Porträtfotografie aus der Sammlung Van der Grinten – Ausstellung im Museum Schloss Moyland, noch bis zum 19.04.2026

Wer das neugotische Wasserschloss Moyland in der Nähe des niederrheinischen Städtchens Bedburg-Hau ausschließlich mit Joseph Beuys in Verbindung bringt, unterschätzt das abwechslungsreiche und umfängliche Ausstellungsprogramm des Hauses. Klar, die Stiftung Museum Schloss Moyland verfügt über die weltgrößte Sammlung des Werks von Joseph Beuys und ist ein Forschungszentrum von internationalem Rang. Obendrein erstrecken sich rund um das Schloss historische Gartenanlagen, die nicht nur in Sommertagen zu ausschweifenden Spaziergängen einladen. Wir hatten aber am Wochenende einen weiteren Grund an den Niederrhein nach Bedburg zu fahren: eine wunderbar in neun großzügigen Sälen gehängte Fotografie-Ausstellung mit rund 380 zum Teil historischen Fotoabzügen zum Thema Porträts, von denen mehr als 300 erstmals öffentlich zu sehen sind.
Gerne teile ich im Folgenden – im doppleten Sinne des Wortes Bedeutung, inhaltlich und formal – den Text zur Ausstellung auf der Zuhause-Seite des Musuems:
Die Ausstellung fügt sich in den Fotografieschwerpunkt der letzten Jahre, mit besonderem Fokus auf Mode- und Porträtfotografie. Sie lädt dazu ein, in die Vielschichtigkeit der Fotoporträts aus der Museumssammlung einzutreten, von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Auf der einen Seite stehen die Repräsentationsporträts von 1860 bis in die 1930er Jahre. Sie zeigen Menschen in der Pose ihrer Zeit. Diese Selbstentwürfe zeigen das Bedürfnis des Bürgertums, der führenden gesellschaftlichen Kraft der Zeit, nach Repräsentation im Bild. Diese Bilder sind nicht nur Zeugnisse individueller Identität, sondern zugleich Dokumente gesellschaftlicher Ordnung, Ausdruck von Status und Selbstverständnis. Sie verweisen damit auch auf den gesellschaftlichen Kontext ihrer Entstehung, der sich im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert spürbar verändert. Ihr Wert liegt in der Nähe zur Realität, im Anspruch auf Authentizität, im Charakter des Sichtbaren als Beleg des Gewesenen.


Etwas freier entfalten sich Porträts späterer Jahrzehnte, 1920 bis in die Gegenwart, die den Schritt ins Künstlerische bewusst ergreifen. Hier wird das Gesicht zur Projektionsfläche, das Abbild zur Interpretation. Mit dem Aufkommen neuer künstlerischer Strömungen und Ausdrucksformen entwickelt sich die Fotografie als selbständiges Medium. Kontraste, Form, Licht und Komposition lösen sich vom rein Dokumentarischen und eröffnen ästhetische Räume, in denen Nähe und Entrückung, Intimität und Abstraktion miteinander verschmelzen.

In einem Zeitraum von 50 Jahren haben die Brüder van der Grinten die Fotografische Sammlung mit über 15.000 Fotografien zusammengetragen, darunter etwa 1300 Porträtfotos.
Folgende Künstler:innen sind in der Schau u. a. vertreten: Ellen Auerbach, Kirsten Becken, Elina Brotherus, Madame d´Ora, Rudolf Dührkoop, Fritz Getlinger, Wilhelm von Gloeden, Ute Klophaus, El Lissitzky, René Magritte, Willy Maywald, Man Ray, August Sander, Georg Schedele, Nadine Schwickart, Katharina Sieverding, Wols.
Kuratiert wurde die Präsentation von Reggy Havekes-van Creij.

Auf der Zuhause-Seite des Museums gibt es weitere umfängliche Informationen zur Ausstellung.
Alle Fotografien meines Rundgangs im Schloss und in der Ausstellung liegen hier in den SCHUBLADEN meines Archivs.