WIE MAN LEBT – WO MAN LEBT.

Dokumentarfotografien von Brigitte Kraemer im Ruhr Museum, Essen – noch bis zum 31.08.2026

Die Fotografin Brigitte Kraemer neben „Am Rhein-Herne-Kanal 2010“, © 2025 Karsten Enderlein

Brigitte Kraemer (*09.01.1954 in Hamm) selbst sagt, der Weg von Hamm nach Herne sei nicht weit gewesen. Und dass sie in Herne bis heute geblieben ist, merkt man nicht nur an ihrem Ruhrgebietsdialekt, sondern auch an den rund 200 jetzt im Ruhr Museum präsentierten Fotografien: eine visuelle Bestandsaufnahme typischen Revierlebens mit all seinen Facetten aus viereinhalb Jahrzehnten.

Brigitte Kraemer erläutert ihre Arbeitsweise vor ihrer „Frauenhaus“-Serie , © 2025 Karsten Enderlein

1982 schloss sie nach ihrem Studium der Visuellen Kommunikation an der Universität Essen mit einem Semester Fotografie – genauer gesagt Bildjournalistik bei Angela Neuke – ihre Ausbildung ab. Das war die Initialzündung für Brigitte Kraemer, sich fortan als freie Fotografien zu befleißigen. Neben Auftragsarbeiten für verschiedene Verlage arbeitet sie bis heute freie Themen. Da sie, wie sie selber betont, mit offenen Augen durchs Leben geht, mangelt es ihr nicht an Impulsen für fotografische Projekte. Die Titel ihrer Fotoreportagen und ihrer teilweise im Selbstverlag erschienen Fotobücher beschreiben scharf ihre Interessensgebiete: „Frauenhaus – Acht Frauen erzählen“ • „Was fehlt, ist einfach Liebe“ – über obdachlose Mädchen • „Die Droge der Armen“ (Lösungsmittelschnüffler in Berlin-Kreuzberg) • „Pommesbuden im Ruhrgebiet“ • „Der Mann und sein Auto“ • Türkische Gärten im Ruhrgebiet“ • „So nah – so fern“ über Migration im Ruhrgebiet • „Die Hindus von Hamm“ • „Friedensengel“ über das Friedensdorf • „Die Bude“ • „Im guten Glauben“ über Religionsgemeinschaften im Ruhrgebiet • „Frauenhaus Herne“ • „Gott im Pott“ • „An der Schwelle. Leben im Frauenhaus“ • „Das große Warten. Flüchtlinge in Deutschland“ • „Mallorca – eine Insel zwei Gesichter“ • „Ein Stück Heimat. Türkische Gärten im Ruhrgebiet“ • „Camper an Lippe, Rhein und Ruhr“ • „Tango ist eine Diva, die manchmal weint“ • „Gambia – ein kleines Land im großen Afrika“ • „KleinGartenLand. Der deutsche Schrebergarten wird international“ • Angekommen. Neue Heimat Deutschland?“ • „An der Ruhr“ • „Wasserwege“ • und jüngst in Vorbereitung: „Kirmes auf Crange“.

Im Interview mit dem Fotokünstler Stefan Dolfen im August 2025 gesteht Brigitte Kraemer bescheiden: „Wenn eine gute Situation entsteht, ohne dass ich etwas dazu beitrage, fotografiere ich. Das ist es, was mich an der Fotografie interessiert. Ich inszeniere nicht, das kann ich auch überhaupt nicht. Wenn die Komposition aus der Situation heraus perfekt ist, bin ich begeistert. Dann erzählt das Bild eine eigene Geschichte.“

v.l. Dr. Thomas Dupke (Kurator), Prof. Heinrich Theodor Grütter (Direktor), Brigitte Kraemer (Fotografin), Stefanie Grebe (ltd. Kuratorin), Giulia Cramm (Kuratorin), © 2025 Karsten Enderlein


Aus dem Pressetext des Ruhr Museums: Seit den 1980er-Jahren dokumentiert die Fotografin Brigitte Kraemer das Leben im Ruhrgebiet. Die neue Sonderausstellung des Ruhr Museums „Wie man lebt -wo man lebt. Dokumentarfotografien von Brigitte Kraemer“ zeigt rund 200 Fotografien Kraemers aus über 40 Jahren: von Menschen aus dem Revier, in der Freizeit und im Alltag, aber auch in schwierigen Lebenslagen. Alle Fotografien sind geprägt von Brigitte Kraemers unverwechselbarem Stil, der nah und unverstellt ist und von einem ganz besonderen Einfühlungsvermögen zu den Fotografierten zeugt.
Mit der Ausstellung präsentiert das Ruhr Museum die dritte und vorerst letzte Schau zu den bedeutenden Fotografinnen des Ruhrgebiets. Nach Marga Kingler und Ruth Hallensleben rückt nun Brigitte Kraemer in den Fokus, deren Werk mit Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung 2022 als Vorlass in das Fotoarchiv des Museums aufgenommen wurde – eine der größten Erweiterungen der Fotografischen Sammlung in der Geschichte des Hauses.
Museumsdirektor Prof. Heinrich Theodor Grütter: „Brigitte Kraemer hat den „Ruhri“, den Typus des Ruhrgebietsmenschen fotografisch geschaffen. Sie hat wie kaum eine andere Fotografin die Lebensfreude, aber auch die Herausforderungen der Menschen im Ruhrgebiet über Jahrzehnte im Bild festgehalten. Dass dieses einzigartige Sozialdokument in der Obhut des Ruhr Museums ist, ist ein großer Gewinn – für die Sammlung und für die Region.“

Alle meine Fotografien der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs.

Weitere Detailinformationen zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des Ruhr Museums, Essen.

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