RUTH HALLENSLEBEN

Bilder im Auftrag. Fotografien von Ruth Hallensleben 1931-1973 – Ausstellung im Ruhr Museum in Essen

Das Kuratoren-Team mit Museumsdirektor Heinrich Theodor Grütter, v.l.n.r.: Thomas Morlang, Giulia Cramm, Stefanie Grebe, Prof. H.T. Grütter und Dr. Thomas Dupke

120 Originalabzüge und neu angefertigte Reprints zeigt die Galerieausstellung im Ruhr Museum Essen von der Industriefotografien Ruth Hallensleben (*1898 – †1977, geb. und gest. in Köln). Aus dem Fundus des Museums, der insgesamt 38.000 Negative und 1.500 Abzüge der Fotoautorin umfasst, sind noch bis zum 24.08.2025 nicht nur die Auftragsarbeiten aus der Schwerindustrie, sondern auch Motive aus den Bereichen Architektur, Landschaft, Reise, Portrait und Werbung zu sehen. Die Motive stammen aus dem Schaffenszeitraum zwischen 1931 und 1973.


Werkszeitschriften der Auftraggeber, vornehmlich aus dem Ruhrgebiet, werden als Belegexemplare in Vitrinen der Ausstellung ebenfalls präsentiert. Sie verdeutlichen den Kommunikationsbedarf und -stil der damaligen Zeit. Im Bereich der (Schwer-) Industriefotografie war Hallensleben als Frau damals eine absolute Ausnahme. Diesen Zustand belegen allerdings noch heute meine Internet-Recherchen nach Industriefotografie-Studios. Da hat sich meiner Beobachtung nach und zu meinem Bedauern immer noch nicht viel geändert. In der Fotoabteilung des Unternehmens, in dem ich selbst von 1975 bis 2014 als Fotograf tätig war, haben wir erst in den 90er-Jahren weibliche Fotografie-Auszubildene eingestellt. Dass es im Betrieb keine Damentoiletten gab, war zumeist die fadenscheinige Erklärung für diese vorurteilige Auffassung. Lediglich das Labor und die spätere Postproduktion waren bis auf eine Ausnahme in den späten 80er-Jahren in unserem Team weiblich besetzt. Den gegenüber den Fotografen schlechtere Bezahlung der Frauen erschwerte obendrein den Wunsch, als Fotografin in der Schwerindustrie zu arbeiten.


Obwohl der opulente, die Ausstellung begleitende Katalog zu diesem Thema eine andere Interpretation artikuliert, nämlich dass Hallensleben ausschließlich aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz bei den ausnahmslos männlichen Auftraggebern hohe Anerkennung erhielt, lässt mich dennoch ahnen, dass es durchaus auch glaubwürdig ist anzunehmen, dass die „Barone“ der Stahlindustrie ein höheres Maß an Vergnüglichkeit bei der Arbeit mit der Fotografin erfuhren, als mit ihren männlichen Kollegen. In meinem Fotografenleben habe ich diese Erfahrung bis weit in die Nullerjahre immer wieder machen dürfen. Damit spreche ich keineswegs der Fotografin Hallensleben ihre fachliche Expertise ab. Die ist deutlich in ihren Bildern zu lesen. Wir sehen durchgängig kontrastreiche, formalästhetische, lineare Bildmotive, die die nicht immer attraktiven Produktionsbetriebe geradezu als Orte der Anmut erscheinen lassen. Das zu vermitteln war ohnedies im Sinne ihrer Auftraggeber.

Das KuratorInnen-Team mit Stefanie Grebe, Dr. Thomas Dupke, Thomas Morlang und Giulia Cramm hat den 240-seitigen Katalog professionell historisch sowie fachlich sehr kurzweilig gestaltet. Zwei Jahre hat das Team intensiv an der Präsentation gearbeitet. Das lohnenswerte Ergebnis ist noch bis zum 24. August dieses Jahres in der Galerie auf der 21-Meter-Ebene des Ruhr Museum zu besehen.

Eingang zur Galerieausstellung im Ruhr Museum auf der 21-Meter-Ebene

Alle Bilder der Ausstellungsvorbesichtigung finden Sie in den SCHUBLADEN meines Archivs hier.

Der empfehlenswerte umfangreiche Katalog ist im Museum für € 29,95 erhältlich. Weitere Information zur Ausstellung finden Sie auf der Zuhause-Seite des Ruhr Museum.

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