EIN SOMMERTAG IM STÄDEL

MONETS KÜSTE – Die Entdeckung von Étretat – Mein Besuch im Städel Museum Frankfurt

Auch Fotografie spielt eine Rolle in der Ausstellung, Ausstellungsansicht mit „Die Welle, 1995“ von Balthasar Burkhard, Silbergelantineabzug auf Aluminium im Anschnitt, © 2026 Karsten Enderlein

In meinem Kalender habe ich das Ende einer Ausstellung markiert, die ich auf keinen Fall verpassen will: „MONETS KÜSTE – Die Entdeckung von Étretat“, bis zum 5. Juli 2026. Die letzte Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen, habe ich ein Wochenende vorher. Da möchte ich meinen Freund Thomas in Pfungstadt treffen. Also fahre ich auf dem Weg dorthin über Frankfurt. Die Meteorologen haben Rekordhitze für Hessen angekündigt. Ich lese, dass verschiede Museen in der Republik kostenfreien Eintritt anbieten, um auch den Seltennutzern von Kunstmuseen ihre klimatisierten Räume zur kurzfristigen Erholung anzubieten. Sicher auch eine Marketing-Aktion, um neue Zielgruppen zu generieren. Soll mir auch recht sein, auch ich genieße bei Außentemperaturen von über vierzig Grad jede Gelegenheit, Körper und Geist ein wenig runter zu kochen. Wenn auch bei ständigem Wechsel zwischen mit Klimaanlagen beseelten Räumlichkeiten und schattenlosen Großstadtpflastern eine laufende Nase droht. Allerdings ist im Städel Museum Frankfurt der Eintritt heute nicht kostenfrei: 19,00 Euro pro Besucher, inklusive der Liebieghaus Skulpturensammlung. Die werde ich aber wegen meines knappen Zeitfensters auslassen müssen. Also als Sommerfrischler rein zu den Impressionisten.

Additiv zur Klimanalge helfen auch die Monets in kühlendem Blau mit schäumendem Wasser gegen Rekordhitze, © 2026 Karsten Enderlein

Seit Mitte letzten Jahres arbeite ich an meinem Fotoprojekt mit dem vorläufigen Arbeitstitel „LICHT UND FARBE in der Normandie – Ein Bildwerk im Spiegel der Impressionisten“. Und seit dieser Zeit versäume ich kaum Gelegenheiten, die Maler des 19. Jahrhunderts und ihre Arbeiten an der französischen Kanalküste zu studieren. Inspiration für meine Bildmotive und entsprechende Motivation hole ich mir neben zahllosen Publikationen eben auch in Ausstellungen zu diesem Thema. So war eine Bilderschau in Freiburg im letzten Jahr überhaupt die Initialzündung für die Idee meiner aktuellen Werkgruppe. Diese frischen, leuchtenden und farbigen Motive in Öl spornen mich an, die Kamera zu nehmen und unter ähnlichen Lichtverhältnissen Bildmotive fotografisch nachzuzeichnen. Meine Arbeitsreisen führten mich bereits nach Le Tréport, Mers-les-Bains, Dieppe, Rouen, Le Havre, Sainte-Adresse, Étretat, Fécamp und Honfleur und alles, was dazwischen liegt. Immer auf den Spuren von Monet, Manet, Boudin, Renoir, Pissarro, Bonnard, Millet, Sisley, Courbet, Turner, Morisot und Co.

Fokussierte LED-Beleuchtung zaubert Lichtreflexpunkte auf die Wellen und in den Wolkenhimmel von Gustave Courbets „Die Woge“ von 1869, © 2026 Karsten Enderlein

Weil ich den Ausstellungskatalog der Frankfurter Ausstellung schon im Winter besorgt habe, ist er bereits durchgearbeitet, und ich habe mich umfänglich angeschlaut. So freue ich mich jetzt auf die Originalmotive der fokussiert beleuchteten Gemälde an den Wänden des Museums. Für meine fotografische Dokumentation suche ich Details in den Ölgemälden, an denen die verwischte, dick aufgetragene Farbe kleine Reflexpunkte produziert: Licht und Farbe, für mich in diesem Zusammenhang ein Brückenschlag zwischen der Malerei der Impressionisten und meiner Fotografie.

Ausstellungsansicht Städel Museum Saal 2, © 2026 Karsten Enderlein

Die Kleidung der Museumsbesucher lässt keine Zweifel an den Temperaturen, die außerhalb der Galerieräume herrschen. Da denke ich an die so genannten Sommerfrischler, die Mitte des 19. Jahrhunderts hordenweise in die Normandie aufbrachen, um sich vom Pariser Hitzestau temporär zu erholen. Eine großformatige Schwarz-Weiß-Fotowand zeichnet dieses Thema sehr schön nach, wenn auch die wohlhabenden Reisenden damaliger Zeit mehr Stoff am Körper trugen.

Hitzegeplagte Museumsbesucher des 21. Jahrhunderts treffen Sommerfrischler aus den 1860er Jahren, © 2026 Karsten Enderlein

Eine bemerkenswerte Duplizität der Ereignisse erfuhr ich abends in meinem Quartier in Pfungstadt 40 Kilometer weiter südlich: Monets an den Wänden meines Hotelzimmers, und die Farben der Normandie im lichtdurchscheinenden Vorhang. Weitere Inspiration reichlich. Ich freue mich auf die nächste Reise in die Normandie.


Auch wenn die Ausstellung in Frankfrurt dem Ende zugeht, lohnt sich ein Besuch auf der Zuhause-Seite des Städel. Alle Bilder meines sommerlichen Besuchs finden Sie in den Schubladen meines Archivs.

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