelegenheit für Begegnungen oder für einen erholsamen kleinen Schlaf. Denn Paris kann anstrengend sein, auch weil bis zu 16 Millionen ausländische Touristen pro Jahr auf der Suche nach Kultur und Konsum diese beiden Ereignisse pauschal vermischen.
MEIN PARIS – Begegnungen in Pariser Oasen 1984, 1992
Eine Musterwohnung mit dem poetischen Namen „Eve“ stand im Dreck zur Besichtigung, ein Quadratmeter 2.800 Francs. Einige Häuser waren schon bewohnt, sie hatten große Innenhöfe, durch die Passagen pfiff der Wind. In einem Innenhof sah ich auch einen Kinderspielplatz: Er bestand nur aus einem quadratischen Sandkasten, zwanzig mal zwanzig Meter. Zwei Kinder saßen dösend darin. Es gab ein Schnellverkaufgeschäft, das „Quick food“ hieß. An einer Snack-Bar mit Sandwiches und dergleichen stand traurig mit alt-französischen Buchstaben „Brasserie“… La Défense müßte eigentlich Sperrzone sein – weil da die Geheimnisse der technokratischen Welt sich ganz unverschämt verraten. Ein Stacheldraht gehört ringsherum und Schilder „Fotografieren verboten“. Aber die verantwortlichen Unmenschen in ihren menschenwürdigen Umgebungen sind sich schon zu sicher. Geil lassen sie auf den Tafeln vor den Hochhausunterschlupfen ihre Namen leuchten: Bank von Winterthur, Chase Manhatten Bank, Siemens, Esso… Die Architekten und Planer sollen sich inzwischen von ihren eigenen Entwürfen distanzieren, hört man. Was ist das, ein Architekt? Peter Handke: Als das Wünschen noch geholfen hat. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1974
MEIN PARIS – Begegnungen La Défense und Musée d’Orsay 1985, 1993
Peter Handke! 1974! – Seitdem hat sich viel verändert, oder auch nicht? Paris ist viel zu groß und zu komplex, um Unterschiede und Kontraste zwischen Kunst und Kommerz, arm und reich, groß und klein verbergen zu können. So erfährt man immer augenfällige Gegensätzlichkeiten – wie zwischen Tag und Nacht. Dadurch ist kaum Veränderung durch Anpassung sichtbar, denn manchmal sind die Unterschiede einfach zu groß. Dieses Jahr ist Paris ganz im Olympia-Taumel. Nach Roland Garros und der Tour de France ein weiterer Höhepunkt verkommerzialisierter Sportereignisse. Das Paris am Rand kurz vor der Périphérique bietet dennoch Platz für Besinnlichkeit und Abstand, und das ständige Rauschen signalisiert trotzig weiterhin die Lebendigkeit und Vielfältigkeit dieser einzigartigen Stadt.
MEIN PARIS – Begegnungen mit Gegensätzen 1990, 1992
Mein Traum von Paris wird weitergehen. Und ich werde zurückkehren und werde wieder überrascht sein von Neuem wie von Bewährtem. Und ich werde brennen, wieder auf den Straßen Begegnungen zu erfahren, Begegnungen mit Menschen, Situationen und Orten. Kaum eine Reise verändert so stark mein Denken wie eine nach Paris. Und für mein Leben und meine Fotografie finde ich nirgends so viel Inspiration wie in dieser Stadt. Deshalb hoffe ich auf noch viele Begegnungen in meinem Paris.
MEIN PARIS – Begegnungen Dans La Rue 1978, 1985, 1992
Eine Auswahl meiner PARIS-Fotografien finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs an dieser Stelle.
Auf der kürzesten, wenngleich sehr beeindruckenden Kunstmeile des Reviers, dem Dellviertel in Duisburg, findet man neben dem bekannten filmforum auf dem Dellplatz die von Gerhard Losemann betirebene Galerie DU-ART. Diesen Sommer präsentiert Losemann innerhalb seines vertauten Formats „DU/ART-Stiftung Künstlernachlässe“ die Arbeiten von vier FotografInnen. Wir erfahren vier unterschiedliche Themen in vier unterschiedlichen Sprachen der Fotografie: eiskalte Landschaften, Abstraktionen einer Arktis-Reise von Britta Lauer, vergessene Industrie-Orte, die sich ducrh Vernachlässigung renauturieren von Bernd Kritz, abstrahierte Industrie-Details von Maschinen und Produkten von Hartmut Müsseler und Karl Langs (*1932 †2021) „Mars-Landschaften“ aus der Atacama-Wüste Argentiniens kombiniert mit Menschen-Begegnungen aus China.
Kurator Gerhard Losemann im Gespräch mit Gästen auf der Ausstellungseröffnung in der Duisburger Galerie DU/ART
Außen-/Innenansicht der Galerie am Dellplatz in Duisburg
Donnerstags und freitags ist die Galerie zwischen 18:00 und 20:00 Uhr geöffnet. Auf den jeweiligen Zuhause-Seiten von zwei der austtellenden KünstlerInnen finden Sie mehr Informationen über ihre Biografie und ihr Werk.
Der NEWSROOM des LWL-Museum bietet folgenden Text zur Ausstellung:„Fast täglich sehen wir seit 2022 Bilder von Zerstörungen und Angriffen durch die russische Armee, aber Bilder aus Russland selbst sind weitaus seltener. Dafür gibt es viele Gründe, unter anderem die Schwierigkeit, in einem repressiven Umfeld zu arbeiten. Heitmann porträtiert ein Land, geprägt von einem viertel Jahrhundert unter Putins Herrschaft, in dem das Regime alles getan hat, um den Krieg zu verbergen“, erklärt Andreas Suermann, stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe. Und LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger ergänzt: „Nanna Heitmann gibt Einblicke in verborgene Welten. Ihre Bilder lenken den Blick auf die Menschen im Krieg. Sie zeigen Verlust, nationalistische Begeisterung, Spaltung, Wahn, Stolz und Trauer.“
Am 24. Februar 2022 fotografierte Nanna Heitmann die ersten russischen Panzer in der Ukraine. Ihr Foto auf dem Titel des „Time Magazine“ wurde weltberühmt. Seitdem dokumentiert Heitmann den Kontrast zwischen dem realen Geschehen im Krieg und dessen verzerrter Wahrnehmung in der russischen Gesellschaft. Die Ausstellung „Krieg und Frieden“ im historischen Gebläsehaus der Henrichshütte zeigt knapp 50 großformatige Arbeiten, entstanden in den Jahren 2018 bis 2023, größtenteils in Russland und teilweise in der Ukraine.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Fotografien zweier Reisen Heitmanns: einer im Jahr 2018 durch Sibirien und einer späteren Reise, schon in Zeiten des Krieges, in entlegene Winkel Russlands. „Zusammen gesehen lassen sie uns dieses Land ganz und gar entdecken – seine Schönheit, seine Gefahren, seinen Schmerz und seine Lügen“, schreibt Roger Cohen, Kolumnist der New York Times, in einem Text zur Ausstellung. Weiter heißt es dort: „Heitmanns Fotografien stellen die Kernfrage: Wo lauerte in der Abgeschiedenheit und Einsamkeit von vor sechs Jahren die Saat für die militaristische Hysterie, die so vielen jungen Ukrainern und Russen das Leben gekostet hat?“
Nanna Heitmann, geboren 1994 in Ulm, lebt in Moskau. 2019 wurde sie für den MAGNUM-Award nominiert und ist seit 2023 Mitglied der renommierten Foto-Agentur. Mit ihrer Arbeit zu Russlands Krieg für die New York Times wurde Heitmann Mitte Mai als eine von zwei Finalistinnen für den Pulitzer-Preis nominiert. Im Februar 2022 war sie für ein Langzeitprojekt über Menschen und ihre Lebensweisen in Russland unterwegs in der Ost-Ukraine, als die Panzer kamen. „Viele Russinnen und Russen leben seither in einer alternativen Realität. In ihr kämpft die russische Armee in der Ukraine gegen den ‚kollektiven faschistischen Westen'“, so Heitmann.
Alle Informationen über die Ausstellung in Hattingen finden Sie auf der Zuhauseseite des Museums hier.
Rechtzeitig vor den bevorstehenden Sportevents in der Metropole an der Seine sind wir wieder zurück und ich kann, beseelt durch vielfältige Inspiration, folgende Bildberichte ankündigen:
Begegnungen in PARIS
Van Gogh war hier – Maison de santé Saint-Paul
VAN GOGH AND THE STARS – 78 KünstlerInnen & Vincent van Gogh in ARLES
Der Himmel über der PROVENCE
Ein Rundgang im gar nicht kleinen PETIT PALAIS in Paris