Das K20 in Düsseldorf zeigt erste umfassende Ausstellung mit Werken der US-amerikanischen Künstlerin Anne Truitt.

Großartige visuelle Impulse nicht nur für Kreative und Bildende, sondern für alle Denkenden. Ich möchte versuchen zu beschreiben, warum mich die aktuelle Ausstellung im Düsseldorfer K20 mit den Werken der US-amerikanischen Künstlerin Anne Truitt (1921-2004) so beeindruckt hat:

Wenn auch etwa 120 Werke der Künstlerin präsentiert werden, in den großen weißen Sälen des Museums verlieren sie sich dennoch ein wenig. Das schafft mir aber Raum, bietet Abstand zu den teilweise grellfarbenen Objekten und fördert obendrein mein eigenes Denken. Ich kann die Räume durchschreiten und erfahre Zeit beim Bewegen zwischen einzelnen Impulsen, muss nicht das Museum einem Ausstellungskatalog ähnlich hektisch durchstöbern. So tritt ein faszinierender Effekt ein: Die Exponate der in den USA längst als Wegbereiterin der Minimal Art geltenden Künstlerin lassen mir beim Betrachten ausreichend Freiraum für eigenes Interpretieren und eigene Fantasien.




Lautstarke monochrome Stelen dürftig im großen weißen Saal gestellt – Weiß-auf-Weiß-Malerei an den Wänden eines weißen Saals sparsam verteilt – farbig leuchtende Arbeiten auf weißem Papier in weißen Rahmen auf weißer Wand, das alles fokussiert meine Konzentration auf ein wenig Form und Farbe. Dieser Minimalismus erfährt meine höchste Aufmerksamkeit und lässt mich sinnen über allgemeingesellschaftliches Handeln in jeder Beziehung, das Essen, das Trinken, das Arbeiten, das Reisen, das Treffen und Begegnen, alles in allem auch verbunden mit unserem menschlichen Bedürfnis nach Konsum jeglicher Art. Wie wäre es, mal etwas wegzulassen, zu minimieren subjektiv auf das wirklich Sinnhafte? In der Ausstellung finde ich Impulse für ein solches Denken. Anne Truitt hilft mir beim Betrachten ihrer Werke, dass wenig sehr viel beuten kann, und so erinnere ich mich an die oft schon geistlose Floskel weniger ist mehr und finde auf einmal, wie richtig sie klingt. Das triggert mich auf angenehmste Weise, und ich kann gedankenversunken noch mehrere Runden durch die Ausstellungsräume drehen.

Wenn die Tochter der Künstlerin Alexandra Truitt über ihre Mutter sagt, sie sei streng, sehr streng gewesen, und hoch konzentriert bei ihrer Arbeit, verstehe ich, dass diese linearen, stringenten, linienorientierten Objekte in der Ausstellung ausgerechnet von einer so beschriebenen Künstlerin stammen. In Perfektion und Strenge gearbeitet, dabei klar und eindeutig, so wirken auf mich alle einzelnen Exponate.

Die Kuratorin dieser umfassenden Retrospektive mit Werken aus 50 Jahren Vivien Trommer (*1986 in Berlin), urteilt als ausgewiesene Truitt-Expertin zu Recht, wie ich finde: „Truitt holte die Bilder von den Wänden, platzierte sie im Raum. Ihr gebührt ein Platz in der Kunstgeschichte.“
Alle Fotografien der Ausstellungsvorbesichtigung vom 26.03.2026 finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs genau hier.
Weitere umfassende Informationen zur Ausstellung und über den handlichen trotzdem umfänglichen Katalog finden Sie auf der Zuhause-Seite des Museums.