SPEICHER II IM RUHR MUSEUM

Interaktives Kunstwerk des Berliner Künstlers Jörg Sasse wird Teil der Dauerausstellung des Ruhr Museums in Essen
Das mobile Depot „SPEICHER II“ mit 512 gerahmten Fotomotiven der 1950er bis 2009er-Jahre, © 2026 Karsten Enderlein

Ich teile an dieser Stelle gerne den Text der Pressestelle des Ruhr Museums, der mir zugänglich wurde bei der Vorabpräsentation für MedienvertreterInnen am 20. Februar 2026:

Besucherinnen und Besucher des Ruhr Museums in Essen entwerfen interaktiv jede Woche eine eigene Ausstellung. Der Berliner Künstler Jörg Sasse (geb. 1962) stellt dem Ruhr Museum für die Dauer von zwei Jahren sein Kunstwerk SPEICHER Il zur Verfügung. Ab sofort ist die Arbeit auf der 17-Meter-Ebene der Dauerausstellung auf dem UNESCO- Welterbe Zollverein zu sehen. Sasse, der von 2003 bis 2007 eine Professur für Dokumentarfotografie an der Folkwang Universität der Künste innehatte, bringt mit SPEICHER Il ein Werk ins Ruhr Museum, das Fotografie, Archiv und Skulptur auf besondere Weise verbindet. Der SPEICHER Il ist nicht nur ein Ausstellungsobjekt, sondern ein Kunstwerk, das durch die aktive Beteiligung der Besucherinnen und Besucher lebendig wird.

Ausstellungsansicht der temporären Präsentation aus dem SPEICHER II, © 2026 Karsten Enderlein

Die Dauerausstellung des Ruhr Museums zeigt auf der 17-Meter-Ebene zeitgenössische Phänomene vor allem in Fotografien. Der SPEICHER Il tritt mit dieser Präsentation in einen offenen Dialog und erweitert sie um eine interaktive Dimension. Der SPEICHER Il ist ein mobiles Depot (Maße 190 x 150 x 90 cm), das von allen vier Seiten zugänglich ist. Dem Prinzip einer digitalen Bilddatenbank folgend ist er quasi ein dreidimensionales, begehbares Fotoarchiv. In ihm sind 512 gerahmte Fotografien aus dem Ruhrgebiet der 1950er- bis 2009er-Jahre untergebracht, welche mithilfe von 56 Kategorien, wie zum Beispiel Alltag, Arbeitsplätze, Bewohner, Innen und Außen, Rituale, Winter, Wohnhäuser oder Zuhause, von den Besucherinnen und Besuchern ausgewählt und kombiniert werden können. Die Fotografien stammen teils aus anonymen Quellen oder fotografischen Nachlässen aus dem Ruhrgebiet, teils [zu fünfzig Prozent] vom Künstler selbst. Aus ursprünglich rund 2.000 Bildern wurde eine Auswahl getroffen und anschließend so bearbeitet, dass sie in ihrer visuellen Erscheinung zusammenwirken.

Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, das Werk nicht nur zu betrachten, sondern aktiv zu nutzen. Ab sofort spricht das Ruhr Museum jeden Donnerstag um 15.30 Uhr eine „Einladung zum Bilderhängen“ aus. Gemeinsam mit einer Gästeführerin oder einem Gästeführer wählen Besucherinnen und Besucher Fotografien aus dem SPEICHER Il aus. Die ausgewählten Bilder werden aus dem Archiv entnommen, neu kombiniert und zu einer eigenen Präsentation zusammengestellt. Anschließend finden sie ihren Platz an der Wand neben dem SPEICHER II. So entstehen immer wieder überraschende Bilddialoge, neue Perspektiven und unerwartete Zusammenhänge – eine Ausstellung im ständigen Wandel, die sich jede Woche verändert. Kuratiert nicht vom Museum, sondern von den Gästen selbst: gemeinsam, persönlich und immer wieder anders.

Museumsdirektor Prof. Heinrich Theodor Grütter zwischen Jörg Sasse, links, und Stefanie Grebe, © 2026 Karsten Enderlein

Museumsdirektor Prof. Heinrich Theodor Grütter: „Der SPEICHER Il ist für mich ein Bildspeicher der kollektiven Erinnerung des Ruhrgebiets – ein Archiv aus vertrauten Szenen, anonymen Momenten und persönlichen Spuren. Dass dieses Werk nun im Ruhr Museum auf Zollverein steht, an einem Ort, der selbst Teil dieser Geschichte ist, verleiht ihm eine besondere Bedeutung: Hier können Besucherinnen und Besucher ihre eigenen Erinnerungen und Assoziationen aktiv mit den Bildern verbinden und ein Bild des Ruhrgebiets immer wieder neu zusammensetzen.

Jörg Sasse bei der Präsentation vor BildreporterInnen, © 2026 Karsten Enderlein

Jörg Sasse, Künstler: Im SPEICHER Il geht es nicht um eine festgelegte Ausstellung, sondern um Möglichkeiten. Die Bilder lassen sich immer wieder neu auswählen und Kombinieren. Dadurch entstehen neue Blickwinkel auf das Ruhrgebiet, die die eigenen Erfahrungen berühren. Das Werk bleibt in Bewegung, weil jede Entscheidung der Besucherinnen und Besucher eine neue Geschichte sichtbar machen kann.“

Stefanie Grebe, Leiterin der Fotografischen Sammlung des Ruhr Museums: „Der SPEICHER Il ergänzt unsere fotografische Präsentation auf der 17-Meter- Ebene auf besondere Weise: Er ermöglicht sichtbar zu machen, wie vielfältig und wandelbar fotografische Bildkombinationen sind. Dass die Besucherinnen und Besucher – nach der Vorstrukturierung durch den Künstler – selbst auswählen können, eröffnet neue Zugänge – und macht die Wirkung von Fotografien unmittelbar erfahrbar.“

Weitere Informationen zu dem Ausstellungsprojekt erfahren Sie auf der Zuhause-Seite des Museums.

Alle meine Fotografien der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs.

Hinterlasse einen Kommentar